Das »landgrabbing« der deutschen Landwirtschaft

Vom 20. August 2016.

Die Landwirtschaft hält sich viel zugute auf die Steigerung ihrer Flächenproduktivität seit der »grünen Revolution« in den 60er Jahren. Zwischen 1960 und 1990 wuchs sie jahresdurchschnittlich um 3 bis 4% und damit in diesen 30 Jahren auf das Dreifache. (Seither ist das Wachstum dieser Kennzahl auf unter 1% gesunken und zeigt damit eherne Gesetz des fallenden Grenznutzens, auf das wir an anderen Stellen zurückkommen werden). Was ebenfalls unberücksichtigt bleibt, ist das sogenannte »landgrabbing«, die virtuelle Landnutzung durch eine drastische Steigerung der Importe von landwirtschaftlichen Vorprodukten als Futtermittel (vor allen Dingen: Soja). Nach der ober verlinkten Studie entsprechenden diese Importe mittlerweile einer Fläche von 6,9 Millionen Hektar oder 69.000 km2, was deutlich mehr als ein Drittel der deutschen Anbaufläche ausmacht. Wir haben’s nicht berechnet, aber die Daten wecken den Verdacht, daß der Bereich des negativen Grenzertrags damit erreicht ist.

Höchste Zeit also, sich auf die kumulierten Erfahrungen früherer Generationen zu besinnen, die unsere Bücher zu landwirtschaftlichen Themen bereithalten. Sie zeugen von einer Zeit, in der Landwirtschaft noch als echte Kreislaufwirtschaft mit einem hohen Maß an Autonomie betrieben wurde und die ihre Grundlagen, den Boden, auch für spätere Generationen zu erhalten wußte.

Wenn sie sich auch darüber hinaus für eine Landwirtschaft interessieren, die (außer Traktorendiesel) nicht nur nichts aus Übersee, sondern gar nichts von jenseits des Hoftores importiert, sondern sich bemüht, die naturalen landwirtschaftlichen Prozesse als einen Kreislauf zu rekonstruieren, der sehe sich einmal das mit diesem Verlag unternehmerisch verbundene Gut Manhagen und dessen Landwirtschaftsseite an. Nur nebenbei erwähnen wir, daß dies auch ein traumhafter Ort für einen kontemplativen (Lese-)Urlaub ist.


J.A. Schlipf: Handbuch der Landwirtschaft

Dieser Band stellt zwei Ausgaben dieses berühmten, weitverbreiteten und in mehr als dreißig Auflagen erschienenen Werkes nebeneinander: die von 1898 und die von 1958. Faszinierend die Fülle der Kulturpflanzen und Tierrassen, deren Eigenarten, Ansprüche und Besonderheiten vorgestellt werden. Und ebenso faszinierend: das konsequente Denken und Handeln in physischen Kreisläufen, in denen nichts verderben durfte (oder gar entsorgt werden mußte), sondern alles wieder neuer Fruchtbarkeit diente.

Friedrich Boas: Zeigerpflanzen

Zeiger- oder Indikatorpflanzen der Wildflora sind von größter praktischer Bedeutung für die landwirtschaftliche und gärtnerische Arbeit. Sie charakterisieren ihren Standort nahezu unfehlbar und geben Auskunft über den Reaktionszustand des Bodens, seine Struktur, besonders den Feinbodenanteil und den Garezustand, den Nährstoffgehalt, die Wasser- und Wärmeführung, die Entwicklungsmöglichkeiten des Bodens und seine Eignung für bestimmte Fruchtarten und Bewirtschaftungsformen.

Han Haase: Ratgeber für den praktischen Landwirt

Hans Haases „Ratgeber“ war bis in die frühen 60er Jahre das wichtigste, fast in jedem bäuerlichen Haushalt präsente Lehrbuch der Landwirtschaft. Es war von einem Praktiker verfaßt (und nicht von agrarischen Akademikern): Ein halbes Jahrhundert hatte Haase als Lehrling, Betriebsleiter, Verwalter und selbständiger Bauer Erfahrungen in den unterschiedlichsten Betrieben und auf den unterschiedlichsten Böden gesammelt und sein wachsendes Wissen – begünstigt durch eine seltene praktisch-literarische Doppelbegabung – stets schreibend verwertet und zur Verfügung gestellt.

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