Bello-Bluff. Auch Gender auf den Hund gekommen?

Vom 5. Juli 2016.

Die sogenannten Geisteswissenschaften betreiben zwar mit allerlei modischen Blüten – Blüten, wie man sie auch von Geldfälschern kennt – eifrig ihre Verrandständigung, dafür sorgen sie beim Publikum aber immer mal wieder mit irrwitzigen Streichen für kräftiges Hohngelächter. Als neueste Zierart treten die Human-Animal-Studies hervor, die das Tier als Akteur der Weltgeschichte erkennen wollen, ohne dabei die historischen Ausbeutungsverhältnisse zwischen Mensch und Tier (auch: »Tier und nichtmenschliche Tiere«) zu übersehen. Die Unterscheidung zwischen Homo sapiens und irdischer Fauna wird als kulturelle Konstruktion entlarvt, die den Blick auf das Tier als gesellschaftlich handelnden Protagonist versperrt. Endlich stellt man sich nun die Frage, welchen Anteil die Mauerhasen an der Wiedervereinigung hatten. Während der Weltgeist zu Pferde durch unendliche Areale geistiger Steppen galoppiert, wartet man in Exzellenzclustern gebannt auf die nächste Sattelzeit.

Ein besonderes Kunststück dieser Prägung geriet im Dezember 2015 in der Zeitschrift Totalitarismus und Demokratie, dem Hausblatt des Hannah-Arendts-Instituts für Totalitarismusforschung der TU Dresden zum Abdruck. Unter dem Titel »Der deutsch-deutsche Schäferhund – Ein Beitrag zur Gewaltgeschichte des Jahrhunderts der Extreme« erschien dort ein Aufsatz der Promovendin Christiane Schulte, den die Verfasserin bereits als Vortrag auf einer Berliner Konferenz im Jahr 2015 gehalten hatte. Schulte unternimmt darin nichts weniger als den Versuch, die →deutsche Teilung aus der Perspektive des Schäferhundes zu betrachten. Wir begegnen Rex, dem ersten Mauertoten, und Bello als »Napfsoldaten«; erfahren, daß die Hunde der DDR-Grenztruppen Nachfahren von Wachhunden aus Buchenwald waren und werden mit der Frage konfrontiert, ob »deutsche Hunde immer schon deutsche Täter« waren.

Die an humoristischen Höhepunkten reiche Eulenspiegelei (wer ahnte schon etwas von hitlerhaften »Einhodern« in der Hundewelt oder ungewollten Schwangerschaften?) wurde nirgends beanstandet, sondern im Gegenteil noch gepriesen, bis das Kollektiv »Christiane Schulte« – die Promovendin gibt es nicht – den Hoax auf Telepolis selbst aufdeckte. Man hatte eine »satirische Intervention« veranstaltet, um sich gegen »akademische Moden« und »politischen Konformismus« des wissenschaftlichen Betriebs zu wenden. Daß der Aufsatz es überhaupt so weit brachte, ist für die Beteiligten blamabel und für alle anderen unvorstellbar, aber wen wundert noch ein solcher Siegeszug der Scharlatanerie, wenn unter dem Begriff »Gender-Studies« ganz andere Blendwerke der Bildung errichtet werden? Aber sorgen sie sich nicht, wir bieten zur genderverwirrten Auf- die nötige Abklärung:


Volker Zastrow: Gender – Politische Geschlechtsumwandlung

Was „Gender Mainstreaming“ bedeutet, können oder wollen selbst Leute nicht vernünftig erklären, die es wissen müßten. Das hat wohl Methode. Denn die Gender-Theorie ist eine sozialrevolutionäre Ideologie, die darauf zielt, die Geschlechterrollen zu zerstören – weil sie diese Rollen für künstlich, also beliebig formbar hält. Und das „Mainstreaming“-Konzept ist eine politische Technik, die das durchsetzen soll. Die EU hat sie sich zu eigen gemacht, die Bundesrepublik Deutschland inzwischen auch. Was heute die Politik bestimmt, begann vor vierzig Jahren in Baltimore mit einem unverantwortlichen Menschenversuch, der in menschenverachtender Weise ausgeschlachtet wurde. Volker Zastrow beschreibt die „politische Geschlechtsumwandlung“ in zwei profunden, zusammenhängenden, beklemmenden Essays.

Michail A. Xenos: Medusa schenkt man keine Rosen

Der offensiv-sexistische Feminismus treibt seit Jahrzehnten nicht nur in den Medien sein Unwesen. Weit schlimmer ist, daß er dort, wo er mit Hilfe einer willfährigen Politik seinen Einfluß in der gesellschaftlichen Praxis durchgesetzt hat, nicht nur Männer diskriminiert, sondern auch Zukunftspotential vernichtet. Höchste Zeit, daß sich die Geschlechterdebatte vom feministischen Deutungsmonopol emanzipiert.

Gerhard Amendt: Frauenquoten – Quotenfrauen

Spätestens seit dem Parteitag der SPD in Münster 1988, aber bis in Debatten der siebziger Jahre zurückreichend, geistert das Phänomen der Frauenquote durch die Politik. Von Anfang an galt es als politisch fragwürdig und rechtlich umstritten, nicht zuletzt unter Frauen selbst, die darin eine subtile Diskriminierung sowie Zweifel an ihrer Leistungsfähigkeit sahen und lieber auf ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten vertrauten. Heute sind es vor allem arbeitsmarktpolitische Gründe, mit denen die Politik die „Quote“ rechtfertigen zu müssen glaubt – gegen den Widerstand der Wirtschaft selbst, die darin eher neue Probleme sieht als Lösungen für die mindere Begeisterung vieler Frauen für herausfordernde Leitungsfunktionen.

Bernhard Lassahn: Frau ohne Welt. Teil 1: Der Krieg gegen den Mann

Wir erleben Sexismus-Vorwürfe und Frauenquote sowie den ewigen Streit um Abtreibung, Scheidung, Sorgerecht und Unterhalt: Eine tiefe Unversöhnlichkeit ist zwischen die Geschlechter gekommen. Die Frau hat freie Bahn auf dem Arbeitsmarkt, und für ihre Trennung vom Mann wird sie noch belohnt. Sie genießt Straffreiheit bei Abtreibung und Schuldfreiheit bei Scheidung. Als Alleinerziehende darf sie sich vom Mann oder vom Staat aushalten lassen. Zwar finanzieren auch den Staat vor allem die Männer, aber das braucht die ferne Frau nicht mehr zur Kenntnis zu nehmen. Sie wird »Frau ohne Welt«.

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