Und weg ist sie wieder

von Stefan Flach vom 13. August 2020.

… die spritzigste, überraschendste und, das Wort darf fallen, coolste, weil von keinem aktuellen Meinungsprimat legitimierte Briefmarke seit langer Zeit.

Bitte, möchte man fragen, da stand einfach nur POLIZEI drauf? Ohne irgendeine erklärende oder die Auflage rechtfertigende Unterzeile, so daß das Wort affirmativ für sich selbst sprechen durfte? Sowas hat die Deutsche Post gewagt herauszubringen? Jawoll, im Juli 2019. Da wurde die Marke sogar offiziös vorgestellt, im Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat. Ein Jahr später ist sie leider wieder verschwunden, getilgt aus dem inzwischen traurig überschaubaren Sortiment an physischen Motivbriefmarken, die die Post den heutigen Briefeschreibern überhaupt noch anbietet.

Aber klar, die Polizei steht in einem funzeligen Licht, polit-medial gesehen, nicht erst seit dem Ableben eines x-beliebigen Kriminellen, der bei einer x-beliebigen Polizeikontrolle in den USA zu Tode gekommen sein soll, auch wenn dies inzwischen falsifiziert worden ist. Nein, von Grund auf gilt die Polizei, ähnlich wie die Armee, als eines der letztverbliebenen Vehikel zur Verteidigung einer traditionellen bürgerlichen Ordnung. Spätestens 50 Jahre Umerziehung in Politik, Schule, Uni, Presse, Funk & Fernsehen haben diese Ordnung bis auf die Knochen unattraktiv gemacht und damit auch ihren sichtbarsten Verteidigungsposten im Alltag.

Es ist daher kein Wunder, wenn es die Briefmarke nicht mehr gibt. Eher schon, daß sie überhaupt hat erscheinen können. Bravo, möchten wir nachträglich sagen und es ein wenig bedauern, daß wir das Ding nicht länger kleben können. Aber gut. Was wir unter Polizei verstehen und an ihr respektieren, gerne auch hochhalten, orientiert sich ohnehin mehr an Vergangenem und Erinnertem, als an aktuellen Entwicklungen. Denn ein Verein, der Mitarbeiter in die Walachei schickt, weil sie auf einer Demo Dinge gesagt haben, die durch Grundgesetz und Meinungsfreiheit bestens gedeckt sind, verdient die Unterstützung nur bedingt. Wie so oft heißt es, den Inhalt nicht mit der Form zu verwechseln, wenn das eine dem anderen eine Fratzenmaske aufsetzt.

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