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	<title>Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik Archive - Manuscriptum</title>
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		<title>Wir haben fertig.</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Jun 2024 10:17:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Immer, wenn ich mich in den Acta irgendeiner Sportart widme, bekomme ich Mails von Zeitgenossen, die mir zunächst ihre generelle Sympathie für mein Geschreibs versichern, &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/wir-haben-fertig/">Wir haben fertig.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/300x392_klonovsky.jpeg" alt="" class="wp-image-2519" style="width:375px;height:511px"/></figure></div>


<p>Immer, wenn ich mich in den <em>Acta</em> irgendeiner Sportart widme, bekomme ich Mails von Zeitgenossen, die mir zunächst ihre generelle Sympathie für mein Geschreibs versichern, sodann aber einschränkend anmerken, dass Reflexionen über Sport entweder das hier üblicherweise in der Wahl des Sujets herrschende Niveau unterschritten oder aber ich mit der Traktierung solcher Themen der <em>Panem et circenses</em>-Logik der Herrschenden folgte – oder gleich beides zusammen. Ich sehe das ein bisschen anders, vor allem was den erstgenannten Vorwurf betrifft. Immerhin schreibe ich hier mitunter auch über Parteitage, Talkshows oder auf Theoriemüllhalden herumturnende Intellektuelle, also über ein Personal, neben dem sich Schwergewichtsboxer oder Tour-de-France-Profis in vielerlei Hinsicht, ästhetisch zumal, recht vorteilhaft ausnehmen. Ja und erst die Leichtathletinnen! Stellen Sie sich vor, Pindar würde vor die Wahl gestellt, entweder eine Ode auf Olaf Scholz oder eine auf Tadej Pogačar zu schreiben, eine auf Ricarda Lang oder auf Femke Bol (lieber noch Natalia Kaczmarek). Und selbstverständlich hätte der Aegide, lebte er als unser Zeitgenosse, längst Lionel Messi in einem Preislied besungen.</p>



<p>Mit diesem Namen wäre der Übergang zum Fußball hergestellt, der Leibesübung, um die es heute, am letzten Spieltag der Bundesligasaison 2023/24 und einen knappen Monat vor Beginn der Europameisterschaft in Deutschland, gehen soll – allerdings weniger im sportlichen Sinne, sondern in jenem der immer umfassenderen Kommerzialisierung und politischen Indienstnahme. Gerade im modernen Fußball werden wir mit dem erwähnten „Brot und Spiele“-Aspekt konfrontiert, die Fußballarenen sind <em>die</em> Amphitheater der Gegenwart. Der Kaiser- oder Herrscherkult ist ja seit der Antike ein fester Bestandteil von „Panem et circenses”, heute halten sportliche Großveranstaltungen die Massen bei Laune wie ehedem, während der Herrschaftskult inzwischen in der Kostümierung eines nicht minder totalen Zeitgeistdienstes zelebriert wird, mit Regenbogeneckfahnen, Antirassismuskampagnen und öffentlichen Lippenbekenntnissen sogenannter Führungsspieler. Was mich betrifft, funktioniert die circensische Ablenkungsmechanik übrigens bisweilen, und ich erwische mich dabei, dass ich am PC allzu komplizierte oder lange Texte wegklicke, um mir stattdessen die Zusammenfassung eines Fußballspiels oder einen Boxkampf anzuschauen (oder eben die prachtvollen Leiber der Leichtathletinnen). Allerdings erleben wir derzeit speziell beim Fußball, wie sich die Propagandaabteilungen so weit in den Vordergrund drängeln, dass vielen Mitbürgerinnen, Mitbürgern und Mitbürgenden die gesamte Sportart vergällt wird. Mir – dies ist ja mein Diarium, <em>hier red i</em> – ist es mittlerweile vollkommen gleichgültig, ob die zur „Mannschaft“ <em>downgegradete</em> und ständig politische „Zeichen setzende“ Nationalmannschaft ein Spiel oder Turnier gewinnt, ich schaue mir das entweder überhaupt nicht mehr oder voller Schadenvorfreude&nbsp;an.</p>



<p>Um zu beschreiben, was sich in den vergangenen ungefähr zwei Jahrzehnten verändert hat, ist zunächst ein Rückblick fällig. Ich zähle zu einer Alterskohorte, deren Angehörige ihre ersten Länderspiele noch im Schwarz-weiß-Fernseher gesehen haben (meine früheste Erinnerung gilt einem Herren namens Eusébio), die den Anblick einer Frau im Fußballstadion als etwas eher Außergewöhnliches empfanden (und ich spreche nicht von Frauen auf dem Rasen; das lag außerhalb der Vorstellungskraft), weil sie nämlich Fußball mit einigem Recht für einen Malocher- und Proletensport hielten, bei dem sich auch der akademische Teil des Publikums dem Gegner gegenüber recht unzivilisiert benahm, einer Kohorte denn also, deren Angehörige die Ränge als einen Ort betrachteten, wo man sich gehenlassen konnte, wo sich rigide Parteinahme, Enthemmung und das Bedürfnis nach Triebabfuhr zum temporären Menschenrecht verbanden, zu fluchen, zu höhnen und dem Gegner Beleidigungen zuzubrüllen, und die zugleich den Fußball und überhaupt den Sport als etwas völlig Unpolitisches empfanden, die sich, wenn die Parzen es über einen verhängten (wie z.B. über mich durch Rickens 3:1 in der letzten Minute der Verlängerung BVB gegen La Coruña anno 1994), mit einem Verein „identifizierten“, mit ihm litten, triumphierten oder unterlagen, als stünden sie selbst auf dem Platz, in ihrer emotionalen Teilnahme am Geschick einer Mannschaft allerdings anders als heutzutage in den Ersten Ligen davon ausgehen konnten, dass diese Truppe halbwegs zusammenblieb und nicht zwei Jahre später aus völlig anderen Spielern bestehen würde, und die mit der Nationalmannschaft (fast) genauso mitfieberten wie mit ihrer favorisierten Vereinsmannschaft.</p>



<p>&nbsp;Kurzum: Der Fußball war <em>zu meiner Zeit</em> eher eine Männersache, ob nun als Stadionbesucher oder als Spieler (ich war zum Leidwesen meines Vaters und zur Belustigung meines Bruders, beide Amateurfußballer, ein miserabler Kicker), das Stadion galt als ein Ort relativer Freiheit, aber auch des archaischen Rudelverhaltens, und mit Politik hatte das alles nichts zu tun – wenn ich davon absehe, dass in der DDR, wo ich ja aufwuchs, der BFC Dynamo ständig Meister wurde, weil das der Lieblingsverein von Stasi-Chef Erich Mielke war (legen Sie das „weil“ ruhig auf die Goldwaage). Später erlebte ich als Zaungast der Bundesliga und des Europapokals zwischenzeitlich die schöne Freiheit der Marktwirtschaft, hier wie da gab es immer eine Reihe von Klubs, die imstande waren, den Titel zu holen, während heute beinahe wieder eine Monokultur herrscht wie zu späten DDR-Zeiten, was die Fans merkwürdigerweise kaum beirrt, weil sie oft nichts anderes haben, woran sie ihr Herz hängen können. Den Champions-League-Sieger machen inzwischen drei, vier Teams untereinander aus – der BVB hat gegen Real Madrid kaum den Hauch einer Chance und in einem CL-Finale eigentlich nichts zu suchen –, und deutscher Meister wird in neun von zehn Fällen der FC Bayern – sofern der Bayer-Konzern nicht jährlich mindestens 200, 300 Millionen extra locker macht, wird die Meistermannschaft dieser Saison inclusive Trainer in zwei Jahren schlicht nicht mehr vorhanden sein. Da der Teufel bekanntlich stets auf den größten Haufen scheißt, dürfte die Tendenz zur Konzentration der Erfolgswahrscheinlichkeit auf wenige Vereine trotz gelegentlicher erfreulicher Ausnahmen immer weiter zunehmen.</p>



<p>Die Übertragungen der wichtigen Partien im Europapokal oder bei den großen Turnieren der Nationalmannschaften waren früher Gelegenheiten, sich mit Freunden zu treffen, um gemeinsam zu schauen, sich zu amüsieren, zu echauffieren und herumzublödeln, ohne aus dem Fernseher mit Vielfaltspropaganda, Antirassismuskampagnen und Gleichstellungsgedöns behelligt zu werden, mit einem gehörigen Vorrat an Bier und ohne Frauen, weil den Schönen erfahrungsgemäß die volle Konzentration für neunzig oder gar 120 Minuten abging und sie ungefähr ab Mitte der ersten Halbzeit wieder reden wollten. Während der EM 1996 – die Vorrundenpartie gegen Italien stand kurz vor dem Anpfiff, wir hatten uns in meiner Schwabinger Wohnung versammelt – stellte jemand die Scherzfrage: „Was würdest du sagen, wenn es jetzt klingelt, und vor der Tür steht Pamela Anderson?“</p>



<p>Antwort: „Sind Sie wahnsinnig, <em>jetzthierzuklingeln</em>?!“</p>



<p><em>Tempi</em> bekanntlich <em>passati</em>. Was weiland während dieser Spiele gesprochen, geflachst, geflucht und geschimpft wurde, zöge inzwischen den Abbruch von Freundschaften und die Kündigung von Arbeitsverhältnissen nach sich. Heute ist der Fußball ideologisch auf Zeitgeistlinie gebracht, diversifiziert, pazifiziert, sprachgereinigt und effeminiert. Vor dreißig Jahren spielten auch schon Schwarze, Asiaten oder Schwule in allen Ligen, nur kümmerte das niemanden, es war einfach kein Thema, das irgendwer volkspädagogisch und gewinnträchtig ausschlachtete; der Schwarze in der eigenen Truppe wurde bejubelt, der gegnerische beleidigt und ausgepfiffen, fertig. Doch ausgerechnet heute, wo es in den Stadien so friedlich und zahm zugeht wie nie zuvor und die Mannschaften, zumindest die europäischen, ethnisch ungleich „bunter” sind als die Gesellschaft – <em>zu</em> bunt, wie manche finden, die sich am Ende wohl auch daran stießen, wenn Nigeria mit sieben Weißen zum WM-Spiel aufliefe –, ausgerechnet jetzt also wächst angeblich der Rassismus der Fans ins Unerträgliche, ungefähr wie der Feinstaub an Innenstadtkreuzungen und die Mikroaggressionen an Universitäten.</p>



<p>Zugleich ist inzwischen „gefühlt“ jeder zweite Fußballmoderator eine Moderatorin, mitunter auch <em>Moderatörin</em>, und unter den Spielfeldrand-Kommentatoren bei Live-Übertragungen muss zwanghaft eine Fußballerina platziert werden, damit sie ihren emanzipationsverstetigenden Senf zum Männersport beisteuern kann. Der Frauenfußball, den kaum jemand guckt, wird unter hohem moralischen Druck multimedial in alle Kapillaren der Gesellschaft gepresst. Schwule Kicker sind gehalten, sich zu „outen“, um „Vielfalt” zu bezeugen. Spieler, Funktionäre, Fanbeauftragte und große Teile des Publikum überbieten sich beim Wettstreit darum, möglichst unanstößig, langweilig und politisch korrekt zu sein. Vereinschefs mit fragwürdigster Reputation bekennen sich mit einer aggressiven Beflissenheit zur Regierung und gegen die Opposition wie sonst nur am Staatstropf hängende Künstler in Autokratien. Über den Bekenntnisslapstik der Nationalmannschaft, sei es das Niederknien vor dem Anstoß wegen irgendwelcher Vorfälle auf amerikanischen Straßen, sei es das – symbolisch gar nicht mal so falsche – kollektive Sich-das-Maul-zuhalten bei der letzten Weltmeisterschaft, muss ich nichts weiter ausführen.</p>



<p>Ehe jetzt der juvenile Gast des Kleines Eckladens spricht: „Ok <em>Boomer</em>, deine Zeit ist eben abgelaufen, du verstehst die Welt nicht mehr, weil du nicht mehr zu ihr gehörst”, will ich auf zweierlei hinweisen. Erstens, dass der Boomer in Italien „Dottore“ genannt wird, sofern er sich angemessen kleidet (und viele dieser <em>Dottores</em> verstehen etwas von Fußball).</p>



<p>Und zweitens, dass ich den Fußball heutzutage weit schöner, kunstvoller und spannender finde als jemals zuvor. Sowohl was die A‑, als auch die B‑Note betrifft, ist das Niveau enorm gestiegen. Der FC Augsburg würde die brasilianische Fußballweltmeistermannschaft von 1970 mit einer hohen zweistelligen Niederlage in die Kabine schicken (und auch die von 1994 klar besiegen), die Brasilianer kämen, außer mit Befreiungsschlägen, wahrscheinlich nicht mal über die Mittellinie. Das liegt weniger am sogenannten Spielermaterial als vielmehr an der vollkommen anderen Art, Fußball zu spielen, welche man heute pflegt. Durch kluge Regeländerungen – drei Punkte statt zwei für den Sieg, das Verbot für den Torwart, den Ball bei Rückpässen der eigenen Spieler mit der Hand aufzunehmen (früher eine notorische Quelle des Zeitspiels), Abseitsentscheidung erst bei der Ballannahme – wurde das Spiel viel schneller und folglich intensiver. Dazu kamen Materialverfeinerungen wie Kunstrasen, leichtere Schuhe und Bälle. Die Spieler sind nicht nur taktisch unendlich besser geschult als unsere Altvorderen, sie sind auch beweglicher, reaktionsschneller, geistesgegenwärtiger und ausdauernder. Technisch agieren heute fast alle Profis auf einem Level, das ehedem nur wenigen Stars vorbehalten war; kein Ball springt mehr vom Fuß, und sogar Innenverteidiger schlagen so präzise Pässe über das halbe Feld wie vor 50 Jahren allenfalls die Spielmacher. Ein Mittelfeldspieler muss heute mindestens dreimal so viele spontane Entscheidungen pro Partie treffen, für die er jeweils nur Sekundenbruchteile zur Verfügung hat, als vor 30, 40, 50 Jahren. Möglicherweise könnten sich unsere 1970er Brasilianer mit den aktuellen Augsburgern messen, nachdem sie ein Jahr lang intensiv vor allem Taktik trainiert, sich an die Bälle, Schuhe, den Rasen und das Pressing gewöhnt und mit dem Rauchen aufgehört hätten.</p>



<p>Umgekehrt muss man fairerweise fragen: Welche Figur gäbe das aktuelle Team von Real Madrid, zurückversetzt in den Juli 1954 ins Berner Wankdorf-Stadion, gegen die deutsche Nationalmannschaft um Fritz Walter ab? Auf diesem tiefen Rasen, mit diesen <em>Töppen</em> und dem damaligen Ball möchte ich die Bellingham, Kroos und Vinicius Junior mal <em>zaubern</em> sehen…</p>



<p>Wie auch immer, jedenfalls gibt es nach wie vor kaum eine Möglichkeit, als Zuschauer spannendere und aufregendere neunzig Minuten zu verbringen als bei einer Partie elf gegen elf im gehobenen Segment der Ligen. Nie waren das spielerische Niveau und das Tempo so hoch wie heute. Und trotzdem lässt mich der Fußball mittlerweile kalt, eben weil er zwischen Kommerz und Propaganda zerrieben wurde und wird und werden wird, weil eigentlich immer klar ist, wer am Ende gewinnt – wer soll Real noch schlagen, wenn auch Mbappé in Madrid spielt? wie sollen die Bayern nicht Meister werden, wenn die besten Spieler der Konkurrenz immer nach München gehen? –, weil die Mannschaften aus Legionären bestehen, die zwar phantastisch spielen, aber eben heute hier und morgen dort, die allesamt „Berater” haben, die auf den nächsten Mehrbietenden lauern, weil sie bei jedem Wechsel mitkassieren, und während die Stars vor der Fankurve ostentativ mit der Hand auf das Vereinsemblem auf ihrer Brust klopfen, stehen sie schon in Verhandlungen mit ihrem neuen Club. Ich sah zuletzt das Spiel Dortmund gegen Paris St. Germain, ein im Ruhrpott siedelnder internationaler Ausbildungsverein gegen eine aus Katar finanzierte Plastiktruppe, toller Fußball, ohne Frage, doch von den Schwarzgelben kannte ich fast niemanden mehr. Warum sollte man mit einem solchen Bäumchen-wechsle-dich-Ensemble sympathisieren, das zufällig gerade in Dortmund zusammenspielt, dem aber jeder Kicker weggekauft wird, der das Zeug zum Star besitzt? (Das Publikum im <em>geilsten</em> Stadion der Welt hat keine Wahl, die Armen leben ja in Dortmund, und außer dem Westfalenstadion, das inzwischen einen grotesken kommerziellen Namen trägt, gibt es dort nicht viele Vergnügungsstätten.)</p>



<p>Angesichts der enormen Zahl von Fußballaffizierten dürften noch einige andere Zeitgenossen existieren, und sei es nur unter den <em>Boomern</em> bzw. <em>Dottores</em>, denen es ähnlich geht wie mir. Die Kommerzialisierung oder Monopolisierung dieses Sports können sie immerhin öffentlich beklagen, dabei spielen viele Medien mit, allerdings auf vergiftete Weise, indem sie zum Beispiel Fanproteste gegen den Vereinsseelenverkauf für ihre generelle antikapitalistische Agenda vereinnahmen. Die Popularität von Clubs wie dem SC Freiburg oder dem FC St. Pauli unter linken Journalisten (Pleonasmus, ich weiß) hat damit ebenso zu tun wie die Unpopularität etwa von RB Leipzig oder der TSG Hoffenheim. Heikel wird es indes, wenn nicht die ausufernde Vermarktung des Sports, sondern die <em>woke</em> Propaganada, die heute zum Fußball gehört wie Eckfahne und Mittelkreis, auf den Rängen Proteste auslöst – etwa wenn Fans, wie in mehreren Stadien geschehen, ein Spruchband mit den Worten „Es gibt nur zwei Geschlechter!” entrollen –; dann <em>schieben</em> der DFB und die Öffentlichkeitsverweser schnell, wie ein Qualitätssportjournalist schriebe, <em>einen Riegel vor</em>, der Verband, indem er die Vereine mit Geldstrafen überzieht, und die Genossen Medienschaffenden, indem sie die Denunziationsbegriffe dazu liefern („transphob”, „rechte Provokateure”&nbsp;etc.).</p>



<p>Wir haben es mit einem ziemlich verrückten Paradox zu tun: dem Verfall der Attraktivität einer Sportart, die immer besser wird. Zugleich offenbart sich im Spitzenfußball jenes symbiotische Zusammenwirken von Wirtschaft und <em>Wokeness</em>, das zu den prägenden Phänomenen unseres Epöchleins gehört und dem meine Expektorationen hier immer wieder gelten. Während es eine Reihe Publikationen gibt, in denen die Verflechtung von Sport und Kommerz kritisch betrachtet wird, ist die immer stärkere Politisierung der europaweit populärsten Leibesübung ein Bestandteil der <em>Großen Transformation</em> der westlichen Gesellschaften in <em>Fragen-Sie-nicht</em> und hat deshalb als positiv zu gelten, was konkret so ausschaut, dass die meisten Sportjournalisten sie begrüßen und befördern, etwa indem sie Bücher gegen „Rassismus”, „Homophobie” und andere „rechte” Tendenzen im Fußball schreiben; ich hatte neulich einen dieser Autoren im Sortiment (<a href="https://www.klonovsky.de/2024/03/31-maerz-2024/">hier</a>, ein bisschen scrollen).</p>



<p>Ein Buch aus der eben skizzierten verfallsdiagnostischen Perspektive lag also, wie man sagt, in der Luft, und nun ist es <a href="https://www.manuscriptum.de/fussball-war-unser-leben.html">erschienen</a>.</p>



<p>„Eine toxische Allianz aus Kommerz und Ideologie gefährdet die ’schönste Nebensache der Welt’ in ihrer Substanz”, heißt es in der Ankündigung. „Von dieser Bedrohung durch Geschäftemacher, Politiker und ihre journalistischen Handlanger, die sich der Attraktivität des Fußballs parasitär bedienen, handelt dieses&nbsp;Buch.”</p>



<p>Der Verfasser ist Literaturhistoriker und emeritierter Professor, was in diesem Zusammenhang nicht unwichtig ist, denn er muss kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Günter Scholdt, Jahrgang 1946, hat – auch das ist in diesem Zusammenhang nicht ganz unwichtig – früher selbst gekickt, beim UFC Wacker 73 in der Kreisliga Saarbrücken. Was mir Gelegenheit zu einer kleinen Abschweifung verschafft. Wie im Saarland damals üblich, habe seine Mannschaft häufig auf „Brascheplätzen” gespielt, erinnert sich Scholdt, „mit der Folge, dass man jedes zweite bis dritte Spiel erhebliche Abschürfungen auf Knien oder Oberschenkeln nach Hause brachte, gesprenkelt mit etlichen roten Pünktchen. Man wachte auf, wenn die Bettdecke zu sehr auf lädierten Körperteilen lastete.” Ich weiß übrigens noch, was ein Schotter- bzw. Schlackeplatz, wie sie in Berlin genannt wurden, war; ich trage noch immer ein paar schwarzblaue Schlackekrümel vom Kissingenstadion in Berlin Pankow sichtbar unter der Haut an meinen Knien. Damals erklärte mir ein Bezirksklasse-Kicker der technisch beschlageneren Sorte, er spiele lieber auf Schotter als auf dem Rasen, weil der Gegner sich dort dreimal überlege, ob er eine Grätsche riskiere. In seiner Mannschaft, sekundiert Scholdt, seien damals Wetten darauf abgeschlossen worden, wie lange es dauern werde, „bis ein Rasenplätze gewohnter Neuling sich das Grätschen abgewöhnte”. Abschweifung beendet.</p>



<p>Verweilen wir gleichwohl noch im Nostalgischen. Womöglich, ach was: mit Sicherheit hat der Fußball in den schlimmen <em>präwoken</em> Zeiten seine integrative Kraft weit besser bewiesen als heutzutage. „In unseren Reihen waren alle Fakultäten, Urteile und Vorurteile vertreten. Praktizierende Christen und Atheisten, klassische Wirtschaftsliberale mit FDP- oder CDU-Prägung oder Linke, von den Jusos bis zur DKP”, erinnert sich Scholdt. „Übrigens waren wir auch multikulturell aufgestellt. Ohne lange nachzudenken, fallen mir als Mannschaftskameraden Türken, Tunesier, etliche Schwarzafrikaner, ein Algerier, Grieche und Argentinier ein – das Ganze ohne spezifische Absicht oder Verhaltensideologie. Unsere fremdstämmigen Mitspieler beanspruchten keine ‚korrekte’ Sprache, weil daran schlicht kein Bedarf bestand. Ich erinnere mich an eine ausgiebige Kneipenfeier nach einem für unsere Verhältnisse grandiosen Sieg. Auch unser Mittelfeldtalent Modou aus dem Senegal feierte tüchtig mit. Als Moslem des dabei üblichen Bierkonsums ungewohnt, machte er bald schlapp, worüber beim nächsten Training ausgiebig gelästert wurde. (…) In Sachen Völkerverständigung via Fußball erinnere ich mich an ein spannendes Match mit jungen afrikanischen Deutschlehrern. Sie waren im Rahmen eines Kulturaustauschs nach Saarbrücken gekommen, und ich habe sie eine Woche lang per ‚Sommeruniversität’ unterrichtet. Als krönenden Abschluss verabredeten wir ein Match zwischen unserem UFC und den Gästen, die hochbegabte Spieler in ihren Reihen hatten. Wir verloren 1:2, was keine freiwillig-diplomatische Niederlage war. (…) Es folgte ein rauschendes Fest in unserer Wohnung.”</p>



<p>Von Fremdenfeindlichkeit, fährt Scholdt fort, habe er in Jahrzehnten aktiver Fußballtätigkeit „praktisch kaum etwas verspürt”, und er sei auch nie auf Antisemitismus gestoßen. „Erst gegen Ende meiner aktiven Zeit zeigten sich Probleme in Matches gegen eine fast homogene Türkenmannschaft mit einer erkennbaren Steigerung der Brutalität. Wohlgemerkt galt das nicht für Einzelne, sondern für das ethnische Kollektiv. Einer meiner Nachfolger im Traineramt war übrigens Türke. Das klappte so reibungslos, dass darüber niemand ein Wort verlor. Gleichwohl wollen uns heute ideologiebesoffene Schnösel in ihren Diskriminierungsämtern nachträglich belehren, dass schon zu dieser Zeit zumindest unterschwelliger Rassismus am Werke war. Eher wurde mehrheitlich Multikulti gelebt, bevor der Begriff in Mode&nbsp;kam.”</p>



<p><em>Tempi</em> abermals <em>passati</em>. Aber als Hintergrundfolie und Kontrastmittel sind solche Erinnerungen recht hilfreich, speziell für jene Bleichgesichter, die sie aus Altersgründen nicht teilen können und den aktuellen Gängelbetrieb für etwas Naturgegebenes halten. Inzwischen läuft unter Schlagworten wie „Viefalt”, „Buntheit” und „Diversity” eine Dauerwerbesendung für Gesellschaftsspaltung. Blicken wir mit Scholdt nochmals zurück, diesmal indes nur auf die vorhin erwähnten gesamtklimaverwandelnden zwei Jahrzehnte:</p>



<p>„2006 bereits verlas Philipp Lahm als Spielführer vor Länderspielbeginn eine vorgefertigte Erklärung gegen den Gummibegriff ‚Rassismus‘, eine Kundgebung, die an DDR- oder FDJ-Losungen erinnert. Auch Ballack, Metzelder, Mertesacker oder Hitzlsperger wie die Nationalelf warben im ‚Netz gegen Nazis‘ und etlichen anderen Plattformen dieser Art. Leon Goretzka trug zudem einen albernen ‚Kein Fußball den Faschisten‘-Sticker. Auch ließ er sich fürs Bundesbahn-Magazin DB mobil mit Antifa-Devotionalien auf dem DFB-Trikot fotografieren. Und der Tapfere schwenkte auch noch eine Fahne ‚Gegen Nazis‘. Zur Unterstützung von Merkels Flüchtlingspolitik dienten Bundesligatrikots mit ‚Refugees Welcome‘-Aufschriften. Es folgten DFB-gestützte Kampagnen gegen CO2-Verbrauch oder für das regierungsamtliche Corona-Management. Zuweilen knieten deutsche Nationalspieler im Auftrag von Black Lives Matter oder beteiligten sich an diversen Lobbyaktivitäten für LGBTQ oder ‚Fußball kann mehr‘ zur Verstärkung von Frauenquoten im Verband und Anhebung der Spitzengehälter von Spielerinnen.“</p>



<p>Akribisch beschreibt der sachkundige Emeritus, wie die „schönste Nebensache” in den vergangenen zwanzig Jahren für die politischen Propaganda vereinnahmt wurde. Der Fußball ward auf Linie gebracht wie die Universitäten, der Kulturbetrieb, die Kirchen und große Teile der Wirtschaft. Das handelnde Personal ist genreübergreifend so identisch wie austauschbar. „Man blicke auf unsere Sportfunktionäre und ihre typischen Karrieren: DFB-Präsident Bernd Neuendorf (SPD, früher Staatssekretär in NRW), der 1. Vizepräsident Hans-Joachim Watzke (CDU, alte JU-Freundschaft mit Friedrich Merz und etlichen politisch einflussreichen Lobbygruppen attachiert), Reinhard Rauball (SPD, Ex-NRW-Justizminister), Vizepräsident Hermann Winkler (CDU, der sein halbes Leben in der Politik verbrachte). Oder die grüne Freiburg-Connection mit etlichen Vorstandsämtern und Jogi Löw als Steinmeier-Wahlmann. Der neue DFB-Geschäftsführer Sport, Andreas Rettig, war zuvor bereits bei St. Pauli, Freiburg und Köln mit überschaubarem sportlichen Erfolg, aber einschlägigen ‚Werte‘-Sprüchen tätig. (…) Man könnte weitermachen mit Vereinschefs wie Frankfurts Peter Fischer mit besten (auch für ihn selbst äußerst hilfreichen) Verbindungen zu Frau Faeser und dem grünen Bundesvorsitzenden Nouripour.”</p>



<p>Im Zentrum allen Gleichschaltungsfurors steht natürlich die <del>National</del>Mannschaft. „Der DFB ist kolonisiert wie etliche Institutionen in unserem Staat“, konstatiert Scholdt – und wer würde ihm da widersprechen? Nachdem der peinliche Auftritt der Deutschen sowohl auf dem Rasen als auch auf der Tribüne bei der WM in Katar aufgrund des hochverdienten Ausscheidens in der Vorrunde wenigstens eine zeitliche Begrenzung und viel noch verdientere Häme erfuhr, droht bei der Europameisterschaft das Weiterkommen samt Agitprop-Begleitung sämtlicher Spiele: „Im Januar wurde von Staatsministerin Claudia Roth und Philipp Lahm ein begleitendes ‚Kulturprogramm‘ vorgestellt, wofür die Regierung – warum wohl? – 13 Millionen unserer Steuergelder berappt. In 300 Veranstaltungen werden uns – es graust einen bereits bei dieser wohlklingenden Etikettierung – Fußballwerte wie ‚Fair Play, Respekt und Toleranz‘ vermittelt, von musikalischen und tänzerischen Darstellungen bis zu Grundschul Events. Um welche Art versteckter Wahlkampfhilfe es sich handelt, verriet der notorisch mainstreambeflissene Turnierdirektor Lahm, indem er auf die jüngsten Demonstrationen gegen die AfD verwies, in deren Geist die Initiative verlaufe. Eine Offenherzigkeit, die sich von Schamlosigkeit nicht mehr unterscheidet.“</p>



<p>Der Verfasser erinnert daran, dass anno 2015 der damalige Teammanager Oliver Bierhoff im <em>Kicker</em> ausgeplaudert hatte, „dass der Anstoß für die Begriffskastration der Nationalmannschaft zur bloßen ‚Mannschaft‘ auf Anregung Merkels erfolgte. Auch der Austausch von Schwarz-Rot-Gold zu Weiß-Weiß-Weiß Plus ist auf politischem Mist gewachsen. Derartiges fördere laut Bierhoff angeblich ‚die Identifikation von Fans und Spielern mit unserer Mannschaft‘.”</p>



<p>„Kann man”, fragt Scholdt, „ahnungsloser sein?” (Ich glaube nicht an Ahnungslosigkeit, <em>by the way; </em>die symbolische Denationalisierung ist wohl eher ein dem <em>Großen Austausch</em> sekundierender Designwechsel.)</p>



<p>Ein Kapitel des Buches widmet sich dem „gehypten” Frauenfußball. „Es muss für Feministinnen besonders lustvoll sein”, spekuliert der Autor, „sich nicht auf Sportarten zu beschränken, in denen der ‚Mehrwert‘ sich von selbst ergibt (Gymnastik, Tanz, Eiskunstlauf etc.), sondern in eine milliardenschwere Männerdomäne einzubrechen, die sie bestens nährt, während frau sich zugleich in der Opferpose gefällt, unterstützt von domestizierten Funktionärs- und Propagandamännchen. Schon in den späten 1950ern hatten wir Jungs übrigens bei unserer dörflichen Kickerei nichts dagegen, dass sich ein begabtes, nicht wehleidiges Mädchen anschloss. Und heute gibt es im DFB Mädchen- wie Jungenteams, die bis zu einer bestimmten Altersstufe sogar gemeinsam antreten. Aus der F‑Jugend-Zeit meines Sohnes erinnere ich mich bewundernd eines beachtlichen weiblichen Talents, das manche Jungs alt aussehen ließ. Eine meiner Enkelinnen spielt Fußball.” Misogyn scheint der Herr Professor jetzt nicht unbedingt zu&nbsp;sein.</p>



<p>Der Qualitätsunterschied zwischen Fußball und Frauenfußball lässt sich gleichwohl nicht aufheben. Scholdt erinnert an die Binsenwahrheit, dass die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen im Fußball keine Frage der Gerechtigkeit ist, sondern eine von Angebot und Nachfrage. Im Schnitt verzeichne die Bundesliga der Frauen pro Spiel 1000 Zuschauer. „Ein einziger Drittligist wie Dynamo Dresden zählte in seinen Heimspielen 456.409 Zuschauer, das heißt rund 28 Prozent mehr als die ganze Frauenliga.“ Und alle Frauenförderung, die Etablierung von Fußballfunktionärinnen, weiblichen Fühungskräften in den Vereinen, Schiedsrichterinnen, Kommentatorinnen etc., die eine der letzten <em>Männerdomänenaufbrechen</em> sollen (bevor die Moslems oder die Faschisten hier wieder für Geschlechtertrennung sorgen), sind nicht imstande, das Gekicke der Schwestern als sogenannten Publikumsmagneten zu etablieren. Was die Holden aber keineswegs daran hindert, die Öffentlichkeit mit Klagen wegen ihrer angeblichen Unterbezahlung und ihres generellen, wahrscheinlich strukturellen Benachteiligtwerdens zu behelligen.</p>



<p>Ich rücke im Folgenden einen längeren Abschnitt aus dem Frauenfußballkapitel ein, der illustriert, mit welcher Hydra man es zu tun&nbsp;hat.</p>



<p>„Vielleicht sähen manche Frauenfußball-Gläubige die Dinge anders, wüssten sie, wie umfassend sie manipuliert werden, noch dazu in einer für die meisten schlicht unvorstellbaren finanziellen Dimension. Denn was angeblich Volkes Wille ist, wurde durch systematische politisch-kommerzielle Lobbyarbeit erst erzeugt – von weltumspannenden Organisationen bzw. Initiativen zur Durchsetzung von Gleichheitsdogmen. (…) Da gibt es ‚Feminist Futures for Football!?‘ (natürlich gegen jede Art von Diskriminierung), ‚Discover Football‘, ein ‚Frauen*-Fußball-Kultur-Festival‘ (seit 2017 Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund). Beide gestützt durch die Friedrich-Ebert-Stiftung sowie Politik und Wirtschaft. Die DFB-Kulturstiftung unterhält im höchsten Gremium die Arbeitsgemeinschaft Vielfalt und besoldet zusätzlich einen Botschafter dafür. Leiterin ist bezeichnenderweise die St.‑Pauli-Mitgliedin Claudia Wagner-Nieberding. Zur Agenda wurde die Initiative spätestens unter Merkel. Baerbock fördert ‚Discover Football‘, wobei überall ‚Geschlechterrollen aufgebrochen‘ oder demaskiert werden zugunsten von gelebter Diversität. Auch die Heinrich-Böll-Stiftung, die Linkspartei, VW und Claudia Roth sind im Frauenboot, oder Michelle Müntefering, die schon vor Jahren eine feministische Außenpolitik proklamieren&nbsp;half.</p>



<p>Die regelmäßig als DFB-Chefin ins Spiel gebrachte Katja Kraus, liiert mit der Ex-Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium Katrin Suder, erstrebt per Netzwerk einen Systemwechsel im deutschen Fußball. Das Ganze als Teil der neunköpfigen Feminismus-Initiative ‚Fußball kann mehr‘. Es geht um Frauenquoten in Sportgremien und Fan-Organisationen, ‚geschlechtergerechte, diskriminierungsfreie Sprache‘, ‚Sanktionierung jeder Form von Sexismus und Diskriminierung auch außerhalb des Platzes‘. Und schon sind wir bei Maulkörben und frau zeigt Krallen. Im Zeit-Interview vom Mai 2021 präsentierte sie ein ‚Diversity-Programm‘ als Teil des Lizenzierungsverfahrens der DFL. Das bedeutet schlicht: <em>Bundesligavereine, die sich nicht gendergerecht verhalten oder die Frauenquote ignorieren, riskieren Lizenzentzug </em>(Hervorhebung von mir – M.K.).</p>



<p>So viel Entschiedenheit imponiert natürlich Michael Horeni (<em>FAZ</em>-Sportredakteur, Physiognomisten klicken bitte <a href="https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&amp;sca_esv=9eeb101476a64b32&amp;sxsrf=ADLYWIJ5sEyJoeWf1SCodY6kg7peNGThkA:1715779033510&amp;q=michael+horeni&amp;uds=ADvngMhDNpEni0P7O0qvPcH0EAwumxtQ-hSSXehw81aU10yfH8IYrid9INSLAJslcyLflwONfjdpbIlXnD-Kp3qWuqB1vYxpEVyUb3ff9X42vSmD20eL-7DeIcDkS2zBE5bCQk-Qfj9JkoOJFBSRGnP7o0jDy6caZPhrwzSsFPk9neIVTDUcFH8v2YCu8tN2heAy39KyRCJyd9BhsHFPQ5x80Ocez3yOamBS8LA4sTrS7Ju_ECbOJXedwhComLIrk7gbkUnBn_xq&amp;udm=2&amp;prmd=invbz&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwidtrj-3o-GAxVq_7sIHRC_C8gQtKgLegQIDxAB&amp;biw=1352&amp;bih=692&amp;dpr=2">hier</a>): Kraus bringe alles mit, um den DFB zu führen. Im Fußball- und Sportbusiness habe sie längst ihr Talent bewiesen, unter anderem als geschäftsführende Gesellschafterin der Sportmarketing-Agentur Jung von Matt/sports oder als langjährige Aufsichtsrätin bei Adidas. Sie sei ‚eng vernetzt mit dem politischen und medialen Betrieb‘. Was wir gerne glauben, denn ohne solche Beziehungen fiele ihr Image oder Einfluss erheblich bescheidener aus. So kann sie denn auch, Verbindungen von Kommerz, Politik und Sport offenlegend, die weitere Förderung des Frauenfußballs als Gemeininteresse feiern: ‚Immer mehr Entscheider verstehen, dass es wichtig ist, nicht nur im Hinblick etwa auf die gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch weil es ein Gewinn für die Marke ist und somit das <em>Geschäftsmodell</em> stärkt.‘</p>



<p>Zu weiteren Aktivistinnen gehören Jana Bernhard, Claudia Neumann (ZDF), <em>ran</em>-Moderatorin Gaby Papenburg, Bibiana Steinhaus-Webb, die Aufsichtsratsvorsitzende von St. Pauli, Sandra Schwedler, Almuth Schult und die Bundesvorsitzende der Fan-Vereinigung Unsere Kurve, Helen Breit. Sie sind eng vernetzt mit dem Bündnis Aktiver Fußballfans, entstanden aus dem Bündnis antifaschistischer Fanclubs und Faninitiativen, zudem Teil des Netzwerks Football Against Racism in Europe. Die Vereinigungen sind in die Gremien der Fußballverbände integriert und beeinflussen DFB und DFL mehr, als einem lieb sein kann. Weitere Verbindungen bestehen zur Initiative F_in Netzwerk Frauen im Fußball, einer Vereinigung meist weiblicher Fans mit Wissenschaft und Medien. Kopf des Netzwerks ist Antje Hagel, eine radikale Feministin der 1980er, Ko-Autorin des Linkspamphlets ‚Tatort Stadion. Rassismus, Antisemitismus und Sexismus im Fußball‘.</p>



<p>Hinzu kommt das (von der Fußballerin Chantal Hoppe und dem ehemaligen Bundessprecher der Grünen Jugend Andreas Gebhard gegründete) DFB-nahe Netzwerk Female Football Academy als weitere Lobbygruppe für Frauenquoten und Gender. Unter gemeinsamer Berliner Adresse operiert die Newthinking Communications GmbH des Ex-Grünen-Funktionärs und ‚Netzaktivisten‘ Markus Beckedahl. Unterstützung aus dem grünen Milieu erhalten die Netzwerke zudem von Claudia Roth, die in zahlreiche DFB-Projekte eingebunden ist, unter anderem als Mitglied der DFB-Kulturstiftung. Ex-Weltmeisterin Ariane Hingst wiederum gehört zu den Gründerinnen eines Frauenfußball-Projekts bei Viktoria Berlin, in dem sich viele prominente Frauen engagieren, wie Franziska van Almsick, Maria Höfl-Riesch, Carolin Kebekus oder Dunja Hayali.“</p>



<p>Das einzig Kritikwürdige am Buch ist das Fehlen eines Registers. Dann hätte man die Opportunisten und Lobbyisten, Zertrümmerfrauen und Absahner*:_innen alle nachschlagegerecht beisammen.</p>



<p>In einem anderen Kapitel beschäftigt sich Scholdt, durch seinen Freizeitkickerhintergrund empirisch im Bilde, mit den Gewalttätigkeiten, die nicht erst seit den <em>Tagen des freundlichen Gesichts</em> im Amateurfußball immer häufiger hervorbrechen, sich in Schlägereien, Verletzungen, Angriffen auf Schiedsrichter, Polizeieinsätzen und Spielabbrüchen manifestieren und weniger der Politisierung dieses Sports geschuldet als vielmehr eine direkte Folge der Politik sind. Unter Politisierung fällt lediglich das offizielle Beschweigen des Problems.</p>



<p>Zuletzt ein Gedankenspiel. Der eine oder andere <em>Boomer</em> wird sich noch an Paul Breitner erinnern, der zur Zeit von Maos chinesischer Kulturrevolution „aus Spaß an der Provokation mit der <em>Peking Rundschau</em> posierte” (Scholdt). Wenn man das alte Photo <a href="https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&amp;sca_esv=625cbf2fb36fd98a&amp;sxsrf=ADLYWIJ5OD2xUfSWqSzMfULjA17eU545-Q:1714903051254&amp;q=breitner+mao+tse+tung&amp;uds=ADvngMgNG4qWEcyOv6mZ7d9R1NXiLSJkeOzyfZM5Wg_K-oHJWX-ADQOLnmJSuJcpMiYX2IkmZwSV9UkYIqHlSFTMtRiGV5Ze1jzY9O7TjchYEgY9rZaJlLrVeXkLWZUt_vqtr-7jYjU1frIgswXp5AxwqjuIEdnRo0ZVCISudjYtlkMTTOHZgWwAq4fHLf7YIwT2tamIMXgGSOBvb-KHKfcyaMuXa7kkCTq1CQ2omo_it4RWa_aUspbnQCTr-BlGjuo23T9A4QeR&amp;udm=2&amp;prmd=ivnbz&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwirtsbZn_aFAxWYYPEDHdxwCawQtKgLegQICxAB&amp;biw=1339&amp;bih=694&amp;dpr=2#vhid=SihjtCR80ezdDM&amp;vssid=mosaic">gugelt</a>, wird es noch delikater: Der „rote Paul” sitzt sogar unter einem Konterfei des größten Massenmörders der bisherigen Geschichte, was in der so linken wie entspannten BRD der 1970er Jahre niemanden kümmerte; es war ja nicht Hitler (oder Strauß). „Aber kein Bundestrainer überlebte es heute, wenn er sich öffentlich mit der <em>Jungen Freiheit</em> oder <em>Compact</em> erwischen bzw. fotografieren ließe”, notiert der Emeritus. Um zu ermessen, in welchem Maße sich diese Republik seit Breitners aktiven Zeiten in Richtung Gesinnungsstaat entwickelt hat, male man sich nur aus, der Leverkusener Spieler Florian Wirtz, Deutschlands momentan größtes Talent und teuerster Kicker, ließe sich unter einem Plakat von Björn Höcke (oder Donald Trump) ablichten oder spräche sich für die Wahl der Schwefelpartei aus: Der Gute dürfte niemals wieder in der Bundesliga oder für die Nationalmannschaft, nein: die „Mannschaft” auflaufen, die öffentliche Bestie würde seinen Kopf fordern, und Leverkusen könnte kaum noch rechtfertigen, den Gedankenverbrecher gegen eine hohe Summe ins Ausland abgeschoben zu&nbsp;haben.</p>



<p>Das ist der Stand der&nbsp;Dinge.</p>



<p></p>



<p class="has-large-font-size">Dieser Text erschien zuerst in den <a href="https://www.klonovsky.de/2024/05/18-mai-2024/?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR0YAw6boqQSch6Hr6kBdcJXfNJypxN2su8eYM0_O5vntOD-lHilhANNixk_aem_AWYxjsdfMfXM74wWrnQtcP6OtLdcTq-ZCquvGlAtwIAjNkKj6Lh6TzQB-D-zwQFP5TcC7TuuLpXG2RSFdbWBZSb1">Acta Diurna.</a><br>Wir danken Michael Klonovsky für die freundliche Erlaubnis zur Übernahme.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/fussball-war-unser-leben.html"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="672" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-672x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2517 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-672x1024.jpg 672w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-197x300.jpg 197w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-768x1171.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-1008x1536.jpg 1008w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-1343x2048.jpg 1343w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover.jpg 1575w" sizes="(max-width: 672px) 100vw, 672px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Günter Scholdt: Fussball war unser Leben</h2>



<p>Wie Kommerz und Politik die schönste Nebensache der Welt fast zerstörten</p>



<p>Milliarden auf der Erde stehen im Banne des Fußballs. Doch eine toxische Allianz aus Kommerz und Ideologie gefährdet die »schönste Nebensache der Welt« in ihrer Substanz. Von dieser Bedrohung durch Geschäftemacher, Politiker und ihre journalistischen Handlanger, die sich der Attraktivität des Fußballs parasitär bedienen, handelt dieses Buch. Seine politik- und medienkritische Ausrichtung wird von dem unabweisbaren Eindruck einer immer penetranteren Instrumentalisierung des Sports über aktuelle Global-Agenden bestimmt. Der soziologische Blick des Buches verbindet sich dabei mit persönlichen Einsichten des Verfassers als dem Fußball verfallener Schüler, jahrzehntelanger Amateurkicker und verschiedentlich Trainer, passionierter Club-Fan und leidgeprüfter Anhänger einer Nationalmannschaft, die zunehmend ihren Nimbus verspielt.</p>



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			</item>
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		<title>Erst Sprachumbau, dann Angriff auf die Lebenswelt!</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/erst-sprachumbau-dann-angriff-auf-die-lebenswelt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2022 10:56:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2020 dechiffrierte Michael Esders das Sprachregime. Der smarte Totalitarismus globalistischer Eliten geht indes noch einen gravierenden Schritt weiter: Damit der Weltumbau gelingt, muss die alte &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/500x681_esders.jpeg" alt="" class="wp-image-2447" width="375" height="511" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/500x681_esders.jpeg 500w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/500x681_esders-220x300.jpeg 220w" sizes="(max-width: 375px) 100vw, 375px" /></figure></div>


<p>2020 dechiffrierte Michael Esders das <a href="https://www.manuscriptum.de/sprachregime.html">Sprachregime</a>. Der smarte Totalitarismus globalistischer Eliten geht indes noch einen gravierenden Schritt weiter: Damit der Weltumbau gelingt, muss die alte Lebenswelt einer „neuen Normalität“ weichen. Diese neue Normalität soll auf erprobte kulturelle Bestände verzichten. Kann der Umbau dann aber überhaupt langfristig Bestand haben? Im Gespräch mit Manuscriptum klärt Michael Esders auf und warnt vor einem – zugegeben naheliegenden – Trugschluss.</p>



<p><strong>Manuscriptum: Lieber Herr Esders, Sie warnen in ihrem neuen Buch </strong><a href="https://www.manuscriptum.de/ohne-bestand.html"><strong><em>Ohne Bestand</em></strong></a><strong> vor einem „Absolutismus der Vernunft“. Wie meinen Sie das? Was vergessen jene, die annehmen, in der Politik stünden sich idealistische Ideologen und vernunftbegabte Pragmatiker gegenüber?&nbsp;</strong></p>



<p><strong>Michael Esders: </strong>Diese Warnung ist kein Plädoyer für einen neuen Irrationalismus. Im Gegenteil: Es geht mir in konservativer Perspektive um eine Verteidigung der abendländischen Rationalitätskultur. Gerade deren universellen Gehalte sind in einem hohen Maß eigentümlich, worauf unter anderem Max Weber hingewiesen hat. Sie sind „Bestand“ in dem Sinn, den ich in meinem Buch herausarbeite, und als solcher bewahrens- und verteidigenswert. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion, zur Kritik an unseren Traditionen und Überlieferungen, verdanken wir eben diesen Traditionen und kulturellen Beständen. Wohin die Preisgabe dieser Errungenschaften führt, erleben wir gerade schmerzlich.</p>



<p>&nbsp;„Idealistische Ideologen“ und „vernunftbegabte Pragmatiker“ sind Zuschreibungen, die den Grundkonflikt verfehlen. Die Philosophie im 20. Jahrhundert ist von einer radikalen Kritik an dieser Rationalitätskultur geprägt. Diese wird als repressiv, machtversessen und zutiefst mit Gewalt verstrickt kritisiert und verworfen. Dieses Motiv finden Sie bei ganz unterschiedlichen Denkern: Max Horkheimers Kritik der „instrumentellen Vernunft“ ist in dieser Hinsicht Martins Heideggers Kritik am „rechnenden Denken“ oder Jacques Derridas Kritik am „Logozentrismus“ nicht unähnlich. In allen Fällen entfaltet die Vernunftkritik das ganz große Panorama der Verworfenheit.</p>



<p>In jüngster Zeit erleben wir, wie eine maßlose Kritik und Selbstdekonstruktion in eine neue Megalomanie umschlägt. Die Postmoderne hatte das „Ende der Großen Erzählungen“ ausgerufen. Jetzt spricht Klaus Schwab, der Chef des <em>World Economic Forum</em>, vom „Great Narrative“ der Welttransformation. Diese angemaßte, mit höchsten Dringlichkeiten wie „Klimarettung“ ausgestatte Weltvernunft ist nicht nur bestandsvergessen, sondern auch absolutistisch und in der Tendenz totalitär.</p>



<p><strong>„Gehe von deinen Beständen aus, nicht von deinen Parolen“, meißelte Gottfried Benn in Stein. Das läßt sich nicht nur auf soziale Üblichkeiten anwenden, sondern verweist doch vor allem auch auf die natürlichen, materiellen Grundlagen des Lebens und Wirtschaftens. Der „Great Reset“ blieb ja bisher eine weitestgehend folgenlose Parole, weil unsere Gesellschaft sich nicht neu starten lässt, sondern weiter auf Öl, Gas, Kohle und konventionelle Energie-Erzeugung angewiesen ist. Überschätzen Sie deshalb nicht womöglich die ausgerufene Welttransformation und die „Weltvernunft“?</strong></p>



<p>Der Angriff auf die materiellen und wirtschaftlichen Grundlagen der Gesellschaft, wie er sich zum Beispiel in der bewusst provozierten Energiekrise immer deutlicher abzeichnet, steht nicht im Zentrum meines Buches. Mir geht es primär um die kulturellen, sozialen und geistigen Bestände – die gewachsenen Üblichkeiten der Lebenswelt, die schon erwähnte Rationalitätskultur, den welterschließenden Bedeutungsbestand der Sprache und letztlich die Maßgeblichkeit der Realität selbst. Wenn diese Ressourcen der Selbstverständlichkeit angetastet oder gar vernichtet werden, dann betrifft dies früher oder später auch die materiellen Reproduktionsbedingungen. Ein Beispiel sind die tief in den Alltag eingreifenden Corona-Maßnahmen mit „Social Distancing“, Maskenpflicht, schikanösen Nachweispflichten, Kontrollsystemen und Impfpflicht-Androhung: Wer sich über viele Monate, sogar Jahre teilweise existenzbedrohender staatlicher Willkür ausgeliefert sieht, von dem ist kaum mehr Loyalität gegenüber dem Staat und seinen Institutionen zu erwarten. Es wurde in einem hohen Maß Vertrauenskapital zerstört, was auch ökonomisch negativ zu Buche schlagen wird. Von psychischen und medizinischen Folgen der Maßnahmenpolitik ganz zu schweigen. Eine ganz ähnliche Beobachtung machte Rolf Peter Sieferle in Bezug auf das Migrationsproblem und die kulturelle Fragmentierung der Gesellschaft.</p>



<p>Ihren Befund, der „Great Reset“ sei nur eine folgenlose Parole, teile ich nicht. Die Welttransformations-Programme wie beispielsweise die Agenda 2030 der Vereinten Nationen sind real und werden vor unseren Augen ohne Rücksicht auf Verluste exekutiert. Ich meine nicht nur die Dekarbonisierung, die auf Deindustrialisierung hinausläuft, sondern vor allem auch die digitale Agenda: Digitales Zentralbankgeld, ein nur vorgeblich bedingungsloses Grundeinkommen, die Einführung einer digitalen Identität für alle und schließlich ein Sozialkreditsystem nach chinesischem Vorbild. Die „Pandemie“ war ein erster Testlauf für vergleichsweise primitive Prototypen, weitere werden folgen.</p>



<p><strong>Aber bei den Geschlechter-Dekonstruktivisten ist doch das Ende absehbar. Wenn sie sich nicht mehr fortpflanzen, setzen sich jene durch, die in ihrer Lebenswelt an der polaren Norm festgehalten haben. Als wie wahrscheinlich schätzen Sie es also ein, dass die Bestandsvergessenheit von Dauer ist?</strong></p>



<p>Auch die Dekonstruktion der Geschlechtsidentität wird weiter Fahrt aufnehmen. Der Gendersprech – eine Art Gesinnungsgrammatik – wird in immer mehr Bereichen der Gesellschaft entweder zum wichtigen Distinktionsmerkmal oder sogar obligatorisch. Der Kult der „queeren“ Identitäten ist ungebrochen, und das „Selbstbestimmungsgesetz“ schafft juristisch Fakten.</p>



<p>Ihre Prognose einer natürlichen Limitation nicht-binärer Lebensformen lässt die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin unberücksichtigt. Aber sie lässt eine interessante, typisch konservative Denkweise durchscheinen: Die Erwartung, dass keinen Bestand haben wird, was seine Bestände zerstört. Dass sich also sozusagen die Bestandslosigkeit selbst richtet. Aber genau das ist keinesfalls mehr ausgemacht. Nach der Zerstörung der gewachsenen Gewohnheitsgefüge – ein schöner Begriff von Arnold Gehlen – könnte die Sozialtechnologie das Vakuum füllen. Eine digitalpanoptisch auf Dauer gestellte Bestandslosigkeit: keine schönen Aussichten!</p>



<p><strong>Lassen Sie uns einmal die Sphären der Philosophie und weltgeschichtlichen Tendenzdeutung verlassen: Sie wollen Nahbeziehungen reaktivieren, Enklaven der Lebenswelt kultivieren und fordern einen „bestandsbewussten Widerstand“. Wie soll das konkret gelingen? Das eigene Smartphone zertrümmern, in ein Dorf ziehen und ein biedermeierliches Leben führen? Fehlt diesem Aussteiger-Ansatz nicht der Anspruch auf politisches Handeln?</strong></p>



<p>Wie aus konservativer Sicht ein richtiges Leben im falschen gelingen kann, hat David Engels in seinem Buch „Was tun?“ sehr konkret herausgearbeitet. Seine Empfehlung einer im Kleinen anzustrebenden Autarkie teile ich.</p>



<p>Was die Aussichten großer Widerstandsbewegungen angeht, bin ich sehr skeptisch. Ob Gelbwesten in Frankreich, Querdenker in Deutschland oder die Trucker-Proteste in Kanada – die Erfolge blieben aus. Ein Grund sind immer effektiver angewandte Repressionsmaßnahmen. Zudem hat die Masse als physische Formation stark an Macht verloren, weil der öffentliche Raum in der medialen Panfiktion an Bedeutung eingebüßt hat. Im Verbund haben Massenmedien und Digitalplattformen die Macht, selbst große Massenbewegungen in den toten Winkel der Aufmerksamkeit zu verbannen. Unter diesen Bedingungen ist es unmöglich, die Deutungshoheit über die eigene Bewegung zu erlangen und zu behaupten.</p>



<p>Die megalomanen Umbauprogramme und die Hybris ihrer planetarischen Ambitionen mit einem großen Gegenentwurf zu kontern, wäre weder konservativ noch zielführend. Das Bestandsbewusstsein bewährt sich im Nahbereich, kann sich nur dort bewähren. Das hat nichts mit Biedermeier oder Rückzug zu tun. Bestände sind niemals global oder universell, sondern räumlich begrenzt, arrondiert, am Eigenen ausgerichtet.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Die Verfechter der Welttransformation stempeln alle zu Extremisten, die auf der Maßgeblichkeit des historisch Gewachsenen und Bewährten beharren. Dabei sind diejenigen, die dessen natürliches Vorrecht ignorieren, selbst die gefährlichsten Extremisten.</p>



<p>Wer die Gewohnheitsgefüge gegen die An- und Übergriffe der Sozialtechnokraten in Schutz nimmt oder auch nur in seinem Habitus Bestandsbewusstsein verkörpert, lebt in Gegnerschaft – ob er will oder nicht. Dies bekamen alle zu spüren, die ihre Lebensform, ihren Alltag gegen die Zudringlichkeit der „Neuen Normalität“ behaupteten. Eine gute Schule übrigens für das, was uns erwartet. Auch wer für Familie in einem nicht beliebig diversifizierbaren Sinn einsteht oder die herrschenden Sprachcodes unterläuft, ist Stachel im Fleisch.</p>



<p><strong>Vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/ohne-bestand.html"><img decoding="async" width="637" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/650x1045_ohne-bestand-cover-637x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2449 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/650x1045_ohne-bestand-cover-637x1024.jpg 637w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/650x1045_ohne-bestand-cover-187x300.jpg 187w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/650x1045_ohne-bestand-cover.jpg 650w" sizes="(max-width: 637px) 100vw, 637px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Michael Esders: Ohne Bestand</h2>



<p>Angriff auf die Lebenswelt.</p>



<p>Die westlichen Gesellschaften zerstören ihre Bestände rückstandslos. Wo man lange Zeit noch Fahrlässigkeit im Transformationsrausch vermuten konnte, steht Vorsatz nun außer Zweifel. Das Hygieneregime seit 2020 und die „Neue Normalität“ im endlos verlängerten Notstand sind nur der verheerendste Angriff in einer langen Reihe.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/sprachregime.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/Esders-Sprachregime-700x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2450 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Michael Esders: Sprachregime</h2>



<p>Die Macht der politischen Wahrheitssysteme</p>



<p>Michael Esders inspiziert das Schlachtfeld der Begriffe und Metaphern, das sich auf alle Lebensbereiche ausgeweitet hat. Der Literaturwissenschaftler dechiffriert die „Wahrheitssysteme“ (Michael Kretschmer) der deutschen Politik, die sich über alle diskursiven Gepflogenheiten hinwegsetzen. Er entziffert die Narrative der Willkommenskultur und des menschengemachten Klimawandels, in denen Haltungen über den Common Sense, Mythen über Theorien triumphieren.<br></p>



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</div></div>



<div style="height:71px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/menschendaemmerung.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="637" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung-637x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2308 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung-637x1024.jpg 637w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung-187x300.jpg 187w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung.jpg 650w" sizes="auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Leon Wilhelm Plöcks: Menschendämmerung</h2>



<p>Corona und die Große Transformation</p>



<p>In raschem Tempo vollzieht sich eine fundamentale Transformation von Mensch und Welt, die schon bald unumkehrbar sein könnte. Der im Zuge der Corona-Krise etablierte Ausnahmezustand dient einer technokratischen Weltelite als Trojanisches Pferd zur Durchsetzung einer Großen Transformation: der Vertreibung aus der realen in eine von kybernetischen Kontroll- und Steuerungsmechanismen beherrschte virtuelle Welt. Damit zieht eine noch nie dagewesene Form totalitärer Herrschaft herauf. In der neuen Normalität sollen menschliche Freiheit und Eigenverantwortung keinen Platz mehr haben.</p>



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		<title>Wiener Aktionismus 2022</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/wiener-aktionismus-2022/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Feb 2022 06:58:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine wahre Begebenheit. Von Patrizia Müller vom 25.02.2022 In einem Wiener Supermarkt. Lange Schlange vor der Kassa. Ein Bub tritt dem Herrn vor ihm immer &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Eine wahre Begebenheit.</p>



<p></p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/glasoeffnung.jpg" alt="" class="wp-image-2242" width="566" height="221" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/glasoeffnung.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/glasoeffnung-300x117.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 566px) 100vw, 566px" /><figcaption> </figcaption></figure></div>



<p>Von Patrizia Müller vom 25.02.2022</p>



<p>In einem Wiener Supermarkt. Lange Schlange vor der Kassa.</p>



<p>Ein Bub tritt dem Herrn vor ihm immer wieder gegen die Waden.</p>



<p>Der Herr spricht die Mutter des Buben an: „Bitt’schön, könnten’s dem Bubn soagn, dös a damit aufhöat?“</p>



<p>Antwort der Mutter: „Na, dös konn i net, dör is antiautoritär derzogen.“</p>



<p>Der Herr greift in seinen Einkaufskorb, nimmt ein Honigglas heraus, öffnet es und lässt den Honig über den Kopf des Buben fließen, mit den Worten: „Dös bin i a.“</p>



<p>Stimme aus dem hinteren Ende der Schlange: „Dön Honi zohl i.“</p>



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<p></p>



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<p></p>



<p></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="250" height="402" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/250x402_leben-unterm-regenbogen.jpg" alt="" class="wp-image-2243 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/250x402_leben-unterm-regenbogen.jpg 250w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/250x402_leben-unterm-regenbogen-187x300.jpg 187w" sizes="auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Leben unterm Regenbogen</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Das neue Geschlechterregime und seine Folgen</h2>



<p>Der Mythos von den „Befreiungsbewegungen“ hält sich hartnäckig: Gender-Doktrinen und der heutige Feminismus sind aber nicht bloß sexistisch gegenüber Männern, sondern auch zutiefst frauenfeindlich. Bedürfnisse, die von der magersüchtigen Doktrin der Gleichheit von Mann und Frau abweichen, werden nicht geduldet. Mit dem biologischen Geschlecht wird eine der elementarsten Tatsachen menschlicher Existenz geleugnet: die Bezogenheit der Geschlechter aufeinander, ohne die es uns alle nicht gäbe. In den sozialen Medien hat sich ein bunter Chauvinismus breitgemacht, der systematisch einen Keil zwischen die Geschlechter treibt – gefördert und vorangetrieben von der Politik. Auf der Homepage einer deutschen Stadtverwaltung „hebt“ man „gezielt den Geschlechterdualismus auf“ und ein britischer Richter erklärte die Überzeugung, dass es nur zwei Geschlechter gebe, für „in einer Demokratie nicht achtenswert“.<br>Pendant und Voraussetzung dieser Zerstörung der Zweigeschlechtlichkeit ist ein Kult sexueller Abweichung, der sich im Phänomen des „Drag Kids“ mittlerweile auch auf Kinder erstreckt. Die Lage ist historisch einzigartig: Eine Gesellschaft repräsentiert sich nicht in ihrer militärischen Macht, in ihren zivilisatorischen Errungenschaften und in ihren Gotteshäusern – stattdessen sucht sie ihren Ausdruck in der Zersetzung des natürlichen Geschlechts und in der Feier „interessanter“ Minderheitensexualitäten. Wie konnte es dahin kommen? Und: Gibt es Gegenkräfte?</p>



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		<title>Kunsthonig und kontrollierte Denkungsart</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/kunsthonig-und-kontrollierte-denkungsart/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Oct 2021 09:08:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Frank Sämmer vom 04. Oktober 2021. Man kann es nicht verleugnen und nicht übersehen. Mit der absoluten Geltung liberalisierter politischer Kriminalität der demokratischen Systeme &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading"><em>von Frank Sämmer  </em>vom 04. Oktober 2021.</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/10/Der_zweite_Traum_2013.jpg" alt="" class="wp-image-2115" width="535" height="483"/></figure></div>


<p></p>



<p>Man kann es nicht verleugnen und nicht übersehen. Mit der absoluten Geltung liberalisierter politischer Kriminalität der demokratischen Systeme und dem Zerfall verbindlicher gesellschaftlicher Wertigkeiten und Freiheiten durch Relativismus und Dekonstruktion sind Mensch und Natur jetzt in die Falle ihrer totalen Kapitalisierung geraten.<br>Viele wissen es, aber selbst nach 70 Jahren wissen es lange noch nicht alle!<br>Die politischen Zustände, die heute, einen Tag vor der Errichtung von Lagern für Unbotmäßige, jedermanns Leib und Leben betreffen, sind mir als Maler meines Geburtsjahrgangs nach den Maßgaben der kulturellen Bedingungen der BRD seit ihren Anfängen nicht wirklich neu.<br>Mit der Gründung des neudeutschen Konstrukts nach dem großen Krieg waren sogleich die alten kulturellen Grundrechte für Mensch und Künstler durch die Begriffsmacht der alliierten Sieger nicht nur umnazifiziert, sondern für alle Zeiten aberkannt. Fortan sollte Kunst nicht mehr dem persönlichen Urteil, den natürlichen Sinnen und den Wertigkeiten des tatsächlichen Lebens in der Heimat folgen, sondern ein für allemal durch eine Staatskunst entidentifizierender Formalismen in Besitz genommen und verbindlich neu geregelt werden.<br>Damit wurden Gestaltung, Sinnzusammenhänge, Gegenständlichkeit und&nbsp; Kunstgeschichte durch Umerziehungs &#8211; und Gehirnwäscheprogramme abgemustert und in einen obrigkeitlichen Dekor von abstrakter Ornamentik und multimedialem Trallala sinnloser Kunstsurrogate internationaler, multikultureller Belanglosigkeiten verwandelt. Sie werden von den angepassten deutschen Eliten bis heute als demokratisch unabweisbare, nur unter Kündigung der Arbeitserlaubnis oder der Anklage unerlaubten Nachdenkens und des Gesinnungsterrorismus als unbezweifelbare künstlerisch korrekte Gebote eingefordert.&nbsp;<br>Mit dem Anbruch des Anthropozän der weltbeherrschenden Großkaufleute sind Kunst und Künstler nur noch wertlose Neuworte für fabrizierte Herstellung und die Produzenten freien Unternehmertums, die ihr Muh und Mäh als Warenkunst in den Organisationen der Kreativwirtschaft und an den Terminbörsen für Bastelei verhökern. Gut und gerne vom staatlichen Kunstbetrieb hochgeschrieben, an den Staatskunstschulen von Staatskunstlehrern gelehrt und an Staatskunstschüler weitergegeben.</p>



<p>Welch eine böse Spiegelfechterei, was für ein dekadentes Ringelspiel von blinden Päpsten und nackten Kaisern mit Halskrausen groß und schwer wie Wagenräder, ellenlangen Zöpfen von Wichtigkeit, auf eilenden Spitzfüßchen mitgeführt. Und was für ein tägliches Schauspiel unglaublicher Erniedrigung des menschlichen Augensinns und seiner frei schweifenden Begabung durch die konditionierte Anbetung von Gebrauchsgütern in den Konsumtempeln und von verrosteten T-Trägern moderner Kunst auf öffentlichen Plätzen.<br>Abgesehen von den Dialogen, die gesunde Bürger mit leeren, durchlöcherten Leinwänden und in Plastikmüll drapierten Fischen unter Anleitung staatlicher Kunsterklärer in den Kunsthallen zu führen bereit sind. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p>So wird schon längstens von den hässlichen Vorläufern heutiger posthistorischer Staatsprogrammierer ein ideologischer Bürgerkrieg gegen die Natur des freien Augensinns und gegen seine künstlerische Ausdruckskraft geführt.<br>Und jetzt soll zur Zertrümmerung der klassischen Gattungen anschaulichen Denkens und Machens die unheilvolle Akzeptanz anmaßender Narrative von Desinformation und weiterer kultureller Zersetzung treten. Scheinpolitische, gesellschaftliche Bekenntnisse und geforderte Propagandabeteuerungen von Klimaschuld, Antirassismus, Fremdenliebe, Genderwahn und Virenbedrohung. Also Cancel Culture gegen den gesunden Menschenverstand und jede Evidenz, Kunst als Gehorsamsübung in einer demokratischen Diktatur, als eine Verdunkelung der Freiheit. Dazu fehlt jede repräsentative Agenda eines identitären Ganzen, weil die geblendete, zertrümmerte Gesellschaft keine gemeinschaftlichen Anforderungen eigenen Begehrens mehr formulieren darf. In Wirklichkeit und hinter der Tugendmaske sind die demokratischen Eliten Agenten fremder Mächte und Zuarbeiter eines globalen Tiefenstaates zur gänzlichen Verwertung von Natur und Mensch und der Enteignung seiner ursprünglichen kulturellen Identität und Sinnbegründung, abseits gewählter Repräsentanz.<br>Faschistische Ökosozialisten mit motorisierten Killerbienen und dem Kunsthonig kontrollierter Denkungsart.<br>Aber auf den bundesdeutschen Systemkünstler können sich die demokratischen Arkanisten mit ihren bösen Horoskopen sicherlich verlassen. Er war immer schon ein Meister obrigkeitlicher Konformität und Kunstverpetzer von Beruf. Dem notorischen Wendehals und Anpasser geht der Verrat seiner persönlichen Eigenart leicht von der Hand. Er ist bei jeder Gaunerei dabei, immer in der Angst, dass ihn seine Staatsfolge und seine billigen Konformitätsbeteuerungen nicht ausreichend legitimieren könnten.<br>So ist unser Land und seine Kunst der ganz großen Anschauung verlorengegangen.<br>An seinem Ende sind wir auf uns allein gestellt, müssen alles von Anfang an neu denken und machen.<br>Welche Aufgabe &#8211; wer kann sie vorstellen und wie soll sie gelingen?</p>



<p>Es bleiben nur noch Selberdenken, Selberschauen, Selbstvertrauen und die Räume eigener Vorstellungskraft ausmessen. Das ist sicher im Massenzeitgeist der Anpassung unter Umständen mit dem Gefühl von Unsicherheit, gefährlicher Absonderung und der Einsamkeit des Einzelgängers verbunden.<br>Aber er kann ja immer auf den Beistand der alten Götter hoffen, und ihr zaubrisches Lachen erfüllt ihn.<br>Dann ist das Leben wieder reich und schön.</p>



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		<item>
		<title>Demokratie und Zeitpräferenz</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/demokratie-und-zeitpraeferenz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Sep 2021 06:41:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel vom 28. September 2021. Eine der markantesten Lehren aus „Demokratie. Der Gott, der keiner ist“ von Hans-Hermann Hoppe betrifft die Zeitpräferenz. Hoppe &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading"><em>von Felix Menzel  </em>vom 28. September 2021.</h5>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/clock-1031503_1280-pixa-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-2105" width="512" height="288" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/clock-1031503_1280-pixa-1024x576.jpg 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/clock-1031503_1280-pixa-300x169.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/clock-1031503_1280-pixa-768x432.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/clock-1031503_1280-pixa.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></figure></div>



<p>Eine der markantesten Lehren aus <a href="https://www.manuscriptum.de/demokratie-der-gott-der-keiner-ist.html">„Demokratie. Der Gott, der keiner ist“</a> von Hans-Hermann Hoppe betrifft die Zeitpräferenz. Hoppe vertritt die Ansicht, Demokraten denken per se kurzfristig, während nur Könige und Kaiser in langfristigen, historischen Dimensionen Staatspolitik betreiben.</p>



<p>Mit Blick auf die Finanzen liegt er natürlich richtig. Um Wahlen zu gewinnen, lohnt es sich, Schulden aufzunehmen, um auf Pump wohltätig sein zu können. In Monarchien gibt es dieses Problem nicht.</p>



<p>Hoppe hat jedoch vielleicht auch etwas übersehen. Neben Corona war die Klima-Debatte das Hauptthema des alles in allem faden Bundestagswahlkampfes. Alle Parteien versuchten sich dabei mit Weitblick gegenseitig zu übertrumpfen. Von CDU bis Linkspartei hieß es, aus Sorge um die Zukunft unseres Planeten müßten wir uns einschränken, CO2 einsparen und einen jahrzehntelangen Umbau in Richtung „klimaneutraler“ Wirtschaft vornehmen.</p>



<p>Um diesem verführerischen, christlich angehauchten Narrativ eines nahen Paradieses, für das wir nur gegenwärtig ein bißchen Verzicht zu üben hätten, etwas entgegenhalten zu können, verwies die AfD indes mehr schlecht als recht auf die Weltgeschichte mit dem beständigen und teilweise abrupten Wechsel von Warm- und Kaltzeiten. Ihr Blick richtete sich also derart weit zurück, daß jede Verantwortung entfällt. Spiegelverkehrt verhält es sich bei den Altparteien. Sie bemühen eine in der Zukunft liegende Utopie, bei der nicht zu überprüfen ist, welchen Beitrag der Einzelne oder selbst Deutschland als Ganzes leisten kann.</p>



<p>Augenfällig wird so ein erschreckender Bedeutungsverlust der Realpolitik. Das betrifft abermals alle Seiten. Jene Grünen-Wähler aus München, die ihre Hoffnungen auf Jamila Schäfer projizierten, können ja nun nicht ernsthaft glauben, daß die Soziologie- und Philosophie-Studentin etwas Gutes für ihr direktes Lebensumfeld bewegen kann. Vielmehr scheint Schäfer die Weltrettungsphantasien ihrer Wähler am besten zu repräsentieren.</p>



<p>Nach diesem Muster läßt sich ebenso der Wahlerfolg der AfD in Ostdeutschland kritisch hinterfragen: Wohl kaum einer der Wähler dürfte der Illusion anhängen, daß ein direkt gewählter AfD-Abgeordneter für die eigene Region am meisten herausholen kann. Die kurzfristigen Interessen der Wähler scheinen also äußerst überschaubar zu sein. Das entkräftet übrigens auch die Theorie der „politischen Ökonomie des Populismus“, die nach der Bundestagswahl von 2017 der Bremer Politologe Philip Manow aufgestellt hatte.</p>



<p>Weder ökonomische Motive noch das CDU-typische verantwortungsethische Argument, man solle doch denen die Macht lassen, die sie schon immer haben, damit nichts schiefgeht, hatten bei der aktuellen Wahl eine besondere Durchschlagskraft. Plausibler ist es hingegen sicherlich, das Wahlergebnis mit einer Verfestigung ideologischer Blöcke zu erklären.</p>



<p>Damit deutet sich immer stärker etwas an, von dem Rolf Peter Sieferle im <a href="https://www.manuscriptum.de/epochenwechsel.html"><em>Epochenwechsel</em></a> sprach: Er prognostizierte, der zentrale, ideologische Konflikt des 21. Jahrhunderts spiele sich zwischen „Natur“ und „Technik“ ab. Die ideologische Stärke der Grünen, die weit über Wahlergebnisse hinausgeht, beruht dabei auf der Eindeutigkeit ihrer Position in diesem Konflikt. Obwohl sie mit Windrädern die Landschaften verschandeln, ist es ihnen erfolgreich gelungen, als Vertreter der Interessen der „Natur“ zu gelten. Am eindeutigsten der „Technik“ zugeordnet, wird vermutlich in der öffentlichen Wahrnehmung die FDP, die damit ebenso beachtliche Ergebnisse einfährt.</p>



<p>Alle anderen Parteien sollten sich Gedanken machen, wie sie ihre Position in diesem Konflikt verbessern können – auch die SPD, die eigentlich schon komplett abgeschrieben war und diesmal nur von dem eigentümlichen Sondereffekt profitierte, daß viele Menschen – trotz des eben Ausgeführten – völlig unideologisch im kleineren Übel die beste Option sahen.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:20% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/demokratie-der-gott-der-keiner-ist.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="363" height="551" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/demokratie_der_gott.jpg" alt="" class="wp-image-2106 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/demokratie_der_gott.jpg 363w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/demokratie_der_gott-198x300.jpg 198w" sizes="auto, (max-width: 363px) 100vw, 363px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Hans Hermann Hoppe: Demokratie. Der Gott, der keiner ist</strong></p>



<p>Dieses Buch ist frenetisch bejubelt und donnernd verdammt worden: Es ist eine fulminante Kritik an Idee und Praxis der westlichen (Medien-)Demokratien, denen Hoppe vorwirft, unter der Fahne der Freiheit die Unfreiheit zu organisieren und die Gegenwart aus der Zukunft zu subventionieren. Hoppe kommt aus dem Umfeld der amerikanischen „libertarians&#8220;, die man sich hierzulande gern als „anarcho-kapitalistisch&#8220; erklärt. Aber: Seine Demokratie- und Staatskritik atmet kulturkonservativen Geist, und die staatlich betriebene kulturelle Deregulierung erscheint ihm eher als organisierte Dekadenz. Der Beifall hiesiger Staatskritiker, die ja ein recht buntes Völkchen in „anarcho-sozialistischen&#8220; und „anarcho-kapitalistischen&#8220; Farben bilden, ebbt an dieser Stelle recht schnell ab.</p>



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<p></p>
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		<title>Die zersetzende Wirkung der „Zivilgesellschaft“</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-zersetzende-wirkung-der-zivilgesellschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jun 2021 07:42:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel vom 23. Juni 2021. Bereits seit der Antike steht das Spannungsverhältnis des Staates zu den in ihm lebenden Gemeinschaften im Mittelpunkt zahlreicher &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading"><em>von Felix Menzel</em> vom 23. Juni 2021.</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/riot-6129239_1280-pixabay-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-2035" width="512" height="342" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/riot-6129239_1280-pixabay-1024x683.jpg 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/riot-6129239_1280-pixabay-300x200.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/riot-6129239_1280-pixabay-768x512.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/riot-6129239_1280-pixabay.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></figure></div>


<p>Bereits seit der Antike steht das Spannungsverhältnis des Staates zu den in ihm lebenden Gemeinschaften im Mittelpunkt zahlreicher Debatten in Philosophie und Politik. Aristoteles meinte z.B., „die aus mehreren Dörfern sich bildende Gemeinschaft“ sei „bereits der Staat“, der „das Endziel völliger Selbstgenügsamkeit (Autarkie)“ erreichen solle.</p>



<p>In Zeiten der Globalisierung hören sich diese Worte komisch und doch zugleich vertraut an. Komisch, weil kein Weg an internationalen Wertschöpfungsketten vorbeiführt und gerade Deutschland als Exportnation auf einen reibungslosen Warenverkehr zur Sicherung des eigenen Wohlstandes angewiesen ist. Autarkie bleibt deshalb eine Utopie und wäre selbst auf gesamteuropäischer Ebene nur annäherungsweise zu realisieren.</p>



<p>Dennoch haben ähnliche Begriffe wie „Suffizienz“ (Genügsamkeit) gerade in der Umwelt-, Wirtschafts- und Energiepolitik Konjunktur. Sie werden von Wachstumskritikern verwendet, um das zügellose Profitstreben des globalen Finanzkapitalismus anzuprangern und von allen Konsumenten mehr Bodenständigkeit einzufordern, um die Belastung der Natur zu verringern.</p>



<p>Eine vermittelnde Position nehmen bei diesem Diskurs jene Theoretiker ein, die von einer „Glokalisierung“ sprechen. Zu ihnen zählt mit <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/soziale-hilfe-statt-sozialhilfe/">Raghuram G. Rajan</a> sogar der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), der eine Stärkung lokaler Gemeinschaften als dritte Säule neben globalen Märkten und Staaten als dringend erforderlich ansieht, um das Bedürfnis nach Nähe und Solidarität zu stillen.</p>



<p>Wie das auf freiwilliger Basis bewerkstelligt werden soll, kann indes kaum jemand schlüssig beantworten. Schließlich ist es jederzeit erlaubt, sich der Freiwilligen Feuerwehr anzuschließen, <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/raus-aufs-land/">aufs Land zu ziehen</a> oder eine neue Bürgerinitiative zur Vernetzung der Nachbarschaft zu gründen. Die seit einigen Jahrzehnten feststellbare Tendenz des „Übergangs von einer sozialkapital-intensiven Politik zu einer medien-intensiven, professionalisierten Politik“ (Robert Putnam) zerstört dafür allerdings die Grundlage, die in der Bereitschaft der Menschen besteht, sich im Kleinen verbindlich zu organisieren. Beliebter sind inzwischen lose Zusammenschlüsse wie <a href="https://blog.manuscriptum.de/neue-weltunordnung-geopolitik-postdemokratie-und-propaganda/wie-maechtig-ist-luisa-neubauer/">„Fridays for Future“</a>, die im Gegensatz zu klassischen Gemeinschaften keine Mitgliedspflichten kennen.</p>



<p>Zugehörigkeit und Sympathie werden so vorrangig medial, etwa über ein „Gefällt mir“ auf Facebook, oberflächlich zum Ausdruck gebracht. Das wiederum erweitert die Spielwiese für professionelle Lobbyarbeit, die sich darauf konzentriert, die Stimmungen der wankelmütigen Menschen im eigenen Sinne zu kanalisieren. Der Linken ist es dabei perfekt gelungen, diese Durchsetzung eigener Interessen mit dem beschönigenden Begriff der „Zivilgesellschaft“ zu bemänteln, die jedoch nur existiert, weil sie am staatlichen Tropf hängt.</p>



<p>Dieser subventionierte Aktivismus untergräbt den „Gemeingeist“, der Carl von Rotteck zufolge stets mit „Selbstaufopferung“ verbunden sein müsse und deshalb dem Egoismus „ewig entgegengesetzt“ bliebe. An diesem Punkt nun setzt Stefan Kofner, Professor für Immobilien- und Bauwirtschaft im sächsischen Zittau, an. In seinem neuen Buch über <a href="https://www.manuscriptum.de/sortiment/neuerscheinungen/gemeinsinn-und-pflicht.html"><em>Gemeinsinn und Pflicht</em></a> unternimmt er den Versuch, eine Gesellschaftsordnung zu skizzieren, die den Menschen weder zum flexiblen Humankapital noch zum nützlichen Idioten bestimmter Ideologen degradiert. Vielmehr geht Kofner ähnlich wie Aristoteles von einem heimatverbundenen <em>Zoon politikon </em>aus, das lernen müsse, sich in seinen Konsumbedürfnissen zu beschränken, um wahre Freiheit und gefestigte, innere Zufriedenheit zu erlangen. Dem Staat kommt dabei die Aufgabe zu, keine Region zurückzulassen, damit Verwurzelung überhaupt möglich ist.</p>



<p>Kofner erwartet sich davon auch einen Schub für die Demokratie. Denn: „Demokratische Gesellschaften funktionieren am besten, wenn bestimmte Gruppen nicht als ‚Interessengruppen‘, sondern als ‚Gemeinschaftsorganisationen‘ tätig sind, die verantwortungsbewußt mit anderen Gemeinschaftsorganisationen zusammenarbeiten, um Lösungen für transzendente gesellschaftliche und politische Probleme zu erarbeiten.“</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:20% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/gemeinsinn-und-pflicht.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="637" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/650x1050_gemeinsinn-und-pflicht-637x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2036 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/650x1050_gemeinsinn-und-pflicht-637x1024.jpg 637w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/650x1050_gemeinsinn-und-pflicht-187x300.jpg 187w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/06/650x1050_gemeinsinn-und-pflicht.jpg 650w" sizes="auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Stefan Kofner: Gemeinsinn und Pflicht</strong></p>



<p>Dieses Buch diskutiert die Rolle kommunitaristischer Ideen bei der Behandlung der Grundfragen der Wirtschafts- und Ordnungspolitik. Auf der Grundlage der kommunitaristischen Philosophie wird erstmals versucht, die theoretischen Grundlagen einer Kommunitaristischen Ökonomik zu umreißen. Da sich das Wertesystem des Kommunitarismus in wesentlichen Fragen von denen des Liberalismus und des Sozialismus unterscheidet, ergibt sich auch ein ganz anderes Verständnis der Rollen von Individuen, Unternehmen und Gemeinschaften in einer kommunitarischen Wirtschaftsordnung. Auch die Rolle des Staates ist eine gänzlich andere. Eine kommunitarische Wirtschaftsordnung zielt auf eine ethische und solidarische Vervollkommnung des Kapitalismus ab, ohne dabei einen starren Endzustand anzustreben oder einen starren Weg dahin vorzugeben. Der Kommunitarismus ist nach dem hier vertretenen Verständnis eine Graswurzelbewegung, wobei dem Staat eine aktivierende Rolle zugemessen wird.<br><br></p>



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		<title>Grundgesetz reformieren?</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/grundgesetz-reformieren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 May 2021 10:55:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel vom 19. Mai 2021. In der Krise läßt sich die Realität stets am besten erkennen. Insofern sagt die aktuelle Debatte über die &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/grundgesetz-reformieren/">Grundgesetz reformieren?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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<h5 class="wp-block-heading"><em>von Felix Menzel</em> vom 19. Mai 2021.</h5>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/05/reichstag-275440_1280-pixabay-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-2011" width="559" height="371"/></figure></div>


<p>In der Krise läßt sich die Realität stets am besten erkennen. Insofern sagt die aktuelle Debatte über die Rückgabe der Grundrechte ausschließlich an Geimpfte sehr viel über ihre generelle Gültigkeit aus.</p>



<p>Zunächst: Diese Debatte strotzt nur so vor Ungereimtheiten. Da wäre z.B. die Frage einzubeziehen, wie lange der Corona-Impfschutz hält. Sollte auf ihn nicht länger als <a href="https://www.heise.de/tp/features/Gelten-Grundrechte-auch-fuer-Geimpfte-nur-auf-Zeit-6047087.html">sechs Monate</a> Verlaß sein, müßte eigentlich auch die Rückgabe der Grundrechte zeitlich begrenzt werden.</p>



<p>In den letzten Wochen kam es zudem regelmäßig zu Corona-Infektionen trotz vorheriger Impfungen. Es sei eben kein 100-prozentiger Schutz möglich, geben dann regierungsnahe Wissenschaftler zu Protokoll. Doch wie läßt sich von dieser Position aus eine Rückgabe der Grundrechte für alle Geimpften rechtfertigen? Schließlich heißt es zugleich, junge Menschen müßten weiter auf ihre Grundrechte verzichten, obwohl bei ihnen die Sterbewahrscheinlichkeit ebenfalls gegen null geht.</p>



<p>Wo liegt hier der entscheidende Unterschied? Ab welchem Infektions- bzw. Sterberisiko dürfen Bürger ihre Grundrechte wieder in Anspruch nehmen? Und was würde es für unsere Gesellschaft bedeuten, wenn wir eine solch fadenscheinige Begründung auf andere Lebensbereiche übertragen? Müßten dann nicht etwa alle gefährlichen Sportarten (Tauchen, Skifahren, Motorradrennen) sofort verboten werden?</p>



<p>Es ist nicht nötig, darüber im Detail zu befinden, schwierige Einzelfälle zu sezieren und über tatsächlich erforderliche Freiheitseinschränkungen zu diskutieren. Vielmehr sollte im Fokus stehen, welche Bedeutung die <a href="https://blog.manuscriptum.de/was-war-geschichte/wer-schuetzt-die-verfassung-vor-der-regierung/">Grundrechte</a> in Zeiten ihrer überstürzten <a href="https://blog.manuscriptum.de/alles-fuer-alle-bildungs-sozial-und-gesellschaftspolitik/uebergang-in-den-ausnahmezustand/">Suspendierung</a> überhaupt noch haben.</p>



<p>Der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider hat dazu für den Sammelband <a href="https://www.manuscriptum.de/nachdenken-fuer-deutschland.html">„Nachdenken für Deutschland“</a> einen wegweisenden Aufsatz beigesteuert, dessen Brillianz vermutlich erst jetzt deutlich wird. Im Gegensatz zu jenen, die in Artikel 1 des Grundgesetzes ein angebliches Recht auf weltweite Migration hineinlesen, definiert Schachtschneider den schwammigen Begriff der „Würde“ über die Freiheit der Staatsbürger.</p>



<p>Diese sei zu untergliedern in die äußere Freiheit der Unabhängigkeit von nötigender Willkür und die innere Freiheit, die nur durch Sittlichkeit erlangt werden könne. Schachtschneider argumentiert hier mit Kant. In diesem Sinne kann nur frei sein und sich auf Freiheit berufen, wer in der Lage ist, den kategorischen Imperativ anzuwenden. Die Meßlatte liegt somit sehr hoch. Freiheit setzt Mündigkeit voraus und sie fordert zur Rücksichtnahme auf, da die Freiheit der anderen ebenfalls geachtet werden muß.</p>



<p>Auf unsere aktuelle Situation bezogen: Es widerspricht dem Geist des Grundgesetzes, die zentralen Freiheiten unserer Gesellschaft in einer Endlosschleife außer Kraft zu setzen. Alle Schutzmaßnahmen müßten auf Freiwilligkeit beruhen. Legitim ist es lediglich, alle Bürger dazu aufzufordern, sich so umsichtig und vernünftig zu verhalten, daß sie niemanden leichtsinnig in Gefahr bringen. Fraglich ist allerdings, ob in einer Massengesellschaft diese Fähigkeit zur sittlichen Freiheit besonders stark ausgeprägt ist oder ein unerreichbares Ideal bleibt. Zugespitzt: Ist die Vergabe von Grundrechten auch dann noch eine gute Idee, wenn die <a href="https://www.manuscriptum.de/massendemokratie.html">Masse</a> unvernünftig handelt?</p>



<p>Wohl weil die Antwort darauf mindestens ambivalent ausfällt, gibt es keine „Rechtsstaaten“ in Reinform. Schachtschneider arbeitet vielmehr heraus, daß selbst das Bundesverfassungsgericht bereits des öfteren betont habe, auch die Bundesrepublik Deutschland sei eine „Herrschaftsordnung“ und „Herrschaft“ müsse „als Gegenteil von Freiheit“ definiert werden.</p>



<p>Dies ziehe einen grundsätzlichen Konflikt nach sich. Mit der „freiheitlichen demokratischen Grundordnung ist Herrschaft nicht vereinbar“, so Schachtschneider. Der Staat bzw. die Herrschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland steht also generell auf Kriegsfuß mit den Grundrechten. Sie seien „allenfalls klägliche Abwehrrechte“, aber – realistisch betrachtet – niemals garantiert.</p>



<p>Staat und Gesellschaft können nur ein halbwegs stabiles „Gleichgewicht der Macht“ (vgl. Daron Acemoglu/James A. Robinson) erreichen, wenn der mit dem Gewaltmonopol ausgestattete und damit überlegene Staat ausreichend Vorsorge trifft, um die Gesellschaft zu stärken. Er müßte folglich aus den kläglichen Abwehrrechten echte Freiheitsrechte machen, die unter keinen Umständen eingeschränkt werden dürfen.</p>



<p>Wie könnte das geschehen? Im Grundgesetz finden sich zur körperlichen Unversehrtheit, zur Meinungs- und Versammlungsfreiheit sehr weiche Formulierungen, die leicht ausgehebelt werden können. Vielleicht ist es an der Zeit, sie zum Wohle des Volkes präziser und eindeutiger zu fassen.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:20% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/beschraenkt-souveraen.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="650" height="930" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/09/beschr_nkt_souver_n.jpg" alt="" class="wp-image-1443 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/09/beschr_nkt_souver_n.jpg 650w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/09/beschr_nkt_souver_n-210x300.jpg 210w" sizes="auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h5 class="wp-block-heading"><strong>Beschränkt Souverän</strong></h5>



<p><strong>Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland als &#8222;Weststaat&#8220; &#8211; alliierter Auftrag und deutsche Ausführung</strong></p>



<p>Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland ist nicht denkbar ohne den schon bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges erkennbaren tiefen Riss zwischen den alliierten Siegermächten in Ost und West. Es waren vor allem die USA, die sehr rasch auf die Schaffung eines »Weststaates« drängten, da sie ihre ideologische und militärische Vorherrschaft in Europa bedroht sahen. Allerdings schwebte den drei westlichen Besatzungsmächten dabei weniger ein »Deutschland als Ganzes« vor als vielmehr ein demokratisches und dezentralisiertes (föderalistisch gegliedertes) Staatsgebilde.<br>Die nicht gerade leichte Aufgabe, dafür eine Verfassung auszuarbeiten, wurde einem Parlamentarischen Rat überantwortet, der jedoch über keinen Verwaltungsapparat verfügte, welcher die Entwürfe für die anstehenden Beratungen sachgerecht hätte vorbereiten können. Jochen Lober zeigt in eingehenden Analysen der Sitzungsprotokolle des Rates, unter welch schwierigen Bedingungen das bundesrepublikanische Grundgesetz schließlich zustande kam – bei ständigen Versuchen der westlichen Alliierten, Einfluss zu nehmen.<br></p>



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		<title>Die Einsamkeit der Zelle</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-einsamkeit-der-zelle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Mar 2021 13:13:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel vom 10. März 2021. In der neuen TUMULT ist Werner Sohn mit einem unzeitgemäßen „Plädoyer für das Gefängnis“ vertreten. Er hält Antiaggressionsschulungen &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-einsamkeit-der-zelle/">Die Einsamkeit der Zelle</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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<h5 class="wp-block-heading">von Felix Menzel vom 10. März 2021.</h5>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/castle-3925038_1280-pixabay-1024x673.jpg" alt="" class="wp-image-1908" width="471" height="275"/></figure></div>



<p>In der neuen <a href="https://www.manuscriptum.de/tumult-fruehjahr-2021.html">TUMULT</a> ist <a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/s/sohn-werner.html">Werner Sohn</a> mit einem unzeitgemäßen „Plädoyer für das Gefängnis“ vertreten. Er hält Antiaggressionsschulungen und die vielen anderen „pädagogisch-therapeutischen Bemühungen“ im Strafvollzug für wenig effektiv, wenn nicht sogar aus verschiedenen Gründen für kontraproduktiv.</p>



<p>Aufschlußreich findet er hingegen die Berichte von <a href="https://www.manuscriptum.de/der-stille-buergerkrieg.html">Carl Schmitt</a>, Malcolm X, Nelson Mandela und Thomas Middelhoff über ihre jeweilige Haftzeit. So unterschiedlich diese Personen auch sein mögen, alle unterstrichen, daß die „Einsamkeit der Zelle“ ihnen dabei geholfen habe, innere Freiheit, Selbsterkenntnis und mentale Stärke zu finden. Sohn attestiert dem Gefängnis also „klösterliche Qualitäten“.</p>



<p>Diese Deutung ist insofern weit über Fragen der konkreten Ausgestaltung von Justizvollzugsanstalten interessant, da seit Beginn der Corona-Krise jeder von uns so seine Erfahrungen mit Käfighaltung und <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-diktatur-laesst-gruessen-2/">Leinenzwang</a> machen mußte. Sollte Sohn richtig liegen, müßte folglich die entschleunigende und asketische „Entdeckung der Langsamkeit“ (Sten Nadolny) viele positive Seiten haben, oder? Corona wäre nach dieser Lesart ein Segen. Endlich Zeit zum ausgiebigen Bücherverschlingen, endlich Zeit für Philosophie und Müßiggang!</p>



<p>Doch wenn dem so wäre, warum nehmen dann psychische Beschwerden massiv zu? Die Antwort könnte lauten, daß Corona uns eben nicht in Ruhe läßt, sondern wir den ganzen Tag in der Hoffnung auf Lockerungen oder in der Erwartung auf neue Katastrophenmeldungen allerlei digitale Endgeräte konsultieren. Die Krise macht viele womöglich hypernervös, während es nur die wenigsten schaffen dürften, im medialen Ausnahmezustand abzuschalten.</p>



<p>Woran das liegt, beschreibt <a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/b/brenner-peter-j.html">Peter J. Brenner</a>. In seinem neuen TUMULT-Beitrag über den „Corona-Staat“ knüpft er an die Analyse der „Biomacht“ von <a href="https://blog.manuscriptum.de/alles-fuer-alle-bildungs-sozial-und-gesellschaftspolitik/von-der-diskursanalyse-zur-sprachkontrolle/">Michel Foucault</a> an. Der „homo hygienicus“ sei eine „späte Frucht“ der über Generationen wirksamen Disziplinierung der Körper und des Verhaltens. Diese Disziplinierung ziele darauf, den Staat als denjenigen anzuerkennen, der für Gesundheit sorge und Krankheiten bekämpfe. Darüber hinaus läuft eine Internalisierung gewünschter Gewohnheiten ab, die uns zur zweiten Natur werden sollen.</p>



<p>Dieses uns andressierte Verständnis stößt gegenwärtig jedoch an Grenzen. Einerseits können sich Gewohnheiten nur verfestigen, wenn sie beständig gleichbleiben und nicht aller zwei Wochen verändert werden. Andererseits kann der Staat zwar, ganz wie von Foucault geschildert, Infektions- und Todesfälle penibel genau statistisch erfassen. Aber er ist unfähig, aus diesem Datenwust eine kohärente Politik zu entwickeln, weil der Staat durch jahrzehntelange Erosionsprozesse nur noch eine „leere Hülle“ ist, die kaum noch Autorität beanspruchen kann.</p>



<p>Selbst wenn der Lockdown eine zielführende Strategie zur Pandemie-Bekämpfung sein sollte, ließe er sich ohne einen ernstzunehmenden Staat nicht zum Erfolg führen. Frappierend deutlich wird derzeit also, daß die Bundesrepublik zwar eine schier unendliche Kreativität beim Ausdenken neuer Verbote an den Tag legen kann, sie aber schon daran scheitert, die zur Aufrechterhaltung der eigenen Souveränität unabdingbaren Grundaufgaben wie Grenzkontrollen zu erfüllen.</p>



<p>Das Maximum eines solchen Staates sei es, so Brenner, eine „behördliche Lügenwelt“ zu erschaffen, „die sich aus Wahrheiten zusammensetzt“. Was heißt das? Die quantitative Angabe der Toten „mit Corona“ mag stimmen, doch alles, was daraus abgeleitet wird, geht komplett an der Realität vorbei. Fraglich sei nur: „Warum funktioniert es? Warum unterwirft sich die Bevölkerung einem offensichtlich unwirksamen Notstandsregime?“</p>



<p>Vielleicht führt diese Frage zurück zum Ausgangspunkt: Könnte es sein, daß nur jemand, der wirklich die Einsamkeit der Zelle kennengelernt hat, zu echter Erkenntnis fähig ist? Und daß all diejenigen, die beständig zu Ablenkungen verführt werden können, im Endeffekt eben doch nur der Masse folgen und deshalb ihre Füße stillhalten?</p>



<p><strong>Die neue TUMULT, Frühjahr 2021, enthält neben den Beiträgen von Werner Sohn und Peter J. Brenner auch Essays von </strong><a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/f/flaig-egon.html"><strong>Egon Flaig</strong></a><strong>, </strong><a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/e/esders-michael.html"><strong>Michael Esders</strong></a><strong>, </strong><a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/l/lisson-frank.html"><strong>Frank Lisson</strong></a><strong> und </strong><a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/a/adam-konrad.html"><strong>Konrad Adam</strong></a><strong>.</strong></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:21% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/sortiment/werkreihe-tumult/auslaenderkriminalitaet-rechtsextremismus-krawall-eine-kritik-der-politisierten-kriminologie.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="724" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/190424_WERKREIHE07-Umschlag-Front_RGB-003-724x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1907 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/190424_WERKREIHE07-Umschlag-Front_RGB-003-724x1024.jpg 724w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/190424_WERKREIHE07-Umschlag-Front_RGB-003-212x300.jpg 212w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/190424_WERKREIHE07-Umschlag-Front_RGB-003-768x1086.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/190424_WERKREIHE07-Umschlag-Front_RGB-003-1086x1536.jpg 1086w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/03/190424_WERKREIHE07-Umschlag-Front_RGB-003.jpg 1409w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h5 class="wp-block-heading"><strong>Werner Sohn: Ausländerkriminalität, Rechtsextremismus, Krawall</strong></h5>



<p>Werner Sohn war dreißig Jahre lang wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden und in dieser Zeit mit vielen Studien befasst, die im Auftrag des Bundeskriminalamts erstellt wurden.</p>



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		<title>Das Buch des Jahres!</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/das-buch-des-jahres-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Dec 2020 08:12:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel vom 22. Dezember 2020. Da Eigenlob bekanntlich stinkt, überlassen wir lieber Ihnen eine Bewertung unserer Neuerscheinungen des Jahres 2020. Vielmehr möchte ich &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/das-buch-des-jahres-2/">Das Buch des Jahres!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading">von Felix Menzel vom 22. Dezember 2020.</h5>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/12/201221_Foto-fuer-Menzel-Beitrag.jpg" alt="" class="wp-image-1608" width="500" height="250" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/12/201221_Foto-fuer-Menzel-Beitrag.jpg 1000w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/12/201221_Foto-fuer-Menzel-Beitrag-300x150.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/12/201221_Foto-fuer-Menzel-Beitrag-768x384.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></figure></div>



<p>Da Eigenlob bekanntlich stinkt, überlassen wir lieber Ihnen eine Bewertung unserer <a href="https://www.manuscriptum.de/sortiment/neuerscheinungen.html">Neuerscheinungen</a> des Jahres 2020. Vielmehr möchte ich heute ein Buch mit Lob überschütten, das bisher kaum Beachtung fand. Jürgen Trabant hat mit „Sprachdämmerung“ eine grandiose Liebeserklärung an die deutsche Sprache verfasst, die zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer für Sprachenvielfalt ist und klar benennt, welche Verluste mit der Dominanz des „globalesischen“ Englisch einhergehen.</p>



<p>Der 78-jährige Trabant ist seit 1980 Professor für Sprachwissenschaft. Den <a href="https://www.manuscriptum.de/sortiment/literatur-sprache.html">Zauber der Sprache</a> sieht er darin, daß mit ihr eben nicht nur Dinge benannt werden („Das ist ein Auto.“), sondern Bilder hervorgerufen werden und Weltansichten entstehen. Die Sprache färbe das Denken, führt er aus. Damit spinnt er einen Faden weiter, den bereits Gottfried Wilhelm Leibniz und Wilhelm von Humboldt in der Hand hatten.</p>



<p>Humboldt war es, der im Zuge der <a href="https://www.manuscriptum.de/schwarz-und-weiss.html">preußischen Reformen</a> erkannte, daß die Sprache nicht nur „die äußerliche Erscheinung des Geistes der Völker“ darstellt, sondern der Geist einer Nation sich erst durch die verschiedenen Sprachen manifestieren kann. Nur wer in seiner eigenen Sprache denkt, entwickelt eine eigene Sicht auf die Welt.</p>



<p>Die Bevorzugung der lateinischen bzw. der französischen Sprache durch die gehobenen Schichten bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war daher verständlicherweise vielen deutsch denkenden Philosophen ein Dorn im Auge. Leibniz ist hier sicherlich als wichtigster Protagonist zu nennen. Sprachen sah er als „älteste Denkmäler des Menschengeschlechts“ an und beklagte, wie nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-48) die deutschen Eliten „zur Kultur der Sieger übergelaufen“ sind, erklärt Trabant.</p>



<p>Er bringt dabei den Mut auf, die zahlreichen Parallelen zur Gegenwart deutlich herauszustellen. Zum einen drifte heute eine „anglophone Aristokratie“ aus unserer Sprachnation ab. Wer etwas werden möchte, konzentriere sich auf Englisch. Das fängt inzwischen teilweise bereits im Kindergarten an, geht weiter in der Schule, wo einzelne Fächer des Sachunterrichts in der ersten Fremdsprache abgehalten werden, und gipfelt an den Universitäten, die immer mehr zur globalesischen Einsprachigkeit neigen. Zum anderen findet Trabant auch die richtigen Worte zur „nationalsozialistischen Sprachvergiftung und der postnationalsozialistischen ‚Sprach-Scham‘“.</p>



<p>Im Deutschland des 20. Jahrhunderts wurde also leider mehrfach die „sprachliche Waschmaschine“ angeworfen. Das Endergebnis ist jedoch nicht sauber und rein, sondern farblos. Und wer farblos spricht, denkt einfältig und meist nur in vorgegebenen Bahnen. In dieser ohnehin suboptimalen Situation kommt nun noch die <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-intellektuelle-feigheit-der-buergerlichen/">„Cancel Culture“</a> hinzu. Trabant nimmt sie als einen „sprachlichen Bürgerkrieg“ wahr, wirft der Bundesregierung vor, ein „Sprachreinheitsministerium“ eröffnet zu haben und geißelt die „aktuelle permanente semantische Revolution“ als „terroristischen Druck auf die Alltagssprache“.</p>



<p>Damit führt uns Trabant zu einer weiteren Erkenntnis von höchster Relevanz: Er verteidigt die ungehobelte Volkssprache. Sie habe ihre Daseinsberechtigung, auch wenn sie scheinbar Unwahres zum Ausdruck bringt. Wissenschaftlich betrachtet, geht die Sonne natürlich niemals unter. Trotzdem wissen wir alle, was mit einem Sonnenuntergang gemeint ist und sollten uns auch an ihm und diesem Sprachbild erfreuen dürfen. Gestehen wir diese Freiheit der Sprache nicht mehr zu, wird sie steril und unfruchtbar.</p>



<p>Unser Autor Michael Esders hat den smarten Totalitarismus des gegenwärtigen <a href="https://www.manuscriptum.de/interview-mit-michael-esders">Sprachregimes</a> bereits schonungslos dekodiert. Trabant macht das weniger ausführlich, brennt dafür aber auf acht Seiten ein regelrechtes Feuerwerk zu diesem Thema ab. Seine hier geäußerte Kritik ist an Schärfe kaum zu überbieten. Es ist ein Wunder, daß der C.H.Beck-Verlag das zugelassen hat.</p>



<p>Vielleicht war diese notwendige Zuspitzung nur möglich, weil Trabant ansonsten sehr feinfühlig und kenntnisreich die verschiedenen europäischen Sprachkulturen beleuchtet. <a href="https://www.manuscriptum.de/renovatio-europae.html">Renovatio Europae</a> bedeutet für ihn, Sprachen zu erlernen, um die dahinterstehende Kultur und verschiedene Weltansichten zu bewahren. Diese Bewahrung ist kein reaktionäres Unterfangen. Sie beherbergt vielmehr Wahrheiten, die nur in einer bestimmten Sprache zur Geltung kommen können, und ermöglicht so ein spezifisches Denken.</p>



<p>Die Frage nach dem vordergründigen praktischen Nutzen einer Sprache ist für Trabant indes zweitrangig. Denn wer dieses Argument aufruft, redet der globalen Vereinheitlichung das Wort. Eine <a href="https://www.manuscriptum.de/reihen/natur-wissenschaft-philosophie/lebenswende.html">Naturwissenschaft</a> kann ihre Erkenntnisse mit einer globalesischen Einheitssprache vermutlich sogar am besten generieren, weil dadurch alle Wissenschaftler weltweit am Gedankenaustausch teilnehmen können. Ebenso gibt Trabant zu, daß es für die Philosophie problematisch ist, die Sprachenvielfalt zu berücksichtigen, weil dadurch eine absolute Wahrheit ausgeschlossen bleibt. Die Sprachen stehen der absoluten Wahrheit im Weg.</p>



<p>Da Geisteswissenschaften im Gegensatz zu den Naturwissenschaften dann am lehrreichsten sind, wenn sie viele Sichtweisen hervorbringen, ist das aber auch gut so. In diesem Sinne läßt sich mit Heidegger ergänzen: „Das Bedenklichste ist, daß wir noch nicht denken; immer noch nicht, obgleich der Weltzustand fortgesetzt bedenklicher wird.“ Obwohl Trabant Heidegger vorwirft, die „Historizität“ der Sprache vernachlässigt zu haben, dürfte er dieser Sentenz zustimmen.</p>



<p>Er macht sich schließlich keine Illusionen darüber, wo wir stehen. „Wir leben vermutlich im letzten historischen Moment der Sprache, die dabei ist, in den nächtlichen Schacht des globalisierten Geistes, früher Weltgeist genannt, zu fallen und dort auf ewig zu verschwinden.“</p>



<p><strong>Jürgen Trabant: Sprachdämmerung. Eine Verteidigung. C.H.Beck. 29,95 €. München 2020.</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/das-buch-des-jahres-2/">Das Buch des Jahres!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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		<title>Corona und die Realitätsfinsternis</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Oct 2020 07:02:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/alles-fuer-alle-bildungs-sozial-und-gesellschaftspolitik/corona-und-die-realitaetsfinsternis/">Corona und die Realitätsfinsternis</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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<h5 class="wp-block-heading">Von Felix Menzel vom 22. Oktober 2020.</h5>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/10/toilet-paper-4974461_1920_pixabay-1024x761.jpg" alt="" class="wp-image-1528" width="512" height="381" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/10/toilet-paper-4974461_1920_pixabay-1024x761.jpg 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/10/toilet-paper-4974461_1920_pixabay-300x223.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/10/toilet-paper-4974461_1920_pixabay-768x571.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2020/10/toilet-paper-4974461_1920_pixabay.jpg 1529w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></figure></div>



<p>Zum zweiten Mal in diesem Jahr hamstern die Deutschen Klopapier. Doch eins ist anders als im Frühling. Die Regierung verspricht eine „Klopapier-Garantie“. Selbst wenn niemand mehr das Haus verlassen darf, gibt es also Klopapier und <a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/h/huelsmann-joerg-g/die-ethik-der-geldproduktion.html">Helikoptergeld</a> in Hülle und Fülle. Damit ist doch alles in Butter, oder?</p>



<p>Spaß beiseite. Die Krankenhäuser sind noch nicht einmal halb gefüllt. Nirgends Leichenberge. Keine <a href="https://blog.manuscriptum.de/verlegerblog/corona-fortsetzung/">Übersterblichkeit</a>. Dafür Appelle, Appelle, Appelle. Bereits vor einigen Monaten hieß es, wir könnten das Corona-Virus besiegen, indem sich jeder eine Maske aufsetzt. Und nun? Hat das was gebracht? Kontrolliert den Erfolg der getroffenen Maßnahmen eigentlich jemand – noch dazu, da sie unser <a href="https://www.manuscriptum.de/beschraenkt-souveraen.html">Grundgesetz</a> aushebeln?</p>



<p>Eine Regierung darf sich vergaloppieren. Letztendlich ist das sogar unvermeidlich, weil sie stets auf der Basis unvollkommener Informationen weitreichende Entscheidungen treffen muß. Wirklich erschreckend ist deshalb dieser Tage nicht etwa die Überheblichkeit der Herren Spahn und Söder. Frappierend ist die Zustimmung (oder Gleichgültigkeit?) der Masse, die doch ein materielles Interesse daran haben müßte, den eigenen Geschäften ungestört nachgehen zu können.</p>



<p>Der anonyme <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/soziale-hilfe-statt-sozialhilfe/">Sozialstaat</a> mit seinen Dauersoforthilfen scheint hier ganze Arbeit geleistet zu haben. Der Zusammenhang zwischen persönlichem Fleiß und Wohlstand schwindet immer mehr. Das allein reicht freilich als Erklärung nicht aus: Eric Voegelin, dessen kluge Thesen in diesem Blog bereits <a href="https://blog.manuscriptum.de/schaumschlaegereien-weltwirtschaft-und-finanzen/theologie-der-vernunft/">mehrfach</a> Thema waren, hat den Begriff der „Realitätsfinsternis“ geprägt. Gemeint ist damit, daß die entworfenen Realitäten der Massenmedien die „Erste Realität“, in der die Menschen leben, verdunkeln oder verfinstern können.</p>



<p>Diese Gefahr bestehe insbesondere für einen Menschen, der „das Gefängnis seiner Selbstheit“ nicht mehr verlassen könne. „Für dieses geschrumpfte oder kontrahierte Selbst (…) ist Gott tot, ist die Vergangenheit tot, ist die Gegenwart die Flucht“, die allein gültig und relevant sei, so Voegelin. Die Menschen, die sich aufgrund eines medialen Zerrbildes und eines <a href="https://www.manuscriptum.de/sprachregime.html">Sprachregimes</a> der kontinuierlichen Übertreibung („Risikogebiet“) tatsächlich in Panik versetzen lassen, leiden also vor allem an fehlenden Erinnerungen und fehlenden historischen Kenntnissen.</p>



<p>1957, als die asiatische Grippe in Deutschland wütete, erkrankten dem Wirtschaftshistoriker <a href="https://www.welt.de/geschichte/plus210484843/Pandemien-So-ueberstand-Deutschland-die-Asiatische-Grippe.html">Hartmut Berghoff</a> zufolge 40 Prozent der Bevölkerung. 30.000 bis 50.000 Deutsche starben. Größere Gegenmaßnahmen blieben aus. Eine Massenhysterie ebenso. Die Menschen waren weitaus schlimmere Zustände gewöhnt. Die Pandemie blieb somit „unsichtbar“, zumal auch die Medien das Volk beruhigten, statt es wie heute zu verunsichern. Irgendwann war die Pandemie dann wieder weg und alles lief normal weiter.</p>



<p>Voegelin meinte, das Bewußtsein des Menschen sei „elastisch genug“, um „sowohl ein wahres als auch ein kontrahiertes Selbst zu beherbergen“. Diese „Koexistenz“ läßt es zu, daß der Mensch sich zwar in vielen Situationen noch gemäß der von ihm real wahrgenommenen Erfahrungen verhält und dennoch in vielen Punkten wie eine manipulierte Marionette auftritt.</p>



<p>Zum Verständnis des Volkes ist diese Einsicht elementar. Der gesunde Menschenverstand, den Konservative gern bemühen, ist nur solange intakt und verläßlich, wie eine Beurteilung nach eigenem Erleben im eigenen Umkreis möglich ist. Sobald wir gefordert sind, abstrakt zu denken und Verbindungen herzustellen, kommt es auf das Weltwissen an. Ist dies gut ausgeprägt, läßt sich vieles gelassen sehen. Fehlt es, gewinnen die Medien, denn sie entscheiden über emotionale Ausnahmezustände.</p>



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