Unerhört! Das amerikanische Volk schert sich nicht um deutsche Leitmedien!

Vom 9. November 2016.

Wir warten nun stündlich auf den Knall. Schließlich ist jene Katastrophe eingetreten, vor der uns deutsche Lightartikler so lange gewarnt haben: Donald Trump wird 45. Präsident der U.S.A. Und das, obwohl unsere Politiker und Journalisten so tapfer gegen diese Bedrohung angekämpft haben. Wir wollen die Hoffnung trotz allem nicht aufgeben. Jetzt muß ein Aufstand der Anständigen her! Gelichterketten! Protestsongs!

Mahnwachen! Krasse Memes!

Aber vorher besser Mencken fragen:

»Die Geschichte des Landes ist eine Geschichte melodramatischer Verfolgungen schrecklicher Ungeheuer gewesen, von denen die meisten nur in der Einbildung existierten; die Rotröcke, die Hessen, die Monokraten, wieder die Rotröcke, die Bank, die Katholiken, die Mormonen, Wall Street, der Alkohol, John Bull, die Höllenhunde der Plutokratie, die Trusts, deutsche Spione, Namen mit Bindestrich, der Kaiser, der Bolschewismus. Man könnte die Liste endlos fortsetzen; eine vollständige Chronik der Republik ließe sich damit schreiben, ohne daß eine einzige wichtige Episode fehlte. Man hat schon vor längerem die Beobachtung gemacht, daß die einfachen Leute in der Demokratie niemals für etwas stimmen, sondern immer gegen etwas.«


H. L. Mencken: Kulturkritische Schriften 1918-1926

Im ersten Band der Manuscriptum-Ausgabe macht er sich gleich dreier Ruchlosigkeiten schuldig: des Anti-Feminismus („Die Verteidigung der Frau“, 1918), des Anti-Amerikanismus („Das amerikanische Credo“, 1920) und der Demokratiefeindlichkeit („Demokratenspiegel“, 1926), wobei diese drei Objekte seines Spottes für ihn nur drei Aspekte ein und derselben Abirrung sind.

H. L. Mencken: Autobiographisches 1930-1948

„Mencken war davon überzeugt, daß sich die Wahrheit unaufhörlich wandelt und verändert ‚wie die Oberfläche eines Diamanten‘. Mit sich identisch ist nur das Dumme und Dumpfe, das sich zäh in Form hält“, schrieb Ulrich Horstmann in der Süddeutschen Zeitung. „Wo demnach Irrtümer als‚ die einzige fixe Größe in einer Welt des Chaos‘ erscheinen, da müssen argumentative Fest-Stellungen immer wieder unterlaufen, gedreht und gewendet werden, um ihre Brillanz und ihren Esprit zu erhalten.“

H. L. Mencken: Zur Verteidigung der Frau

Zur Verteidigung der Frau ist die vielleicht köstlichste Schmähung des Mannes in der Geschichte der westlichen Literatur. Gleichwohl beabsichtigte der Autor damit keineswegs, der anderen Seite ein Fest zu bereiten. Vielmehr warnte er die Frauen eindringlich davor, den Verheißungen der Gleichstellungseinklägerinnen seiner Zeit zu folgen und die besseren Männer werden zu wollen.

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