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	<title>Was war? Geschichte Archive - Manuscriptum</title>
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	<item>
		<title>Die Entdeckung einer wenig bekannten Kulturlandschaft.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Aug 2024 11:51:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Feldweg, Waldgang: Verortungen]]></category>
		<category><![CDATA[Über den Talleyrand geblickt. Selbstdenker am Werk]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Andrew Stüve hat ein liebevolles Portrait seiner Heimat geschrieben: Mecklenburg. Wir haben ihn nach seinen Beweggründen gefragt. Was verbindet Sie persönlich mit Mecklenburg? Mecklenburg ist &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-entdeckung-einer-wenig-bekannten-kulturlandschaft/">Die Entdeckung einer wenig bekannten Kulturlandschaft.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/stueve_andrew_heller.jpg" alt="" class="wp-image-2591" style="aspect-ratio:0.7338551859099804;object-fit:cover;width:364px;height:auto"/></figure></div>


<p><em>Andrew Stüve hat ein liebevolles Portrait seiner Heimat geschrieben: Mecklenburg. Wir haben ihn nach seinen Beweggründen gefragt.</em></p>



<p><strong>Was verbindet Sie persönlich mit Mecklenburg?</strong></p>



<p>Mecklenburg ist meine Heimat, wie bereits die meiner Eltern und Großeltern. Durch den Umstand, dass ich meine Kindheit und ebenso die Jugend hier zubrachte, wurden mir Land und Leute zunächst zu einer Selbstverständlichkeit, wie alles, womit wir organisch verwachsen. Erst später stieg nach dem Verlassen des vertrauten Bodens meiner Vaterstadt Schwerin, sowohl durch die Distanz und die mit ihr verbundene Einsicht, dass zu einer Landschaft nicht notwendigerweise Seen gehören müssen, als auch durch die gewöhnlichen Reifungsprozesse die Wertschätzung meiner Heimat, deren natürliche Schönheit und Reichtümer mir stetig näher und lieber wurden. Als einen der großen Schätze Mecklenburgs erkannte ich auch endlich seinen kernigen und herzlichen Menschenschlag. Mittlerweile wieder zurückgekehrt, darf ich heute mit meiner Familie die Festtagsruhe des mecklenburgischen Landlebens genießen.<br><strong><br>Warum schreibt man heute noch ein Buch über eine Kulturlandschaft wie Mecklenburg? Was sind für Sie die Früchte solcher „Heimatforschung“?</strong></p>



<p>Beim Verfassen der vorliegenden Arbeit dachte ich glücklicherweise nicht recht an Früchte oder sonstige Zugewinne. Über die Zeit kleinerer privater Studien hinweg wuchs in mir das Bedürfnis, die mir selbst bis dahin völlig unbekannte Geschichte meiner Heimat zu ergründen; die allgemeine nachsichtige Geringschätzung der Kultur Mecklenburgs gab mir zudem den Anreiz, dessen Schätze einmal zusammenzutragen und auszustellen. Da mir eine rein historische Abhandlung zu dröge erschien, stellte ich mit den Eindrücken aus unserer landeseigenen Literatur, einiger Erholungsreisen in verschiedene Landesteile Mecklenburgs und dem persönlichen Austausch mit den Bewohnern ein Länderportrait zusammen, das den Landescharakter offenlegen soll. So fielen gewissermaßen die Früchte zunächst in den eigenen Korb, ich darf jedoch hoffen, dass meine Landsleute und auch Fremde Appetit bekommen und sich an diesem bedienen mögen.<br><strong><br>Der Geist des „alten Mecklenburg“: Ist er auch heutzutage noch lebendig?</strong></p>



<p>Mecklenburg hat sich seit einigen Jahrzehnten stark herausgeputzt und ist äußerlich auch in mancher Hinsicht dem Modernisierungsdrang unterlegen, man sieht es vor allem an den bedeutenden Landstädten. Durchaus finden sich allerdings noch heute jene Merkmale, die schon das alte Mecklenburg gekennzeichnet haben. Im Volke leben noch manche alten Wesenszüge fort, genannt seien beispielsweise die Achtung vor Stand, Beruf und Abkunft, der Respekt vor Besitz und die Anerkennung der Verantwortung, welche dieser mit sich bringt; das dumme Neid-Ressentiment hingegen, hat hier bis heute nie Fuß fassen können. Gegenüber Politik und Obrigkeit besteht noch heute eine weit verbreitete Gleichgültigkeit, wie sie bereits zu Zeiten des Ständestaats im Volke existierte, was Rebellion aber ebenso Komplizenschaft weitgehend ausschließt. Auch der natürliche Instinkt zur Familie hat sich hier, trotz der modernen Hemmnisse des unsäglichen Scheidungs- und Sorgerechts und der enthemmten Liberalisierung des Einzelnen, landläufig erhalten und wird hoffentlich auch die weiteren gesellschaftlichen Experimente überstehen. Die alte norddeutsche, in sich gekehrte Frömmigkeit von einst ist allerdings stark säkularisiert worden, was jedoch kein landestypisches, sondern ein allgemeines Phänomen, insbesondere im deutschen Osten ist.<br><strong><br>Wie muss man sich den „typischen Mecklenburger“ vorstellen?</strong></p>



<p>Was den typischen Mecklenburger betrifft, lässt es sich leicht auf die Werke unseres Fritz Reuters und auf all die Jochen Nüßlers, Müller Voss oder Karl Havermanns verweisen, die man noch heute im Volke antrifft, aber ich möchte mich um eine treffende Antwort aus eigener Anschauung bemühen. Es liegt eine wohltuende, ungeschliffene Art in seinem Auftritt und ein gesundes Misstrauen gegenüber den großen Worten und abstrakten Begriffen ist in ihm wachsam. Er ist von einer eigentümlichen Unbekümmertheit der kommenden Dinge gegenüber erfüllt. Das Gefühl ist ihm sehr kostbar und er trägt es daher nicht leichtsinnig nach außen. Ärger und Wut sind impulsiv und daher genauso rasch vorüber, wie sie aufgestiegen sind. Sein Witz ist derbe, sein Humor schallend und stets geistvoll genug, um auch die Geistesmenschen brechen zu können. Man erlebt ihn eher in fröhlicher Geschwätzigkeit als in anstrengender Mitteilsamkeit.<br><strong><br>Wenn man Mecklenburg näher kennenlernen möchte: Wo fährt man hin? </strong><br><br>Wenn Sie das Meer bevorzugen, dann besuchen Sie unbedingt die Gegend um Doberan, Kühlungsborn und Heiligendamm, sofern Sie sich vom Massentourismus nicht abschrecken lassen. Sie genießen dann beste Strände, den bedeutendsten Kirchenbau des Landes und liebevolle Städtchen in Küstennähe. Wenn Sie für Wanderungen sind, dann kann ich Ihnen die Schweiz empfehlen, zwischen Teterow und Stavenhagen finden Sie überall beste Landschaften dazu, die mit alten Herrenhäusern gespickt sind. Drittens wären da noch die Seenlandschaften, vorzüglich in und um Schwerin oder aber von der Müritz bis zum Plauer See, wo sich Ausflüge auf dem Wasser nach jedem Geschmack machen lassen und die Orte günstige Unterkünfte in bester Lage bieten.</p>



<p><strong>Wir danken für das Gespräch!</strong></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/die-seele-mecklenburgs.html"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="382" height="602" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/die-seele-mecklenburgs-manuscriptum.jpg" alt="" class="wp-image-2596 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/die-seele-mecklenburgs-manuscriptum.jpg 382w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/die-seele-mecklenburgs-manuscriptum-190x300.jpg 190w" sizes="(max-width: 382px) 100vw, 382px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Andrew Stüve: Die Seele Mecklenburgs.</h2>



<p>Eine lustvolle Wanderung durch Geschichte, Gepräge und Gemüt des alten Landes Mecklenburg und seiner Bevölkerung von der Zeit der Wenden, der Besiedlung durch Deutsche und dem Wirken der Hanse über den Dreißigjährigen Krieg und den Ständestaat bis in unsere Zeit. Stüves Streifzüge durch Hügelweiden, Seenplatten und entlang der Ostseeküste eröffnen tiefe Einblicke in Kultur und Lebensart vom Landmann bis zum Landadel. Daneben veranschaulichen auch Charakterisierungen der Städte und ihrer Bürger das Wirken der bedeutendsten Mecklenburger. Durch zahlreiche Abbildungen und literarische Zeugnisse von Zeitgenossen aller Jahrhunderte entsteht vor dem Leser das satte und heitere Bild einer bislang nur wenig bekannten deutschen Kulturlandschaft.&nbsp;</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Fritz Reuter: Das Leben auf dem Lande</h2>



<p>Ut mine Stromtid</p>



<p>Fritz Reuters (1810-1874) Jugend und Studienzeit war geprägt von Konflikten. Weder war er ein guter Schüler, noch entsprach er den Erwartungen seines Vaters. Als dann auch noch sein Feuer für die Republik entbrannte, geriet er ins Visier des Staates. Als Student der Rechte wurde er nach dem Hambacher Fest 1833 in Berlin verhaftet und 1836 wegen Mitgliedschaft in einer als revolutionär eingestuften Jenaer Burschenschaft zum Tode verurteilt. Die DDR trieb einigen Aufwand, um Reuter in die Ahnengalerie prokommunistischer Geister aufzunehmen. Von König Friedrich Wilhelm III. zu dreißigjähriger Festungshaft begnadigt, kam Reuter aufgrund einer Amnestie nach sieben Jahren frei. Es folgte der solide Teil seines Lebens und der Durchbruch als Autor. Seine Zeit als Landwirtschaftseleve („Strome“) auf Mecklenburgischen Gütern, die ihn nach seiner Kerkerzeit und abgebrochenem Studium in eine bürgerliche Existenz zurückführte, schilderte er in seinem in Mecklenburger Platt geschriebenen Hauptwerk&nbsp;<em>Ut mine Stromtid</em>&nbsp;breit, farbig und temperamentvoll &#8211; einschließlich des unvergleichlichen »Entspekters«, ein ungeschulter, aber hochphilosophischer Kopf, lebensklug, weltweise und zu den herrlichsten Sprachschöpfungen beflügelt. Reuter gibt einen &#8211; oft auch kritischen &#8211; Einblick in das Alltagsleben der Landbewohner Mecklenburgs um 1850.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Andrew Stüve: Schwarz und Weiß</h2>



<p>Eine preußische Geistesgeschichte</p>



<p>1947 wurde der Staat Preußen von den vier Besatzungsmächten aufgelöst. „Und gewiß&#8220;, schrieb Hans-Joachim Schoeps, „das alte Preußen, wie es einmal war, ist tot, aber nicht der klassische preußische Geist.&#8220; Doch wo sind sie, die einstigen Tugenden des Ordnungsgeistes, Pflichtgefühls und der Opferbereitschaft? Mögen sie auch verschüttet, verzerrt und diskreditiert sein, erinnert der Autor jenseits der Klischees vom „Alten Fritz“ an dieses wertvolle preußische Erbe &#8211; in vier Porträts zeichnet er das Bild der berühmten Gestalten Moltke, Fichte, Blücher und Hegel, und arbeitet die typisch preußischen Züge im Handeln und Denken dieser Militärstrategen und Philosophen heraus. Sein Buch wird so zum Plädoyer für eine sittlich-mentale Renaissance: Denn gerade von diesem Erbe, von der Erneuerung der Idee Preußen kann auch eine revitalisierende Kraft für Deutschland ausgehen, in dem Hysterie, Verantwortungslosigkeit und Selbstsucht an der Tagesordnung sind.</p>



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<p></p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Rom-Idee als treibende Kraft der abendländischen Entwicklung.</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-rom-idee-als-treibende-kraft-der-abendlaendischen-entwicklung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Aug 2024 07:35:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Feldweg, Waldgang: Verortungen]]></category>
		<category><![CDATA[Über den Talleyrand geblickt. Selbstdenker am Werk]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das neue Buch von Dr. Frank Lisson, »Rom im Banne deutscher Identität« , folgt der Entwicklung der Rom-Idee im Abendland und stellt ihren Einfluß insbesondere &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-rom-idee-als-treibende-kraft-der-abendlaendischen-entwicklung/">Die Rom-Idee als treibende Kraft der abendländischen Entwicklung.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/435x627_lisson.jpg" alt="" class="wp-image-2571" style="aspect-ratio:0.7338551859099804;object-fit:cover;width:364px;height:auto"/></figure></div>


<p><em>Das neue Buch von Dr. Frank Lisson, »Rom im Banne deutscher Identität« , folgt der Entwicklung der Rom-Idee im Abendland und stellt ihren Einfluß insbesondere auf die deutsche Geschichte dar. Der Hang der Deutschen zur Latinität war zwar zunächst an die kirchliche Überlieferung gebunden, spätestens aber mit Aufblühen des Humanismus in Deutschland immer stärker an einem römisch-heidnisch-antiken Bezugsrahmen ausgerichtet.</em> <em>Dr. Lisson beleuchtet Gründe und Folgen davon und zeigt in seiner fulminanten Studie, dass wir auch heute noch an die ethnische und geistige Substanz unserer geschichtlichen Tradition anknüpfen können.</em></p>



<p><strong>Lieber Dr. Lisson, nach Ihrer voluminösen Studie <em>Griechentum und deutscher Geist</em> haben Sie nun eine Art Ergänzung oder Erweiterung vorgelegt, die das deutsche Verhältnis zum Römertum betrifft. Warum erschien Ihnen das notwendig?</strong></p>



<p>Wer die verhängnisvolle Entwicklung des Abendlandes samt dessen heutigen Auflösungsbestrebungen verstehen will, muss bei der Frage nach der Beschaffenheit der geistigen Grundlagen dieser Kultur ansetzen. Und tatsächlich enthält besonders die deutsche Antikenrezeption eine Menge Hinweise auf das von Anfang an gestörte Verhältnis der postantiken Europäer zu sich selber; Ansätze zur Erklärung der kulturellen Dauermisere mit allen ihren politischen Folgen nach 1900, die bisher kaum beachtet worden sind. Neben dem aufschlussreichen Phänomen der deutschen Sehnsucht nach Hellas, spielt die kulturelle Abhängigkeit von Rom für die Tragik der »deutschen Seele« eine ebenso schwerwiegende Rolle wie die religiöse Abhängigkeit vom Judentum: ein Aspekt, den ich in einem dritten Teil, <em>Abendland und Orient</em>, als Abschluss jener deutsch-europäischer Herkunftsproblematik zu erhellen versuche. Denn die kulturellen Fundamente, auf denen das Abendland und die deutsche Bildung basierten: Judentum, Römertum, Griechentum, waren nicht nur aufgrund ihres »Adoptionsverhältnisses« von Beginn an extrem brüchig. Dieser komplizierte Bau brach bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in sich zusammen und löste dadurch jene geistigen Eruptionen aus, die in die heutige Selbstauflösungsmentalität geführt haben. &nbsp;&nbsp;</p>



<p><strong>Wie schon im <em>Griechentum</em> haben Sie nun auch im Rom-Buch tiefe Einblicke in die Bemühungen der deutschen Altertumswissenschaft um Identitätsbildung gewährt und dabei anhand reichhaltigen, zumeist kaum bekannten Quellenmaterials zugleich das Scheitern dieser Bemühungen aufgezeigt. Wie erklären Sie sich, dass trotz der vielen gewichtigen Gedanken, die beide Bücher enthalten, das <em>Griechentum</em> bisher quasi ohne Resonanz geblieben ist?&nbsp;</strong></p>



<p>Zum einen liegt das sicher daran, dass Bücher, die in »alternativen« Verlagen erscheinen, auch nur von »alternativen« Medien wahrgenommen werden, wo jedoch leider oft das Interesse an kulturpsychologischen Hintergrundanalysen, vielleicht auch die nötige Kennerschaft fehlt. Es ist freilich sehr zu bedauern, dass selbst in konservativen Kreisen die Bereitschaft stark geschwunden zu sein scheint, sich mit substantiellen Fragen der deutschen Bildungs- und Kulturgenese gründlicher auseinanderzusetzen. Dadurch wird es umso schwieriger zu verstehen, <em>was </em>in solchen Büchern überhaupt gesagt wird und welche Not dazu geführt hat, sie zu schreiben.&nbsp;&nbsp;</p>



<p><strong>Im Rom-Buch stellen Sie viel mehr Gegenwartsbezüge her als im <em>Griechentum</em>, wodurch das Buch in seinen Aussagen »aktueller« erscheint.</strong></p>



<p>Ja, im <em>Griechentum</em> findet sich vorrangig der Zeitraum zwischen 1760 und 1860 behandelt, also die Phase der eigentlichen deutschen »Gräkomanie« in ihrer ganzen Intensität, die, so plötzlich sie begonnen hatte, auch wieder erlosch. Der Rom-Gedanke greift dagegen viel weiter in die deutsche Geschichte, da er nicht nur (wie die Liebe zu Hellas) die Bildung erfasste, sondern über das Lateinische als Kirchen- und Wissenschaftssprache, aber auch als <em>Translatio imperii</em> deutlicher im Gesamtbewusstsein verankert war. Darum hat er sich auch als verhängnisvoller erwiesen. Roms stellte das Zentrum des Christentums dar, die neuhumanistische Begeisterung für Hellas gewissermaßen das Gegenstück dazu. Als Reaktion auf Rom war der Protestantismus entstanden, also der Antrieb zur deutschen Philosophie und Philologie, den beiden großen »Unruhestiftern«, schließlich auch Desillusionierern und damit Wegbereitern in den übermodernen Nihilismus.&nbsp; &nbsp;</p>



<p><strong>Woran liegt es, dass die einstige überragende Bedeutung des Altertums für die deutsche Bildung und Kultur aus dem allgemeinen Bewusstsein so gut wie verschwunden ist?</strong> <br><br>Das hängt sicher mit der Verdichtung der Zeiterfahrung und dem Ereignisreichtum des 20. Jahrhunderts zusammen. Da die digitale Informationsflut niemand verkraften kann, will jeder alles sofort wissen, sich aber nichts selber erarbeiten. Oft fehlt es schlicht an Konzentrationsvermögen, aber auch an Neugier. Man beschränkt sich darauf, vor allem das zu erfahren, was man ohnehin schon weiß. Und wenn dies auch noch mundgerecht und pikant gewürzt serviert wird – umso besser. Die Beschäftigung mit den großen kulturgeschichtlichen Hintergründen erfordert dagegen Geduld und führt zu weit vom Tagesgeschehen weg, das in sich schon komplex genug ist. Selbst für die meisten Konservativen hat ein Traditionsbruch stattgefunden: größere Zusammenhänge interessieren dort am wenigsten, wo sie zu unerwünschten Ergebnissen führen könnten. Dabei vergisst man gern, dass die deutsche Altertumswissenschaft und Philologie die Herzstücke jener deutschen Bildung waren, der man heute so oft nachtrauert. Doch wer die Reste des Abendlandes schützen will, sollte wissen, woran es zugrunde gegangen ist.</p>



<p><strong>Wir danken für das Gespräch!</strong></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/rom-im-banne-deutscher-identitaet.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="703" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-703x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2579 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-703x1024.jpg 703w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-206x300.jpg 206w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-768x1119.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-1054x1536.jpg 1054w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-1405x2048.jpg 1405w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-scaled.jpg 1756w" sizes="auto, (max-width: 703px) 100vw, 703px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Frank Lisson: Rom im Banne deutscher Identität</h2>



<p>Geschichte eines Verhängnisses.</p>



<p>Das Buch folgt der Rom-Idee in ihrem Werdegang. Fast sämtliche der herausragenden deutschen Geistesmenschen zwischen 1750 und 1900 strebten nach der Größe einer Existenzform, die ihnen zufolge jenseits abendländischer Verbundenheiten und Herkunftslinien lag, nämlich in einem Land, das mit der »Seele« zu suchen sei, wo es »ganz anders« zuging als im »modernen« Europa, wo also nicht nur die vermeintliche »edle Einfalt und stille Größe« herrschten, sondern auch und vor allem die Vornehmheit unverdorbener Mentalität, wie sie nur in antiken, griechisch-römischen Vergangenheiten sichtbar geworden sei.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Frank Lisson: Griechentum und deutscher Geist</h2>



<p>Anatomie einer Sehnsucht.</p>



<p>Ab dem 18. Jahrhundert wurde unter deutschen Neuhumanisten die Idee zur Forderung erhoben, daß es einen höheren menschlichen Sinn jenseits des bloß Utilitaristischen und Opportunen geben müsse. Und man meinte, daß diese Forderung oberste pädagogische Priorität zu genießen habe. Darin bestand die vielleicht bedeutendste deutsche Mission zum Wohle Europas, die freilich von vornherein zum Scheitern verurteilt war.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Frank Lisson: Die Natur der Dinge</h2>



<p>Über das Wesentliche.</p>



<p>Was weiß der Mensch über den Menschen? Was weiß Natur über sich selber? Was wissen die Dinge voneinander? &#8211; Wo die Welt für den Menschen bloß die Kulisse seiner Bedürfnisse und Phantasien abbildet, sie für ihn vor allem der Schauplatz seiner eigenen Überlebensstrategien und der Aufenthaltsort zum Ausleben primärer Instinkte ist, erscheint es umso notwendiger, einmal rigoros nach der Natur der Dinge zu fragen.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Frank Lisson: Mythos Mensch</h2>



<p>Eine Anthropodizee.</p>



<p>Jeder Mensch ist in sich selber ein einziger geschlossener Mythos. Und folglich ist er es auch allen anderen. Die Welt stellt sich ihm dar als eine große, alles Mögliche umfassende Erzählung, worin seine Individualität gar nicht vorkommt, weshalb er sich in das große Weltgedicht erst selbst hineinerzählen muss &#8211; und die Fabeln seiner Schöpfung gleich mit. Durch den Willen zur Mythologie wurde der Mensch zugleich das Produkt seiner Mythen; eine Verbindung, die sich immer fester knüpfte, je mehr der Mensch in seinen Geschichten vom Menschen aufging. Denn das Erzählen der Welt fängt die Welt nicht ein, sondern bildet sie nur ab &#8211; und sieht ihr hinterher.&nbsp;</p>



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<p></p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-rom-idee-als-treibende-kraft-der-abendlaendischen-entwicklung/">Die Rom-Idee als treibende Kraft der abendländischen Entwicklung.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hesperialismus statt technokratischer Cäsarismus!</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/hesperialismus-statt-technokratischer-caesarismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Aug 2022 10:31:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>im Gespräch mit Dr. Philipp Bender. Die Europäische Union sieht der Jurist Philipp Bender als „Antriebswelle“ einer globalistischen Weltwirtschaftsordnung. Die EU-Eliten würden deshalb auch nicht &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/hesperialismus-statt-technokratischer-caesarismus/">Hesperialismus statt technokratischer Cäsarismus!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>im Gespräch mit <em>Dr. Philipp Bender</em>.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/Philipp-Bender-070-klein-1024x819.jpg" alt="" class="wp-image-2341" width="512" height="410" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/Philipp-Bender-070-klein-1024x819.jpg 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/Philipp-Bender-070-klein-300x240.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/Philipp-Bender-070-klein-768x614.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/Philipp-Bender-070-klein.jpg 1400w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></figure></div>



<p>Die Europäische Union sieht der Jurist Philipp Bender als „Antriebswelle“ einer globalistischen Weltwirtschaftsordnung. Die EU-Eliten würden deshalb auch nicht davor zurückschrecken, die von ihnen selbst geschaffenen Paragraphen zu ignorieren, um so auf Biegen und Brechen das wacklige Konstrukt der gemeinsamen Währung zu retten. Wo führt das hin? Und vor allem: Welche Alternative gibt es für Europa? Im Gespräch mit Manuscriptum skizziert Philipp Bender, einer der Autoren von <a href="https://www.manuscriptum.de/europa-aeterna.html">„Europa Aeterna“</a>, eine hesperialistische Wende, die sich das Ziel setzen sollte, eine „Verfassung für die Ewigkeit“ zu schaffen.</p>



<p><strong>Manuscriptum: Sehr geehrter Herr Dr. Bender, Anfang des neuen Jahrtausends sind die ersten Versuche, Europa eine Verfassung zu geben, krachend gescheitert. In mehreren Staaten fiel diese Idee bei den Bürgern in Volksentscheiden durch. Warum wünschen Sie sich dennoch eine neue Verfassung für Europa?</strong></p>



<p><strong>Dr. Philipp Bender: </strong>Im Frühsommer 2005 scheiterte dieser „Vertrag über eine Verfassung für Europa“ als technokratisches Eliten-Projekt von EU-Europa. Schon der sperrige Name weist auf seinen gouvernementalen und völkerfernen Charakter hin. Die geistige Grundlegung für neuartige Verfassungsinitiativen besteht darin, ebendiese EU nicht mit Europa zu verwechseln, wie das landläufig propagandagesättigte Zeitgenossen leider zu tun pflegen.</p>



<p>„Europa“ nenne ich die Einheit eines in langer gemeinsamer Geschichte gereiften kulturellen Bewusstseins, wobei sodann ein Weg über das (Selbst-)Bewusstsein zum Willen führt. Meine Europakonzeption ist also keine exklusiv-geographische, sondern eine kulturelle wie aber auch voluntaristische. Nicht jeder Erdenbürger, der sich selbst gerne als „Europäer“ sähe und womöglich noch dem Appell zu irgendwelchen abstrakten und nur angeblich universalistischen Werten wie Freiheit, Demokratie, Gleichheit oder Menschenrechten Folge leistet, wird jedoch dadurch zum europäischen Menschen.</p>



<p>Wenn es also den Willen zu einem europäischen Gemeinwesen gibt, dann sollten in einer rechtsverbindlichen Verfassung die Grundaussagen und Grundlagen festgeschrieben werden, also insbesondere zum Institutionengefüge oder zu Rechtsetzungs- bzw. Verwaltungskompetenzen in einer neu zu schaffenden Konföderation. Diese basale Ordnungsfunktion einer Verfassung ist unerlässlich. Gleichzeitig muss sich mit dem Verfassungsdokument darüber verständigt werden, aus welchem Selbstverständnis heraus, zu welchem Zweck und mit welchen Zielen überhaupt der trans- oder supranationale Zusammenschluss gesucht wird. Ohne den Text zu überfrachten und kulturell-kitschig, also „überkandidelt“ zu werden, sollte ergründet werden, worin ein überstaatlicher, europäischer Gemeinsinn besteht. Grundsätzlich sollte es Anspruch sein, eine Verfassung für die Ewigkeit zu schreiben – auch wenn uns natürlich die Geschichte lehrt, dass kein Verfassungskonstrukt ewig Bestand hat.</p>



<p>In diesem Sinne sind die EU-Verträge, die übrigens die wesentlichen Inhalte der 2005er-Verfassung mit dem Vertrag von Lissabon aufgenommen haben und gerne als „europäisches Verfassungsrecht“ bezeichnet werden, keine Verfassung, sondern eher ein permanenter Integrations- und Fortschreitungsauftrag. Das „Immer enger“ (<em>ever closer union</em>, Art. 1 des EU-Vertrags) kennt nur Dynamik, keine Finalität und erst recht keinen „Endzweck“. Die Integration, was nichts anderes als ein unersättliches Kompetenzraffen auf EU-Ebene meint, wird zum ausschließlichen Selbstzweck der Union. Dezentralität und Subsidiarität bleiben fromme, aber letztendlich naive Wünsche.</p>



<p>Ein Gründungsdokument für eine neuartige europäische Konföderation, für das David Engels mit seiner Präambel den Aufschlag gemacht hat, sollte Integrationszweck und -grenze final und imperativ beschreiben. Zuständigkeiten sollten zwischen Konföderation und Mitgliedstaaten abschließend zugeordnet sein und der Grundsatz der Subsidiarität muss oberstes, ja „heiliges“ Strukturprinzip werden.</p>



<p><strong>Bis Mai lief die sogenannte „Konferenz zur Zukunft Europas“. Laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gab dieses Forum jungen Europäern die Möglichkeit, auf Augenhöhe mit der EU-Führung eigene Visionen voranzubringen. Was halten Sie von diesem Projekt? Sollte in ähnlicher Weise eine Verfassung erarbeitet werden?</strong></p>



<p>Diese „Zukunftskonferenz“ richtete sich nicht ausschließlich an junge Europäer, aber Sie haben völlig Recht, dass immer behauptet wurde, es würde hier vor allem die Stimme der europäischen Jugend erhört werden. Offenbar sollte das besonders „innovativ“ oder „progressiv“ wirken.<strong></strong></p>



<p>Die Idee, der „Stimme der Europäer“ im EU-Staatenverbund mehr Gehör zu verschaffen, stammte ursprünglich von Präsident Macron, wurde aber bereitwillig – und wohl im Gegenzug für ihre Wahl – von der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Sommer 2019 aufgegriffen. Über eine digitale Plattform, nationale wie europäische Bürger-Panels und schließlich eine Art „parlamentarische Versammlung“ (Plenary) sollten Europäer Reformvorschläge einbringen können und diese debattieren. Vorangetrieben wurde das Ganze vor allem durch die Kommission und das Europäische Parlament, die sowohl über den gemeinsamen Vorsitz als auch über ein sogenanntes „Executive Board“ den entscheidenden Einfluss auf den Konferenzverlauf nahmen.</p>



<p>Insgesamt betrachtet blieb das Interesse der EU-Bürger aber eher überschaubar. So haben auf besagter digitalen Plattform nur etwas mehr als 50.000 Menschen mit Ideen und Diskussionsbeiträgen mitgewirkt, was 0,017 % der erwachsenen Gesamtbevölkerung aller EU-Länder entspricht. Mitglieder von einzelnen Panels wurden von einer privaten Agentur per Zufallsprinzip entlang soziologischer Kriterien wie Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildungsstand etc. ausgewählt, eingeladen und auch inhaltlich betreut. Im Plenary saßen dagegen weit überwiegend Berufspolitiker der EU- wie auch der mitgliedstaatlichen Ebene, also ohnehin abhängigkeitsbedingte Pro-Europäer.</p>



<p>Das Projekt der Zukunftskonferenz verwechselte dabei in stupender Beschränktheit Repräsentativität mit demokratischer Legitimation. Nicht ein einziges Organ oder ein einzelner Teilnehmer dieser Konferenz wurde – in dieser konkreten Funktion – von den EU-Bürgern demokratisch gewählt. Das ganze Spektakel fußte auf einem angemaßten, weil außerrechtlichen „interinstitutionellen Mandat“ von Kommission, Parlament und Rat, was einem Putsch von oben gleichkommt. Zwar sind die Ergebnisse der Konferenz nicht rechtsverbindlich und sie ersetzt (offiziell) auch nicht die für Vertragsänderungen bzw. Rechtsetzung zuständigen EU-Institutionen. Doch Kommission, Parlament und auch Rat haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme dazu verpflichtet, sich an die Vorschläge der Zukunftskonferenz zu halten und diese umzusetzen. Der Output-Gedanke bleibt zentral.</p>



<p>Es ging im Kern darum, an den Mitgliedstaaten – den eigentlichen „Herren“ der EU – vorbei eine Art partizipatorische „Bottom-up-Demokratie“ anzuerkennen, die den EU-Verträgen jedoch völlig fremd ist. Die (ohnehin defizitäre) demokratische Legitimation der Union wird wesentlich über die in ihr zusammengeschlossenen Nationalstaaten vermittelt. Wie gesagt, hielten insbesondere Kommission und EU-Parlament sämtliche organisatorischen Zügel in der Hand und machten auch ganz konkret inhaltlich-programmatische Vorgaben.</p>



<p>Besonders übergriffig war die sogenannte „Konferenzcharta“ ausgestaltet, der jeder Teilnehmer im Vorhinein zwingend zustimmen musste. Hier wurde jeder dazu angehalten, „unsere europäischen Werte“ aus Artikel 2 des EU-Vertrags zu achten, also „Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte, einschließlich der Rechte von Personen, die Minderheiten angehören“. So weit, so gut. Doch es schloss sich die vielsagende Aussage an, dass diese Werte „ausmachen“ – im Sinne von „bestimmen“ – was es bedeutet, „Europäer/in zu sein“. Die Wertehypertrophie der EU maßt sich mittlerweile unverblümt an, festzulegen, wer Europäer ist und wer nicht. Nur wer sich diesen Werten und ihrer immer haltloseren Auslegung durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) bedingungslos unterwirft, gilt dem EU-Regime noch als Europäer.</p>



<p>Das ganze Schauspiel hatte eher etwas von einem technokratischen Cäsarismus, in dem von oben vorgegebene ideologische Zielsetzungen lediglich alibi-direktdemokratisch abgenickt wurden. Die Debatten waren von der EU-Führungsriege zu keinem Zeitpunkt als tatsächlich ergebnisoffen oder frei konzipiert, sondern hatten sich in engen programmatischen und weltanschaulichen Bahnen zu halten. Wir werden sehen, wie die Institutionen der Union in Zukunft mit den Ergebnissen dieser Konferenz umzugehen gedenken. Zusammenfassend betrachtet, taugt dieser nicht legale, pseudo-demokratische und zentral gelenkte Popanz nicht als Blaupause für eine zukünftige Verfassungsinitiative.</p>



<p><strong>Warum waren bisher weder die EU noch ihre Vorläufer seit den 1950er-Jahren in der Lage, sich eine eigene Verfassung zu geben? Sehen Sie darin einen Geburtsfehler oder wäre nicht zumindest nach der Deutschen Einheit ein solcher Schritt naheliegender gewesen, als eine gemeinsame Währung aufzubauen?</strong></p>



<p>Glaubt man Historikern und eingeweihten Zeitzeugen, war ja gerade die deutsche Zusage zu einer gesamteuropäischen Währungsunion die Bedingung unserer Nachbarn, um der deutschen Wiedervereinigung zuzustimmen.</p>



<p>Dennoch bleibt Ihre Frage berechtigt: Seit den Anfängen der „Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ (Montanunion) in den 1950er Jahren blieb das Projekt der transnationalen Integration auf dem europäischen Kontinent konzentriert auf wirtschaftliche Fragen, insbesondere solche des gemeinsamen Binnenmarktes. Es ging den beteiligten Staaten darum, gegenseitige Kontrolle und Regulierung der bedeutsamsten Industrien zu ermöglichen; damals zwecks Friedenssicherung und heute im Namen des alles dominierenden Endkampfes gegen den Klimawandel. Sämtliche Verträge von der Montanunion über die Europäische(n) Gemeinschaft(en) bis hin zur heutigen Wirtschafts- und Währungsunion regeln Fragen des gemeinsamen Binnenmarktes und hierauf bezogener Grundfreiheiten, der Zollunion, des Wettbewerbs zwischen Unternehmen und Fragen staatlicher Beihilfen. Der einzelne EU-Bürger ist im Lichte dieses sogenannten „Primärrechts“ vor allem Wirtschaftsteilnehmer, etwa als Arbeitnehmer, Dienstleistungserbringer oder -empfänger, Unternehmer oder Kapitalinvestor.</p>



<p>Mit gutem Recht wird der EU eine allzu ökonomiezentrierte, ja neoliberale Schlagseite attestiert. An einer tatsächlichen Verfassung, die den Namen verdient, können Neoliberalismus und Globalismus auch kein Interesse haben. Wäre der Europäer nicht nur losgelöster Marktakteur, sondern wahrer „Verfassungsbürger“, so hieße das ja zum Beispiel, dass er sich gegenüber der staatlichen oder auch überstaatlichen Hoheitsgewalt auf verfassungsrechtlich verbürgte Grundrechte berufen könnte oder ihm spiegelbildlich Grundpflichten auferlegt wären.</p>



<p>Nach verbreiteter Dogmatik folgen aus den Grundrechten auch Schutz- und Leistungspflichten, die den nationalen wie supranationalen Grundrechtsadressaten dazu anhalten müssten, die übelsten Verwerfungen eines globalen Turbokapitalismus von seinen Bürgern und Völkern fern zu halten oder zumindest abzumildern. Man denke etwa an eine effektive Finanzmarktregulierung, Arbeitnehmerschutz, Zölle und Protektionismus, Regeln zum Umwelt- und Artenschutz oder auch allgemein an das Mammutprojekt der De-Globalisierung – das fürchten die Marktenthusiasten natürlich seit jeher wie der Teufel das Weihwasser!</p>



<p>Sieht sich die derart imprägnierte EU also lediglich als Puzzlestück – oder gar als Antriebswelle – einer maximal „freien“, das heißt deregulierten Weltwirtschaftsordnung, dann wird sie sich natürlich davor hüten, sich mit (im besten Sinne) konstitutionellen Rechtsregeln zu binden. Der globale Neoliberalismus liebt ausschließlich das Offene, Flexible, Vorläufige, Veränderbare, Dynamische und Quantifizierbare. Alles qualitativ Verfasste und Abgeschlossene ist ihm immanent fremd – es sei denn, festgeschrieben werden lediglich seine Zugriffs- und Verfügbarkeitsprivilegien.</p>



<p>Wir sehen, dass selbst das EU-Primärrecht als liberalistische Marktordnung noch über den Haufen geworfen werden muss, wenn es etwa darum geht „den Euro zu retten“ und die Transfer- und Schuldenunion weiter zu vertiefen. Der kurzatmigen EU-Politik sind <em>de facto</em> keinerlei rechtliche Bindungen auferlegt und der EuGH wird auch die frechste Vertragsverletzung noch als rechtskonform durchgehen lassen.</p>



<p><strong>Damit die Verfassung keine leere Hülle werde, müsse es zunächst eine europäische „Identitätsgemeinschaft“ geben, betonen Sie in Ihrem Aufsatz für das Buch </strong><a href="https://www.manuscriptum.de/europa-aeterna.html"><strong><em>Europa Aeterna</em></strong></a><strong>. Wie soll das unter den gegenwärtigen Bedingungen gelingen können? Oder etwas konkreter gefragt: Politische Gemeinschaften sind bisher – historisch betrachtet – ausschließlich im Krieg gegen einen gemeinsamen äußeren Feind zusammengewachsen. Kommt uns also der Krieg in der Ukraine gerade sehr gelegen?</strong></p>



<p>Dieser bellizistisch anmutende Erklärungsansatz, jedenfalls mit diesem Ausschließlichkeitspostulat, liegt mir ganz fern. Die Verteidigung oder der Krieg gegen einen einmütig als „Feind“ Markierten schärft ein bereits vorhandenes Bewusstsein für eine Schicksalsgemeinschaft und der gemeinsame Kampf fordert – im positiven Sinne – den Glauben und das Vertrauen in die Gemeinschaftlichkeit heraus, wenn Solidarität, Opferbereitschaft, Altruismus und Heldenmut buchstäblich eine Frage von Leben und Tod werden.</p>



<p>Natürlich mag man zu dem Schluss kommen, der jahrhundertelange Kampf beispielsweise gegen den expansiven Islam, sei er als Reconquista der iberischen Halbinsel, durch die Kreuzzüge, in der Seeschlacht von Lepanto oder vor der Toren Wiens geführt worden, habe die europäischen Völker erst „zusammengeschweißt“. Dennoch muss es vor dem eigentlichen Waffengang immer etwas Existentes geben, das die zu bestehenden Kämpfe erst zu <em>gemeinsamen</em> und den Feind zu einem <em>gemeinsamen</em> werden lässt. Das Gefühl von Zusammengehörigkeit oder jedenfalls von Gemeinsamkeit und eine Mindestsolidarität müssen erlebt worden sein, bevor man mit vereinten Kräften in den Kampf geht.</p>



<p>Unser hesperialistisches Selbstverständnis müssen wir schon selbst finden. Dabei hilft uns keine äußere Bedrohung – von welcher Macht auch immer. Nach meinem persönlichen Europaverständnis gedieh und gedeiht unser maßgeblicher Kulturraum auf dem Humus der lateinischen Christenheit, sodass ich sowohl hinter die ostkirchlich geprägte Ukraine als auch hinter das orthodox-cäsaropapistische Russland eher ein Fragezeichen setzen möchte. Ich halte es da mit <a href="https://www.manuscriptum.de/politische-schriften-1919-1926.html">Oswald Spengler</a>, der die „russische Seele“ von der (späten) „seelischen Einheit“ des Westens, also der abendländischen Zivilisation unterschied. Übrigens soll auch der Außenminister Sergei Lawrow angeblich ein eifriger Leser von Spenglers Werken sein.</p>



<p><strong>Herr Dr. Bender, vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>



<p></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/europa-aeterna.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/07/22062_Cover-Europa-Aeterna-JPEG-657x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2335 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">David Engels: Europa Aeterna</h2>



<p>Was ist Europa? Hat unsere Zivilisation noch eine Zukunft? Und wer will sich überhaupt noch für ihr Überleben einsetzen?</p>



<p>Als Valéry Giscard d‘Estaing 2003 sein Projekt einer europäischen Verfassung vorlegte, forderten seine Kritiker, daß sämtliche Verweise auf die konstitutiven Identitätsschichten der Europäer gestrichen werden. Es blieb eine Liste beliebig interpretierbarer „universaler Rechte“, die auch von zahlreichen außereuropäischen Nationen geteilt werden können.</p>



<p>Der vorliegende Band mit Beiträgen namhafter europäischer Intellektueller gründet auf dem Gedanken des Hesperialismus, das heißt der Notwendigkeit eines geschichtsbewußten abendländischen Patriotismus.</p>



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<p></p>



<p></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zurück zum ewigen Europa!</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/zurueck-zum-ewigen-europa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Jul 2022 08:41:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel. Nach großen Katastrophen wie dem Zweiten Weltkrieg ist ein Neuanfang nur möglich, wenn Traditionen geglättet werden. Das heißt: In der Stunde Null &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/zurueck-zum-ewigen-europa/">Zurück zum ewigen Europa!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>von <em>Felix Menzel</em>.</p>



<p></p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/07/Flag_of_the_European_Coal_and_Steel_Community_6_Star_Version.svg_-1024x682.png" alt="" class="wp-image-2332" width="512" height="341" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/07/Flag_of_the_European_Coal_and_Steel_Community_6_Star_Version.svg_-1024x682.png 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/07/Flag_of_the_European_Coal_and_Steel_Community_6_Star_Version.svg_-300x200.png 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/07/Flag_of_the_European_Coal_and_Steel_Community_6_Star_Version.svg_-768x512.png 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/07/Flag_of_the_European_Coal_and_Steel_Community_6_Star_Version.svg_-700x465.png 700w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/07/Flag_of_the_European_Coal_and_Steel_Community_6_Star_Version.svg_.png 1280w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></figure></div>



<p>Nach großen Katastrophen wie dem Zweiten Weltkrieg ist ein Neuanfang nur möglich, wenn Traditionen geglättet werden. Das heißt: In der Stunde Null muß die Vergangenheit und das Beharren auf politischen, ideologischen und kulturellen Nuancen zurücktreten. Die schreckliche Vergangenheit muß ihre Dominanz verlieren, indem sich aus einer Erschöpfung heraus auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt wird.</p>



<p>In der Nachkriegszeit gelang es Westeuropa – bedingt durch die weiter schwelende Bedrohung durch den Kommunismus – sehr schnell, einen solchen Minimalkonsens zu finden. Er bestand aus Antitotalitarismus, einem substanzarmen, christlichen Pragmatismus, der Katholiken und Protestanten vereinte, sowie Liberalismus amerikanischer Prägung. Die CDU verkörperte diesen Geist am meisten, während die SPD unter dem Vorsitzenden Kurt Schumacher nationale Selbstbestimmung und ein „Europa der gleichberechtigten, freien Völker“ favorisierte.</p>



<p>Für Deutschland hatte diese Vergangenheitsvergessenheit den Vorteil, zügig mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau beginnen zu können. Für die anderen westeuropäischen Nationen hatte sie indes den Vorteil, dass sie zunächst <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/sklaverei-und-fake-history/">Kolonialmächte</a> bleiben konnten und ihr Engagement in Afrika nach 1945 zum Teil sogar ausbauten. Aus geopolitischen Gründen hat Europa schließlich gar keine andere Wahl, als Rohstoffe entweder aus Asien (<a href="https://www.manuscriptum.de/programm/politik-gesellschaft-wirtschaft/deutsch-russische-nachbarschaft.html">Rußland</a>/China) oder Afrika zu beziehen. Nebenbei: Die Erzählung von der Europäischen Union als „Friedensprojekt“, besiegelt durch die Friedensnobelpreis-Verleihung 2012, beinhaltet allein schon aufgrund der blutigen Kämpfe der europäischen Kolonialmächte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr Schein als Sein.</p>



<p>Doch zurück zum Kern: Die Vergangenheitsvergessenheit, die notwendig war, um in der Stunde Null eine neue Gemeinschaft zu schmieden, hatte auch einen entscheidenden Nachteil: Sie mußte früher oder später in eine obsessive, hypermoralische Vergangenheitsbewältigung umschlagen, weil der Vorwurf einer bisher lediglich oberflächlichen Beschäftigung mit der eigenen Geschichte und den eigenen Verbrechen nicht gänzlich unberechtigt war.</p>



<p>Wohin all das geführt hat, ist bekannt: Europa mangelt es an militärischer Unabhängigkeit. Aus Angst vor eigener Stärke versteckt es sich im Schatten Amerikas. Die Europäische Union entwickelte sich derweil zu einem sanften bürokratischen Monster und zerstört durch Schuldenvergemeinschaftung die verbliebenen ökonomischen Schwergewichte.</p>



<p>Die Frage bleibt: Wäre es nach 1945 möglich gewesen, Europa auf einem anderen, einem besseren Fundament wiederaufzubauen? Oder ist das Träumerei, die beste Lösungen anstrebt, obwohl gerade konservative Skeptiker lehren, sich mit „Vizelösungen“ und „zweitbesten Möglichkeiten“ (Odo Marquard) zufriedenzugeben, da andernfalls die Gefahr droht, sich in einem Fundamentalismus zu verirren? Marquard betonte auch, daß <a href="https://blog.manuscriptum.de/was-war-geschichte/das-diktat-der-modernitaet/">Modernisierungen</a> „grundsätzlich traditionsneutral“ operieren. Ist die Europäische Union also tatsächlich alternativlos gewesen?</p>



<p>Es bringt nichts, über die Vergangenheit zu lamentieren. Es ist so, wie es ist. Und Vergangenheitsvergessenheit ist bekanntlich eine Notwendigkeit, um einen Neuanfang wagen zu können. Von daher, nur Mut den roten Faden der Europäischen Union zu durchschneiden!</p>



<p>Diesen Mut bringen die Autoren des neuen Sammelbandes <a href="https://www.manuscriptum.de/programm/neuerscheinungen/europa-aeterna.html"><em>Europa Aeterna</em></a><em> </em>zweifelsohne auf. Ihr Ansatz ist es dabei, der jüngeren Vergangenheit ihre Dominanz zu nehmen und stattdessen viel weiter zurückzuschauen auf über zweitausend Jahre europäische Kultur.</p>



<p>Aus meiner Sicht besonders zu empfehlen sind</p>



<p>+ der Aufsatz von Philipp Bender über die „Notwendigkeit einer Verfassung“,</p>



<p>+ die Überlegungen von Heinz Theisen über die „Gegenseitigkeit von Kultur und Zivilisation“ sowie zur „Nahraumsolidarität“ als Ausgleich der Globalisierung,</p>



<p>+ die Herleitung von <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/naechster-akt-im-europaeischen-asyl-drama/">Chantal Delsol</a>, warum ein Staat auf Ewigkeit eingerichtet werden muß, um sowohl den Toten als auch den eigenen Nachkommen eine Stimme in der Demokratie zu geben,</p>



<p>+ die Erklärung von Andreas Kinneging zum „guten Leben“ eines Europäers, das nur zurückgewonnen werden könne, wenn mit der Tradition der „Lustmaximierung und Schmerzminimierung“ gebrochen werde, sowie</p>



<p>+ die Betrachtung der „Selbstübertreffung“ durch Herausgeber <a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/e/engels-david.html/">David Engels</a>.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><em>Bild: Flagge der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Die Sterne stehen für Belgien, Frankreich, Westdeutschland, Italien, Luxemburg und die Niederlande.</em></p></blockquote>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/europa-aeterna.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/07/22062_Cover-Europa-Aeterna-JPEG-657x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2335 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">David Engels: Europa Aeterna</h2>



<p>Was ist Europa? Hat unsere Zivilisation noch eine Zukunft? Und wer will sich überhaupt noch für ihr Überleben einsetzen?</p>



<p>Als Valéry Giscard d‘Estaing 2003 sein Projekt einer europäischen Verfassung vorlegte, forderten seine Kritiker, daß sämtliche Verweise auf die konstitutiven Identitätsschichten der Europäer gestrichen werden. Es blieb eine Liste beliebig interpretierbarer „universaler Rechte“, die auch von zahlreichen außereuropäischen Nationen geteilt werden können.</p>



<p>Der vorliegende Band mit Beiträgen namhafter europäischer Intellektueller gründet auf dem Gedanken des Hesperialismus, das heißt der Notwendigkeit eines geschichtsbewußten abendländischen Patriotismus.</p>



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<p></p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Nation oder Weltrepublik?</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/nation-oder-weltrepublik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Feb 2022 13:36:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>im Gespräch mit Professor Lothar Fritze vom 2. Februar 2022. Häufig genug wurde beklagt, Deutschland betreibe eine von Jahr zu Jahr exzessivere Vergangenheitsbewältigung. Professor Lothar &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/nation-oder-weltrepublik/">Nation oder Weltrepublik?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading"><em>im Gespräch</em><strong><em> </em></strong><em>mit Professor Lothar Fritze </em>vom 2. Februar 2022.</h5>


<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/LOTHAR-FRITZE-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2206" width="384" height="512"/></figure></div>


<p>Häufig genug wurde beklagt, Deutschland betreibe eine von Jahr zu Jahr exzessivere Vergangenheitsbewältigung. Professor Lothar Fritze blickt indes ganz anders und weitaus origineller auf die bleibende Relevanz des Nationalsozialismus. Der Politologe behauptet, dem Nationalsozialismus und Kommunismus würden ideologische Auffassungen zugrunde liegen, die bis heute das Ringen um Nation und Weltrepublik dominieren. Wie er darauf kommt und wie er es genau meint, erklärt er ausführlich in seinem <a href="https://www.manuscriptum.de/nationalsozialismus-und-kommunismus.html">neuen Buch</a> und in dem folgenden Gespräch.</p>



<p><strong>Manuscriptum: Sehr geehrter Professor Fritze, Sie stellen in Ihrem neuen Buch über „Kommunismus und Nationalsozialismus“ die gewagte These auf, der „gegenwärtige Kulturkampf“ sei die „modifizierte Fortsetzung“ der maßgeblichen ideologischen Auseinandersetzung des 20. Jahrhunderts. Wie kommen Sie darauf?</strong></p>



<p><strong>Lothar Fritze:</strong> Jeder, der über das menschliche Leben und das Zusammenleben von Menschen nachdenkt, wird auf Fragen stoßen, die unterschiedliche Antwortmöglichkeiten zulassen. Solche Fragen sind etwa, ob es nur menschliche Individuen gibt oder ob auch Gemeinschaften eine Art realer Existenz haben; ob nur Individuen schützenswert sind oder ob es auch Gruppen, Kollektivwesen, wie etwa Familien, Stämme oder Völker zu schützen gilt; ob es legitim ist, dass wir in erster Linie für uns selber und unsere Gruppe sorgen, oder ob wir moralisch verpflichtet sind, sämtliche Entscheidungen, die auch andere Menschen berühren oder berühren könnten, unter dem Gesichtspunkt der Unparteilichkeit zu treffen.</p>



<p>Die Antworten, die wir auf diese und weitere Fragen geben, schlagen sich in politischen und moralischen Auffassungen nieder, und diese wiederum geben die Richtung vor, in der die Lösung vieler gesellschaftlicher Probleme gesucht wird.</p>



<p>Ich behaupte nun erstens, dass es zum Zwecke des Verständnisses der geistigen Situation der Zeit sinnvoll ist, zwischen zwei konträren politisch-moralischen Grundauffassungen beziehungsweise Grundorientierungen zu unterscheiden, zweitens, dass sich diese prinzipiellen, idealtypisch zu verstehenden Grundorientierungen in politischen Kämpfen wiederspiegeln, und drittens, dass dieselben konträren Grundorientierungen, die den Kulturkampf der Gegenwart prägen, auch den geistigen und politischen Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus zugrunde lagen.</p>



<p><strong>Könnten Sie das näher erläutern?</strong></p>



<p>Nehmen Sie die Nationalsozialisten. Für sie, die eine kollektivistische Grundauffassung vertraten, waren Völker über Generationen hinweg existierende, mit sich selbst identisch bleibende Abstammungsgemeinschaften. Deutsche Nationalsozialisten hielten das deutsche Volk – und zwar sowohl als Angehörige dieses Volkes als auch aufgrund der ihm zugeschriebenen Leistungsfähigkeit – für unbedingt erhaltenswert. Viele Konservative der Gegenwart würden dem zustimmen. Kommunisten hingegen kämpfen als Anhänger der individualistischen Grundauffassung für eine Weltrepublik, in der sich Ethnien, Rassen und Kulturen vermischen und allmählich auflösen und letztlich nur Individuen, die „assoziierten Produzenten“ (Marx), leben. Viele Vertreter der derzeit dominierenden global denkenden und antinational eingestellten Elite folgen genau dieser Zielstellung.</p>



<p>Oder: Die Ideologen des Marxismus-Leninismus sowie des bolschewistischen Regimes erstrebten eine klassenlose und egalitäre Gesellschaft, in der die Interessen aller Menschen und – solange es sie noch gibt – aller Völker gleichermaßen berücksichtigt werden. Sie waren Vertreter der universalistischen Grundauffassung. Ihnen folgen heute all jene, die das Prinzip der gleichen Interessenabwägung akzeptieren – nämlich die Forderung, dass gleiche Interessen in gleichem Maße berücksichtigt werden müssen, egal um wessen Interessen es sich handelt.</p>



<p>Die Nationalsozialisten hingegen unterstellten ein natürliches Recht jedes Volkes, seine eigenen Interessen bevorzugt zu realisieren und sich selbst zu behaupten. Wer heute beispielsweise für ein Recht souveräner Staaten eintritt, über die Einreise, das Aufenthaltsrecht und die Staatszugehörigkeit selbst entscheiden zu können, befindet sich auf demselben Pfad einer partikularistischen Grundorientierung, der auch von den Nationalsozialisten beschritten wurde. Es wäre aber unangemessen, ihn deshalb als „nazistisch“ zu deklarieren. Universalisten hingegen treten für eine weltweit unbeschränkte Niederlassungsfreiheit ein oder fordern, Gemeinschaftsfremden beziehungsweise Ausländern das Recht einzuräumen, über die Regeln der Einwanderung etc. gleichberechtigt mit entscheiden zu können.</p>



<p>Auch im Kulturkampf der Gegenwart geht es um eine ideologische Richtungsentscheidung. Wer diesen Kampf begreifen will, sollte sich mit den Auseinandersetzungen im 20. Jahrhundert vertraut machen. Es handelt sich um dieselbe epochale Auseinandersetzung zwischen zwei konträren politisch-moralischen Grundorientierungen – nämlich der individualistischen und universalistischen auf der einen und der kollektivistischen und partikularistischen auf der anderen Seite.</p>



<p><strong>Wo bleibt in Ihrer Theorie der Liberalismus? Vermutlich würden sich viele Liberale mit Händen und Füßen gegen die Behauptung wehren, sie seien insgeheim Kommunisten. Zudem ließe sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts ja auch dahingehend interpretieren, dass der Liberalismus sowohl den Kampf gegen den totalitären Nationalsozialismus als auch den wirtschaftlich nicht überlebensfähigen Kommunismus gewonnen hat.</strong></p>



<p>Dass Liberale insgeheim Kommunisten sind, würde ich nicht sagen. Liberale sind Vertreter der individualistischen, aber nicht, wie jedoch Kommunisten, der universalistischen Grundauffassung. Beide Grundauffassungen sind zwar logisch unabhängig voneinander, werden aber häufig gemeinsam vertreten. Liberale können sich durchaus mit einer Weltrepublik der Individuen abfinden. Und auch für Kommunisten ist die Entfaltung der Persönlichkeit ein hoher Wert. Es gibt also weltanschauliche Überschneidungen. Dies erleichtert es, dass Liberale und Sozialisten/Kommunisten Zweckbündnisse auf Zeit schmieden. Denken Sie an die Anti-Hitler-Koalition. Bevor der liberale Westen den Kampf gegen den Kommunismus gewonnen hat, verbündete er sich mit kommunistischen Herrschern, die durch einen Putsch an die Macht gekommen waren, gegen den Nationalsozialismus.</p>



<p>Dafür mag es viele Gründe gegeben haben, insbesondere auch machtpolitische. Dieses Bündnis mit dem totalitären System Stalins kam aber zustande, obwohl man sich im Westen über den verbrecherischen Charakter dieses Regimes keinen Illusionen hingab. Das Verhältnis der bis zum Kriegsausbruch 1939 von Kommunisten und Nationalsozialisten Ermordeten wird heute von Historikern auf 1000 zu 1 geschätzt (wobei Ersteren dafür 16 Jahre mehr Zeit zur Verfügung stand). Oder denken Sie an die – wenigstens auf den ersten Blick – verblüffende Allianz zwischen Wirtschaftseliten und Linken, die wir in den Kämpfen der Gegenwart beobachten können. Auch hier gibt es – beispielsweise in Bezug auf Einwanderung – Interessenübereinstimmungen.</p>



<p><strong>Lassen Sie uns einmal kurz bei den Verbrechen von Nationalsozialisten und Kommunisten bleiben. Mit Ihrer Argumentation betreten Sie bewusst vermintes Gelände. Und ist mit Ihrem Vergleich nicht auch eine gewisse „Relativierung“ der Verbrechen verbunden? Wie meinen Sie das genau und warum ist es Ihrer Meinung nach notwendig, dieses heiße Eisen anzufassen?</strong></p>



<p>Der Ausdruck „‘Relativierung‘ der Verbrechen“ ist ungenau und leicht missdeutbar. Eine Relativierung ist das unvermeidliche Ergebnis jeder In-Beziehung-Setzung von Handlungen oder Ereignissen, und eine In-Beziehung-Setzung ist mit jedem Akt des Vergleichens verbunden. Der Vergleich wiederum ist eine wichtige Methode der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften.</p>



<p>Der erwähnte quantitative Vergleich der (bis zu einem bestimmten Zeitpunkt) von Kommunisten und Nationalsozialisten verübten Verbrechen ändert nichts an ihrer Beurteilung. Ein Mord wird nicht dadurch weniger verwerflich, dass auch andere gemordet haben. Ein inakzeptables politisches System gewinnt nicht durch die Feststellung an Legitimität, dass es auch andere illegitime Systeme gibt. Es geht also nicht um eine Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus. Vielmehr soll die Erwähnung dieser geschichtlichen Tatsache eine Irritation auslösen. Ich glaube, es geht kein Weg an der Einsicht vorbei, dass dieses Bündnis zwischen liberalem Westen und kommunistischem Bolschewismus keine Selbstverständlichkeit war, sondern durchaus erklärungsbedürftig ist.</p>



<p>Trotzdem möchte ich Ihrer Frage nicht ausweichen, denn sie zielt auf einen Punkt, der für das Verständnis der öffentlichen Kommunikation, ja der geistigen Situation in unserem Land, zentral ist.</p>



<p>Die nationalsozialistische Ideologie ist eine mögliche, aber keineswegs logisch-notwendige Konkretisierung der kollektivistischen und partikularistischen Grundorientierung. Das heißt, man kann an dieser Grundorientierung festhalten, ohne deshalb ein verkappter „Nazi“ zu sein; man kann Positionen vertreten, die auch von Nationalsozialisten vertreten wurden, ohne deshalb ein Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie zu sein – denn nicht alle von Nationalsozialisten vertretenen Positionen sind Bestandteil jenes Ideengebäudes, das wir als „nationalsozialistische Ideologie“ bezeichnen.</p>



<p>Wer etwa der Meinung anhängt, dass auch in unserer Zeit Nationalstaaten die bestmögliche staatliche Organisationsform verkörpern und Deutschlands Entwicklung zu einer multikulturellen Gesellschaft Konflikte heraufbeschwört, die man vermeiden sollte, vertritt Anschauungen, die von den Nationalsozialisten geteilt wurden oder geteilt worden wären, die aber deshalb nicht „nationalsozialistisch“ sind. Genau dieser Kurzschluss wird der Öffentlichkeit aber permanent präsentiert. Eine linke und sich als linksliberal missverstehende Elite versucht den Eindruck zu erwecken, mit jedem Eintreten für die Bewahrung der eigenen Kultur und der eigenen Art zu leben wandele man auf den Spuren von Hitler und Himmler.</p>



<p>Die das Land dominierende politisch-mediale Elite ist nicht mehr bereit, das partielle Recht auch der kollektivistischen und partikularistischen Grundorientierung anzuerkennen. Der „Kampf gegen rechts“ (statt „gegen Rechtsextremismus“) ist Ausdruck einer Strategie, die darauf abzielt, konservative Positionen in das Reich des Undenk- und Unsagbaren zu verbannen.</p>



<p><strong>Würden Sie sagen, dass konservatives Denken auf diese Weise kriminalisiert wird? Und wie ist eigentlich die Rolle der CDU in diesem Zusammenhang zu beurteilen?</strong></p>



<p>Ja, es gibt Tendenzen in diese Richtung. Man legt es darauf an, konservatives Denken als vormodern, ja als Ausdruck einer illegitimen Geisteshaltung erscheinen zu lassen. Wer heute für eine möglichst weitgehende Erhaltung ethnisch homogener Gemeinschaften eintritt, läuft Gefahr, als Verfassungsfeind abgestempelt zu werden. Wer hingegen für offene Grenzen plädiert oder Grenzen gar dauerhaft öffnet, stößt – jedenfalls in den Mainstreammedien – kaum auf Widerspruch.</p>



<p>CDU-Politiker, Mitglieder einer einst konservativen Partei, beteiligen sich seit Jahren am „Kampf gegen rechts“. Eine Torheit sondergleichen! Manches, was zu Zeiten <a href="https://www.manuscriptum.de/helmut-kohl-ein-prinzip.html">Helmut Kohls</a> noch Regierungspolitik war, wird heute von Staats wegen als verfassungsfeindlich betrachtet. Damals wurden zum Beispiel sogenannte Russlanddeutsche – und zwar aufgrund ihrer Abstammung – positiv diskriminiert, indem man ihnen ein Vorzugsrecht auf Immigration und Einbürgerung einräumte. Eine solche Regelung folgt der Idee des Ethnopluralismus, wonach jedes Volk das Recht hat, seine ethnische und kulturelle Homogenität zu bewahren. Die mit der Konzeption des Ethnopluralismus verbundenen inhaltlichen Positionen sind aber nach Feststellung des Verfassungsschutzes mit der in Art. 1 Abs. 1 GG garantierten Menschenwürde nicht vereinbar (Verfassungsschutzbericht 2020, S. 77&nbsp;f.). Selbst im Bundesamt für Verfassungsschutz scheint eine Ideologie Einzug gehalten zu haben, die für jedes Volk Konsequenzen hätte, die aus der Sicht eines Konservativen nur als eine tendenzielle Selbstauflösung beschrieben werden könnten.</p>



<p>Ohne zu ihren Wurzeln zurückzufinden, wird sich diese Partei dauerhaft aus dem konservativen Lager verabschieden. Für viele ihrer einstigen Stammwähler würde sie immer unattraktiver.</p>



<p><strong>Herr Professor Fritze, vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>



<p></p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:26% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/kommunismus-und-nationalsozialismus.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="637" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/650x1045_Cover_Fritze-Kommunismus-und-Nationalsozialismus-637x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2204 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/650x1045_Cover_Fritze-Kommunismus-und-Nationalsozialismus-637x1024.jpg 637w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/650x1045_Cover_Fritze-Kommunismus-und-Nationalsozialismus-187x300.jpg 187w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/650x1045_Cover_Fritze-Kommunismus-und-Nationalsozialismus.jpg 650w" sizes="auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Lothar Fritze: Kommunismus und Nationalsozialismus</strong></p>



<p>»War beides nicht doll, das eine aber weniger böse als das andere, nämlich eigentlich gar nicht, nur suboptimal realisiert.« So oder ähnlich lautet das heutige Klischee über die zwei großen ideologiebasierten Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Einen Vergleich von beiden, bei dem am Ende das Klischee nicht wieder rauskommt, verbietet die politische Korrektheit. Lothar Fritze, kundiger Totalitarismusforscher, wagt es dennoch und blickt tief hinein in das Denken der beiden Herrschaftssysteme, ihre Weltanschauung, ihre Utopien und – heißestes Eisen – ihre Moral (denn auch die Nazis hatten eine). Was er dabei zutage fördert, verdeutlicht wesenhafte Unterschiede zwischen den beiden Antagonisten, rückt sie aber auch so dicht zusammen, daß teils kein Blatt dazwischen paßt. Sowohl ihre Zielstellung, die bestehende gesellschaftliche und staatliche Ordnung zugunsten einer neuartigen, »besseren« zu beseitigen, wie die dabei eingesetzten Methoden und Mittel waren versippt. Hammer/Sichel und Hakenkreuz erweisen sich als überraschend verwandte Insignien.</p>



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</div>



<p></p>
</div></div>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Alternativen aus der Tiefe des Volkes heraus!</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/alternativen-aus-der-tiefe-des-volkes-heraus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Dec 2021 08:38:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>im Gespräch mit Leon Wilhelm Plöcks vom 8. Dezember 2021. Warum wehren sich die Deutschen nicht, wenn jemand die Migrationswaffe auf sie richtet? Warum ringen &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/alternativen-aus-der-tiefe-des-volkes-heraus/">Alternativen aus der Tiefe des Volkes heraus!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading"><em>im Gespräch</em><strong><em> </em></strong><em>mit Leon Wilhelm Plöcks </em>vom 8. Dezember 2021.</h5>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/Caspar_David_Friedrich_Winterlandschaft_mit_Kirche.jpg" alt="" class="wp-image-2155" width="499" height="360" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/Caspar_David_Friedrich_Winterlandschaft_mit_Kirche.jpg 998w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/Caspar_David_Friedrich_Winterlandschaft_mit_Kirche-300x216.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/Caspar_David_Friedrich_Winterlandschaft_mit_Kirche-768x554.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 499px) 100vw, 499px" /></figure></div>



<p>Warum wehren sich die Deutschen nicht, wenn jemand die Migrationswaffe auf sie richtet? Warum ringen sie nicht um eine angemessene Würdigung der Leistungen ihrer Vorfahren? Und warum sind sie stets nur dann ganz weit vorn, wenn von ihnen sprachliche Verrenkungen zur Selbstverleugnung eingefordert werden? Leon Wilhelm Plöcks meint: All das habe damit zu tun, wie schwer den meisten Deutschen der Satz „Wir sind ein Volk“ über die Lippen geht. Woher diese Neigung, die im Extremfall sogar die aktive „Volksverletzung“ befürwortet, kommt und was zur Heilung unternommen werden könnte, deutet er in diesem Gespräch an.</p>



<p><strong>Manuscriptum: Sehr geehrter Herr Plöcks, seit Anfang 2020 hat sich in Deutschland eine „Null-Risiko-Mentalität“ etabliert, die mit der Utopie spielt, Krankheiten ließen sich abschaffen. Dadurch hat es die „Volksgesundheit“ in der politischen Prioritätenliste unangefochten auf Platz eins gespült. Warum sprechen Sie trotzdem in Ihrem neuen Buch von </strong><a href="https://www.manuscriptum.de/volksverletzung-die-deutschen-und-ihre-inneren-und-aeusseren-widersacher.html"><strong>„Volksverletzung“</strong></a><strong>? Ist es nicht eher so, daß im postheroischen Zeitalter Kämpfe und daraus resultierende Verletzungen generell vermieden werden?</strong></p>



<p><strong>Leon Wilhelm Plöcks:</strong> Ihre Frage ist ebenso interessant wie vielschichtig, Herr Menzel. Am besten scheint mir, sie in mehreren Schritten zu beantworten. Beginnen wir mit der Volksverletzung. Die Deutschen sind ein verletztes Volk, weil man ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg eine positiv bejahende Haltung zum eigenen Volk, Vaterland und Kulturerbe wie einen Dämon ausgetrieben hat. Das wiederum konnte nur durch psychomanipulative Erzeugung und Instrumentalisierung von Schuld-, Scham- und Minderwertigkeitsgefühlen gelingen.</p>



<p>Wir haben es also mit einem psychischen Virus zu tun, dessen Ursprung ebensowenig ein natürlicher ist wie der von SARS-CoV-2, denn bei letzterem dürfte es sich wohl um ein Hybridvirus handeln, das in einem Labor im chinesischen Wuhan künstlich erzeugt wurde. Ein Virus entspricht dem Archetyp eines subversiven Eindringlings. Es dringt zunächst unbemerkt in den Wirtsorganismus ein und veranlaßt diesen, die fremde DNA für seine eigene zu halten und zu reproduzieren. Auch das trifft auf beide Viren – das Coronavirus und das psychische Virus, mit dem die Deutschen infiziert wurden – zu. Beide funktionieren wie Programme, die Eigenes in Fremdes verwandeln, sich dabei aber so gut tarnen, daß die befallenen Wirte das Fremde für das Eigene halten.</p>



<p>Das „Anti-Volks-Virus“ ist für meine Begriffe allerdings gefährlicher als SARS-CoV-2: Es hat ganze Arbeit geleistet und das deutsche Volk an den Rand des scheinbar freiwilligen Volkstodes geführt. Immunität und Heilung sind hier wie dort nur durch ein intaktes und kraftvolles Immunsystem und nicht allein oder vorwiegend durch irgendeine Impfung zu erreichen. Ein Immunsystem ist dann stark, wenn es zuverlässig zwischen Eigenem und Nicht-Eigenem zu unterscheiden und Eindringlinge abzuwehren vermag. Ein gesundes Volk ist also ein Volk, das auf sich selbst beharrt, sich gegen seine Widersacher verteidigt und nicht zuläßt, von fremden manipulativen Programmen gesteuert und kontrolliert zu werden. Da wir davon weit entfernt sind, ist es sehr wohl eine Zeit für Helden und heroische Schlachten, auch wenn diese heute anders ausgetragen werden als in der Vergangenheit.</p>



<p><strong>Sie kritisieren in Ihrem Buch das Idealbild des „makellosen Selbst“, das Globalisten anstreben, um nationale Eigenheiten zu tilgen. Das „gesunde Volk“ ist aber doch ebenso pure Romantik und erscheint in Ihrer Darstellung recht makellos. Gerade den Deutschen wird ein Hang zur Tiefe, der sie an den Abgrund führt, nachgesagt. Wo kommen in Ihrem Denken diese abgründigen Wesenszüge der Deutschen vor?</strong><strong></strong></p>



<p>Es ist in der Tat nicht gerade typisch deutsch, stets nur an der Oberfläche zu kratzen. Und ja, unsere Tiefe mag auch die Schattenseiten enthüllen, die wir Deutsche wie alle Menschen und Völker haben. Aber wollen Sie tauschen? Ich jedenfalls nicht und ich vermute, Sie ebensowenig. C.G. Jung hat zu Recht darauf hingewiesen, daß der Schatten nicht nur negativ, sondern auch Quelle der Lebenskraft und Kreativität ist. Alles hat eben seinen Preis und der Mensch ist nur in seiner Unvollkommenheit vollkommen.</p>



<p>Jung sagte auch, daß Menschen zu einer Art Theaterkulisse werden, wenn sie ihre Schattenseiten ausblenden. Davon kann man sich heutzutage leider häufig überzeugen, wenn man in westlichen Großstädten nicht nur bei uns unterwegs ist. Viele Menschen scheinen keine Tiefe mehr zu haben und eine Vorstellung ihrer selbst statt ihr authentisches Selbst zu leben. Daran in ziemlich großem Maße beteiligt ist die Ideologie der akademischen kulturellen Linken, auf die das von Ihnen erwähnte ‚makellose Selbst‘ verweist. Das Ziel ist dabei ein auf dem Reißbrett entworfener Mensch, der weder Aggression noch Tradition, Geschichte und irgendeine kollektive Zugehörigkeit beispielsweise zu einem Volk kennt. Wenn man nur ein wenig hinter die mit Floskeln wie „pluralistisch“ und „bunt“ geschmückte Fassade dieses Denkens schaut, tun sich in der Tat Abgründe auf, um den von Ihnen verwendeten Begriff aufzugreifen.</p>



<p>Dann kommen nämlich anthropologisch unhaltbare Reinheitsvorstellungen und eine Sitteneugenik zum Vorschein, die allen Menschen vorschreiben will, was sie zu denken, zu sagen und zu fühlen haben, und die daher totalitär ist. Das Volk dagegen ist weder makellos noch makelhaft, es ist, was es ist. Es ist also weder Ideal noch das Gegenteil davon. Übrigens, wenn Sie meinen Volksbegriff romantisch nennen, so habe ich durchaus nichts dagegen. Aber nicht im Sinne einer Verklärung, sondern um seine Verbindung mit den Denkern und Dichtern der Romantik und des deutschen Idealismus aufzuzeigen.</p>



<p><strong>Wir gelangen immer wieder an diesen entscheidenden Punkt: Der&nbsp;</strong><a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/v/von-waldstein-thor/der-zauber-des-eigenen.html"><strong>„Zauber des Eigenen“</strong></a><strong>&nbsp;(Thor von Waldstein) ist natürlich eng mit dem intellektuellen und kriegerischen Befreiungskampf gegen Napoleon verbunden. Aber: Wie soll sich das wiederholen lassen? Sie sagen ja selbst, daß die „heroischen Schlachten“ von heute anders ausgetragen werden als in der Vergangenheit. Also: Was ist zu tun?</strong><strong></strong></p>



<p>Eigentlich müssen wir das Unmögliche schaffen. Aber wenn nicht wir, wer dann? Oder überschätze ich die Deutschen, ihre noch erhaltene Substanz als Volk? Ich glaube, da gibt es jedenfalls noch ein riesiges ungenutztes Potential. Einerseits geht es natürlich um gewaltfreien, aber entschlossenen Widerstand. Das Volk muß sich von innen heraus in Bewegung setzen. In den letzten Jahren ist zwar einiges passiert, aber es fehlt irgendwie das Feuer. Es braucht eine klarere Richtung, eine Bündelung aller Kräfte jenseits von Lagerdenken, einen von Begeisterung für die Sache entfesselten Sturm.</p>



<p>Viele, sehr viele Menschen sind der pseudo-demokratischen Inszenierungen, der Medienpropaganda, des ausbeuterischen globalistischen Kapitalismus müde. Sie ahnen, daß etwas faul im Staate Deutschland ist, haben gestrichen die Nase voll. Doch die allermeisten von ihnen verharren immer noch in Passivität, beißen die Zähne zusammen und halten die Klappe. Das muß und kann sich ändern. Widerstand alleine reicht aber nicht. Es braucht eine wirkliche Alternative zum bestehenden, entdemokratisierten und volksfeindlichen System. Hierzu wiederum brauchen wir ein neues Denken, denn das alte hat uns ja erst an diesen Punkt gebracht.</p>



<p>Ich bin fest überzeugt davon, daß große Veränderungen immer im Geist beginnen. Und schließlich müssen wir endlich anfangen, unsere Toten im Zweiten Weltkrieg angemessen zu betrauern. Und wenn wir dann schon mal dabei sind, sollten wir gleich auch den Bruch der Generationen nach Kriegsende, der viele Familien spaltete, betrauern. Ohne Trauerarbeit und Traumabewältigung – da würden mir zumindest grundsätzlich wohl viele psychotherapeutische Kollegen zustimmen, auch wenn die meisten sicherlich links bis linksliberal gesonnen sind – keine Heilung, kein Neuanfang.</p>



<p><strong>Warum haben wir Ihrer Meinung nach ein „entdemokratisiertes“ System? Die Möglichkeiten des Widerstandes, die Sie nennen, also: friedlicher Bürgerprotest, Wahl alternativer Parteien, „neues Denken“ sind ja keineswegs ausgeschlossen. Es scheint vielmehr an der nötigen Wucht der Gegenöffentlichkeit zu fehlen …</strong><strong></strong></p>



<p>Die sozialen Medien werden wie in totalitären Systemen zensiert, die so genannten Leitmedien sind nurmehr volkspädagogische PR-Organe der Regierung und die Altparteien immer weniger zu unterscheidende Teile einer politischen Einheitskultur. Die größten Machtkonzentrationen liegen ohnehin bei übernationalen Kapital- und Machteliten. Informations- und psychopolitische Manipulation sind allgegenwärtig und die Bevölkerung wird von einer pseudolinken Gesinnungsdiktatur terrorisiert.</p>



<p>Wer nicht spurt, wird inzwischen wie ein Verbrecher verfolgt. Und jetzt geht eine „Große Transformation“ mit Hilfe einer Pandemie in ihre nächste Phase. Das alles wissen oder ahnen inzwischen immer mehr Menschen. Die dahinter liegenden Zusammenhänge allerdings sind deutlich komplexer, sie in Büchern und Artikeln umfassend zu enthüllen, ist daher eines meiner wichtigsten Anliegen. Aufdeckung, Kritik und Widerstand genügen aber nicht. Man muß auch ein Angebot machen, was man an die Stelle des gegenwärtigen totalitär entgleisenden Systems stellen will.</p>



<p>Es braucht eben eine echte, fundierte, in der Tiefe unseres Volkswesens begründete Alternative für unser Land, ein überzeugendes Angebot an die Menschen, das sie zu entzünden vermag. Und wir müssen uns vom Lagerdenken, kleinlichen Grabenkämpfen und Eitelkeiten zugunsten der größeren Sache verabschieden. Denn das konservative bis „rechte“ Spektrum ist viel zu zersplittert. Wir müssen sogar allzu starre Rechts-Links-Schemata in Frage stellen. Nehmen Sie beispielweise Sahra Wagenknecht – die Frau ist aus meiner Sicht eindeutig in der falschen Partei, sagt aber immer wieder sehr vernünftige Sachen. Meinem bei einem anderen Verlag unter dem Titel <em>Die Allianz</em> erschienenen Essay, größtenteils ein ausgegliedertes Kapitel von <em>Volksverletzung</em>, habe ich sogar ein Zitat von ihr vorangestellt. Bei Manuscriptum eine verlegerische Heimat gefunden zu haben, ist übrigens nicht zuletzt deshalb stimmig für mich, weil der Verlag den dringend benötigten lagerübergreifenden Brückenschlag vorexerziert.</p>



<p>Wie auch immer: Gelingt uns die Bündelung und Ausrichtung der Kräfte nicht, verlieren wir. Auf Parteiebene heißt das: Wenn die AfD wirklich eine Alternative für Deutschland sein will, muß sie erkennen, daß sie nur als Fundamentalopposition eine Daseinsberechtigung hat.</p>



<p><strong>Herr Plöcks, vielen Dank für das Gespräch!</strong><strong></strong></p>



<p><em>Die Fragen stellte Felix Menzel.</em><em></em></p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:26% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/volksverletzung-die-deutschen-und-ihre-inneren-und-aeusseren-widersacher.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="664" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/211001_Ploecks-Volksverletzung-Cover-664x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2154 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/211001_Ploecks-Volksverletzung-Cover-664x1024.jpg 664w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/211001_Ploecks-Volksverletzung-Cover-195x300.jpg 195w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/211001_Ploecks-Volksverletzung-Cover-768x1184.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/211001_Ploecks-Volksverletzung-Cover-996x1536.jpg 996w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/211001_Ploecks-Volksverletzung-Cover-1328x2048.jpg 1328w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/12/211001_Ploecks-Volksverletzung-Cover.jpg 1619w" sizes="auto, (max-width: 664px) 100vw, 664px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Leon Wilhelm Plöcks: Volksverletzung</strong></p>



<p>Ein Volk fühlt den Schmerz, der ihm zugefügt wird, wie ein Mensch aus Fleisch und Blut. Und wie jeder Einzelne, so ist auch das Volk ein Wesen mit Erinnerungen, Gefühlen und Bedürfnissen. Es will leben, sich entfalten und dazulernen dürfen, möglichst frei von Zwängen oder Ängsten. Das Volk? Schon der Begriff wirkt heute obskur und ist vielen Deutschen fremd geworden. Die Staatsangehörigkeit als bloße Formalie? Die Nation nur noch geographische Verortung? Das „Volk“ – so informieren uns die Herrschenden – sind jetzt alle, die hier leben. Einer wahrhaft deutschen Leitkultur, die Identität und Zusammenhalt schaffen könnte, steht die allgegenwärtige Leidkultur historischer Schuld entgegen. Die Geschichte soll den Deutschen kein Quell der Kraft, sondern ein Joch sein, das es abzuwerfen gilt. Die Untergrabung kollektiven Selbst- und Nationalbewusstseins geschieht nicht zufällig. Mal offen, mal verdeckt geführt, soll der psychopolitische Krieg gegen Deutschland die Kräfte der Selbstbehauptung schwächen, die Loyalität zur Nation aufweichen und das Sinnangebot der deutschen Kultur verblassen lassen. Wer diesen Krieg führt, warum, mit welchen Mitteln und Methoden – und wie das Volk dem Angriff auf die eigene Seele und Substanz begegnen kann –, ist Inhalt dieses Buches, der ersten psychologisch fundierten Untersuchung der &#8222;deutschen Krankheit zum Tode“.</p>



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		<title>Konstrukte haben keine blutende Nase!</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/konstrukte-haben-keine-blutende-nase/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Jun 2021 08:20:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel vom 10. Juni 2021. In den letzten Tagen und Wochen haben erstaunlich viele Prominente und Politiker gegen das „Gendern“ protestiert. Die Literaturkritikerin &#8230; </p>
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<h5 class="wp-block-heading"><em>von Felix Menzel</em> vom 10. Juni 2021.</h5>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="926" height="720" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/Adriaen_Brouwer_Bauernrauferei_beim_Kartenspiel_c._16301640.jpg" alt="" class="wp-image-2026" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/Adriaen_Brouwer_Bauernrauferei_beim_Kartenspiel_c._16301640.jpg 926w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/Adriaen_Brouwer_Bauernrauferei_beim_Kartenspiel_c._16301640-300x233.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/Adriaen_Brouwer_Bauernrauferei_beim_Kartenspiel_c._16301640-768x597.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 926px) 100vw, 926px" /></figure></div>



<p>In den letzten Tagen und Wochen haben erstaunlich viele Prominente und Politiker gegen das „Gendern“ protestiert. Die Literaturkritikerin Elke Heidenreich gab zu Protokoll, die „Sprachverhunzung“ gehe ihr „furchtbar gegen den Strich“. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß argumentierte derweil, Gendersprache sei „nicht inklusiv und integrierend, sie ist exklusiv und grenzt aus“.</p>



<p>Das mag stimmen. Es ist auch durchaus komisch, dass die enthusiastischsten Multikulti-Apostel ihre politisch korrekte Sprache derart verkomplizieren, dass sie niemand mehr sprechen kann, obwohl die <em>One World</em> nur zu erreichen wäre, würden wir uns auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigen.</p>



<p>Trotzdem wirkt diese Form der Kritik verharmlosend. Sie ist lediglich der ängstliche Versuch, innerhalb der aufgebauten, engen ideologischen Mauern des neototalitären <a href="https://www.manuscriptum.de/sprachregime.html">Sprachregimes</a> zumindest auf einzelne Exzesse hinzuweisen. Bei diesem zögerlichen Fahne hochhalten geraten jedoch die eigentlichen Abgründe der Gender-Ideologie aus dem Blickwinkel.</p>



<p>Zunächst: Wir sollten das Gendern nicht als eine sprachliche Geschmacksfrage über Sternchen und Binnen-Is bagatellisieren. Ploß betont z.B.: „Privat sollte jeder so sprechen und schreiben können, wie er möchte. Wir leben in einem freien Land.“ Nur Behörden will er eine einheitliche, formal verbindliche Sprache vorschreiben. Wer so redet, hat schon verloren. Bis zum desaströs gescheiterten Bildungsexperiment „Schreiben nach Hören“ ist es da schließlich nicht mehr weit.</p>



<p>Sprache ist immer Ausdruck von Macht. Diese Macht wird genutzt, um Rollenbilder zu zementieren. <a href="https://www.manuscriptum.de/leben-unterm-regenbogen.html">Bettina Gruber</a> ist deshalb zu danken, weil sie exzellent herausgearbeitet hat, daß die Gender-Ideologie ein Frontalangriff auf beide Geschlechter ist. Die Binarität der Geschlechter soll ersetzt werden durch eine diffuse Diversität, die auch etwas anderes ist als „sexuelle Vielfalt“. Denn: „Der Druck, der aufgebaut wird, geht mittlerweile nicht mehr darauf aus, Toleranz einzufordern, sondern aktiv positive Bekenntnisse zu verlangen und Personen und Institutionen, die sich passiv-neutral verhalten, als Feinde zu markieren“, analysiert Gruber richtig.</p>



<p>Woran liegt das nun? Der Philosoph Christoph Türcke, den man nicht oft genug <a href="https://blog.manuscriptum.de/neue-weltunordnung-geopolitik-postdemokratie-und-propaganda/heimat-und-gewalt/">loben</a> kann, gibt dazu in seinem neuen Buch <em>Natur und Gender</em> die am weitesten vordringende Antwort. Ihm zufolge liegt es am „konstruktivistischen Fehlschluß“. Dieser leugne „natürliche Abweichungen“, indem er jede „natürliche Regelmäßigkeit“ zu menschgemachten Konstruktionen umdeutet. „Dazu gehört auch die seit Millionen von Jahren andauernde Regelmäßigkeit heterosexueller Zellfusion“, unterstreicht Türcke.</p>



<p>Die Erfolgsaussichten jeder ernsthaften Gender-Kritik hängen daher von der Stichhaltigkeit der vorgebrachten Argumente gegen den Konstruktivismus ab. „Im Ernstfall gibt es keine Konstrukte“, schreibt <a href="https://www.manuscriptum.de/im-ernstfall-gibt-es-keine-konstrukte.html">Michael Klonovsky</a> gewohnt scharfzüngig. Man solle doch nur einmal den Versuch unternehmen, in einer Moschee den Islam zum Konstrukt zu erklärt, rät er. Noch interessanter ist freilich die Frage, ob die danach im eigenen Gesicht zu erwartende Faust und die daraufhin blutende Nase auch nur „Konstrukte“ sind oder eine tatsächliche Körperverletzung auch tatsächliche Schmerzen verursacht. Vermutlich dürfte eine empirische Beweisführung ein eindeutiges Ergebnis hervorbringen.</p>



<p>Man kann also mit einfachen Überlegungen und zugespitzter Polemik aufzeigen, daß der Konstruktivismus in Wahrheit zur Dekonstruktion aller gewachsenen Institutionen und Traditionen dienen soll. Noch einmal Klonovsky: „Wenn ich die Existenz von Völkern und Nationalcharakteren schon einmal prophylaktisch und bis zurück in die Vergangenheit bestreite, kann ich sie in Zukunft desto leichter planieren und eine bessere, die <em>Eine Welt</em> schaffen.“</p>



<p>Diese heile <em>One World</em>-Utopie ist aber nun wiederum tatsächlich eine bloße Konstruktion. Türcke erklärt überzeugend, daß die „zudringliche Übermacht“ und der „Eigensinn“ der Natur niemals beseitigt werden können. Der Mensch wehre sich gegen diese bittere Einsicht indes mit einem „traumatischen Wiederholungszwang“. Er bekämpfe das Schreckliche, das aus der Natur stammt, indem er selbst unaufhörlich Schreckliches tut.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:20% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/im-ernstfall-gibt-es-keine-konstrukte.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="250" height="402" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/250x402_im-ernstfall.jpg" alt="" class="wp-image-2027 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/250x402_im-ernstfall.jpg 250w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/250x402_im-ernstfall-187x300.jpg 187w" sizes="auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Im Ernstfall gibt es keine Konstrukte</strong></p>



<p>„Lassen wir uns unsere Alltagserfahrungen nicht ausreden, und stellen wir uns der Herrschaft der gutgemeinten Lügen entgegen. Lassen wir die Völker und ihre Eigenarten, lassen wir die Flüsse hochleben. Der Weg zum Ozean ist noch unabsehbar weit. <em>Vive la différence!</em>“<br><br></p>



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		<title>Die unsichtbare Faust in Afrika</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-unsichtbare-faust-in-afrika/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jun 2021 14:26:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel vom 2. Juni 2021. Jene Forscher, die Gewalt und Krieg als globale Phänomene untersuchen, haben dazu in jüngster Vergangenheit folgende Erkenntnisse vorgelegt: &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-unsichtbare-faust-in-afrika/">Die unsichtbare Faust in Afrika</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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<h5 class="wp-block-heading"><em>von Felix Menzel</em> vom 2. Juni 2021.</h5>


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<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/namibia-pixabay-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-2016" width="517" height="396"/></figure></div>


<p>Jene Forscher, die Gewalt und Krieg als globale Phänomene untersuchen, haben dazu in jüngster Vergangenheit folgende Erkenntnisse vorgelegt: „Zehntausend Jahre hindurch ist ein produktiver Krieg stets die verlässlichste Triebkraft zur Eindämmung von Gewalt und zur Schaffung größerer, von Leviathanen regierter Gesellschaften gewesen“, betont der britische Historiker Ian Morris von der Stanford University in seinem Buch <em>Krieg. Wozu er gut ist</em> (2013).</p>



<p>Ihm zufolge müsse immer zuerst eine „unsichtbare Faust“ die Grundlagen des Friedens erkämpfen, damit die „unsichtbare Hand“ des Marktes eine positive Wirkung entfalten könne. Daher gelte es abzuwägen, was das kleinere Übel sei, denn womöglich „könnten einige Tote jetzt viele Tote später verhindern“.</p>



<p>Rolf Peter Sieferle argumentiert in <a href="https://www.manuscriptum.de/krieg-und-zivilisation.html"><em>Krieg und Zivilisation</em></a> ähnlich. Menschen hätten lediglich eine „schwache Disposition zur Kooperation mit Nichtverwandten“. Es lassen sich jedoch politische und ökonomische Vorteile erzielen, wenn sich Menschen trotzdem zur Zusammenarbeit entschließen. Um davon größere Gruppen zu überzeugen, damit auch Staaten entstehen können, komme man allerdings nicht umhin, eine „Bestrafung von nichtkooperierenden Gruppenmitgliedern“ vorzunehmen. Sieferle nennt hier ausdrücklich die „Tötung oder Exilierung“ der Abweichler.</p>



<p>Das ist freilich nicht sein Wunsch, sondern ein von ihm beobachtetes evolutionäres Grundmuster. Es bricht mit der Theorie des edlen Wilden, den nur die äußeren Umstände gewalttätig werden lassen. „Menschen können immer töten, wenn sie wissen, dass straflos bleibt, was sie tun, und sobald das Töten zum Gebot wird, braucht niemand mehr eine Lizenz oder eine Legitimation“, schlußfolgert deshalb der Historiker Jörg Baberowski.</p>



<p>In <em>Räume der Gewalt</em> (2018) erklärt er die Abwegigkeit der These, Deutschland neige aufgrund von „Modernisierungsdefiziten“ als verspätete Nation zu grausamen Verbrechen. Wer ein derartiges Narrativ aufspanne, verkenne, daß der Mensch „nicht aus Friedfertigkeit, sondern aus Furcht“ eine Sehnsucht nach Sicherheit und Ordnung entwickle. Das Ziel müsse daher eine Beherrschbarkeit der Gewalt über die Einrichtung von Räumen des Rechts anstelle von Räumen der Gewalt sein.</p>



<p>Trotz aller Kriege, Verbrechen und Gräueltaten des 20. Jahrhunderts gelang das in Europa am besten. Darauf weist auch Harvard-Psychologie-Professor Steven Pinker hin. Sein Buch mit dem Titel <em>Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit </em>(2013) enthält eine Übersicht der blutigsten Kriege gemessen am Verhältnis der Opferzahl zur Weltbevölkerung. Der Zweite Weltkrieg kommt dabei nur auf Rang neun.</p>



<p>Platz eins belegt der chinesische An-Lushan-Aufstand aus dem achten Jahrhundert und auf Platz zwei landen die mongolischen Eroberungen aus dem 13. Jahrhundert. Pinker wertet dies als Indiz dafür, daß weder die Erfindung der Gaskammern bzw. moderner Massenvernichtungswaffen noch der Technisierungssprung des Krieges in der Moderne die Voraussetzungen für das massenweise Töten schufen. Dazu hätten vielmehr Menschen auf allen Kontinenten zu allen Zeiten Mittel und Wege gefunden.</p>



<p>Er konstatiert folglich: Sofern Täter keine Rache fürchten müssen, morden sie – ganz gleich, welche Werkzeuge dafür zur Verfügung stehen. Um ihr Revier mit ihrer Gruppe zu verteidigen oder zu vergrößern, sind sie zudem stets bereit, unfaire Konfliktsituationen gnadenlos auszunutzen und danach ihren Feind zu demütigen. Der Mensch scheint also eine angeborene Vorliebe für gewalttätige Bündnisse zu haben. Aggressionen stauen sich auch nicht auf, wie z.B. <a href="https://www.manuscriptum.de/briefwechsel-aus-den-jahren-1946-bis-1973.html">Ernst Jünger</a> in seinem Essay „Über den Schmerz“ suggerierte. Sie sind immer da und werden in entsprechenden Räumen und Situationen ausgelebt, wenn keine Einhegung durch Institutionen und Strafen stattfindet.</p>



<p>Mit diesem Grundwissen der Gewaltforschung ausgestattet, lohnt sich nun ein Blick auf die groteske <a href="http://www.pi-news.net/2021/05/politologe-milliardentschaedigung-fuer-namibia-ein-grosser-fehler/">Namibia-Debatte</a>: Bis heute toben in weiten Teilen Afrikas tribalistische Kämpfe. Es ist müßig, hier die ideologischen, religiösen und ökonomischen Motive der einzelnen Gruppen zu sortieren. In Räumen der Gewalt regiert schließlich die unsichtbare Faust. Irgendein Grund loszuschlagen findet sich immer.</p>



<p>Man kann daher allen Kolonialmächten den Vorwurf machen, diesen Umstand unterschätzt zu haben. Sicher sind sie mit naiven Hoffnungen in ihre <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/sklaverei-und-fake-history/">Abenteuer</a> gezogen, und sicher dürften gerade für schwache Charaktere die Versuchungen groß gewesen sein, Situationen, in denen auf den ersten Blick keine Rache zu befürchten war, eiskalt auszunutzen. Es ist somit nachvollziehbar, ein außenpolitisches Engagement jeder Art in Räumen der Gewalt abzulehnen. Wie wir inzwischen wissen, scheiterte ja auch die Befriedung Afghanistans kläglich.</p>



<p>Abstrus ist es indes, den Eindruck zu vermitteln, das <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/eine-allumfassende-entpathologisierung-der-dinge/">Deutsche Kaiserreich</a> hätte einen friedlichen Naturzustand der edlen Wilden in Namibia gestört und aus purer, rassistischer Lust den „ersten <a href="https://www.t-online.de/nachrichten/wissen/geschichte/id_90113674/voelkermord-in-namibia-deutschland-und-der-erste-genozid-im-20-jahrhundert.html">Völkermord</a> des 20. Jahrhunderts“ angezettelt. <a href="https://www.manuscriptum.de/verteidigung-des-deutschen-kolonialismus.html">Bruce Gilley</a> hat das exzellent veranschaulicht: „Es gibt kein realistisches Szenario, nach dem die Herero und Nama auf alle Ewigkeit in pastoraler Idylle weiterleben, ihre fetten gesunden Rinder hüten und gemeinsame, multiethnische Grillabende hätten veranstalten können.“</p>



<p>Trotzdem verurteilt Gilley das „Ausmaß der Gewaltausübung“ durch General Lothar von Trotha als „nicht angemessen“. Er schließt sich damit einer Sichtweise an, die damals bereits die deutsche Reichsregierung teilte. Es liegt somit das Kriegsverbrechen eines Einzelnen vor. Einen systematischen Völkermord hat es jedoch nicht gegeben.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:20% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/verteidigung-des-deutschen-kolonialismus.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="659" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/05/210401_Cover-Gilley-Kolonialismus-659x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2006 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/05/210401_Cover-Gilley-Kolonialismus-659x1024.jpg 659w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/05/210401_Cover-Gilley-Kolonialismus-193x300.jpg 193w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/05/210401_Cover-Gilley-Kolonialismus-768x1193.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/05/210401_Cover-Gilley-Kolonialismus.jpg 824w" sizes="auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Verteidigung des deutschen Kolonialismus</strong></p>



<p>Muss die deutsche Kolonialgeschichte neu geschrieben werden? Mit dem vorliegenden Band stellt der US-amerikanische Politologe Bruce Gilley unser sicher geglaubtes Wissen über die koloniale Vergangenheit des Deutschen Reiches auf den Kopf. Faktenbasiert, schonungslos und stets humorvoll entlarvt Gilley die post-moderne Kolonialforschung als Geisel politischer Korrektheit. Nicht die historischen Tatsachen, sondern die Bedürfnisse des politischen Zeitgeistes bestimmen heute in Berlin über die Wahrnehmung dieser historischen Epoche, so Gilley. Entstanden ist dadurch eine semi-religiöse, schuldbeladene Weltsicht, in der weiße Europäer immer Täter, Afrikaner aber stets die Opfer zu sein haben. Eine folgenreiche Fehldeutung, die in diesem Werk gründlichen Widerspruch erfährt.<br><br></p>



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		<title>Sklaverei und Fake History</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/sklaverei-und-fake-history/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 May 2021 09:05:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel vom 11. Mai 2021. In seinem Buch „Was nottut“ wirft Egon Flaig dem antikolonialistischen Mainstream der Geschichtswissenschaft „fake history“ vor. Er wertet &#8230; </p>
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<h5 class="wp-block-heading"><em>von Felix Menzel</em> vom 11. Mai 2021.</h5>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/05/VillageChiefTogo1966.jpg" alt="" class="wp-image-2001" width="362" height="507"/></figure></div>



<p>In seinem Buch <a href="https://www.manuscriptum.de/was-nottut-plaedoyer-fuer-einen-aufgeklaerten-konservatismus.html">„Was nottut“</a> wirft Egon Flaig dem antikolonialistischen Mainstream der Geschichtswissenschaft „fake history“ vor. Er wertet die „prinzipielle Ächtung der Sklaverei“, die von Europa ausgegangen sei, als „bedeutsamste politische Errungenschaft der Menschheit“. Wer deshalb verschweige, dass die europäischen Großmächte „mit einem beachtlichen Aufwand an militärischen und politischen Mitteln“ die Sklaverei in Afrika zurückdrängten, verdrehe die Fakten in einem Ausmaß, das es unmöglich macht, zu einer fairen Bewertung zu kommen.</p>



<p>Flaig prangert also die Tendenz, „den europäischen Kolonialismus zu einem Verbrechen zu stempeln“, an, weil er dadurch die leuchtende Idee der Menschenrechte verraten sieht. Er verteidigt damit energisch die Position eines <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/von-der-risiko-zur-angstgesellschaft/">humanitären Universalismus</a>, dem viele Konservative und <a href="https://blog.manuscriptum.de/energieverluste-die-industrielle-muskelatrophie/wie-gelingt-die-lebenswende/">Ethnopluralisten</a> mit größter Skepsis begegnen. Im Gegensatz zu Flaig argumentiert diese Gruppe mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, der grundsätzlichen Verschiedenheit der Kulturen und dem „harmonischen Eingegliedertsein in die natürlichen Umweltverhältnisse“ <a href="https://www.manuscriptum.de/sortiment/lebenswende.html">(Michael Beleites)</a>.</p>



<p>Der bekannteste Vertreter dieser Richtung dürfte der französische Vordenker der Neuen Rechten, Alain de Benoist, sein. Er ging so weit in der Idee der Menschenrechte und der ökonomischen Globalisierung „eine Fortsetzung des kolonialen Syndroms“ zu erblicken. Siegfried Kohlhammer hat dies schließlich mit seiner kürzlich aktualisierten Studie mit dem Titel <a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/k/kohlhammer-siegfried/auf-kosten-der-dritten-welt.html">„Auf Kosten der Dritten Welt?“</a> eindrucksvoll gekontert. Auf Basis stichhaltiger empirischer Daten weist Kohlhammer nach, daß die angebliche Ausbeutung Afrikas ein Märchen linker Gutmenschen ist. Unternehmen aus dem Westen zahlten in Afrika die höchsten Löhne und hielten sich viel eher an ökologische Auflagen.</p>



<p> Vor dem Hintergrund dieses schwelenden Streits zwischen universalistischen „Liberalkonservativen“ und identitären Rechten verspricht die Lektüre von Bruce Gilleys <a href="https://www.manuscriptum.de/verteidigung-des-deutschen-kolonialismus.html"><em>Verteidigung des deutschen Kolonialismus</em></a> einige bahnbrechende Erkenntnisse. Denn wenn mit Fakten bewiesen werden kann, daß es die Deutschen in Afrika unterm Strich verhältnismäßig gut schafften, sowohl die Sklaverei zu bekämpfen als auch die Kultur der Einheimischen zu achten, löst sich dieser Konflikt doch in Luft auf. Oder etwa nicht?</p>



<p> Die zentrale These von Gilley lautet: „Je länger ein Land kolonialisiert war, umso schneller in der Folge das Wirtschaftswachstum und umso höher der Lebensstandard, der Grad an politischer Teilhabe, die Qualität der Gesundheitsversorgung, der Bildung, der Menschenrechte und der Rechtssicherheit.“ Die Deutschen hätten sich bei ihrer Mission auch nicht davon beeindrucken lassen, daß die Kosten des Kolonialismus stets den erzielten Profit überstiegen.</p>



<p>Zudem hätten sie am meisten damit zu tun gehabt, die Afrikaner von den Vorzügen der Freiheit zu überzeugen. Viele hätten ihr Sklavendasein als bequemer erachtet, als sich selbst um den eigenen Lebensunterhalt kümmern zu müssen. Gilley betont darüber hinaus mehrfach, mit wie wenig Personal die Deutschen in ihren Kolonien auskamen. Von Unterdrückung könne deshalb keine Rede sein. Vielmehr blieb die Macht lokaler Eliten weitestgehend erhalten.</p>



<p>Wenn dies so war, warum werden aber dann die Erfolge des früheren Afrika-Engagements derart verfälscht, während die gescheiterte Entwicklungshilfe der letzten Jahrzehnte hypermoralisch glorifiziert wird? Neben dem deutschen und europäischen Schuldbewußtsein lasse sich das vor allem auf die ideologischen Gegenwartswünsche des Mainstreams zurückführen, so Gilley. Dieser Mainstream würde gern die Geschichte vom edlen Wilden erzählen, der ohne Komplikationen in der technischen Zivilisation ankommt und sich bereitwillig in die globalistische Multikulti-Einheitswelt einfügt.</p>



<p>Genau das sei allerdings von vorn bis hinten eine an Absurdität kaum zu überbietende Vorstellung. Gilley zerlegt diese Illusion der „multiethnischen Grillabende“ und zeigt so zugleich auf, dass die Kolonialismus-Debatte sehr eng mit aktuellen Themen wie <a href="https://www.manuscriptum.de/das-migrationsproblem.html">Migration</a>, <a href="https://blog.manuscriptum.de/energieverluste-die-industrielle-muskelatrophie/sieferle-und-der-klimanotstand/">Klimapolitik</a> und internationalem Handel verdrahtet ist.</p>



<p><strong>Bruce Gilley: Verteidigung des deutschen Kolonialismus. </strong><a href="https://www.manuscriptum.de/verteidigung-des-deutschen-kolonialismus.html"><strong>Hier bestellen!</strong></a></p>



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<h5 class="wp-block-heading"><strong>Verteidigung des deutschen Kolonialismus</strong></h5>



<p>Muss die deutsche Kolonialgeschichte neu geschrieben werden? Mit dem vorliegenden Band stellt der US-amerikanische Politologe Bruce Gilley unser sicher geglaubtes Wissen über die koloniale Vergangenheit des Deutschen Reiches auf den Kopf. Faktenbasiert, schonungslos und stets humorvoll entlarvt Gilley die post-moderne Kolonialforschung als Geisel politischer Korrektheit. Nicht die historischen Tatsachen, sondern die Bedürfnisse des politischen Zeitgeistes bestimmen heute in Berlin über die Wahrnehmung dieser historischen Epoche, so Gilley. Entstanden ist dadurch eine semi-religiöse, schuldbeladene Weltsicht, in der weiße Europäer immer Täter, Afrikaner aber stets die Opfer zu sein haben. Eine folgenreiche Fehldeutung, die in diesem Werk gründlichen Widerspruch erfährt. Im Gegenteil war die Kolonialzeit „für die Kolonisierten objektiv gewinnbringend“ und für die Kolonisatoren „subjektiv gerechtfertigt“, wie Gilley unter Verweis auf prominente Quellen beweist. Eine Sicht auf die Vergangenheit vorzulegen, in der die Deutschen nicht ausnahmslos bösartig, ihre kolonialen Errungenschaften nicht allein von Gräueltaten und Rassismus geprägt waren, braucht Mut – heute mehr denn je. Gilley hat der historischen Forschung mit diesem Grundlagenwerk eine Schneise geschlagen. Es bleibt zu hoffen, dass seine Thesen und Argumente zu lebhaften Debatten anregen und perspektivisch eine Kehrtwende in der erinnerungspolitischen Kultur Deutschlands initiieren können.</p>



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		<title>„Die Geschichte ist ein Känguru“ – Das gibt Hoffnung!</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-geschichte-ist-ein-kaenguru-das-gibt-hoffnung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Mar 2021 06:29:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>im Gespräch mit Dr. Dr. Thor v. Waldstein vom 31. März 2021. Während im 19. Jahrhundert Volk und Nation aktionistische Zukunftsbegriffe waren, gelten sie heute &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading">im Gespräch mit Dr. Dr. Thor v. Waldstein vom 31. März 2021.</h5>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/Thor-von-Waldstein.jpg" alt="" class="wp-image-1969" width="500" height="349" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/Thor-von-Waldstein.jpg 500w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/Thor-von-Waldstein-300x209.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/Thor-von-Waldstein-120x85.jpg 120w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></figure></div>



<p>Während im 19. Jahrhundert Volk und Nation <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/volk-und-nation-i/">aktionistische Zukunftsbegriffe</a> waren, gelten sie heute als <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/volk-und-nation-2/">reaktionär und verdächtig</a>. Wer sie ohne ausschweifende Distanzierung verwendet, riskiert sogar, ein Prüffall für den Inlandsgeheimdienst zu werden. Davon läßt sich Thor von Waldstein allerdings nicht beeindrucken und zeigt sich im Gespräch mit Manuscriptum optimistisch, daß der <a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/v/von-waldstein-thor/der-zauber-des-eigenen.html">Zauber des Eigenen</a> ganz schnell ungeahnte Kräfte freisetzen kann.</p>



<p><strong>Manuscriptum: Sehr geehrter Herr v. Waldstein, seit einiger Zeit ist mit der AfD eine patriotische Kraft im Bundestag vertreten. Woran liegt es aber, dass sich weiterhin nur wenige Experten, man könnte fast sagen: Exoten, intensiv mit der politischen Ideengeschichte der zentralen Begriffe „Volk“ und „Nation“ befassen?</strong></p>



<p><strong>Thor v. Waldstein:</strong> Der Einzug der AfD in die 16 Landesparlamente und in den Bundestag 2017 erfolgte weitgehend ohne eine Änderung des nationvergessenen, besser: volksfeindlichen, <em>Mindset</em> der Bundesrepublik. Wenn Sie so wollen, war und ist die AfD auch heute noch eine Dame ohne metapolitischen Unterleib. Es ist aber eine Illusion, auf nachhaltige Erfolge bei Wahlen zu hoffen, ohne daß die auf Selbstverleugnung gedrillte Intelligentsia, die die Öffentlichkeit dieses Staates fast lückenlos beherrscht, entthront wird.</p>



<p>In der Widerstandsszenerie, die sich allmählich gegen die unter der Corona-Flagge segelnden Dystopien aus den nordkalifornischen Tälern heranzubilden beginnt, könnten Volk und Nation wieder ganz ungewohnte Quellkräfte zuwachsen. Wenn diese stolzen Worte angeblich so verstaubt sind und von ihnen keine politische Attraktionskraft mehr ausgehen würde, wäre eigentlich nicht recht verständlich, warum diese Begriffe permanent mit derselben, seit 1945 im Einsatz befindlichen braunen Soßenmischung übergossen werden.</p>



<p>Tatsächlich wird den Deutschen, wenn sie denn eine Zukunft haben wollen, gar nichts anderes übrigbleiben, als sich auf ihre Identität als Volk und Nation rückzubesinnen.</p>



<p><strong>Ketzerisch gefragt: Liegt dieses Desinteresse an den tieferen Wurzeln der eigenen Identität vielleicht daran, dass der Traum von einer Renaissance der deutschen Nation „politische Romantik“ </strong><a href="https://blog.manuscriptum.de/alles-fuer-alle-bildungs-sozial-und-gesellschaftspolitik/uebergang-in-den-ausnahmezustand/"><strong>(Carl Schmitt)</strong></a><strong> ist?</strong></p>



<p>Ich teile Ihre durch die Fragestellung hindurchschimmernde Skepsis an dem geistesgeschichtlichen Phänomen der Romantik nicht. Aufbauend auf der Gedankenarbeit von im Wesentlichen zwei Männern – Goethe und Herder – hat die deutsche Romantik im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zu dem „erste(n) große(n) Gegenschlag gegen die kapitalistische Technisierung und Rationalisierung der Welt“ (Christoph Steding) ausgeholt.</p>



<p>Daneben wäre die historische Wegstrecke von den Befreiungskriegen bis zur Reichsgründung ohne den grundlegenden Stimmungsumschwung, den die Romantik in Deutschland geschaffen hatte, gar nicht gangbar gewesen. Das bleibt ein Meisterstück des deutschen Geistes, dem Carl Schmitt in seinem, von Ihnen angesprochenen, übrigens stilistisch besten Werk inhaltlich vielleicht nicht ganz gerecht geworden ist.</p>



<p>Wenn die Deutschen in den unruhigen Jahren, die vor uns liegen, ihre geschichtspolitischen Mühlsteine ablegen und sich von dem „ganze(n) ausgehöhlte(n) Wesen des Westens“ (Martin Heidegger) abwenden, könnte sich die Renaissance der deutschen Nation schnell von einem Traum zu einer Hoffnung und dann von einer Hoffnung zu einer Wirklichkeit wandeln.</p>



<p>Die Geschichte ist ein Känguru, sie liebt es, sich in Sprüngen fortzubewegen; und nur derjenige, der um diese Unberechenbarkeit weiß, versteht, warum die Herrschenden zu allen Zeiten Grund für ihre Nervosität hatten.</p>



<p><strong>Es gibt inzwischen selbst auf der politischen Rechten nicht mehr wenige, die sich ein starkes </strong><a href="https://www.manuscriptum.de/sortiment/neuerscheinungen/die-verdammten-europas.html"><strong>Europa</strong></a><strong> wünschen, weil nur eine „Festung Europa“ die Massenmigration aus Afrika und Asien beenden könne und Europa nur als Einheit geopolitisch eine relevante Rolle zugetraut wird. Was sagen Sie zu solchen Überlegungen?</strong></p>



<p>Entgegen anderslautender Propaganda aus Brüssel und Straßburg sind der nationale Gedanke und die europäische Idee keine Gegensätze. Ein starkes Europa wird es erst</p>



<p>dann geben, wenn die atlantisch infizierte EU, in der europafeindliche <em>bambini americani </em>den Ton angeben und in der Menschenrechte künstlich gegen Völkerrechte in Stellunggebracht werden, einem Europa der Vaterländer gewichen ist.</p>



<p>Das sehen übrigens jenseits der ungeschützten Grenzen dieses seltsamen Landes die meisten Europäer ähnlich –von Katalonien bis nach Estland und von Schottland bis nach Ungarn. Nur in (bundes)deutschen, sozialwissenschaftlich desorientierten Köpfen irrlichtert die Vorstellung, der Europagedanke erheische die Abschaffung der europäischen Völker, zuallererst natürlich die Abräumung der „Deutschen mit Nazihintergrund“.</p>



<p>Tatsächlich wird in dem asiatischen Jahrhundert, in dem wir leben, der westeurasische Landzipfel namens <em>Europa </em>nur dann eine Überlebenschance haben, wenn er sich auf seine ethnische Vielfalt besinntund sich als geopolitisch gepanzerte Einheit formiert, um den – längst als außenpolitischeWaffe instrumentalisierten – Migrationswellen zu begegnen.</p>



<p><strong>Sie beschreiben in Ihrem Buch über den „Zauber des Eigenen“ die Bundesrepublik als „Volksverabschiedungsrepublik“. Dieser „Negativpatriotismus“ geht inzwischen so weit, Parteien wie die AfD und die diversen ihr nahestehenden Bürgerbewegungen als </strong><a href="https://blog.manuscriptum.de/was-war-geschichte/wer-schuetzt-die-verfassung-vor-der-regierung/"><strong>„verfassungsfeindlich“</strong></a><strong> und damit beinahe kriminell zu brandmarken. Welchen Umgang empfehlen Sie mit diesen Schmähungen, die ja z.B. für manchen Beamten und Arbeitnehmer ganz handfeste Konsequenzen haben können?</strong></p>



<p>Die Linienrichter des 1950 von den westlichen Besatzungsmächten installierten Inlandsgeheimdienstes der Bundesrepublik stecken mit ihren Fähnchen schon seit vielen Jahrzehnten das Feld des hierzulande Sagbaren ab. Bei den parteipolitischen Vorläufern der AfD, insbesondere der NPD der 1960er Jahre und den Republikanern der 1980/90er Jahre, ist es mit dem Kainsmal der „Verfassungsfeindlichkeit“ jeweils erfolgreich gelungen, den politischen Wettbewerber zu stigmatisieren und vor allem dessen soziologischen Mittelbau zu torpedieren, ohne den eine bodenständige, politische Partei in ihrer Mitgliederstruktur kaum verzichten kann (Angestellte, Beamte, Soldaten, Polizisten, etc.). Warum sollten die Auguren des hiesigen Machtkartells auf ein so bewährtes Mittel verzichten?</p>



<p>Nach meiner Beobachtung beschäftigen sich selbst führende Mitglieder der AfD leider nur selten mit den Finessen des „Demokratie-Sonderwegs Bundesrepublik“ (Josef Schüßlburner), bei dem dem Instrument des Verfassungsschutzes eine weltweit einzigartige, von dem Außenstehenden kaum zu durchschauende Sonderrolle zukommt. Es zeugt jedenfalls von einer bemerkenswerten Blauäugigkeit, wenn man glaubt, sich dieser staatlichen Pressionswerkzeuge dadurch entziehen zu können, daß man wesentliche Bestände des eigenen, zumal mit Alleinstellungsmerkmal versehenen, politischen Kapitals freiwillig über Bord wirft.</p>



<p>Als eine solche aberwitzige „Flucht nach vorn“ und Zerstörung des eigenen Markenkerns bewerte ich beispielsweise die „Erklärung zum deutschen Staatsvolk und zur deutschen Identität“, die die AfD ausgerechnet am 18. Januar diesen Jahres abgegeben hat und in der sie in die Knie fällt vor der grundgesetzwidrigen Diktion des Bundesverfassungsgerichts, die Zugehörigkeit zum deutschen Volk orientiere sich allein an der abenteuerlichen Paßausgabepraxis der BRD. Die gerechte Strafe für einen solchen Selbstmord aus Angst vor dem Ermordetwerden folgte sogleich auf dem Fuße: Am 3. März 2021, rein zufällig elf Tage vor zwei wichtigen Landtagswahlen, verkündete der sogenannte „Verfassungschutz“, die AfD werde als „Verdachtsfall“ nunmehr unter Beobachtung gestellt.</p>



<p>Nicht minder skurril und politikunfähig ist auf der publizistischen Ebene die Blattlinie einer sich konservativ wähnenden Wochenzeitung aus Berlin, die, obwohl selbst zehn Jahre lang Opfer einer rechtswidrigen VS-Verfemung, Bürgerlichkeit mit BRD-Konformität verwechselt und den Herrschenden stets aufs Neue auf den vielfach erprobten Distanzeritisleim geht. Was muß eigentlich noch alles geschehen, bis es diesen Appeasementamateuren dämmert, daß der manische Haß auf das Eigene sich nicht auf die Befindlichkeit versprengter Antifa-Gruppierungen beschränkt, sondern zur Staatsräson der hier schon zu lange Regierenden aller Couleur gehört?</p>



<p>Schon wegen dieser dezidiert deutschfeindlichen DNA-Struktur der <em>classe politique </em>ist an einen fairen Wettbewerb mit Parteien, die angetreten sind, die Interessen des deutschen Volkes rückhaltlos zu vertreten, nicht zu denken. Statt dessen gilt: Souverän ist, wer als Oppositionspartei ebenso professionell wie hartnäckig Roß und Reiter der deutschen Neurose nennt, wer <em>sine ira et studio </em>den Deutschlandabschaffungskurs der Herrschenden angreift und wer sich schließlich bei alledem einen feuchten Kehricht darum schert, wann und an welchen Stellen die VS-Linienrichter vom phänotypischen Zuschnitt eines Herrn Haldenwang das Fähnlein emporstrecken.</p>



<p><strong>Herr von Waldstein, vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:20% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/der-zauber-des-eigenen.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="637" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/02/201113_Cover-Waldstein-637x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1830 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/02/201113_Cover-Waldstein-637x1024.jpg 637w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/02/201113_Cover-Waldstein-187x300.jpg 187w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/02/201113_Cover-Waldstein-768x1235.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/02/201113_Cover-Waldstein.jpg 796w" sizes="auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h5 class="wp-block-heading"><strong>Thor von Waldstein: Der Zauber des Eigenen</strong></h5>



<p>Es gibt ein Unbehagen am Eigenen in Deutschland. Wurde das Volk früher begriffen als eine Seinsform, in die man hineingeboren wurde, so wähnte sich das ichverpanzerte Individuum lange Zeit frei von solchen gemeinschaftsgeprägten Lebensbildern; nationale Identität war – so schien es gerade in den Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung – einer nebulösen Weltbürgerlichkeit gewichen. Unterdessen begreifen mehr und mehr Bürger, daß in den unruhigen Jahren, die vor uns liegen, politische Gestaltungskraft nur von dem ausgehen kann, der sich seiner Wurzeln besinnt. Vor dem Hintergrund dieses Paradigmenwechsels unternimmt der Verfasser den Versuch, die Deutschen zu einer Affäre mit sich selbst zu verführen. Dazu werden die Entwicklungslinien von Volk und Nation in der deutschen Geistesgeschichte der letzten 250 Jahre nachgezeichnet. Dieses weite historisch-philosophische Panorama eröffnet Einblicke in das Verständnis der Gegenwart, die sich – im Gegensatz zu den Scheindebatten einer inszenierten Öffentlichkeit – als bestechend aktuell erweisen könnten.</p>



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