Die Lückenpresse und ein nächtliches Hochwasser

Vom 20. Juli 2016.

Unser geschätzter Autor Michael Klonovsky berichtet in seinem vielbesuchten „Ecklädchen“ acta diurna (wär’s nicht online, würden die Leser Schlange stehen) dieser Tage von dem signifikanten Traum eines Kollegen***, „den derzeit wie so manchen der Weltlauf generell sowie insonderheit jener nach Deutschland sacht gruselt“:

„Darin sei er von seinem Vorgesetzten aufgefordert worden, einen kleinen Fluss aufzustauen. Während er – im Traum wie in der Wirklichkeit das Pflichtbewusstsein in Person – sich sofort anheischig machte, den Auftrag zu erfüllen, fiel ihm auf, dass er ja direkt am Ufer des Flüssleins wohne; wenn er das Wasser also staue, werde es ihm ins Haus fließen. Diese Bedenken habe er denn auch seinem Chef vorgetragen, doch der habe lachend abgewunken und gesagt, er möge nicht so pessimistisch und bedenkenträgerisch sein, das werde schon funktionieren, wahrscheinlich laufe das Wasser ganz woanders hin, er möge einfach anfangen. Befohlen, getan; *** errichtete aus Steinen einen Damm in Form eines gegen die Strömung gefügten Halbrunds, das Wasser staute sich, schwoll an und überschwemmte schließlich seine Bleibe. Als er den Chef zur Rede stellen wollte, war der nicht mehr auffindbar und irgendwohin verschwunden. In der nächsten Traumsequenz, erzählt ***, habe er dann verschiedene fremde Leute gesehen, die ihm teure Gegenstände aus seinem vom Hochwasser ramponierten Haus trugen; offenbar hatte eine Versteigerung seiner Habe stattgefunden, und vergeblich versuchte er, das eine oder andere Stück zu behalten. – Hier endete der Traum.“ Klonovskys Antwort: „Sie träumen sogar schon von Frau Merkel.“

Wer Klonovskys treffende Notate zur Lage der die Welt rettenden Nation D. in Buchform lesen möchte, der greife zu den beiden Bänden der Acta diurna Bitte nach Ihnen (2012-2014) und Die Liebe in Zeiten der Lückenpresse (2015). Wieder lieferbar sind Michael Klonovskys abgründig-grotesker, hochkomischer, tiefsinniger, ergreifender Wenderoman Land der Wunder und seine erholsam zeitgeistfernen Notizen „über Wein, Kunst, High Heels und andere Freuden“, die das hübsche Bändchen Lebenswerte bereithält.

Beitragsbild: © Manuscriptum Verlagsbuchhandlung


Michael Klonovsky: Lebenswerte

Dieses Buch geht der Frage nach, wofür es sich zu leben lohnt. Es geht fast immer um Genuss, häufig auch um Form und Haltung, aber nie um Luxus. Es geht um Handfestes und Konkretes, aber nie um die wertlose Münze abstrakten Zeitgeistgeklingels. Die Frage nach den Lebenswerten beantwortet der Autor mit einer ins Aphoristische gesteigerten Lebensklugheit, mal amüsant, mal polemisch.

Michael Klonovsky: Bitte nach Ihnen. Reaktionäres vom Tage. Acta Diurna 2012-2014

‚Bitte nach Ihnen‘ ist kein privates Tagebuch. Es handelt von öffentlichen Dingen – angelehnt an die von Gaius Julius Caesar unter dem Namen Acta diurna eingeführte Urform der Zeitung. Klonovsky protokolliert die kulturelle und demografische Umformung Europas und seines deutschen Herzlandes, ohne an die parfümierten Ideale zu glauben, in deren Namen sich dieser Prozess vollzieht. 

Michael Klonovsky: Land der Wunder

Johannes Schönbach, Geistesmensch und Bonsai-Casanova, trinkt sich durch eine von Alkoholikern, Spaßvögeln und Bonzen bevölkerte Kloake namens DDR. Er versucht zu vergessen, daß die Ostberliner Spitzenschönheit Katja Kommerell anscheinend nur mit SED-Mitgliedern – jedenfalls nicht mit ihm – ins Bett steigt. Als man den Philologie-Studenten wegen unliebsamer Äußerungen zu einer Hilfsarbeiterexistenz in einem Schnapslager verdammt, schwindet ihm der Daseinssinn vollends.

Michael Klonovsky: Die Liebe in Zeiten der Lückenpresse. Reaktionäres vom Tage. Acta diurna 2015.

»Wir schaffen das« war ursprünglich der Ausruf Michael Klonovskys beim Anblick seines ersten Käsewagens in einem französischen Restaurant. Seitdem hat sein caesarischer Ausruf es weit gebracht. So weit, dass der Urheber sich mittlerweile an sein Leben im Sozialismus erinnert fühlt: »2015 ist das DDR-ähnlichste Jahr meiner seit 1990 gesamtdeutsch-bundesrepublikanischen Existenz«, schreibt Klonovsky in seinem neuen Band der Acta diurna. 

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