Sonderwege Zettelkasten, heute: Schenken!

Vom 9. Dezember 2016.

Über Negativmoral, Reichtumsdepression und Geschenketips

Schenken ist ungerecht und Kritik am Schenken eine Form der Negativmoral. Schon beim Erben hört der Spaß auf, deshalb auch die Erhöhung der Erbschaftssteuer. Es soll Seminare in einer Schwarzwaldklinik gegeben haben, die reiche Nachfahren besuchten, Kinder der bundesdeutschen Gründergeneration, um das Erben zu erlernen. Sie wollten den affirmativen inneren Nachvollzug jenes schicksalhaft über sie gekommenen äußeren Geschehens üben, dem man sich ohne große Not nun mal nicht entzieht. Das Rezept hieß Geld anfassen: Taktil-Therapie gegen Reichtumsdepression, praktische Einübung in privilegierte Ungleichheit unter Beibehaltung einer irgendwie gegenläufigen Ideologie. Denn sonst gäbe es ja das Problem nicht. Offen gesagt: Die Verteidigung der materiellen Gleichheit endet dort, wo man sie aus der eigenen Tasche bezahlen müsste. Beim anarchischen Vorgang des Beschenktwerdens ist die Gleichheitsforderung noch schneller vergessen. Und wer ein böser Mensch ist, sollte besser gar nicht erst sterben, denn das Totengedenken ist heute eine Frage besonders gründlicher Distinktion. Die Gleichheit im Tode ist auch perdu – nach allem, was man so hört.

Mehr zum Schenken:


John Storey, Martha Storey: Die tätige Landlust

Nüchtern betrachtet genießen heutige Stadtmenschen hinsichtlich ihrer elementaren Lebensbedürfnisse den gleichen Komfort wie Patienten auf der Intensivstation. Beide werden von brummenden technischen Apparaturen über vielerlei Kanäle mit den lebensnotwendigen Stoffen, Wässern und Nährsalzen rundumversorgt. Die Kanäle des Stadtbewohners sind als Pipelines, Gas- und Stromleitungen, Just-in-time- und Tiefkühlketten freilich weltumspannend, kreuzen explosive Weltregionen, schlängeln sich durch gewitterschwüle Großmachtinteressensphären, und die Ergiebigkeit der Quellen, aus denen sie sich speisen, ist über Zweifel keineswegs erhaben.

Michael Klonovsky: Land der Wunder

Johannes Schönbach, Geistesmensch und Bonsai-Casanova, trinkt sich durch eine von Alkoholikern, Spaßvögeln und Bonzen bevölkerte Kloake namens DDR. Er versucht zu vergessen, daß die Ostberliner Spitzenschönheit Katja Kommerell anscheinend nur mit SED-Mitgliedern – jedenfalls nicht mit ihm – ins Bett steigt. Als man den Philologie-Studenten wegen unliebsamer Äußerungen zu einer Hilfsarbeiterexistenz in einem Schnapslager verdammt, schwindet ihm der Daseinssinn vollends.

Metropolit Hilarion von Wolokolamsk: Die Zukunft der Tradition

Manche glauben, die Grenze zwischen Gut und Böse verliefe zwischen Europa und Russland, zwischen dem säkularen »Fortschritt« des Westens und der christlichen »Reaktion« des Ostens. In der Tat wurden in Russland seit dem Untergang des Kommunismus 26.000 Kirchen neu errichtet oder wiedereröffnet – drei Kirchen pro Tag. Während Europa mehr und mehr mit seinem christlichen Erbe bricht, erlebt das Christentum in Russland eine Renaissance.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.