Meinungsfreiheit in Lüdinghausen?

von Felix Menzel vom 25. Oktober 2021.

In Deutschland herrscht ein eigentümliches Verständnis der Meinungsfreiheit. Das kann man auch im politisch eher bedeutungslosen Lüdinghausen beobachten. Derzeit versucht hier eine breite Allianz aus Gewerkschaften, SPD, „Rotfunk“, angeblichen „Extremismus-Experten“ und der „Zivilgesellschaft“ den Manuscriptum-Verlag zu diskreditieren.

Das offen erklärte Ziel: Weil der Verlag „Verschwörungstheorien“ verbreite, müsse er „verschwinden“ (WDR). Dazu finden nun regelmäßige „Mahnwachen“ statt, die laut Eigendarstellung zur „Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit“ gedacht sind. Denn: „Wehret den Anfängen“, so der DGB gegenüber der Lokalpresse. Es könne schließlich auch eine „Art rechtspopulistisches Zentrum“ entstehen, das dann unter einem „Deckmantel“ finanzielle Mittel „für größere rechte Projekte“ einsammelt. Als Quintessenz hält eine von Verdi betriebene Seite daher fest: „Gehört das eigentlich schon verboten, oder darf das noch gedruckt werden?“

Es sei die Frage gestattet, ob den roten Gesinnungswächtern aus Lüdinghausen und Umgebung die berühmte Ansprache von Erich Kästner auf der Hamburger PEN-Tagung vom 10. Mai 1958 entgangen ist. Quasi als Refrain wiederholte Kästner den einprägsamen Satz: „Seit Bücher geschrieben werden, werden Bücher verbrannt.“ Als Ursache dafür nennt er den „Neid, der keinen Weg sieht“, und sich auf „den einzigen Ausweg“ begibt: „ins Verbrechen“.

Geschenkt, daß hier ebenso wie bei Heinrich Heine ein bei Linken typischer Kategorienfehler vorliegt. Aber daran dürften Gutmenschen ja keinen Anstoß nehmen. Insofern können wir bedenkenlos weiter zuhören, was Erich Kästner vor über 60 Jahren über die Schwierigkeiten im Meinungskampf zu sagen hatte. Er mahnte zur moralischen Zurückhaltung, „weil keiner unter uns und überhaupt niemand die Mutfrage beantworten kann, bevor die Zumutung an ihn herantritt“.

Wer beweist also gerade Mut in Lüdinghausen und wer hat eine Zumutung zu ertragen? Manuscriptum-Verleger Thomas Hoof reagierte auf die Anfeindungen der „sektiererischen Lüdinghauser Linken“ mit allerlei öffentlichen Klarstellungen, einem Brief an die Lokalredakteure der Westfälischen Nachrichten, einem an den Bürgermeister und einem Faltblatt an die Anwohner.

Darin wurde erklärt, das Meinungsspektrum des Verlags sei „tatsächlich divers“. Bei Manuscriptum vertreten sind nicht nur Höcke und Gauland (übrigens mit Schriften aus alten CDU-Zeiten), sondern auch und vor allem der Universalgelehrte Rolf Peter Sieferle, Bernhard Lassahn und Michael Beleites, die für Natur-, Landschafts- und Lebensschutz stehen.

Wo bei diesen angeblichen „Brandstiftern“ die „Verschwörungstheorien“ versteckt sein sollen, bleibt schleierhaft. Christian Fuchs, der von der ZEIT für exzessives Stalking gegenüber nonkonformen Geistern bezahlt wird, spricht deshalb lieber vom „Scharnier“. Demzufolge sei Manuscriptum so gefährlich, weil sich der Verlag seine Anschlußfähigkeit an bürgerliche Kreise bewahrt habe.

Doch stimmt das überhaupt? In Lüdinghausen gibt es im Stadtrat eine deutliche schwarz-gelbe Mehrheit. Diese Mehrheit blieb in den letzten Wochen jedoch auffällig still. Im besten Fall duckte sie sich nur weg aus Angst, selbst angeklagt zu werden. Im schlimmsten Fall könnte es allerdings auch zutreffend sein, daß diese „Bürgerlichen“ gar kein Sensorium mehr für die unverschämten Frechheiten des politischen Gegners besitzen und ihm damit freiwillig in die Karten spielen.

Anscheinend stark benebelt von einer moralinhaltigen Substanz verkündete die örtliche SPD: „Auf Steuereinnahmen aus Verlagen, die mit Hass und Verleumdungen ihr Geld verdienen, wollen wir gern verzichten.“ Wohlgemerkt, das kommt aus dem Munde von Steuergeld-Empfängern, denen es nicht mehr reicht, „nur“ von erfolgreichen Bürgern mitversorgt zu werden. Jetzt wollen sie auch noch bestimmen, was die Fleißbienen wann, wo und wie zu tun und zu lassen haben …

Friedrich Pohlmann: Das Reich der großen Lüge

Friedrich Pohlmann, Soziologe und TUMULT-Autor, geht auf die geistigen Auszehrungsprozesse und ideologischen Umerziehungsprogramme ein, die die Deutschen zu den Entmutigern ihrer selbst gemacht haben. Es geht um Vaterlosigkeit, 1968, das Elend der Utopien, Verschwörungen in Theorie und Praxis, Mut, Feigheit sowie um die Frage, wie im 2. Corona-Jahr kollektiver Widerstand nicht nur notwendig, sondern auch möglich werden kann. Das große finstere Etwas, das uns beständig Angst machen will, bekommt endlich Kontur.

Ein Gedanke zu “Meinungsfreiheit in Lüdinghausen?

  1. Ich bewundere ja das Durchhaltevermögen des Herrn Hoof. So sind eben Unternehmer. Vielleicht ist es aber wirklich wieder an der Zeit, darüber nachzudenken, Deutschland zu verlassen. Bis sie sich ein weiteres Mal ausgetobt haben, die Guten Deutschen. So ganz ohne Energie und Leistungswillen wird ihr Furor diesmal wohl nicht mehr bewirken können als ein kleines DDR-Revival. Da könnte man ganz entspannt vom Spielfeldrand zuschauen.

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