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	<title>Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda Archive - Manuscriptum</title>
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	<title>Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda Archive - Manuscriptum</title>
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		<title>Der Euro ohne deutsche Industrie.</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/der-euro-ohne-deutsche-industrie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Oct 2022 10:02:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über die Folgen des Sanktionsregimes. Von Michael Hudson. Die Reaktion auf die Sabotage an drei von insgesamt vier Nord Stream 1- und 2-Pipelines am Montag, &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/der-euro-ohne-deutsche-industrie/">Der Euro ohne deutsche Industrie.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Über die Folgen des Sanktionsregimes. <em>Von Michael Hudson</em>.</p>


<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-2398" width="512" height="342" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h-1024x683.jpg 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h-300x200.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h-768x512.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h-1536x1024.jpg 1536w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h.jpg 1800w" sizes="(max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Quelle: Imago</figcaption></figure></div>


<p>Die Reaktion auf die Sabotage an drei von insgesamt vier Nord Stream 1- und 2-Pipelines am Montag, dem 26. September, konzentrierte sich auf Spekulationen über die Täter und die Frage, ob die NATO einen ernsthaften Versuch unternehmen würde, die Sache aufzuklären. Statt Panik stellte sich tiefe diplomatische Erleichterung, ja sogar Ruhe ein. Die Abschaltung der Pipelines beendete die Besorgnis in den Reihen der Diplomaten der Nato und der USA, die in der Woche vor den Anschlägen ein beinah krisenhaftes Ausmaß erreicht hatte, als in Deutschland große Demonstrationen stattfanden, bei denen ein Ende der Sanktionen sowie die Inbetriebnahme von Nord Stream&nbsp;2 gefordert wurden, um die Energieknappheit zu beheben.</p>



<p>Die deutsche Öffentlichkeit begann zu ahnen, was es bedeutet, wenn ihre Stahl-, Düngemittel-, Glas- und Toilettenpapierhersteller schließen müssen. Solche Unternehmen rechnen damit, daß sie ihr Geschäft einstellen oder es in die Vereinigten Staaten werden verlagern müssen, falls Deutschland die Handels- und Währungssanktionen gegen Rußland nicht aufgibt und nicht die Wiederaufnahme der russischen Gas- und Öleinfuhren zuläßt, die eine Rücknahme des astronomischen Preisanstiegs um das Acht- bis Zehnfache bedeuten würde.</p>



<p>Victoria Nuland, der Falke im amerikanischen Außenministerium, hatte jedoch bereits im Januar erklärt, daß Nord Stream&nbsp;2 so oder so nicht vorankommen werde, falls Rußland auf die zunehmenden ukrainischen Militärschläge gegen die russischsprachigen östlichen Oblaste reagiere. Präsident Biden bekräftigte am 7.&nbsp;Februar 2022 das Insistieren der USA [in Gegenwart von Bundeskanzler Olaf Scholz] und versprach, daß es „Nord Stream&nbsp;2 nicht geben wird. Wir werden dem ein Ende setzen. … Ich verspreche Ihnen, daß wir dazu in der Lage sein werden.“</p>



<p>Die meisten Beobachter interpretierten diese Aussagen schlicht als ein Beispiel für die offensichtliche Tatsache, daß die USA und die Nato die deutschen Politiker in ihre Tasche gesteckt haben. Diese weigerten sich, Nord Stream&nbsp;2 zu genehmigen, und Kanada beschlagnahmte bald darauf [vorübergehend] die Siemens-Turbine, die für die Durchleitung von Gas durch Nord Stream&nbsp;1 benötigt wurde. Damit schien die Angelegenheit erledigt, bis die deutsche Industrie&nbsp;– und eine wachsende Zahl von Wählern&nbsp;– schließlich auszurechnen begannen, was eine Blockade des russischen Gases für deutsche Industriebetriebe und damit für die Beschäftigung in Deutschland bedeuten würde.</p>



<p>Die Bereitschaft der Bundesrepublik, sich selbst eine wirtschaftliche Depression aufzuerlegen, begann zu wanken&nbsp;– allerdings weder unter den Politikern noch in den Reihen der EU-Bürokratie. Wenn die politischen Entscheidungsträger den Interessen der deutschen Wirtschaft und dem Lebensstandard der Bundesrepublik höchste Priorität einräumen würden, würden die gemeinsamen Sanktionen der Nato und die Front des neuen Kalten Krieges durchbrochen werden. Italien und Frankreich könnten dem Beispiel folgen. Eine derartige Aussicht machte es dringend erforderlich, die antirussischen Sanktionen der demokratischen Kontrolle zu entziehen.</p>



<p>Obwohl es sich bei der Sabotage der Pipelines um einen gewalttätigen Akt handelt, haben sich die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und der Nato wieder beruhigt. Es&nbsp;besteht nicht mehr die Gefahr, daß Europa sich von der US-Diplomatie abwendet, indem es den Handel mit Rußland und die auf Eis gelegten Investitionen aktiviert. Die Gefahr, daß sich Europa von den Handels- und Finanzsanktionen der USA und der Nato gegen Rußland lossagt, scheint auf mittlere Sicht gebannt zu sein. Rußland hat bekanntgegeben, daß das Eindringen von Salzwasser die Pipeline-Rohre irreversibel korrodieren lasse <em>(Der Tagesspiegel</em>, 28.9.2022).</p>



<p><strong>Wie steht es um die Zukunft von Euro und Dollar?</strong></p>



<p>Wenn man sich anschaut, wie folgenschwer sich das Verhältnis von US-Dollar und Euro verändern wird, kann man verstehen, daß die absehbaren Konsequenzen eines Abbruchs der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, Italien und anderen europäischen Volkswirtschaften auf der einen und Rußland auf der anderen Seite nicht offen diskutiert wurden. Im&nbsp;Ergebnis bedeutet das Ganze den deutschen und, ja, den europaweiten wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das kommende Jahrzehnt wird eine Katastrophe. Man mag sich noch so sehr darüber beschweren, wie teuer es Europa zu stehen kommt, daß seine Handelspolitik von der Nato diktiert wird, aber Europa kann nichts dagegen tun. Niemand erwartet (noch), daß es der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) beitritt. Man erwartet, daß der europäische Lebensstandard sinkt.</p>



<p>Die Exporte der deutschen Industrie und ihre Attraktivität für ausländische Investitionsströme stützten entscheidend den Wechselkurs des Euro. Der große Anreiz, für den Euro die D‑Mark aufzugeben, bestand für Deutschland darin, zu vermeiden, daß sein Exportüberschuß den Wechselkurs der D‑Mark in die Höhe treibt und deutsche Produkte von den Weltmärkten verschwinden. Die Ausweitung der Eurozone auf Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und andere Länder mit Zahlungsbilanzdefiziten verhinderte einen Höhenflug des Euro. Das schützte die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.</p>



<p>Nach seiner Einführung im Jahr 1999 zu einem Kurs von 1,12&nbsp;Dollar sank der Euro bis Juli 2001 auf 0,85&nbsp;Dollar, erholte sich jedoch und stieg im April 2008 auf 1,58&nbsp;Dollar. Seitdem ist er stetig gesunken, und seit Februar dieses Jahres haben die Sanktionen den Wechselkurs des Euro unter die Parität gedrückt, auf aktuell 0,97&nbsp;Dollar.</p>



<p>Das größte Defizitproblem sind die steigenden Preise für importiertes Gas und Öl sowie für Produkte wie Aluminium und Düngemittel, deren Herstellung einen hohen Energieeinsatz erfordert. Da&nbsp;der Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar sinkt, steigen die Kosten der europäischen Dollar-Schulden … und drücken die Gewinne.</p>



<p>Es geht nicht um eine Depression, bei der „automatische Stabilisatoren“ wirken könnten, um das wirtschaftliche Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Energieabhängigkeit ist strukturell. Erschwerend kommt hinzu, daß in der Eurozone das Haushaltsdefizit auf nur drei Prozent des BIP begrenzt ist. So&nbsp;wird verhindert, daß die nationalen Regierungen die Wirtschaft durch Defizitausgaben stützen. Höhere Energie- und Lebensmittelpreise&nbsp;– dazu der Schuldendienst in Dollar&nbsp;– werden dazu führen, daß viel weniger Einkommen für Waren und Dienstleistungen zur Verfügung steht.</p>



<p>Pepe Escobar wies am 28.&nbsp;September 2022 darauf hin, daß „Deutschland vertraglich verpflichtet ist, bis 2030 mindestens 40&nbsp;Milliarden Kubikmeter russisches Gas pro Jahr zu kaufen. … Gazprom hat einen gesetzlichen Anspruch darauf, auch ohne Gaslieferungen bezahlt zu werden. … Berlin bekommt nicht alles Gas, was es braucht, muß aber trotzdem zahlen.“ Es&nbsp;wird einen langen Rechtsstreit geben, bis das Geld den Besitzer wechselt. Und Deutschlands Zahlungsfähigkeit dürfte eher nachlassen.</p>



<p>Es mutet merkwürdig an, daß der US-Aktienmarkt am 28.&nbsp;September, zwei Tage nach den Sabotageakten, einen Anstieg des Dow Jones Industrial Average um über 500&nbsp;Punkte verzeichnete. Vielleicht hat das Plunge Protection Team [die Arbeitsgruppe des Präsidenten zu den Finanzmärkten] interveniert, um der Welt die beruhigende Nachricht zu überbringen, daß alles in Ordnung sei. Doch schon am drauffolgenden Tag gab der Aktienmarkt den größten Teil dieser Gewinne wieder ab, da die Realität nicht länger beiseite geschoben werden konnte.</p>



<p>Der Wettbewerb der deutschen Industrie mit den Vereinigten Staaten endet, was der US-Handelsbilanz zugute kommt. Auf der Kapitalseite wird die Abwertung des Euro allerdings den Wert der US-Investitionen in Europa und den Dollarwert der Gewinne, die sie noch erzielen können, verringern, da die europäische Wirtschaft schrumpft. Die von den multinationalen US-Konzernen gemeldeten weltweiten Gewinne werden sinken.</p>



<p><strong>Die Auswirkungen der US-Sanktionen und des neuen Kalten Krieges außerhalb Europas</strong></p>



<p>Die Fähigkeit vieler Länder, ihre Aus- und Inlandsschulden zu begleichen, war bereits an der Belastungsgrenze angelangt, bevor die antirussischen Sanktionen die Weltmarktpreise für Energie und Lebensmittel in die Höhe trieben. Der sanktionsbedingte Preisanstieg wurde durch den steigenden Wechselkurs des Dollars für fast alle Währungen noch verstärkt (ironischerweise mit Ausnahme des Rubel, dessen Kurs gestiegen ist, statt zu kollabieren, worauf die US-Strategen abgezielt hatten). Internationale Rohstoffe werden nach wie vor hauptsächlich in Dollar gehandelt, so daß seine Aufwertung die Importpreise für die meisten Länder weiter in die Höhe treibt.</p>



<p>Der steigende Dollar erhöht auch die Kosten für das Bedienen von Auslandsschulden in Dollar. Viele Länder Europas und des Globalen Südens kämpfen noch mit den Auswirkungen der Covid-Pandemie und haben jetzt schon die Grenze ihrer Fähigkeit erreicht, ihre auf Dollar lautenden Schulden zu bedienen. Nachdem die Sanktionen der USA und der Nato die Weltmarktpreise für Gas, Öl und Getreide in die Höhe getrieben haben und sich das Bedienen von Dollar-Schulden ebenfalls verteuert hat, können diese Länder es sich nicht leisten, das Lebensnotwendige an Energie und Nahrungsmitteln zu importieren, wenn sie gleichzeitig ihre Auslandsschulden bedienen müssen. Irgend etwas muß geschehen.</p>



<p>Am Dienstag, dem 27.&nbsp;September&nbsp;2022, vergoß US-Außenminister Antony Blinken Krokodilstränen, als er erklärte, daß ein Angriff auf die russischen Pipelines „in&nbsp;niemandes Interesse“ gewesen sei. Aber wenn dem wirklich so wäre, hätte sie auch niemand angegriffen. Was Mr.&nbsp;Blinken eigentlich sagen wollte, war: Stellt nicht die Cui-Bono-Frage. Ich erwarte nicht, daß die Ermittler der Nato über den Kreis der üblichen Verdächtigen hinausgehen, der von US-Beamten automatisch beschuldigt wird.</p>



<p>Die US-Strategen müssen einen Plan haben, wie sie weiter vorgehen wollen. Sie werden versuchen, eine neoliberalisierte Weltwirtschaft so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Auf Länder, die ihre Auslandsschulden nicht bezahlen können, werden sie die übliche Masche anwenden: Der IWF leiht ihnen das Geld&nbsp;– unter der Bedingung, daß sie das privatisieren, was von ihrem öffentlichen Eigentum, ihren natürlichen Ressourcen und anderen Vermögenswerten übriggeblieben ist, und es zur Schuldentilgung gegen Devisen an US-Finanzinvestoren und deren Verbündete verkaufen.</p>



<p>Wird das funktionieren? Oder werden sich die Schuldnerländer zusammentun und Wege finden, die Welt der erschwinglichen Preise für Öl und Gas, Dünger, Getreide und andere Nahrungsmittel sowie für Metalle und Rohstoffe, die von Rußland, China und ihren verbündeten eurasischen Nachbarn geliefert werden, wiederherzustellen, und zwar ohne jene US-amerikanischen „Auflagen“, die den europäischen Wohlstand vernichten?</p>



<p>Eine solche Alternative zu der von den USA entworfenen neoliberalen Ordnung ist die große Sorge der US-Strategen. Dieses Problem können sie nicht so leicht lösen wie die Sabotage von Nord Stream&nbsp;1 und&nbsp;2. Wahrscheinlich werden sie wieder den üblichen Ansatz wählen: militärische Interventionen und Farbrevolutionen&nbsp;– in der Hoffnung, die gleiche Macht über den Globalen Süden und Eurasien zu erlangen, die Amerikas Diplomatie über die Nato ebenso wie über Deutschland und andere Länder Europas erlangt hat.</p>



<p>Daß die antirussischen Sanktionen genau das Gegenteil von dem bewirkt haben, was sich die USA davon versprachen, gibt Hoffnung für die Welt von morgen. Die US-Diplomaten, die jene Länder ablehnen oder sogar verachten, die ihren eigenen wirtschaftlichen Interessen folgen, halten es für Zeitverschwendung und sogar für unpatriotisch, darüber nachzudenken, wie solche Länder ihre eigene Alternative zu den Plänen der USA entwickeln könnten. Die Annahme, die diesem Tunnelblick der USA zugrunde liegt, ist, daß es keine Alternative gebe&nbsp;– und daß, wenn niemand über eine solche Perspektive nachdenkt, sie undenkbar bleibt.</p>



<p>Wenn es keine internationale Zusammenarbeit gibt, um eine Alternative zu IWF, Weltbank, Internationalem Gerichtshof, Welthandelsorganisation und den zahlreichen UN-Organisationen zu schaffen, die heute von US-Diplomaten und ihren Stellvertretern im Sinne der USA und der Nato beeinflußt werden, wird sich die wirtschaftliche Strategie der finanziellen und militärischen Dominanz der USA in den kommenden Jahrzehnten so entfalten, wie Washington es geplant hat. Die Frage ist, ob es eine alternative neue Wirtschaftsordnung geben wird, die vor einem Schicksal schützt, wie es Europa 2022 für das kommende Jahrzehnt auferlegt worden ist.</p>



<p>******************************************************</p>



<p><em>Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Michael Hudson (*&nbsp;1939) ist u.&nbsp;a. Distinguished Research Professor an der University of Missouri–Kansas City, Finanzanalyst und Berater an der Wall Street sowie ein international gefragter wirtschaftspolitscher Kommentator. Sein Beitrag „The Euro Without German Industry“ erschien am 30.&nbsp;September&nbsp;2022 auf </em>unz.com.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/epochenwechsel.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/Sieferle-Epochenwechsel-722x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2371 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Rolf Peter Sieferle: Epochenwechsel</h2>



<p>Die Deutschen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert.</p>



<p>Band 1 der Werkausgabe: Rolf Peter Sieferles politisches Hauptwerk in einer vom Autor bearbeiteten, unveröffentlichten Fassung.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/jenseits-des-scheitelpunkts.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/Heinberg-Jenseits-681x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2373 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Richard Heinberg: Jenseits des Scheitelpunkts</h2>



<p>Richard Heinberg, einer der weltweit renommiertesten Autoren zum Thema „Peak Oil“, wendet sich einem der grundlegendsten Probleme der Menschheit zu – der fast völligen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und der Erschöpfung der wichtigsten lebensnotwendigen Ressourcen. Er läßt keinen Zweifel daran, daß es bei der Lösung dieser Probleme um Sein oder Nichtsein der Menschheit geht. Seine Diagnosen und seine Vorschläge erschüttern unsere gewohnte Lebensform, die davon ausgeht, daß alles jederzeit für jedermann in beliebiger Menge möglichst billig verfügbar ist. Ohne grundlegende Wende im Denken und Handeln, die auch schmerzhafte Einschnitte und Verzicht einschließt, kann es keine Zukunft geben.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/das-ende-des-wachstums-alte-konzepte-neue-realitaeten.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/Heinberg-Ende-des-Wachstums-677x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2372 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Richard Heinberg: Das Ende des Wachstums. Alte Konzepte &#8211; neue Realitäten</h2>



<p>Endlicher Planet – unendliches Wachstum?</p>



<p>Schonungsloser kann eine Epochendiagnose nicht sein: Ihre Kernaussage lautet: Mit dem Wirtschaftswachstum, wie wir es kennen, ist es aus und vorbei. Was für ein Frevel in einer Epoche, die nur eines zur Zukunftsbewältigung kennt – Wachstum!<br>Als Belege für seine Aussage nennt Heinberg drei Hauptursachen, die er ausführlich und in all ihren Verzweigungen zwingend diskutiert:</p>



<p>&#8211; Die Erschöpfung lebenswichtiger Ressourcen;<br>&#8211; die Zunahme negativer ökologischer Auswirkungen der Ausbeutung und Nutzung von Ressourcen und die daraus resultierenden Folgekosten;<br>&#8211; die Verwerfungen des Weltfinanzsystems, das nicht in der Lage ist, auf diese Entwicklungen angemessen zu reagieren, sondern sie eher noch verschärft.</p>



<p></p>



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<p></p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Am Rand der Schütterzone</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/am-rand-der-schuetterzone/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Sep 2022 08:28:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Thomas Fasbender. „Nach einem etwaigen Ende der russischen Hegemonie über Osteuropa bliebe hier für Deutschland mithin nur das Schlimmste, was ihm überhaupt zu passieren &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>von <em>Thomas Fasbender</em>.</p>


<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/Barnick_Cover-653x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2379" width="327" height="512"/></figure></div>


<p>„Nach einem etwaigen Ende der russischen Hegemonie über Osteuropa bliebe hier für Deutschland mithin nur das Schlimmste, was ihm überhaupt zu passieren vermag: die konstitutionelle Einkreisung durch das erneuerte Bündnis von liberalem Westen und osteuropäischem Nationalismus.“ Der Autor dieses in den späten 1950ern geschriebenen Satzes war ein deutscher Privatgelehrter, ein Konservativer, der in keine Schublade zu passen scheint, am wenigsten in die des europäischen Nachkriegs-Enthusiasmus. Nicht wenig von dem, was Johannes Barnick (1916-1987) geschrieben hat, gilt heute zu Recht aus der Zeit gefallen. Anderes, wie der zitierte Satz zur Lage Deutschlands zwischen den Nachbarn Liberalismus und Nationalismus, zwischen Baum und Borke, bestätigt sich mit offenbarer Evidenz. Nicht, weil Barnick hellseherische Talente besessen hätte. Nein. Es war allein sein festverwurzelter Skeptizismus, der ihn an grundsätzlichen Wahrheiten festhalten ließ. Dazu gehört: Was immer der Fortschritt bringen mag, Geographie und Geschichte sind Tatsachen.</p>



<p>Sechs Jahrzehnte später erkennen wir, dass sich nichts geändert hat. Mit dem einen Unterschied: Der Zeitgeist und die herrschende Meinung in der Wissenschaft glauben nicht mehr an die Tatsächlichkeit von Geographie und Geschichte. Ihrer Ansicht nach bestimmen Abstraktionen das Verhältnis der Menschen und Staaten. Autonomie und Souveränität. Jedes Volk, jede Gesellschaft kann die Demokratie wählen (oder sich bringen lassen). Wenn es überhaupt noch Völker gibt&nbsp;– auch das ist umstritten. Wer Geographie und Geschichte und damit auch Herkunft und Tradition als Determinanten anerkennt, gilt als Kulturrelativist. In manchen Augen gibt es kaum Schlimmeres.</p>



<p>Setzt man sich darüber hinweg und beurteilt die europäischen Verhältnisse nach ihrer historischen Genese, so stößt man bald auf den Begriff Schütterzone. Selbst der dtv-Atlas zur Weltgeschichte verwendet ihn; entstanden ist er in der Zwischenkriegszeit nach 1918. In der Tektonik beheimatet, beschreibt Schütterzone die Gebiete, in denen Erdbeben die mächtigsten Verwerfungen hinterlassen. Wo geologische Strukturen verloren gehen, bricht der Stein. Dort verschwinden Städte und Dörfer.</p>



<p>Auf die Geschichte angewandt, beschreibt der Begriff die Gebiete des Kontrollverlusts und der Zusammenstöße. Der Klassiker ist das Land zwischen Ostsee und Schwarzem Meer. Das 19. Jahrhundert hindurch war es in den Strukturen Russlands, Preußens und der Doppelmonarchie aufgehoben (der äußerste Süden im Reich des Sultans). Mit dem Beben des Ersten Weltkriegs, den Pariser Vorortverträgen und den Konflikten der unmittelbaren Nachkriegszeit gewannen die Völker dieser auch Zwischeneuropa genannten Gebiete ihre Eigenstaatlichkeit&nbsp;– und Europa eine Schütterzone.</p>



<p>In Deutschland sind die Kenntnisse der Zwischenkriegsgeschichte von Aufstieg und Machtergreifung des Nationalsozialismus überlagert. Kaum jemand weiß von den Auseinandersetzungen zwischen Ungarn, Tschechen, Slowaken, Rumänen und Polen, von den faschistischen und protofaschistischen Bewegungen jener Jahre und jener Region. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs sorgten dann Stalin und die Sowjetunion für eine Befriedung des Raums östlich von Oder, Böhmerwald und Burgenland. Für ein halbes Jahrhundert schien es, als hätte es das Problem nie gegeben.</p>



<p>Nach dem Kalten Krieg nahmen die Westmächte sich Ostmitteleuropas an. Die EU- und NATO-Erweiterungen dienten auch der Vermeidung allfälliger ungarischer, polnischer und anderer Eigenwege. Inwieweit das erfolgreich war, wird sich weisen.</p>



<p>Mit dem Ukrainekrieg rücken die europäischen Machtgewichte entschieden Richtung Osten. Das Baltikum ruft nach Schutz und Abschreckung; Polen sieht seine Chance. Der wahrscheinliche Ausgang des Krieges&nbsp;– eine ukrainische Teilung in der einen oder anderen Form&nbsp;– treibt die Ukraine (was von ihr übrig ist) in die Arme einer polnisch-litauischen Allianz unter dem militärischen Schirm der Angelsachsen. Sollte die Ukraine siegen und ihr Territorium bewahren, gilt das erst recht.</p>



<p>Deutschland, hin und hergerissen zwischen dem Wunsch nach universaler Geltung liberaler Werte und einem gesamteuropäischen Frieden, steht am Straßenrand der Geschichte, kraftlos und machtlos. Frankreich, Italien und das übrige Westeuropa haben Besseres zu tun, als gordische Knoten in Ostmitteleuropa aufzudröseln. Dort dominieren die Folgen der Erderwärmung, die Migration aus dem Süden, soziale Spannungen. Aus der Schütterzone Zwischeneuropa wird schon mittelfristig ein mächtiger Riegel, der genau wie vor 500 Jahren zwischen Russland und dem Westen liegt.</p>



<div style="height:132px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/deutsch-russische-nachbarschaft-band-1.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/Barnick_Cover-653x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2379 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Johannes Barnick: Deutsch-russische Nachbarschaft</h2>



<p>Dieses Buch aus dem Jahre 1959 liest sich, als wäre es für heute geschrieben worden: ein außenpolitischer Traktat mit detaillierten Einblicken in die psychologischen, geopolitischen und machtphysikalischen Bedingtheiten der deutsch-russischen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart. Das aktuelle Thema des Privatgelehrten Johannes Barnick (1916–1987) ist, anders als der Titel verheißt, keineswegs die deutsch-russische »Nachbarschaft«, sondern vielmehr »Nachbarsnachbarschaft«. Denn zwischen Deutschland und Rußland gibt es die bekannte »Schütterzone« von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer als »ernstesten weltpolitischen Krisenherd«. Bereits vor über sechzig Jahren warnte Barnick weitsichtig davor, daß »ein Bündnis von liberalem Westen und osteuropäischem Nationalismus« für Deutschland eine neuerliche Einkreisung bedeuten würde – und darüber hinaus die Gefahr eines Dritten Weltkrieges.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Thomas Fasbender: Wladimir W. Putin</h2>



<p>Die erste Putin-Biographie eines deutschen Autors seit mehr als zwei Jahrzehnten – weder pro noch contra, weder Anklage noch Verteidigung. Stattdessen eine klassische Biographie, gut lesbar erzähltes Leben. Der Großvater: Lenins Leibkoch in den Jahren nach der Revolution. Die Eltern: einfache Leute im zerschossenen Leningrad der Nachkriegszeit. Der Sohn: ein KGB-Offizier, den der Weltgeist aus obskurer DDR-Provinz ins höchste Staatsamt spült. Zahllos sind die Narrative und Deutungen, die sein Wirken begleiten. Aber haben sie das Rätsel gelöst? Wer ist der Mann, der Russland auf einen eigenen Weg gebracht hat? Der dem Selbstverständnis der Westeuropäer in die Parade fährt? Thomas Fasbender ist kein Verehrer und kein Verächter, er blendet nichts aus, nicht die Vorwürfe, nicht die Anschuldigungen, nicht die fundamentale Kritik. So wird die Biographie zum Spiegel des epochalen Konflikts, der mit Putins politischem Werdegang in eins fällt, und zum Porträt Russlands im Aufgang einer neuen Zeit.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Thomas Fasbender: Freiheit statt Demokratie</h2>



<p>Russland ist ein Ärgernis. Zu diesem Schluss kommen die westlichen Eliten in Politik und Medien. Russland stört – spätestens seit der Ukraine-Krise 2014. »Russland-Versteher« ist zum Schimpfwort verkommen. Eindrucksvoll schildert Thomas Fasbender, wie anders Russland in der Tat ist. Anders als die westeuropäischen Vorurteile glauben machen und anders als das westeuropäische Ideal einer zeitgemäßen Demokratie.</p>



<p>In dreizehn abwechslungsreichen Kapiteln und vielen eindrucksvoll verdichteten Szenen erzählt Fasbender vom Alltag in Russland und von seiner dramatischen Geschichte. Er beschwört die Urtümlichkeit des riesigen Landes zwischen Ostsee und Pazifik, zwischen Arktis und Kaukasus, und er vermittelt intime Einblicke in die schicksalsgeprüfte Mentalität seiner Bewohner.</p>



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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/am-rand-der-schuetterzone/">Am Rand der Schütterzone</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ukraine-Krieg: Wie geht es weiter?</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/ukraine-krieg-wie-geht-es-weiter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Aug 2022 09:33:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Thomas Fasbender. Der Ukrainekrieg steckt in einer Phase strategischer Alternativlosigkeit; das gilt für die kriegführenden Parteien genauso für die Ukraine-Unterstützer im Westen. Ein „Weiter-so“ &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/ukraine-krieg-wie-geht-es-weiter/">Ukraine-Krieg: Wie geht es weiter?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>von <em>Thomas Fasbender</em>.</p>


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<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-1024x665.png" alt="" class="wp-image-2345" width="512" height="333" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-1024x665.png 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-300x195.png 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-768x499.png 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-1536x998.png 1536w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-2048x1331.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></figure></div>


<p>Der Ukrainekrieg steckt in einer Phase strategischer Alternativlosigkeit; das gilt für die kriegführenden Parteien genauso für die Ukraine-Unterstützer im Westen. Ein „Weiter-so“ charakterisiert die Agenden. In der westlichen Öffentlichkeit gilt jede Erwähnung von Verhandlungen als Gottseibeiuns des Defätismus. In der Ukraine schwimmt man auf der Welle erfolgreicher Nadelstich-Angriffe und partieller Rückeroberungen an der südlichen Front. In Rußland geht es stur um die Eroberung des Donbaß. Da Putin seine Kriegsziele opportunistisch den Möglichkeiten anpaßt, weiß man nur, dass es weitergeht – selten aber, wohin.</p>



<p>Man kann auch nicht sagen, ob Rußland bereit wäre, Cherson und die Gebiete rechts des Dnjepr dem ukrainischen Druck zu opfern. Gewiß ist nur, daß die Krim unter dem russischen Nuklearschutz steht. Das sollte bedenken, wer in Kiew oder im Westen fordert, die Ukraine mit militärischen Mitteln in den Grenzen von 2013 wieder herzustellen.</p>



<p>Wahrscheinlich ist, daß der Kreml schon im September 2022 in den eroberten Gebieten Volksabstimmungen über die Zugehörigkeit zu Rußland durchführen läßt. Nach einer Annexion könnte Moskau die russische Nukleargarantie dann auf die ost- und südukrainischen Gebiete ausdehnen.</p>



<p>Medien und Politik im Westen trommeln für die solidarische Unterstützung einer ukrainischen Siegstrategie. Deren Schwäche hat der Historiker Herfried Münkler schon im Mai 2022 diagnostiziert: Es gibt keine einheitliche Vorstellung von einem ukrainischen Sieg. Die USA wünschen sich eine dauerhafte Schwächung des russischen Störpotenzials. Das traditionell rußlandkritische Großbritannien zielt auf die Wiederherstellung der Ukraine 2013. Die Westeuropäer wünschen vor allem ein Ende der militärischen Auseinandersetzung.</p>



<p>Das Appeaser-Etikett, das den Deutschen und Franzosen trotz aller Lippenbekenntnisse anhängt, macht eine wirksame Friedensinitiative seitens dieser Länder unwahrscheinlich. Sie wird aber auch nicht aus den USA kommen. Der Deep State der US-Außenpolitik will den Konflikt, will ihn aber nicht eskalieren. Die USA haben mit China genug am Hut. Und die Briten sind nach dem Abgang des Bellizisten Boris Johnson erst einmal mit sich selbst beschäftigt.</p>



<p>Am wahrscheinlichsten sind Initiativen aus der Region: die beiden Kriegsparteien, Polen, Litauen, auch Belarus. Dort gibt es mehr Dialog als bekannt, und zwar über die Fronten und Grenzen hinweg. Auch Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.</p>



<p>Noch ist das Zukunftsmusik. Noch sind die Hoffnungen, auf dem Schlachtfeld Vorteile herauszukämpfen, allseits größer als das Vertrauen in einen möglichen Frieden oder Waffenstillstand. Mindestens bis zum Herbst wird das so bleiben.</p>



<p>Am Ende steht, ob wir wollen oder nicht, die Teilung der Ukraine. Rußland wird den Süden und Osten nicht hergeben. Wahrscheinlicher ist,daß Moskau auch diese Gebiete unter seinen Nuklearschutz stellt. Der Restukraine könnte eine polnisch-litauische Friedenstruppe, bilateral unterstützt von den USA, ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Der Westen steht dann vor der Wahl. Er kann diese Restukraine aufrüsten, in die NATO aufnehmen, sie vorbereiten für eine nukleare Restitution des Status quo ante 2013.</p>



<p>Oder auch nicht. Eine reale Option, die russischen Kräfte zurückzudrängen, sei es auf den Frontverlauf vor dem 24. Februar 2022, sei es auf die Grenzen von 2013, existiert nicht. Alle Sanktionen der Welt werden nicht bewirken, daß Rußland einen Siegfrieden zu seinen Ungunsten akzeptiert. Darin liegt der grundsätzliche Unterschied zur deutschen Lage von 1918 und 1945. Die Krim und den Donbaß könnte der Westen allenfalls um den Preis eines Atomkriegs heimholen.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/deutsch-russische-nachbarschaft-band-1.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/Barnick_Cover-653x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2379 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Johannes Barnick: Deutsch-russische Nachbarschaft</h2>



<p>Dieses Buch aus dem Jahre 1959 liest sich, als wäre es für heute geschrieben worden: ein außenpolitischer Traktat mit detaillierten Einblicken in die psychologischen, geopolitischen und machtphysikalischen Bedingtheiten der deutsch-russischen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart. Das aktuelle Thema des Privatgelehrten Johannes Barnick (1916–1987) ist, anders als der Titel verheißt, keineswegs die deutsch-russische »Nachbarschaft«, sondern vielmehr »Nachbarsnachbarschaft«. Denn zwischen Deutschland und Rußland gibt es die bekannte »Schütterzone« von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer als »ernstesten weltpolitischen Krisenherd«. Bereits vor über sechzig Jahren warnte Barnick weitsichtig davor, daß »ein Bündnis von liberalem Westen und osteuropäischem Nationalismus« für Deutschland eine neuerliche Einkreisung bedeuten würde – und darüber hinaus die Gefahr eines Dritten Weltkrieges.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Thomas Fasbender: Wladimir W. Putin</h2>



<p>Die erste Putin-Biographie eines deutschen Autors seit mehr als zwei Jahrzehnten – weder pro noch contra, weder Anklage noch Verteidigung. Stattdessen eine klassische Biographie, gut lesbar erzähltes Leben. Der Großvater: Lenins Leibkoch in den Jahren nach der Revolution. Die Eltern: einfache Leute im zerschossenen Leningrad der Nachkriegszeit. Der Sohn: ein KGB-Offizier, den der Weltgeist aus obskurer DDR-Provinz ins höchste Staatsamt spült. Zahllos sind die Narrative und Deutungen, die sein Wirken begleiten. Aber haben sie das Rätsel gelöst? Wer ist der Mann, der Russland auf einen eigenen Weg gebracht hat? Der dem Selbstverständnis der Westeuropäer in die Parade fährt? Thomas Fasbender ist kein Verehrer und kein Verächter, er blendet nichts aus, nicht die Vorwürfe, nicht die Anschuldigungen, nicht die fundamentale Kritik. So wird die Biographie zum Spiegel des epochalen Konflikts, der mit Putins politischem Werdegang in eins fällt, und zum Porträt Russlands im Aufgang einer neuen Zeit.</p>



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			</item>
		<item>
		<title>Wir sind schon mittendrin</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/wir-sind-schon-mittendrin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 May 2022 07:43:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von James Howard Kunstler. Als ich vor fast zwanzig Jahren „Der lange Notstand“ (Living in the Long Emergency) schrieb, hätte ich nicht gedacht, daß unsere &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>von <em>James Howard Kunstler</em>.</p>



<p></p>


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<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/220531_Amische-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-2312" width="512" height="288" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/220531_Amische-1024x576.jpg 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/220531_Amische-300x169.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/220531_Amische-768x432.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/220531_Amische-1536x864.jpg 1536w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/220531_Amische.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></figure></div>


<p>Als ich vor fast zwanzig Jahren „Der lange Notstand“ (<em>Living in the Long Emergency</em>) schrieb, hätte ich nicht gedacht, daß unsere Regierung so hart daran arbeiten würde, die Situation noch zu verschlimmern, nachdem sie erst einmal in Gang gekommen ist. Meine damalige Vermutung war lediglich, daß die Regierung immer aufgeblähter, ineffektiver und schwächer wird und daß sie die Kräfte, die zusammenwirken, um unsere hochentwickelten technisch-industriellen Gesellschaften zu untergraben, nicht versteht. Was ich mir nicht vorstellen konnte, war, daß sich die Regierung darüber hinaus so ostentativ blöd anstellen würde.</p>



<p>Hier und da hat man offenbar erkannt, daß unheilvolle Veränderungen bevorstehen. Sonst gäbe es nicht so viel Gerede über erneuerbare Energien, „nachhaltiges Wachstum“, Ökologie usw. Aber dieses Gerede spricht eher für Wunschdenken, und zwar aus mindestens zwei Gründen: 1. Die Gesetze der Physik werden größtenteils ignoriert, obwohl es sich bei so vielen Menschen, die an Unternehmungen wie Wind- und Solarenergie beteiligt sind, um Wissenschafts- und Technologieexperten handelt; 2. nimmt man dummerweise an, daß das tägliche Leben so bleiben werde wie bisher – mit anderen Worten, daß wir die Vorstädte, die Riesenstädte, Disney World, die Shopping Malls, das US-Militär und das Autobahnsystem auch weiterhin betreiben könnten, nur eben mit anderen Mitteln als Öl und Gas.</p>



<p>Jetzt erfahren wir auf die harte Tour, wie sehr sich das tägliche Leben verändert, ja verändern muß, und wie chaotisch dieser Prozeß in jeder Hinsicht abläuft – von den erzwungenen persönlichen Anpassungen bis hin zu unserer spirituellen Haltung dazu. Wie bei vielen Vorgängen in der Geschichte drückt sich diese Unordnung auf merkwürdige, ja scherzhafte Weise aus, als ob Gott ein Witzbold wäre. Wer hätte gedacht, daß unsere Politik so gestört sein kann? Daß es Streit um den Unterricht von Oralsex in der fünften Klasse gibt? Daß die CDC [eine Behörde des US-Gesundheitsministeriums zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten] weiterhin Impfstoffe propagiert, die offensichtlich nicht wirken (und daß so viele Menschen sie sich trotzdem verabreichen lassen)? Daß Diebstahl unter einem Warenwert von tausend Dollar nicht strafrechtlich verfolgt wird? Daß Unruhen mit Brandstiftung und Plünderungen „überwiegend friedlich“ verlaufen? Daß wir 50 Milliarden Dollar um die halbe Welt schicken, um die Grenzen eines anderen Landes zu verteidigen, während wir die Verteidigung unserer eigenen Grenzen aufgeben? Daß finanziell angeschlagene Amerikaner ihr schwindendes Geld für &#8230; Tätowierungen ausgeben?</p>



<p>Man beachte, daß diese merkwürdigen Entwicklungen überhaupt nichts mit notwendigen Umstellungen unseres Lebensstils zu tun haben. Die kollektive Psychologie ist bizarr, und natürlich ist ein Großteil dieser Dinge auf Massenpsychose zurückzuführen. Ganze Gruppen von Menschen, die unter Zwang stehen, die unter Einsamkeit, Orientierungslosigkeit, Hilflosigkeit und Angst leiden, verfallen in ein koordiniertes Denken und Handeln, sobald sie nur einen menschlichen oder sachlichen Vorwand für ihre unguten Gefühle finden.&nbsp;</p>



<p>Donald Trump war ein solcher Vorwand. Er hat das halbe Land in einen Rausch versetzt, der darauf abzielte, ihn zu vernichten. Es gelang tatsächlich, ihn von der Bildfläche verschwinden zu lassen – mit Hilfe eines Wahlbetrugs, den viele Machthaber (lokale Beamte oder Richter) für durchaus legitim hielten. Dieser Erfolg hat ihre Psychose verstärkt. Leider fehlte ihnen ein ebenso lohnendes Nachfolgeprojekt, das ihre Energien hätte binden können. Also machten sie eines der Mittel zur Beseitigung von Trump, Covid-19, zum Gegenstand all ihrer Sorgen und Ängste und erklärten die mRNA-Impfungen zu ihrem neuen Heilsbringer.</p>



<p>Leider ist das Impfprojekt gründlich schiefgegangen. Millionen von Menschen sehen einer Zukunft mit geschädigtem Immunsystem entgegen. Das Entsetzen ist zu groß, um es zu begreifen, vor allem für die Regierung, die das Problem erst verursacht hat und unmöglich zugeben kann, daß es existiert, ohne ihre Legitimität zu zerstören &#8230; Deshalb macht sie auf dumme und abscheuliche Weise mit dem Impfprogramm weiter. Schon jetzt ist die allgemeine Sterblichkeitsrate erheblich angestiegen, und mit der Zeit wird die Erkenntnis, woran das liegt, ein kritisches Maß erreichen.</p>



<p>Die Ursache wird zu offensichtlich sein, um sie länger zu ignorieren. Aber zu diesem Zeitpunkt (bald dürfte es soweit sein) ist die Wirtschaft wahrscheinlich schon so ruiniert, das amerikanische Volk so verwirrt und unsere Lage so verzweifelt, daß die Regierung zu einem äußerst dummen Akt des nationalen Selbstmords wie dem Auslösen eines Atomkriegs greifen wird. Die Regierung unter „Joe Biden“ scheint zu einer solchen Maßnahme durchaus bereit zu sein. Damit kommen wir zum spirituellen Teil der Geschichte: Gerade diejenigen, die es nicht gewohnt sind, mit sogenannten höheren Mächten zu verkehren, sollten es vielleicht mit Beten versuchen.</p>



<p>In letzter Zeit wird die westliche Zivilisation von einer neuen Geisteskrankheit heimgesucht, und zwar gerade deshalb, weil dieselbe westliche Zivilisation, welche die techno-industriellen Gesellschaften hervorgebracht hat, nun auch als erste den alarmierenden Niedergang dieses Systems erlebt. Ich spreche vom Weltwirtschaftsforum (unter einem gewissen Klaus Schwab) und seinem erklärten Ziel „Build Back Better“, das auf der stillschweigenden Prämisse beruht, daß das derzeitige System eher früher als später in den Orkus geschickt werden müsse, und zwar mit Vorsatz. Alle westlichen Regierungen scheinen sich in dieser Frage einig zu sein.</p>



<p>Aber so, wie Herr Schwab und seine Anhänger es sich erhofft haben, wird es nicht kommen, und zwar aus mindestens zwei Gründen: Erstens ist Gott, wie bereits erwähnt, ein Schelm und spielt der Menschheit gern überraschende Bälle zu. Zweitens ist das „Bessere“, das Herr Schwab erwartet, ein ultra-technisch-industrielles, „transhumanes“ System, das wahrscheinlich nicht zustande kommen wird, wenn die Unterstützung durch das ältere technisch-industrielle System nicht mehr zur Verfügung steht. So wie es derzeit konzipiert ist, hängt BBB von elektrischer Energie ab, und sie ist eines der wichtigsten Teilsysteme unseres Systems, das schon jetzt aus dem Gleichgewicht zu geraten droht. Sie verstehen sicher, was ich meine; kommen wir also zur Sache.</p>



<p>Vor etwa einem Jahr hatte ich meine französische Staffelei an einer nahen Landstraße aufgestellt und war gerade dabei, ein Motiv zu malen, als ein Pferdewagen mit vier bärtigen Männern in strenger schwarz-weißer Kleidung vorbeikam. Sie waren offenbar etwas überrascht von dem seltsamen Anblick, den ich beim Malen eines Bildes bot, und hielten an, um sich mit mir zu unterhalten. Sie gehörten zu den Amischen und waren vor kurzem aus Pennsylvania, wo es für ihr fruchtbares Volk kein weiteres Ackerland mehr gab, in meine Gegend gezogen. Keine halbe Stunde später kam ein zweiter Pferdewagen vorbei. Ich gebe zu, daß mich dieser Vorfall in Erregung versetzte – nicht nur wegen des Geruchs der Pferde und des gemächlichen Rhythmus‘, in dem sie dahintrotteten. Da ich in letzter Zeit eine Reihe von Romanen über das Leben in einer Stadt nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch geschrieben habe, die meiner eigenen Stadt ähnelt (die Reihe <em>World Made by Hand</em>), genoß ich das seltsame Vergnügen, für einen Augenblick in eine Szene versetzt zu werden, die ich mir selbst ausgedacht hatte – die Vorgeschichte zu meinen eigenen Büchern.</p>



<p>Inzwischen kommen sehr viele Amische in diese Gegend. Wie ich höre, gehen sie mit einem Bündel Bargeld zu den heruntergekommenen oder stillgelegten Höfen und machen einfach mal ein Angebot. Offensichtlich funktioniert diese Methode. Das hat mich auf eine Geschäftsidee gebracht: eine Schule für amische Fertigkeiten zu gründen, ein paar Hektar Land mit einer Scheune zu kaufen und ein paar amische Männer einzustellen, die uns Nicht-Amischen Dinge beibringen, die in den kommenden Jahren wichtig sein werden, z.B. wie man Pferde vor einen Wagen oder ein Maultier vor einen Pflug spannt. (Die Amischen verdienen gern ein wenig Geld, wenn sie können.) Das jedenfalls ist meine Idee von sinnvollen „Reformen“(„to build back better“). Ich weiß ja nicht, wie Sie das sehen.</p>



<p>Wir danken James Howard Kunstler für die Genehmigung zur Veröffentlichung der deutschen Übersetzung. <a href="https://kunstler.com/clusterfuck-nation/were-in-it-now-for-sure/">Hier geht es zum Originalbeitrag.</a></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/der-gaertnerhof.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="642" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/Beleites-Gaertnerhof-642x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2313 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/Beleites-Gaertnerhof-642x1024.jpg 642w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/Beleites-Gaertnerhof-188x300.jpg 188w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/Beleites-Gaertnerhof-768x1224.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/Beleites-Gaertnerhof-963x1536.jpg 963w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/Beleites-Gaertnerhof-1285x2048.jpg 1285w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/Beleites-Gaertnerhof.jpg 1531w" sizes="auto, (max-width: 642px) 100vw, 642px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Michael Beleites: Der Gärtnerhof. Selbstversorgung – ein Weg ins Freie</h2>



<p>Den Weg ins Freie finden wir, wenn wir uns an dem Gedanken der Subsistenz orientieren. Wenn Familien und Dörfer ihre Abhängigkeit von Fremdversorgung verringern, finden auch Regionen und Nationen zu ihrer Versorgungssouveränität. Das wohl ausgereifteste und tragfähigste Modell individueller Subsistenzwirtschaft ist das Gärtnerhof-Konzept. Es wurde in den beiden Nachkriegszeiten des 20. Jahrhunderts von dem Gartenarchitekten Max Karl Schwarz entwickelt. Seine Grundidee besteht in einer sozial und ökologisch stimmigen Kombination aus Gärtnerei und Kleinbauernhof auf einer Fläche von zwei bis fünf Hektar. „Der Gärtnerhof ist ein Kleinbetrieb, der in intensivster und vielseitigster Wirtschaftsweise Gemüse- und Obstbau betreibt, Groß- und Kleinvieh hält, die volle Selbstversorgung der auf ihm Arbeitenden sichert und nachhaltig große Marktleistungen erzielt.“ (Max Karl Schwarz)<br>In diesem Buch werden die Schlüsseltexte zum Gärtnerhof-Konzept erneut publiziert, um sie all jenen an die Hand zu geben, die auch heute ein bodengebundenes Leben anstreben: Ein kreatives und krisenfestes Leben, das ebenso gemeinwohlorientiert wie selbstbestimmt ist; das die Spaltungen von Arbeitsort und Wohnort, von Familie und Beruf überwindet. Der Gärtnerhof ist ein begehbares Praxisfeld für eine Kulturwende, die ein Weniger an Energie- und Ressourcenverbrauch mit einem Mehr an Lebensqualität zu verknüpfen weiß.</p>



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		<title>Krieg und „Great Reset“</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/krieg-und-great-reset/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 May 2022 12:06:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel. Mathematik bedeutet Macht. Wer bestimmen darf, welche Rechenoperationen jeweils wann anzuwenden sind und welche Ergebnisse dann in den Aushang des medialen Schaufensters &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>von <em>Felix Menzel</em>.</p>



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<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/klaus-schwab-767x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2307" width="384" height="512" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/klaus-schwab-767x1024.jpg 767w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/klaus-schwab-225x300.jpg 225w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/klaus-schwab-768x1025.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/klaus-schwab.jpg 810w" sizes="auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px" /></figure></div>



<p>Mathematik bedeutet Macht. Wer bestimmen darf, welche Rechenoperationen jeweils wann anzuwenden sind und welche Ergebnisse dann in den Aushang des medialen Schaufensters kommen, hat schon die halbe Miete erbracht, um die eigenen politischen Forderungen durchzusetzen. Rein ideologische Manipulation fliegt schnell als zu offensichtliche Propaganda auf. Lügen mit Statistik ist hingegen eine bessere Strategie und sie kommt immer exzessiver zur Anwendung.</p>



<p>Sowohl die Klima- als auch Corona-Debatte wurden in den letzten Jahren dominiert von Horrorprognosen auf der Basis von <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/klimawandel-und-corona-haben-gemeinsame-wurzeln/">quasi-exponentiellen Schadensvorausberechnungen</a>. Wenn wir uns jetzt nicht alle impfen lassen und Maske tragen, dann werden die Todeszahlen durch die Decke gehen, lautete das Corona-Narrativ hinter den steil ansteigenden Infektionskurven aus der Tagesschau. Omikron änderte schließlich alles und zeigte der durch eine Datenflut in Hysterie versetzten Masse, wie <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-irrationale-seite-der-infosphaere/">irrational</a> es ist, weitreichende Entscheidungen (wie z.B. über einen Impfzwang) zu treffen, weil man glaubt, eine gegenwärtige Tendenz ließe sich für alle Zeit fortschreiben.</p>



<p>Wie Leon Wilhelm Plöcks in seinem neuen Buch über die <a href="https://www.manuscriptum.de/menschendaemmerung.html?SID=152981a9c8e7648f756581c035cadd3f"><em>Menschendämmerung</em></a> herausarbeitet, ging es bei Corona jedoch nicht nur um ein medizinisches Problem. Supranationale Eliten wollten die Krise vielmehr für einen „Tsunami der Innovationen“ in der Medizin, Digital- und Energiewirtschaft nutzen. In der Tat ist es naheliegend, in Krisen den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern den Versuch zu unternehmen, ein „posttraumatisches Wachstum“ auszulösen, um sich gestärkt aus der heiklen Situation zu befreien.</p>



<p>Bedenklich, so Plöcks, sei aber die „trans- und posthumanistische Agenda“ der Krisenbewältigung, die darauf abziele, den Menschen überflüssig zu machen und „zunehmend durch Anwendungen von Künstlicher Intelligenz“ zu ersetzen. Das stecke wirklich hinter dem „Great Reset“, dem „großen Neustart“. Seine Vertreter wollen das Verhalten der Menschen bis in jede Verästelung hinein kybernetisch steuern. Technokratische Systeme, die durch Rückkopplungen ständig in Eigenregie eine Zielanpassung vornehmen, sollen den Menschen also Vorschriften zu seinem ökologischen Fußabdruck, seiner Ernährung und vielleicht irgendwann auch seinen politischen Ansichten machen. Das chinesische Sozialkredit-System geht in diese Richtung und ist ein Vorbote dieser drohenden Überwachungspraxis.</p>



<p>Plöcks warnt: „Ein solches System kennt weder einen nennenswerten Grad menschlicher Freiheit, noch benötigt es irgendeine wie auch immer geartete Form von Politik, da es sich und all seine Teile gemäß seiner Programmierung selbst steuert. (…) Es handelt sich folglich um ein äußerst totalitäres System.“</p>



<p>Dieses System scheitert nur an einem unlösbaren Problem. Die Selbststeuerung funktioniert nicht, weil die Welt mit ihrem Ereignischaos komplexer ist als die Mathematik. So steht bereits jetzt fest, daß der „große Neustart“ mit seinen Klima- und Vernetzungsutopien auf absehbare Zeit verschoben werden muß. Denn für Globalisten war der Kriegsausbruch in der Ukraine ein Schwarzer Schwan, den es eigentlich nicht hätte geben dürfen, da sie annahmen, ein kriegerischer Überfall auf ein Nachbarland lohne sich für keine Großmacht mehr.</p>



<p>Mit dem Krieg schlägt nun das Pendel der ökonomischen Entwicklung zwangsläufig in eine andere Richtung aus. Er macht es notwendig, sich wieder um „altbackene“ Dinge wie Rohstoffe, Selbstversorgung, Vorräte, patriotische Wehrhaftigkeit und Geographie (also die Bedeutung des Raums) kümmern zu müssen. Die pazifistische Utopie einer globalvernetzten, virtualisierten Wissensgesellschaft, die ausschließlich mit „erneuerbarer Energie“ angetrieben wird, wirkt dagegen aus der Zeit gefallen.</p>



<p>Plöcks erklärt übrigens, daß auch die Kybernetik im Krieg entstanden ist. Anfang der 1940er-Jahre tüftelten die Westalliierten an einer Rechenmaschine zur Unterstützung der Flugabwehr, die „aus dem beobachteten Verhalten anvisierter deutscher Flugzeuge deren Flugbahn und zukünftige Position berechnen sollte“. Die Experimente verliefen allerdings „nicht sonderlich erfolgreich“.</p>



<p>Heute ist die Berechnung von Flugbahnen zwar sehr viel genauer möglich. Trotzdem bleibt die Vorausberechnung der Geschichte zum Glück weiter unerreichbar. Schwarze Schwäne wird es immer geben. Für uns und auch für alle anderen.</p>



<p><em>(Bild: Klaus Schwab vom Weltwirtschaftsforum, der den „Great Reset“ skizziert hat. Quelle: </em><a href="https://www.flickr.com/people/49344088@N04"><em>Foundations World Economic Forum</em></a><em>, Wikipedia, </em><a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><em>CC BY 2.0</em></a><em>)</em></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/menschendaemmerung.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="637" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung-637x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2308 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung-637x1024.jpg 637w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung-187x300.jpg 187w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung.jpg 650w" sizes="auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Leon Wilhelm Plöcks: Menschendämmerung</h2>



<p>In raschem Tempo vollzieht sich eine fundamentale Transformation von Mensch und Welt, die schon bald unumkehrbar sein könnte. Der im Zuge der Corona-Krise etablierte Ausnahmezustand dient einer technokratischen Weltelite als Trojanisches Pferd zur Durchsetzung einer Großen Transformation: der Vertreibung aus der realen in eine von kybernetischen Kontroll- und Steuerungsmechanismen beherrschte virtuelle Welt. Damit zieht eine noch nie dagewesene Form totalitärer Herrschaft herauf. In der neuen Normalität sollen menschliche Freiheit und Eigenverantwortung keinen Platz mehr haben. Nach dem Willen der Post- und Transhumanisten schreitet die Entwicklung von Cyborgs und künstlicher Superintelligenz immer weiter voran. Werden die selbstermächtigten Schöpfer der Posthumanität ihre Ziele erreichen? – Das neue Buch von Leon Wilhelm Plöcks enthüllt Akteure, Ursachen und Hintergründe der großen „Menschendämmerung“. Es rückt nicht nur die Corona-Krise ins richtige Licht, sondern konfrontiert uns mit existentiellen Fragen des Seins.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Thomas Fasbender: Freiheit statt Demokratie</h2>



<p>Der Mythos von den „Befreiungsbewegungen“ hält sich hartnäckig: Gender-</p>



<p>Russland ist ein Ärgernis. Zu diesem Schluss kommen die westlichen Eliten in Politik und Medien. Russland stört – spätestens seit der Ukraine-Krise 2014. »Russland-Versteher« ist zum Schimpfwort verkommen. Eindrucksvoll schildert Thomas Fasbender, wie anders Russland in der Tat ist. Anders als die westeuropäischen Vorurteile glauben machen und anders als das westeuropäische Ideal einer zeitgemäßen Demokratie.</p>



<p>In dreizehn abwechslungsreichen Kapiteln und vielen eindrucksvoll verdichteten Szenen erzählt Fasbender vom Alltag in Russland und von seiner dramatischen Geschichte. Er beschwört die Urtümlichkeit des riesigen Landes zwischen Ostsee und Pazifik, zwischen Arktis und Kaukasus, und er vermittelt intime Einblicke in die schicksalsgeprüfte Mentalität seiner Bewohner.</p>



<p>Sein Fazit: Russland will den Weg des Westens nicht gehen, und Russland wird ihn nicht gehen. Und das beileibe nicht wegen seines Präsidenten. Der russische Mensch hat sein eigenes Verständnis von Freiheit, und das verträgt sich nicht mit der europäischen Verliebtheit in Vernunft- und Gesetzestreue … Fasbender hat ein Buch mit Herz und Verstand und in einer besonders schönen Sprache geschrieben, ein Buch gegen den Strom, das eine fremde, nahe Welt erschließt.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Metropolit Hilarion von Wolokolamsk: Die Zukunft der Tradition</h2>



<p>Manche glauben, die Grenze zwischen Gut und Böse verliefe zwischen Europa und Russland, zwischen dem säkularen »Fortschritt« des Westens und der christlichen »Reaktion« des Ostens. In der Tat wurden in Russland seit dem Untergang des Kommunismus 26.000 Kirchen neu errichtet oder wiedereröffnet – drei Kirchen pro Tag. Während Europa mehr und mehr mit seinem christlichen Erbe bricht, erlebt das Christentum in Russland eine Renaissance.</p>



<p>Im Bewusstsein dieser weltgeschichtlichen Spannung spricht Metropolit Hilarion über das Verhältnis der russischen Orthodoxie zu Katholizismus, Protestantismus und Säkularismus, über die Lage in Syrien, über Christenverfolgung, Märtyrer und Heilige, über »die kinderreiche Familie und die Zukunft der Menschheit« – und nicht zuletzt darüber, dass es keine wahre Sittlichkeit ohne die Perspektive des ewigen Lebens gibt. Dieses Buch verdeutlicht die Positionen der russischen Orthodoxie und zeigt ihre Sicht auf das Europa der Gegenwart.</p>



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<p></p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Was will Putin? Und was nicht?</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/was-will-putin-und-was-nicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Mar 2022 08:02:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über die Ursachen des aktuellen Krieges Von Mike Whitney vom 4. März 2022. Ich bin davon überzeugt, daß wir an einem entscheidenden Punkt angelangt sind, &#8230; </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Über die Ursachen des aktuellen Krieges</p>



<p></p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Karte-1024x766.jpg" alt="" class="wp-image-2255" width="512" height="383" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Karte-1024x766.jpg 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Karte-300x225.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Karte-768x575.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Karte.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Die amerikanischen Pläne zur Aufteilung Rußlands. Karte aus dem  1997 erschienenen <br>Buch <em>The Grand Chessboard</em> von Zbigniew Brzezińskis (deutsch: <em>Die einzige Weltmacht. </em><br><em>Amerikas Strategie der Vorherrschaft,</em> Rottenburg [Kopp] 2015).</figcaption></figure></div>



<p>Von Mike Whitney vom 4. März 2022.</p>



<p class="has-medium-font-size"><em>Ich bin davon überzeugt, daß wir an einem entscheidenden Punkt angelangt sind, an dem wir ernsthaft über die Architektur der globalen Sicherheit nachdenken müssen. Und wir müssen dabei nach einem vernünftigen Gleichgewicht zwischen den Interessen aller Teilnehmer des internationalen Dialogs suchen.</em></p>



<p class="has-medium-font-size">Wladimir Putin, Präsident der Russischen Föderation,<br>2007 auf der Münchner Sicherheitskonferenz</p>



<div style="height:13px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Liebe Leser,</p>



<p>was wissen Sie über die Krise in der Ukraine? Oder anders gefragt, können Sie diese vier Fragen beantworten?</p>



<p><strong>Erste Frage<br></strong><em>Verstößt das Ansinnen der Regierung von US-Präsident Biden, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, gegen Vereinbarungen, welche die USA unterzeichnet haben? – Ja oder nein?</em></p>



<p>Die Antwort lautet &#8222;ja&#8220;. In Istanbul (1999) und in Astana (2010) haben die USA und die weiteren 56 Länder der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) Dokumente unterzeichnet, die miteinander verknüpfte Prinzipien enthalten, welche die „Unteilbarkeit der Sicherheit“ gewährleisten sollen. – Was bedeutet das?</p>



<p>Es bedeutet, daß die Vertragsparteien sich jeder Handlung enthalten müssen, welche die Sicherheitsinteressen der anderen Mitglieder beeinträchtigen könnte. Es bedeutet, daß die Vertragsparteien keine Militärbasen und Raketenstellungen an Orten errichten dürfen, wo sie eine Bedrohung für andere Mitglieder darstellen. Es bedeutet, daß die Parteien darauf verzichten müssen, ihr jeweiliges Hoheitsgebiet zur Durchführung oder Unterstützung bewaffneter Angriffe gegen andere Mitglieder zu nutzen. Es bedeutet, daß es den Parteien untersagt ist, in einer Weise zu handeln, die den im Vertrag festgelegten Grundsätzen zuwiderläuft. Es bedeutet, daß die Ukraine nicht Mitglied der NATO werden kann, falls ihre Mitgliedschaft eine Bedrohung für die russische Sicherheit darstellt.</p>



<p>Ist all das schwer zu verstehen? – Nein, es ist absolut einleuchtend.</p>



<p>Wenn der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg also behauptet, daß &#8222;jede Nation das Recht hat, ihre eigenen Sicherheitsvereinbarungen zu treffen&#8220;, dann ist das bewußt irreführend. Stoltenberg weiß, daß sowohl die NATO als auch die Vereinigten Staaten vereinbart haben, &#8222;ihre eigene Sicherheit NICHT auf Kosten der Sicherheit anderer [zu] stärken&#8220;. Er weiß auch, daß die NATO und die USA rechtlich verpflichtet sind, sich an die Vereinbarungen zu halten, die sie in der Vergangenheit unterzeichnet haben.</p>



<p>Natürlich fordert Rußland Washington in dieser Angelegenheit heraus. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte vor wenigen Wochen auf einer Pressekonferenz: &#8222;Heute senden wir über das Außenministerium eine offizielle Anfrage an unsere Kollegen in den Ländern des Bündnisses und der OSZE mit der dringenden Bitte zu erklären, wie sie die Verpflichtung zu erfüllen gedenken, ihre Sicherheit nicht auf Kosten der Sicherheit der anderen zu stärken (&#8230;). Dies [eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine] wird die Beziehungen zur Russischen Föderation wirklich untergraben, da es eine grobe Verletzung der von den Präsidenten der USA und anderer Mitgliedsstaaten des Bündnisses eingegangenen Verpflichtungen darstellt.&#8220;</p>



<p>Es gibt ein ähnliches Zitat von dem russischen Botschafter in den USA Anatoli Antonow, ebenfalls nur wenige Wochen alt: &#8222;Die Vereinigten Staaten konzentrieren sich auf das Recht der Staaten, Allianzen zu wählen, ein Recht, das in den Erklärungen der OSZE-Gipfel von Istanbul (1999) und Astana (2010) verankert ist. Gleichzeitig ignorieren sie die Tatsache, daß jene Dokumente dieses Recht an die Verpflichtung knüpfen, die eigene Sicherheit nicht auf Kosten der Sicherheit anderer zu stärken. Das Hauptproblem ist, daß die NATO-Länder ihre Sicherheit stärken, indem sie Rußland schwächen. Wir sind mit einem solchen Ansatz nicht einverstanden.&#8220; (Tass) Unter dem Strich heißt das: Die USA und die NATO entziehen sich ihren Verpflichtungen, um ihre geopolitischen Ziele zu erreichen. Es überrascht einen nicht, daß niemand in den westlichen Medien über dieses Thema berichtet hat, obwohl es handfeste Beweise gibt, welche die russische Position stützen.</p>



<p><strong>Zweite Frage</strong><br><em>Die Ukraine befindet sich seit dem von den USA unterstützten Putsch im Jahr 2014 in einer Krise. Haben sich die Kriegsparteien auf einen Weg zur Beendigung des Konflikts geeinigt? Ja oder nein?</em></p>



<p>Ja, das haben sie. Das Minsker Abkommen wurde im Februar 2015 unterzeichnet. Bedauerlicherweise hat die ukrainische Regierung keinen Versuch unternommen, sich an die Vereinbarungen des Abkommens zu halten. &#8222;Der Unterzeichnung ging ein Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Ukraine, Rußlands, Frankreichs und Deutschlands voraus, die sich auf einen Maßnahmenkomplex zur Entschärfung des Krieges im Donbas einigten.&#8220; Mit anderen Worten: Alle waren sich einig, daß jene Maßnahmen die Kämpfe beenden und den Konflikt beilegen würden.</p>



<p>Beide Seiten einigten sich auf einen Waffenstillstand, den Abzug von Truppen und militärischem Gerät aus dem Kriegsgebiet sowie die Anerkennung einer De-facto-Autonomie (auch als &#8222;Sonderstatus&#8220; bekannt) der Region Donbas. Darauf sollte eine allgemeine Entwaffnung und die Wiederherstellung der ukrainischen Kontrolle über die russische Grenze folgen. Im Laufe der Jahre hat Präsident Putin wiederholt die vollständige Umsetzung von Minsk gefordert, doch Kiew hat sie hartnäckig verweigert. Obwohl die ukrainische Regierung das Abkommen unterzeichnet hat, blieb sie entschlossen, die Feindseligkeiten zu intensivieren und den Krieg fortzusetzen. Noch Anfang Februar 2022 demonstrierten die ukrainischen Behörden gemäß russischen Medienberichten ihren Widerstand gegen die vereinbarte Regelung: &#8222;Der ukrainische Außenminister Dmitri Kuleba (&#8230;) schloß aus, dem Donbas einen Sonderstatus und ein Vetorecht einzuräumen (…): &#8218;Keine ukrainische Region wird ein Mitspracherecht bei nationalstaatlichen Entscheidungen haben. Das ist in Stein gemeißelt! Es wird keinen Sonderstatus geben, wie Rußland ihn sich vorstellt, kein Stimmrecht&#8216;, sagte er.&#8220; (Tass News Service)</p>



<p>Man bedenke, daß es kein Minsker Abkommen ohne die Bestimmung über den &#8222;Sonderstatus&#8220; gibt, die auf eine De-facto-Autonomie hinausläuft, welche der russischsprachigen Bevölkerung der Volksrepubliken Donezk und Lugansk gewährt wird. Der Sonderstatus ist der Kitt, der das Abkommen zusammenhält, da er den Menschen in diesen Provinzen zusichert, daß sie nicht willkürlich von staatlichen Feinden verfolgt werden. Wenn der Außenminister also den Sonderstatus ausschließt, entfernt er faktisch den Eckpfeiler, der das gesamte Abkommen zusammenhält.</p>



<p>Kann es ein, daß die Erklärung des ukrainischen Außenministers von Beamten des US-Außenministeriums ausgearbeitet wurde? Das ist jedenfalls wahrscheinlich. Denn eine geeinte, wohlhabende Ukraine, die in Frieden mit ihren Nachbarn lebt, paßt nicht zu Washingtons imperialen Ambitionen. Was die Regierung Biden will, ist ein zersplitterter, bankrotter und von ethnischen Animositäten zerrissener Staat, der sich leicht von außen manipulieren läßt, durch jene, für welche die Ukraine ein wichtiges Element ihrer geopolitischen Strategie darstellt. Washington ist nicht an einem Ende der Feindseligkeiten interessiert. Washington will den Status quo aufrechterhalten.</p>



<p>Die russischen &#8222;Sicherheitsbedenken&#8220; wiederum sind so legitim wie akut. Putin kann nicht zulassen, daß Atomwaffen an Standorten in Rumänien und Polen stationiert werden, wo sie nur wenige hundert Meilen von ihren Zielen im nahen Rußland entfernt sind. Er muß Washington davon überzeugen, daß diese grobe Verletzung der regionalen Sicherheit (und früherer Verpflichtungen) wirklich in niemandes Interesse liegt und daß Rußland, da das Problem nicht durch friedliche Verhandlungen gelöst werden kann, gezwungen ist, andere Optionen zu verfolgen. (…)</p>



<p>Putin sagte gegenüber seiner obersten Führung: &#8222;Es ist äußerst besorgniserregend, daß (&#8230;) Mk 41-Abschußrampen, die sich in Rumänien befinden und in Polen stationiert werden sollen, für den Abschuß von Tomahawk-Raketen ausgelegt sind. Wenn diese Infrastruktur weiter ausgebaut wird und die Raketensysteme der USA und der NATO in der Ukraine stationiert werden, beträgt ihre Flugzeit nach Moskau nur sieben bis zehn Minuten, bei Hyperschallsystemen sogar nur fünf Minuten. Dies ist eine große Herausforderung für uns und unsere Sicherheit.“</p>



<p>Es ist klar, daß Putin über diese Entwicklungen besorgt ist. Vor sechs Jahren argumentierte er in einem fesselnden Vortrag für die Beseitigung der amerikanischen Raketenabwehr vor ausgewählten Pressevertretern, die seine Äußerungen aus dem Internet &#8222;verschwinden&#8220; ließen. Hier ein Auszug: &#8222;Sobald das Raketenabwehrsystem installiert ist, wird es automatisch mit der gesamten nuklearen Kapazität der Vereinigten Staaten zusammenarbeiten. Es wird ein integraler Bestandteil der nuklearen Schlagkraft der USA sein. (&#8230;) Das verändert schlicht die gesamte Konfiguration der internationalen Sicherheit. (&#8230;) Darauf müssen wir natürlich reagieren.&#8220;</p>



<p>Die westlichen Medien berichteten nicht über Putins Warnungen. Natürlich stellt Amerikas so genanntes &#8222;Missile Defense&#8220;-System eine eindeutige Gefahr für die nationale Sicherheit Rußlands dar. Es integriert das Nuklearsystem der Vereinigten Staaten (einschließlich weltraumgestützter Operationen) mit Systemen, die in Rußlands traditionellem Einflußbereich liegen. Außerdem verschafft es Washington einen Vorsprung bei der Fähigkeit zum Erstschlag, was für die russische Sicherheit das Aus bedeutet. Als Reaktion auf diese Entwicklungen hat Rußland ein völlig neues System von Atomwaffen und hochmodernen Hyperschall-Interkontinentalraketen (&#8222;Avangard&#8220;) geschaffen. Dies hat das Machtgleichgewicht zwischen den beiden Nationen wiederhergestellt, schraubt aber auch die Waffenentwicklung weiter in die Höhe, was die Feindseligkeiten verschärfen (&#8230;) könnte.</p>



<p><strong>Dritte Frage</strong><br><em>Warum ist Washington so feindselig gegenüber Rußland? Stellt Rußland eine Bedrohung für die langfristigen strategischen Ziele der Vereinigten Staaten dar?</em></p>



<p>Ja, in der Tat ist Rußland zum größten Hindernis für Washingtons ehrgeizigen Plan geworden, seine Macht über Zentralasien auszubauen, um von dem dortigen explosiven Wirtschaftswachstum zu profitieren. Putin hat diese Strategie vereitelt, indem er die russische Wirtschaft gestärkt und die Verteidigung des Landes wieder aufgebaut hat. Man bedenke, daß die Globalisten für Rußland vorsahen, ein zersplittertes, föderalistisches System zu schaffen, das die riesigen Ressourcen des Landes für die Ausbeutung durch das Ausland öffnen und gleichzeitig die politische Zentralmacht in Moskau schwächen würde. Der außenpolitische Stratege Zbigniew Brzeziński faßte diesen Plan in einem Artikel mit dem Titel &#8222;A Geostrategy for Eurasia&#8220; folgendermaßen zusammen:</p>



<p>&#8222;Angesichts der Größe und Vielfalt [Rußlands] wären ein dezentrales politisches System und eine freie Marktwirtschaft am ehesten geeignet, das kreative Potenzial des russischen Volkes und Rußlands enorme natürliche Ressourcen freizusetzen. Ein locker konföderiertes Rußland – bestehend aus einem europäischen Rußland, einer sibirischen Republik und einer fernöstlichen Republik – würde es auch leichter haben, engere Wirtschaftsbeziehungen mit seinen Nachbarn zu pflegen. Jeder der konföderierten Staaten wäre in der Lage, sein lokales kreatives Potenzial zu nutzen, das jahrhundertelang durch Moskaus schwere bürokratische Hand unterdrückt wurde. Im Gegenzug wäre ein dezentralisiertes Rußland weniger anfällig für eine imperiale Mobilisierung.&#8220; (Zbigniew Brzeziński, &#8222;A Geostrategy for Eurasia&#8220;, in <a href="https://www.foreignaffairs.com/articles/asia/1997-09-01/geostrategy-eurasia"><em>Foreign Affair</em></a><em>s,</em> September/Oktober 1997)</p>



<p>Putins Transformation der russischen Wirtschaft (und der Verteidigung) hat Brzezińskis Plan natürlich zum Scheitern verurteilt. Er hat auch Washingtons &#8222;Pivot-to-Asia&#8220;-Plan blockiert, den die damalige Außenministerin Hillary Clinton in einer Rede im Jahr 2011 zusammenfaßte: &#8222;Die Zukunft der Politik wird sich in Asien entscheiden, nicht in Afghanistan oder im Irak, und die Vereinigten Staaten werden mitten im Zentrum des Geschehens stehen. (&#8230;) Eine der wichtigsten Aufgaben amerikanischer Staatskunst im nächsten Jahrzehnt wird daher darin bestehen, wesentlich höhere Investitionen – diplomatisch, wirtschaftlich, strategisch und anderweitig – in der asiatisch-pazifischen Region zu tätigen. Das Wachstum und die Dynamik Asiens zu nutzen, ist von zentraler Bedeutung für die wirtschaftlichen und strategischen Interessen der USA und eine der Hauptprioritäten von Präsident Obama. Offene Märkte in Asien bieten den Vereinigten Staaten beispiellose Möglichkeiten für Investitionen, Handel und den Zugang zu Spitzentechnologie. (&#8230;) Amerikanische Unternehmen (müssen) die riesige und wachsende Verbraucherbasis Asiens erschließen. (&#8230;) Die Region erzeugt bereits mehr als die Hälfte der weltweiten Produktion und fast die Hälfte des Welthandels. Während wir uns bemühen, Präsident Obamas Ziel einer Verdopplung der Exporte bis 2015 zu erreichen, suchen wir nach Möglichkeiten, noch mehr Geschäfte in Asien zu machen.&#8220; (&#8222;Amerikas pazifisches Jahrhundert&#8220;, Außenministerin Hillary Clinton&#8220;, in <a href="https://foreignpolicy.com/2011/10/11/americas-pacific-century/"><em>Foreign Policy Magazine</em></a>, Oktober 2011)</p>



<p>Dieses Zitat erhellt, daß die Planer der US-Außenpolitik davon ausgingen, die Russische Föderation einkreisen, schwächen und zusammenbrechen lassen und so die Ausbreitung von US-Militärstützpunkten in ganz Zentralasien vorantreiben zu können (&#8222;forging a broad-based military presence&#8220;), was wiederum ermöglicht hätte, Chinas Wachstum zu kontrollieren, sodaß westliche Unternehmen eine dominante Position in der Region hätten einnehmen können. Eben dies hat Clinton salopp als &#8222;rebalancing&#8220; bezeichnet: das mutmaßliche Auftreten westlicher Unternehmen als Hauptakteure in der bevölkerungsreichsten und wohlhabendsten Region der Welt. Bislang hat Putin die Verwirklichung dieses Plans verhindert.</p>



<p>Umgekehrt haben die USA und ihre Verbündeten Putins Plan, ein &#8222;eurasisches&#8220; Groß-Europa zu schaffen, einen Wirtschaftsraum, der sich von Lissabon bis Wladiwostok erstreckt, scheitern lassen. 2012 faßte Putin diesen Plan wie folgt zusammen: &#8222;Rußland ist ein unveräußerlicher und organischer Teil Groß-Europas und der europäischen Zivilisation. Unsere Bürger verstehen sich als Europäer (&#8230;). Deshalb schlägt Rußland einen gemeinsamen Wirtschaftsraum vom Atlantik bis zum Pazifik vor, eine Gemeinschaft, die von russischen Experten als &#8218;Europäische Union&#8216; [im Orig. &#8218;the Union of Europe&#8216;] bezeichnet wird und die Rußlands Potenzial bei seiner wirtschaftlichen Ausrichtung auf das &#8217;neue Asien&#8216; stärken wird.&#8220;</p>



<p>Damals war Putin nicht klar, daß Washington alles in seiner Macht Stehende tun würde, um eine weitere Integration zu blockieren, da es erkannt hatte, daß die wirtschaftliche &#8222;Harmonisierung&#8220; Europas und Asiens (in Form einer Freihandelszone) eine existenzielle Bedrohung für das &#8222;unipolare&#8220; Weltmodell darstellte. Der politische Analyst Jack Rasmus schrieb in <em>Counterpunch</em>: &#8222;Hinter den Sanktionen steht das Ziel der USA, Rußland aus der europäischen Wirtschaft zu verdrängen. Europa war allzu verbunden mit und abhängig von Rußland. Nicht nur sein Gas und seine Rohstoffe, sondern auch die Handelsbeziehungen und Geldkapitalströme zwischen Rußland und Europa haben sich vor der Ukraine-Krise, die den Anlaß für die Einführung der Sanktionen bildete, in vielerlei Hinsicht vertieft. Die wachsende wirtschaftliche Integration Rußlands und Europas bedrohte die langfristigen wirtschaftlichen Interessen der US-Kapitalisten. Aus strategischer Sicht konnte der von den USA herbeigeführte Staatsstreich in der Ukraine daher als Mittel zur Provokation einer russischen Militärintervention betrachtet werden, d.h. als ein notwendiges Ereignis zur Verschärfung und Ausweitung der Wirtschaftssanktionen, die letztlich die wachsenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Rußland langfristig kappen würden. Diese Trennung wiederum würde nicht nur sicherstellen, daß die US-Wirtschaftsinteressen in Europa dominant bleiben, sondern auch den US-Interessen in Europa und der Ukraine neue Gewinnmöglichkeiten eröffnen (&#8230;).&#8220; (&#8222;The Global Currency Wars&#8220;, Jack Rasmus, in <a href="https://www.counterpunch.org/2015/03/13/the-global-currency-wars/"><em>CounterPunch</em></a>, 13. März 2015)</p>



<p>Hillary Clinton ging so weit zu behaupten, daß Putins Versuch, eine kontinentübergreifende Freihandelszone zu schaffen, in Wirklichkeit der Versuch sei, &#8222;die Region wieder zu sowjetisieren&#8220; (&#8230;). &#8222;Lassen Sie uns keinen Fehler machen&#8220;, sagte sie. &#8222;Wir wissen, was das Ziel ist, und wir versuchen, wirksame Wege zu finden, um die Entwicklung zu verlangsamen oder zu verhindern.&#8220; Dies erklärt, warum die USA so viel Aufwand betreiben, um den Transport von Erdgas aus Rußland nach Deutschland durch NordStream zu verhindern. Die Pipeline schafft wirtschaftliche Verflechtungen, welche die Beziehungen zwischen der EU und Rußland weiter stärken und gleichzeitig die regionale Vormachtstellung der USA untergraben werden. US-Beamte befürchten, daß eine Stärkung der Beziehungen zwischen Moskau und Europa schließlich zur Aufgabe des US-Dollars führen könnte, was dessen mächtige Funktion als Weltreservewährung beenden würde (&#8230;).</p>



<p>Es hat den Anschein, daß das übergeordnete Ziel der US-Politik in der Ukraine darin besteht, das weitere wirtschaftliche Zusammengehen von Asien und Europa zu unterbinden. Die Vereinigten Staaten wollen den Energiefluß von Ost nach West kontrollieren, sie wollen eine faktische Mautstelle zwischen den Kontinenten errichten, sie wollen sicherstellen, daß diese Geschäfte in US-Dollar abgewickelt und in US-Staatsanleihen umgewandelt werden, und sie wollen sich zwischen die beiden wohlhabendsten Märkte des 21. Jahrhunderts stellen. Die Ukraine ist eine wichtige Landbrücke, welche die EU mit Zentralasien verbindet. Washington will diese Brücke kontrollieren, damit es seine Macht weiter nach Osten ausdehnen kann.</p>



<p><strong>Vierte Frage<br></strong><em>Was will Putin?<br></em>Putin hat vollkommen transparent dargelegt, was er für die nationalen Interessen Rußlands hält, und zwar in einem offiziellen staatlichen Dokument aus dem Jahr 2013 mit dem Titel <a href="https://www.rusemb.org.uk/in1/"><em>Konzept der Außenpolitik der Russischen Föderation</em></a>, das klar und deutlich formuliert ist. </p>



<p>Darin heißt es: &#8222;Die gegenwärtige Phase der globalen Entwicklung ist durch tiefgreifende Veränderungen in der geopolitischen Landschaft gekennzeichnet, die größtenteils durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst oder beschleunigt wurden. Die internationalen Beziehungen befinden sich in einem Übergangsprozeß, dessen Kernstück die Schaffung eines polyzentrischen Systems der internationalen Beziehungen ist. Dieser Prozeß ist nicht einfach. Er wird von zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen auf globaler und regionaler Ebene begleitet. Die internationalen Beziehungen werden immer komplexer und unberechenbarer. Die Fähigkeit des Westens, die Weltwirtschaft und -politik zu dominieren, nimmt weiter ab. Das globale Macht- und Entwicklungspotenzial ist nun breiter gestreut und verlagert sich nach Osten, vor allem in den asiatisch-pazifischen Raum. Das Auftreten neuer globaler wirtschaftlicher und politischer Akteure, wobei die westlichen Länder versuchen, ihre traditionellen Positionen zu bewahren, verschärft den globalen Wettbewerb, was sich in einer zunehmenden Instabilität der internationalen Beziehungen äußert. (&#8230;)</p>



<p>Mit der Tendenz zur Dezentralisierung des globalen Machtsystems entstehen regionale Machtzentren als Grundlage für das polyzentrische Modell der Welt (mit den Vereinten Nationen als weiterer Grundlage), welche die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Welt widerspiegeln. Neue Zentren des wirtschaftlichen Wachstums und der politischen Macht übernehmen zunehmend Verantwortung für ihre jeweiligen Regionen. Die regionale Integration wird zu einem wirksamen Mittel, um die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Staaten zu steigern (&#8230;) (<a href="https://www.rusemb.org.uk/in1/"><em>Concept of the Foreign Policy of the Russia Federation</em></a>, Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Russischen Föderation, autorisiert von Präsident Putin am 12. Februar 2013)</p>



<p>Dies ist eine kurze, aber ziemlich genaue Darstellung der jüngsten Geschichte. Ja, die Finanzkrise hat die USA in eine wirtschaftliche Schieflage gebracht, in der die Aktienmärkte durch massive Liquiditätsspritzen der Zentralbanken künstlich gestützt werden, während die Inflation weiter steigt und die Staatsverschuldung auf atemberaubende dreißig Billionen Dollar anschwillt. Dies sind keine Anzeichen von Stärke, sondern von Schwäche, Inkompetenz und Korruption. Und selbst das ist nicht das ganze Bild. Während Washington seine kontraproduktiven Konflikte in Afghanistan, im Irak, in Syrien und in Libyen austrägt, sind andere Machtzentren allmählich stärker geworden und haben ein &#8222;polyzentrisches System internationaler Beziehungen&#8220; geschaffen, das die unipolare Weltordnung unweigerlich ablösen wird.</p>



<div style="height:38px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Editorische Nachbemerkung</strong></p>



<p><em>Dieser Text von Mike Whitney erschien noch vor Ausbruch der Kriegshandlungen in der Ukraine am 3. Februar 2022 auf der amerikanischen Seite </em>unz.com<em> unter dem Titel</em> <em><a href="https://www.unz.com/mwhitney/what-putin-wants/">What Putin Wants</a>. Im Hinblick auf die aktuelle Lage haben wir den Text um jene Passagen (bzw. drei Fragen) gekürzt, in denen eine militärische Aggression Rußlands gegen die Ukraine noch für unwahrscheinlich gehalten wurde – wobei sich der Autor auf entsprechende Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Selenskij berufen konnte, der noch vor wenigen Wochen die amerikanischen Angriffswarnungen für übertrieben erklärte. Umso mehr lohnt sich die Lektüre dieses Beitrags, weil er die seit Jahrzehnten sich anbahnenden geopolitischen Weichenstellungen herausarbeitet, die in den aktuellen Krieg münden: &#8222;audiatur et altera pars&#8220;, man höre auch die andere Seite. Zum Verständnis der Lage empfehlen wir die Bücher von Thomas Fasbender, die niemandem eine Parteinahme abfordern:</em></p>



<div style="height:132px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p></p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/wladimir-w-putin-eine-politische-biographie.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="634" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-634x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2258 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-634x1024.jpg 634w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-186x300.jpg 186w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-768x1241.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-951x1536.jpg 951w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-1268x2048.jpg 1268w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover.jpg 1579w" sizes="auto, (max-width: 634px) 100vw, 634px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Thomas Fasbender: Wladimir W. Putin</h2>



<p>Die erste Putin-Biographie eines deutschen Autors seit mehr als zwei Jahrzehnten – weder pro noch contra, weder Anklage noch Verteidigung. Stattdessen eine klassische Biographie, gut lesbar erzähltes Leben. Der Großvater: Lenins Leibkoch in den Jahren nach der Revolution. Die Eltern: einfache Leute im zerschossenen Leningrad der Nachkriegszeit. Der Sohn: ein KGB-Offizier, den der Weltgeist aus obskurer DDR-Provinz ins höchste Staatsamt spült. Zahllos sind die Narrative und Deutungen, die sein Wirken begleiten. Aber haben sie das Rätsel gelöst? Wer ist der Mann, der Russland auf einen eigenen Weg gebracht hat? Der dem Selbstverständnis der Westeuropäer in die Parade fährt? Thomas Fasbender ist kein Verehrer und kein Verächter, er blendet nichts aus, nicht die Vorwürfe, nicht die Anschuldigungen, nicht die fundamentale Kritik. So wird die Biographie zum Spiegel des epochalen Konflikts, der mit Putins politischem Werdegang in eins fällt, und zum Porträt Russlands im Aufgang einer neuen Zeit.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:auto 23%"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/freiheit-statt-demokratie.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="492" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Freiheit-satt-demokratie_cover.jpg" alt="" class="wp-image-2257 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Freiheit-satt-demokratie_cover.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Freiheit-satt-demokratie_cover-183x300.jpg 183w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Thomas Fasbender: Freiheit statt Demokratie</h2>



<p>Der Mythos von den „Befreiungsbewegungen“ hält sich hartnäckig: Gender-</p>



<p>Russland ist ein Ärgernis. Zu diesem Schluss kommen die westlichen Eliten in Politik und Medien. Russland stört – spätestens seit der Ukraine-Krise 2014. »Russland-Versteher« ist zum Schimpfwort verkommen. Eindrucksvoll schildert Thomas Fasbender, wie anders Russland in der Tat ist. Anders als die westeuropäischen Vorurteile glauben machen und anders als das westeuropäische Ideal einer zeitgemäßen Demokratie.</p>



<p>In dreizehn abwechslungsreichen Kapiteln und vielen eindrucksvoll verdichteten Szenen erzählt Fasbender vom Alltag in Russland und von seiner dramatischen Geschichte. Er beschwört die Urtümlichkeit des riesigen Landes zwischen Ostsee und Pazifik, zwischen Arktis und Kaukasus, und er vermittelt intime Einblicke in die schicksalsgeprüfte Mentalität seiner Bewohner.</p>



<p>Sein Fazit: Russland will den Weg des Westens nicht gehen, und Russland wird ihn nicht gehen. Und das beileibe nicht wegen seines Präsidenten. Der russische Mensch hat sein eigenes Verständnis von Freiheit, und das verträgt sich nicht mit der europäischen Verliebtheit in Vernunft- und Gesetzestreue … Fasbender hat ein Buch mit Herz und Verstand und in einer besonders schönen Sprache geschrieben, ein Buch gegen den Strom, das eine fremde, nahe Welt erschließt.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/die-zukunft-der-tradition.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="650" height="965" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/9783944872346_2.jpg" alt="" class="wp-image-2277 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/9783944872346_2.jpg 650w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/9783944872346_2-202x300.jpg 202w" sizes="auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Metropolit Hilarion von Wolokolamsk: Die Zukunft der Tradition</h2>



<p>Manche glauben, die Grenze zwischen Gut und Böse verliefe zwischen Europa und Russland, zwischen dem säkularen »Fortschritt« des Westens und der christlichen »Reaktion« des Ostens. In der Tat wurden in Russland seit dem Untergang des Kommunismus 26.000 Kirchen neu errichtet oder wiedereröffnet – drei Kirchen pro Tag. Während Europa mehr und mehr mit seinem christlichen Erbe bricht, erlebt das Christentum in Russland eine Renaissance.</p>



<p>Im Bewusstsein dieser weltgeschichtlichen Spannung spricht Metropolit Hilarion über das Verhältnis der russischen Orthodoxie zu Katholizismus, Protestantismus und Säkularismus, über die Lage in Syrien, über Christenverfolgung, Märtyrer und Heilige, über »die kinderreiche Familie und die Zukunft der Menschheit« – und nicht zuletzt darüber, dass es keine wahre Sittlichkeit ohne die Perspektive des ewigen Lebens gibt. Dieses Buch verdeutlicht die Positionen der russischen Orthodoxie und zeigt ihre Sicht auf das Europa der Gegenwart.</p>



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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/was-will-putin-und-was-nicht/">Was will Putin? Und was nicht?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Am großen Strom</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/am-grossen-strom/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2022 08:20:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://import-msc.scharf-bestellt.de/?p=2227</guid>

					<description><![CDATA[<p>Von Frank Sämmer vom 23. Februar 2022. Später im Jahr trafen sich die beiden kriegsversehrten Freunde an einem hellen Tag auf halbem Weg im Schatten &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/am-grossen-strom/">Am großen Strom</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong><em>Von Frank Sämmer</em> vom 23. Februar 2022. </strong></p>


<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/02/Arkanum-1024x710.jpg" alt="" class="wp-image-2229" width="512" height="355"/><figcaption> Frank Sämmer, &#8222;Arkanum&#8220;, 2005, Öl auf Leinwand, 135 x 200 cm </figcaption></figure></div>


<p>Später im Jahr trafen sich die beiden kriegsversehrten Freunde an einem hellen Tag auf halbem Weg im Schatten des alten Städtchens Zons am Rhein. Dort saßen sie unter einem winderprobten Eichenbaum im Auenland, am Bogen des großen Flusses und sahen den Schiffen nach, die auf den Wellen hin und herfuhren, von Horizont zu Horizont bis zum weiten Meer.</p>



<p>Man besprach den jüngsten Gang der schlimmen Dinge und wie sie fast noch schlimmer werden könnten. Aber den beiden war doch auch recht bunt im Kopf und etwas leichter um das Herz als noch vor kurzer Zeit.&nbsp; Sie hatten es bis hin zwar nicht geschafft, ihren Mäusefeldzug gegen den weißen Wahn totalitärer Weltherrschaft zu einem verschärften Waldgang des alles entscheidenden, endgültigen Widerstands zu machen, doch immerhin erkannt, dass die schrecklichen Froschkönige letzter politischer Übergriffigkeit bei ihrem Kampf gegen den Rest der Welt und ihre tatsächlichen, gesunden Lebenskreise in schließlich unverständlicher Dummheit und Verblendung an der Evidenzlosigkeit ihrer sauberen Pläne und der Sündhaftigkeit ihrer Fliegenfängerseelen würden scheitern können.<br><br>Vielleicht hatten die beiden schließlich nur noch einmal einen kleinen Anstoß gebraucht, deutlicher wahrzunehmen, was ihnen aber schon längstens als bedrohliches Ahnen und Wähnen persönlich tief eingeschrieben war, dass sie den jüngst erlebten Schrecken gebraucht hatten,<br>um nun ganz sicher zu sein, dass der Boden für das Unheil schon lange vorher ausgelegt war und dass sie, was immer auch an Schicksal kommen sollte, die dermaßen dekonstruierte alte Welt so ursächlich bestimmt nicht mehr wiederhaben wollten.</p>



<p>Das böse Spiel schien vorüber, jetzt musste man selbst wieder heil werden.<br>Und wie klar die Augen jetzt nach vorne blicken konnten!<br>Mit der letzten Attacke einer komplett maroden Obrigkeit zum bloßen Machterhalt gegen die natürliche Befähigung des Menschen zu autonomem Denken und sinnvoller Selbstverortung in der Welt durch bislang unvorstellbare Denkverbote und der Kriminalisierung kritischer Gedanken, besonders wenn es die absolutistisch entarteten korrupten Demokraten unserer unkündbaren Herrschaft betrifft, hatten die unsterblichen Utopisten schließlich gründlich überzogen.<br>Darum wussten die beiden Männer im Moment und unwiderruflich, dass auch die weltpolitische Agenda der letzten hundert Jahre Lug und Trug war, und sie selbst mit ihren kleinen Leben darin nur haltlose politische Verfügungsmasse, dauernd verstrickt in die bösen Machenschaften unpersönlicher Inanspruchnahme.</p>



<p>Ab nun war Selberdenken lebenswichtig und jedes bürgerliche Widerwort, jeder freie Gedanke gegen den alles verschlingende Leviathan. Alle Denkverbote fielen ab, alle Schuldzuweisungen, alle verrückte Vormundschaft. Durch Deutschland wehte ein kleiner, lösender Wind, und auch das Ende alliierter Knechtschaft wurde denkbar. Das Drachengift der Feinde ist bitter, aber in wohlbedachter Dosis rechtes Gegengift.</p>



<p>So traten die Freunde zur Uferböschung des Flusses, nahmen vier rundgeschliffene, flache Kiesel zur Hand, besprachen sie verschwörerisch und warfen einen nach dem anderen in das grüne wirbelnde Wasser.</p>



<p>Auf dem einen stand unsichtbar <strong>Staatswissenschaft</strong> geschrieben:<br>möge das Wissen, welches keine Erkenntnis befördert und auch kein Seelenwissen ist, dem Vergessen anheimfallen. Von den Besserwissern kommt alles Verderben.<br>Der zweite Stein hieß <strong>Staatskünstler</strong>:<br>möge die Metaphysik der freien Anschauung und ihrer Sinnbilder gegen die obrigkeitlich verordnete Nullkunst obsiegen.</p>



<p>Ein dritter beschrieb die deutsche <strong>Staatsdemokratie</strong>:<br>als entartete und umgedrehte politische Form eines neuen Totalitarismus.<br>Wenn ein Volk derartige Tagediebe und Katastrophenwilly’s als politische Führer hat, braucht es um fremde Feinde wahrlich nicht zu fürchten.</p>



<p>Der letzte Kiesel benannte den <strong>abstraktionistischen Zentralismus</strong>:wenn doch immer mehr Menschen der aufgenötigten Lenkung ihrer natürlichen Lebensumstände zu widersprechen bereit wären und unser Überlebenswille auf die befreiende Tat für den Erhalt des Eigenen hoffen könnte.<br><br>Also sprachen der Philosoph und der Maler und beide waren vergnügt.<br>Sie schauten zum Himmel auf und vertrauten ihre schweifenden Gedanken dem heimatlichen Wolkenflug an.</p>



<p></p>



<p></p>
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		<title>Krank oder gespalten?</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/krank-oder-gespalten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Jan 2022 08:25:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel vom 20. Januar 2022. Seit fast zwei Jahren hält er nun schon an: der Ausnahmezustand. Die Proteste dagegen werden größer und die &#8230; </p>
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<h5 class="wp-block-heading"><em>von Felix Menzel </em>vom 20. Januar 2022.</h5>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/01/pavement-g02edb7fdc_1280-pixabay-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-2195" width="512" height="341" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/01/pavement-g02edb7fdc_1280-pixabay-1024x682.jpg 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/01/pavement-g02edb7fdc_1280-pixabay-300x200.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/01/pavement-g02edb7fdc_1280-pixabay-768x512.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/01/pavement-g02edb7fdc_1280-pixabay-700x465.jpg 700w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/01/pavement-g02edb7fdc_1280-pixabay.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></figure></div>



<p>Seit fast zwei Jahren hält er nun schon an: der <a href="https://blog.manuscriptum.de/neue-weltunordnung-geopolitik-postdemokratie-und-propaganda/das-haus-steht-in-flammen-nur-seit-wann/">Ausnahmezustand</a>. Die Proteste dagegen werden <a href="https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2022/mehr-corona-demosntranten-als-berichtet/">größer</a> und die Maßnahmen der Regierung immer willkürlicher. Zuletzt sorgte die Posse um die Verkürzung des Genesenenstatus selbst bei regierungsnahen Journalisten für Kopfschütteln. Bei der 3G-, 2G-, 2G-Plus-Kürzelpolitik sieht zudem niemand mehr so genau durch. Es kommt daher im Alltag fast automatisch zu Ungehorsam, auch wenn er nur versehentlich geschehen sollte.</p>



<p>Ob aber tatsächlich ein <strong>neues</strong> Zeitalter der „Corona-Diktatur auf Widerruf“ <a href="https://www.manuscriptum.de/autoren/g/alexander-gauland.html">(Alexander Gauland)</a> anbricht, darf bezweifelt werden. Denn das, was heute geschieht, erinnert z.B. fatal an die Schilderungen von <a href="https://blog.manuscriptum.de/feldweg-waldgang-verortungen/betrachtungen-eines-unpolitischen/">Thomas Mann</a> im Roman <em>Der Zauberberg</em> von 1924. Mann skizzierte darin meisterhaft, wie der Unterschied zwischen „gesund“ und „krank“ Stück für Stück durcheinandergewirbelt werden kann. Es entsteht so eine Gesellschaft, die heilen will, aber krank macht. Der Alltag im Sanatorium auf dem Zauberberg bestand aus „Messen, Essen, Liegen“, heißt es an einer einprägsamen Stelle. Heute ist daraus „Testen, Impfen, Netflix, Home Office“ geworden.</p>



<p>Eine weitere Parallele betrifft die Zeit: Der Protagonist aus dem <em>Zauberberg</em>, Hans Castorp, ging zunächst von einem dreiwöchigen Besuch aus, ehe er unter dubiosen Umständen selbst zum Patienten wurde, der nie schwerwiegend krank war, aber eben auch nie richtig gesund werden sollte. Die verordneten Liegekuren wurden somit immer wieder verlängert und der bange Blick auf die Quecksilbersäule des Fieberthermometers zum absurden Ritual.</p>



<p>Neben Thomas Mann nahmen auch andere Seismographen schon damals ein gestörtes Verhältnis zur Gesundheit wahr. Der Philosoph Karl Jaspers betonte in <em>Die geistige Situation der Zeit</em> (1931), der moderne Mensch „flieht“ in Krankheiten. „Ärztliche Behandlung wird weit über das medizinisch-wissenschaftlich Sinnvolle hinaus beansprucht.“ Welchen Hintergrund könnte das haben? Jaspers präzisierte später: „Die Angst vor dem Sterben ist die vor der körperlichen Qual.“ Und: „Die Angst vor dem Tode ist Angst vor dem Nichts.“</p>



<p>Die heutige Corona-Angst könnte also maßgeblich etwas damit zu tun haben, daß wir unfähig geworden sind, die Sinnfrage des Lebens für uns in einfachen Worten zu beantworten und es nicht mehr gewöhnt sind, uns anstrengen zu müssen. Aber Qualität kommt eben von Qual. Ohne Schweiß kein Preis. Das mag banal klingen. Gesagt sein soll damit jedoch nur: Die Bereitschaft, Anstrengungen, <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/von-der-risiko-zur-angstgesellschaft/">Risiken</a> und womöglich sogar tödliche Gefahren auf sich zu nehmen, tendiert in unserer Gesellschaft gegen Null. Genau das ist eines ihrer Hauptprobleme.</p>



<p>In seinen äußerst abwechslungsreichen Tagebuchaufzeichnungen reflektiert <a href="https://www.manuscriptum.de/mein-abenteuerliches-herz-i.html?SID=235fee58ce3014059435c9e48773a106">Heimo Schwilk</a> unter anderem, ob die Deutschen seit dem Dreißigjährigen Krieg ein „Religionskriegsvolk“ sind, das ständig neue moralistische Debatten erfinde und so eine innere Spaltung hervorbringe. Waren es früher Katholiken und Protestanten, die sich gegenüberstanden, und bis vor einigen Jahren die „Refugees welcome“-Fraktion sowie <a href="https://www.manuscriptum.de/das-migrationsproblem.html">Einwanderungskritiker</a>, sind es heute anscheinend Geimpfte und Ungeimpfte, ließe sich argumentieren.</p>



<p>Diese Deutung und die Spaltungsmethaper ignorieren nur eins: Es handelt sich keineswegs um einen Riß, der durch die Mitte der Gesellschaft geht. Der Regierung gelingt es vielmehr im Zusammenspiel mit den Massenmedien in fast allen aktuellen Streitfragen sehr einfach, durch entsprechende Propaganda eine breite Mehrheit für ihre Position zu mobilisieren. Danach geht sie trotz des omnipräsenten Gefasels über <em>Diversity</em> gegen die verbliebene Meinungsminderheit vor.</p>



<p>Wer sich in einer Meinungsminderheit befindet, steht so schnell vor der Entscheidung, ob er aus Angst vor sozialer Isolation zur Mehrheit wechseln sollte oder sich zur Radikalisierung treiben läßt. Spätestens seit <em>Unterwerfung</em> (2015) scheint <a href="https://www.manuscriptum.de/michel-houellebecq-oswald-spengler-und-der-untergang-des-abendlandes.html">Michel Houellebecq</a> hier die entscheidende Konfliktlinie zu sehen. Auch in seinem neuen Roman mit dem Titel <em>Vernichten </em>spielt diese Konstellation eine entscheidende Rolle: Houellebecq stellt in seinen Romanen identitätsüberdrehte, (zivil-)religiöse Extremisten einer axsexuellen, atheistischen und lethargischen Funktionselite gegenüber.</p>



<p>Das Dilemma dabei: Dieser Kampf kann kein gutes Ende nehmen. Es gewinnen immer die Falschen. Müssen wir also, bevor wir uns verkämpfen, auf die Couch? Ja, solange die <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/alternativen-aus-der-tiefe-des-volkes-heraus/">Psychotherapie</a> daran arbeitet, jede Flucht in die Krankheit von Vornherein zu unterbinden.</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:26% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/das-reich-der-grossen-luege.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="712" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/10/210511_Pohlmann-Entwurf-4-712x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2138 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/10/210511_Pohlmann-Entwurf-4-712x1024.jpg 712w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/10/210511_Pohlmann-Entwurf-4-209x300.jpg 209w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/10/210511_Pohlmann-Entwurf-4-768x1104.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/10/210511_Pohlmann-Entwurf-4-1068x1536.jpg 1068w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/10/210511_Pohlmann-Entwurf-4.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Friedrich Pohlmann: Das Reich der großen Lüge</strong></p>



<p>Friedrich Pohlmann, Soziologe und TUMULT-Autor, geht auf die geistigen Auszehrungsprozesse und ideologischen Umerziehungsprogramme ein, die die Deutschen zu den Entmutigern ihrer selbst gemacht haben. Es geht um Vaterlosigkeit, 1968, das Elend der Utopien, Verschwörungen in Theorie und Praxis, Mut, Feigheit sowie um die Frage, wie im 2. Corona-Jahr kollektiver Widerstand nicht nur notwendig, sondern auch möglich werden kann. Das große finstere Etwas, das uns beständig Angst machen will, bekommt endlich Kontur.</p>



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		<title>Vom kalten Monster</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/frank-saemmer-vom-kalten-monster/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Jan 2022 09:26:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Frank Sämmer vom 18. Januar 2022. Kann meine kleine Fehde gegen das kälteste aller Monster durch eine Verschärfung der metaphysischen Ein &#8211; und Aussichten &#8230; </p>
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<p><strong> <em> von Frank Sämmer</em> vom 18. Januar 2022. </strong></p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/01/220118_Frank-Saemmer-Elchreiter.jpg" alt="" class="wp-image-2181" width="777" height="279"/><figcaption> „Elchreiter“ von Frank Sämmer, 2001, Buntstift / Papier, 14 x 39 cm </figcaption></figure></div>



<p>Kann meine kleine Fehde gegen das kälteste aller Monster durch eine Verschärfung der metaphysischen Ein &#8211; und Aussichten überhaupt noch an Glaubwürdigkeit gewinnen?<br>Ist es nicht vielmehr so, dass meine Argumente, wie alle Rede, die zur Zeit aufzubieten ist, gegen die selbstgerechte Staatsgewalt und den bösen Kult ihrer totalitären Regierung täglich aufs Neue von unbeschreiblichen, fortschreitenden Narrativen ohne jede Evidenz ad absurdum geführt und immer wieder vom unerhörten Drang entgleisender Ereignisse überholt werden?<br>Soll ich angesichts eines scheinbar unabänderlichen Zeitenlaufs permanenter Revolution von oben &nbsp;überhaupt noch der „Maikäfer“ gegen die kriminellen Pharisäer der Obrigkeit bleiben?<br>Oder wenigstens der große „Dude“, vielleicht der „Stranger“, die glauben, mit treffenden Anspielungen in den Alptraum unseres ohnehin vermüllten Lebens nochmals eine Schneise des weitschweifigen Abscheus schlagen zu müssen?<br>Reichen Worte und Bilder zur Beschreibung und Anklage eines noch nie dagewesenen und bislang wohl unvorstellbaren Volkskriegs überhaupt noch aus?<br>Sonst bleibt nur noch stummer Jammer.</p>



<p>Also bereite ich mich jetzt, so gut ich kann, auf immer enger werdende Lebensbedingungen durch die öffentlichen Widersacher in der hereinbrechenden Menschheitsdämmerung vor.<br>Und auf das strafbewehrte Verbot meiner ursprünglichen kulturellen deutschen Identität und des heimatlichen Seins, den Verrat von Volk und Vaterland und seiner überlieferten Rechte, die Bedrohung meiner körperlichen Unversehrtheit und des freien und geheimsten Denkens.&nbsp;<br>Ja, wo bleibt da die Stimme der Glaubensverwalter? Ihr heiliger Beistand, ihr Gebet, als die noch einzig verbleibende intelligente Tat? Was sagt noch der Verräterpapst des vormals größten Guten, Wahren und Schönen, geschrumpft zum modernen Weltfürst globaler Liegenschaften und toter Seelen? Ein Franziskus, der weder Tier noch Mensch umarmt. Nur noch ein gespritzter Mutant mit dem Code der Beliebigkeit. Ein Schattenmann der Apokalypse in Zuckerbergs Metaverse, dem virtuellen Gulag neuer illusionärer Realität, der an die Stelle unseres wahrhaft richtigen Lebens treten soll.<br></p>



<p>Alles vorläufig letzte Überlegungen gerade noch vorhandener Kenntnis und Gewissheit vor der endgültigen Dekonstruktion des Tatsächlichen und unserer natürlichen, gottgegebenen Lebensumstände darin, bevor wir zum Ding genetischer Neuschöpfung gemacht werden, ohne Selbst, als Eigentum patentgebender Oligarchen zu ihrem alleinigen Nutzen. Versuchstiere im Labor zweifelsfreier Neurowissenschaftler und Genfantasten – als Stoff eugenischer Geschäftsmodelle kontrollierter Normalität. So werden wir uns schließlich nicht mehr selbst gehören.<br>Ob ich diesen größten aller Kriege gegen Leib, Leben, Luft, Licht und den magischen Atem unseres Heldengeschlechts noch überleben werde, ist fraglich.<br>Mir bleibt da nur geringe Hoffnung, mich abermals mit dem Zufall und der Überraschung ins Vernehmen setzen zu können, um vielleicht noch eine unabsehbare Wende zu erleben, und so dem Einfluss des zeitgeistigen Fusels zu entkommen, wie ich es früher gelegentlich und mit gewissem Trost für mich einrichten konnte.<br>Die nummerierten Wegelagerer der Obrigkeit schleichen schon um mein Haus, die Presstrupps mit der Genspritze spionieren um die Ecke. Die Konzentrationslager und Hygienehotels für alle Unbotmäßigen sind errichtet: die Staatskritiker, die Maßnahmenzweifler, die Selbstdenker, die letzten Freiherren und Waldläufer.</p>



<p>Vermutlich werden sich jetzt alle Spuren unserer bekannten Lebensumstände verlieren.<br>Wo können wir noch bleiben? &nbsp;Die Zeichen stehen auf Wanderschaft und Abschied.<br>Etwas Besseres als den Tod findet man überall, sprach das alte Märchen, aber heute lauert er auch dort.<br>Des ungeachtet will ich vorher noch meine Fensterpflanzen gießen. Besonders ein kleines Steingewächs darf ich nicht vergessen. Es strahlt mir immer zu mit seinen kranzförmig angeordneten Blättern, wenn ich in den Garten schaue. Und es spricht gelegentlich mit mir.<br>Ein richtiger kleiner lebendiger Kobold.</p>



<p>Heute Morgen hat die Alraune wieder mit mir geplaudert und zur scheinbar verlorenen Sache gemeint, es könne gleichwohl sinnvoll sein, wenn man sich mit dem immer nachwachsenden Optimismus der Pflanzenwelt in den Schutz hinter das Rankenwerk seiner atemspendenden Verwandten begeben wollte. Von dort könne man dann möglicherweise aus dem Schatten des Holunderbusches, verborgen zwischen Baum und Borke, ruhig, geduldig und wie die Blüten der Nachtkerze zu den Sternen blickend mit dem Funk der leisesten Verschwörung doch die schlimmen Mondkälber mit ihren Raubrittern gegen den blauen Planeten und sein natürliches Leben aus dem besudelten Nachthimmel stürzen und die ISS, die Kontrolldrohne der Weltpolizei, gleich dazu.</p>



<p>Damit würden die webenden Empörer, die wegen Denkvergehen, phantasievoller Rede und Bedeutungsbildern gesinnungspolizeilich Gesuchten, als Teil floraler Ornamente verborgen bleiben. Und wie die Blumen und Gräser sich mit den Tieren der Sternbilder verbünden, die an der großen Milchstraße wohnen, sollten sie doch mit dem Sturmfritz und dem Donnerkerl als vertraute Kumpane den Spiegelschein vor dem mächtigen Wolkenschloss der Weltenfeinde wegfegen und so die mörderischen Zauberer gegen die belebte und unbelebte Erdennatur mit der Waffe blumenreicher Sprache und Gestaltung an die ursprüngliche Sinnhaftigkeit des Weltgeschehens erinnern und kräftig in den Hintern treten.<br>Also sprach das Blümchen leise hin.</p>



<p>Januar 2022</p>



<p></p>



<p></p>



<p></p>
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		<title>Die irrationale Seite der Infosphäre</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-irrationale-seite-der-infosphaere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Sep 2021 06:38:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Felix Menzel vom 16. September 2021. Technokratische Herrschaftssysteme zeichnen sich durch ihren Anspruch auf Objektivität aus. Sie berufen sich auf mathematisch korrekt arbeitende Wissenschaften, &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h5 class="wp-block-heading"><em>von Felix Menzel  </em>vom 16. September 2021.</h5>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/labyrinth-pixa.jpg" alt="" class="wp-image-2099" width="390" height="250" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/labyrinth-pixa.jpg 780w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/labyrinth-pixa-300x192.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/09/labyrinth-pixa-768x492.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 390px) 100vw, 390px" /></figure></div>



<p>Technokratische Herrschaftssysteme zeichnen sich durch ihren Anspruch auf Objektivität aus. Sie berufen sich auf mathematisch korrekt arbeitende Wissenschaften, deren Erkenntnisse nun einmal unumstößlich seien, so die Behauptung. Die Politik macht sich damit klein und gibt vor, nur das zu exekutieren, was „die“ Wissenschaft erfolgreich erforscht habe.</p>



<p>In den Wirtschaftswissenschaften nahm dieses Denken mit William Stanley Jevons an Fahrt auf. In seiner „Theorie der politischen Ökonomie“ von 1871 meinte er, die Volkswirtschaftslehre sei nur dann eine Wissenschaft, wenn sie sich als mathematische Wissenschaft begreife. Schließlich habe sie mit „Quantitäten“ zu tun.</p>



<p>Jevons erweckte also den Eindruck, Wirtschaften beruhe einzig und allein darauf, mit Produktionsmengen und Verkaufspreisen zu hantieren. Daß es für Unternehmen auch darum geht, subjektive Vorlieben bzw. psychologische Effekte zu erkennen, gesellschaftliche Risiken einzuschätzen und Visionen für die Zukunft zu entwickeln, blendete er weitestgehend aus.</p>



<p>Die schleichende Entwicklung, die dadurch losgetreten wurde, darf keineswegs unterschätzt werden. Über das Einfallstor der Wirtschaftswissenschaften hat in den letzten 150 Jahren eine sukzessive Mathematisierung des sozialen Raums stattgefunden, die der Politik die Agenda diktiert: Der Staat bzw. die <a href="https://www.manuscriptum.de/die-ethik-der-geldproduktion.html">Notenbanken</a> hätten für Wirtschaftswachstum zu sorgen, propagieren so die Anhänger von John Maynard Keynes. Zur Rechtfertigung führen sie an, die Schuldenlast sei gerade noch so zu ertragen. Erst wenn sie auf ein griechisches Niveau steige, sei sie problematisch. Ob der dahinterstehende Bewertungsmaßstab stimmt und sich in der Praxis bewährt, bleibt indes offen.</p>



<p>Noch frappierender ist die Zahlengläubigkeit in der Klima- und Corona-Debatte. Wie <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/klimawandel-und-corona-haben-gemeinsame-wurzeln/">Marc Krecher</a> in seinem neuen Buch <a href="https://www.manuscriptum.de/vom-klimawandel-zu-corona.html"><em>Vom Klimawandel zu Corona</em></a><em> </em>schlüssig darlegt, ergeben sich in beiden Fällen Schreckensszenarien, indem mit Exponentialfunktionen Prognosen erstellt werden. Durch den Zauber der Mathematik gerät dabei in Vergessenheit, daß eine Zukunftsprognose trotz richtiger Daten für die Gegenwart immer noch eine Prognose bleibt und keine 100-Prozent sichere Vorhersage ist.</p>



<p>Gerade die Finanzmärkte zeigen die Ungewissheit zukünftiger Ereignisse und Kursentwicklungen. Würde uns die Datenflut in den Zustand vollkommenen Wissens versetzen, müßten wir alle schon längst Milliardäre sein, weil wir dann die Vorgänge an den Börsen richtig antizipieren könnten. Mit ähnlich absurden Wissensillusionen arbeiten der Weltklimarat, das Robert-Koch-Institut und andere mächtige Akteure, die mit ihren Zahlen die Politik lenken. Ihnen ist bisher auch nicht beizukommen, indem man im Nachhinein ihre Prognosen auf den Prüfstand stellt oder nachweist, dass die Prognosen je nach politischer Großwetterlage im Handumdrehen geändert wurden.</p>



<p>Der italienische Publizist Francesco Boco geht deshalb in der neuen <a href="https://www.manuscriptum.de/tumult-herbst-2021.html">TUMULT</a> noch einen entscheidenden Schritt weiter: Er versucht sich an dem Nachweis, daß die „Infosphäre (…) wie das menschliche Gehirn nicht nur eine rationale Struktur“ habe. „Die Ratio paart sich stets mit dem Rätsel und dem Chaos“, führt Boco pointiert aus.</p>



<p>Die Aufgabe des Menschen ist es folglich, Daten und Zahlen zu enträtseln, nach wichtig (für vernünftige Entscheidungen notwendig) und unwichtig (Momentaufnahmen aus dem Chaos) zu sortieren und daraus dann souveräne Entscheidungen abzuleiten. Wie schwer das ist, deutet Boco mit einer Labyrinth-Metapher an. Es gehe darum, sich darin nicht zu verirren, sondern den Überblick über das Labyrinth zu gewinnen. Genau das ist die Aufgabe des philosophischen Denkens und der Geisteswissenschaften in Zeiten von Big Data, ließe sich ergänzen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:20% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/vom-klimawandel-zu-corona.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2021/08/210721_Cover-Vom-Klimawandel-...-JPEG-723x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2074 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Marc Krecher: Vom Klimawandel zu Corona</strong></p>



<p>Corona, Klimawandel und „Great Reset“: diese drei Phänomene dominieren die politischen Debatten unserer Zeit. Aufgenommen hat diese Erzählstränge der Diplom-Geologe Marc Krecher. Nicht nur haben alle drei – als Spielarten einer post-modernen, post-faktischen und misanthropen Systemtheorie – die gleichen Wurzeln, sie alle weisen auch auf dasselbe Ziel: eine „bessere“ Welt. Sicherheit, Nachhaltigkeit, Solidarität heißen die neuen obersten Werte. Hygiene und CO2-Neutralität statt Freiheit und Demokratie? Virologen, Klimaforscher und Politiker schüren mit immer neuen, immer drastischeren Bedrohungsszenarien Angst vor der Zukunft und empfehlen nie dagewesene Eingriffe in unser aller Leben, um nichts weniger als die Welt zu retten – darunter macht man es heute nicht mehr.</p>



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