Elektriker aus Afrika?

Vom 16. Dezember 2016.

Uns fällt immer wieder das Kapitel »Angela und die afrikanischen Elektriker« ein: Am 26. Oktober 2015 – die Welt grübelte seit sieben Wochen, ob Deutschland in einen Wahn verfallen sei – begab sich Angela Merkel zu Nürnberg in einen »Bürgerdialog«, in dessen Verlauf die Dialogbürger ungeachtet ihrer Handverlesenheit schwer um Fassung rangen, wie dieser Mitschnitt zeigt. Zu der damals in der Luft förmlich zitternden Frage, was hinsichtlich der rollenden Einwanderwelle nun vor allem zu tun sei, erklärte die Bundeskanzlerin in dem ihr eigenen Vorschulpädagoginnen-Duktus, dass wir »noch nicht genug Propaganda« für die legale Einwanderung mit erleichtertem Familiennachzug machen würden: »Also, wir müssten vielleicht nach Afrika gehen, wir müssen, nach, ähm, äh, jetzt auch in, in die Balkanländer gehen und müssen sagen, passt auf, wenn ihr Arzt – Arzt jetzt nicht –, wenn ihr Ingenieur seid, wenn ihr Elektrotechniker seid, das sind alles Berufe, die sind alle Mangelberufe, können sie jederzeit legal von außen nach Deutschland kommen, viele wissen das noch nicht …«

Selbst wenn man annimmt, dass die Afrikaner ihre nicht eben zahlreichen Elektriker für leicht entbehrlich halten, bleibt ein Haken an der Sache: Die afrikanischen Frauen haben im Durchschnitt 4,7 Kinder (in Niger 7,63, in Somalia 6,61 und Mali 6,35), und es ist durchaus zweifelhaft, ob Ihre Männer je im Elektrohandwerk ankommen, nachdem ihnen ein Sozialhelfer vorgerechnet hat, wie die Tarife im Elektrohandwerk und die Sozialansprüche von Kinderreichen sich zueinander verhalten.

Die deutsche Sozialfürsorge war immer auf eine Mentalität gestützt, die ihre Inanspruchnahme bis zum äußersten Notfall verweigerte. Wenn auch stark geschwächt, ist diese Haltung immer noch lebendig: Auf bis zu 30 Prozent schätzen die Behörden den Teil der Anspruchsberechtigten, die zum – größten Ärger der Sozialindustrien – partout keine Ansprüche stellen, sondern Notlagen in der Familie überbrücken. Ob wir damit auch bei den afrikanischen Elektrikern rechnen können, sei dahingestellt. Und so gehört, bevor Demographie- und Völkerwanderungskatastrophen zum Thema werden, die Debatte über legale und illegale Einwanderung erst einmal vom moralbesoffenen Kopf auf die Füße gestellt: Es ist nicht Liebe zu Deutschland, die Einwanderer durch die Türkei, den Balkan und Österreich nach Deutschland streben lässt, sondern ein vor weltumspannender Benevolenz berstender Fürsorgestaat, dessen Sozialetats aus dem Lohn- und Einkommensteuer-Aufkommen nicht einmal mehr zur Hälfte gedeckt werde können.

Kurz, aber keineswegs schmerzlos dazu:


André F. Lichtschlag: Feindbild Muslim

Viele Personen und Bewegungen, die das Feindbild Muslim eint, übersehen in ihrem Zorn, daß es sich bei näherer Betrachtung um ein häßliches Spiegelbild handelt. Aus ihm blickt uns die eigene Schwäche entgegen – die Tatsache, daß die westlichen Demokratien demographisch, demokratisch, kulturell, moralisch und ökonomisch von der Vergangenheit zehren und auf Kosten der Zukunft leben.

Václav Klaus und Jiří Weigl: Völkerwanderung

Allein nach Deutschland kam im Jahr 2015 über eine Million Migranten. Weitere Millionen Menschen machen sich auf den Weg nach Europa. Die Verantwortungslosigkeit der europäischen Politik mit Angela Merkel an der Spitze feuert die neue Völkerwanderung zusätzlich an. Statt die natürlichen Interessen souveräner Nationalstaaten zu pflegen, predigt die deutsche Kanzlerin einen fahrlässigen Willkommenseifer. Städte und Kommunen versuchen derweil verzweifelt, das Chaos zu verwalten.

Lothar Fritze: Der böse gute Wille

Mit den Grenzöffnungen für Migranten beheben die Anhänger des moralischen Universalismus nicht etwa eine humanitäre Katastrophe. Vielmehr verstärken sie diese mit ihren moralinvollen Willkommensgesten. Insbesondere dem deutschen Umgang mit der Migrationskrise attestiert Lothar Fritze eine »Dialektik des guten Willens« mit verhängnisvollen Nebenfolgen. Eine solche Dialektik führt — im Namen globaler Verantwortung — zu praktischer Verantwortungslosigkeit.

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