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	<title>Manuscriptum</title>
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	<title>Manuscriptum</title>
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	<item>
		<title>Die Entdeckung einer wenig bekannten Kulturlandschaft.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Aug 2024 11:51:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Feldweg, Waldgang: Verortungen]]></category>
		<category><![CDATA[Über den Talleyrand geblickt. Selbstdenker am Werk]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Andrew Stüve hat ein liebevolles Portrait seiner Heimat geschrieben: Mecklenburg. Wir haben ihn nach seinen Beweggründen gefragt. Was verbindet Sie persönlich mit Mecklenburg? Mecklenburg ist &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-entdeckung-einer-wenig-bekannten-kulturlandschaft/">Die Entdeckung einer wenig bekannten Kulturlandschaft.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/stueve_andrew_heller.jpg" alt="" class="wp-image-2591" style="aspect-ratio:0.7338551859099804;object-fit:cover;width:364px;height:auto"/></figure></div>


<p><em>Andrew Stüve hat ein liebevolles Portrait seiner Heimat geschrieben: Mecklenburg. Wir haben ihn nach seinen Beweggründen gefragt.</em></p>



<p><strong>Was verbindet Sie persönlich mit Mecklenburg?</strong></p>



<p>Mecklenburg ist meine Heimat, wie bereits die meiner Eltern und Großeltern. Durch den Umstand, dass ich meine Kindheit und ebenso die Jugend hier zubrachte, wurden mir Land und Leute zunächst zu einer Selbstverständlichkeit, wie alles, womit wir organisch verwachsen. Erst später stieg nach dem Verlassen des vertrauten Bodens meiner Vaterstadt Schwerin, sowohl durch die Distanz und die mit ihr verbundene Einsicht, dass zu einer Landschaft nicht notwendigerweise Seen gehören müssen, als auch durch die gewöhnlichen Reifungsprozesse die Wertschätzung meiner Heimat, deren natürliche Schönheit und Reichtümer mir stetig näher und lieber wurden. Als einen der großen Schätze Mecklenburgs erkannte ich auch endlich seinen kernigen und herzlichen Menschenschlag. Mittlerweile wieder zurückgekehrt, darf ich heute mit meiner Familie die Festtagsruhe des mecklenburgischen Landlebens genießen.<br><strong><br>Warum schreibt man heute noch ein Buch über eine Kulturlandschaft wie Mecklenburg? Was sind für Sie die Früchte solcher „Heimatforschung“?</strong></p>



<p>Beim Verfassen der vorliegenden Arbeit dachte ich glücklicherweise nicht recht an Früchte oder sonstige Zugewinne. Über die Zeit kleinerer privater Studien hinweg wuchs in mir das Bedürfnis, die mir selbst bis dahin völlig unbekannte Geschichte meiner Heimat zu ergründen; die allgemeine nachsichtige Geringschätzung der Kultur Mecklenburgs gab mir zudem den Anreiz, dessen Schätze einmal zusammenzutragen und auszustellen. Da mir eine rein historische Abhandlung zu dröge erschien, stellte ich mit den Eindrücken aus unserer landeseigenen Literatur, einiger Erholungsreisen in verschiedene Landesteile Mecklenburgs und dem persönlichen Austausch mit den Bewohnern ein Länderportrait zusammen, das den Landescharakter offenlegen soll. So fielen gewissermaßen die Früchte zunächst in den eigenen Korb, ich darf jedoch hoffen, dass meine Landsleute und auch Fremde Appetit bekommen und sich an diesem bedienen mögen.<br><strong><br>Der Geist des „alten Mecklenburg“: Ist er auch heutzutage noch lebendig?</strong></p>



<p>Mecklenburg hat sich seit einigen Jahrzehnten stark herausgeputzt und ist äußerlich auch in mancher Hinsicht dem Modernisierungsdrang unterlegen, man sieht es vor allem an den bedeutenden Landstädten. Durchaus finden sich allerdings noch heute jene Merkmale, die schon das alte Mecklenburg gekennzeichnet haben. Im Volke leben noch manche alten Wesenszüge fort, genannt seien beispielsweise die Achtung vor Stand, Beruf und Abkunft, der Respekt vor Besitz und die Anerkennung der Verantwortung, welche dieser mit sich bringt; das dumme Neid-Ressentiment hingegen, hat hier bis heute nie Fuß fassen können. Gegenüber Politik und Obrigkeit besteht noch heute eine weit verbreitete Gleichgültigkeit, wie sie bereits zu Zeiten des Ständestaats im Volke existierte, was Rebellion aber ebenso Komplizenschaft weitgehend ausschließt. Auch der natürliche Instinkt zur Familie hat sich hier, trotz der modernen Hemmnisse des unsäglichen Scheidungs- und Sorgerechts und der enthemmten Liberalisierung des Einzelnen, landläufig erhalten und wird hoffentlich auch die weiteren gesellschaftlichen Experimente überstehen. Die alte norddeutsche, in sich gekehrte Frömmigkeit von einst ist allerdings stark säkularisiert worden, was jedoch kein landestypisches, sondern ein allgemeines Phänomen, insbesondere im deutschen Osten ist.<br><strong><br>Wie muss man sich den „typischen Mecklenburger“ vorstellen?</strong></p>



<p>Was den typischen Mecklenburger betrifft, lässt es sich leicht auf die Werke unseres Fritz Reuters und auf all die Jochen Nüßlers, Müller Voss oder Karl Havermanns verweisen, die man noch heute im Volke antrifft, aber ich möchte mich um eine treffende Antwort aus eigener Anschauung bemühen. Es liegt eine wohltuende, ungeschliffene Art in seinem Auftritt und ein gesundes Misstrauen gegenüber den großen Worten und abstrakten Begriffen ist in ihm wachsam. Er ist von einer eigentümlichen Unbekümmertheit der kommenden Dinge gegenüber erfüllt. Das Gefühl ist ihm sehr kostbar und er trägt es daher nicht leichtsinnig nach außen. Ärger und Wut sind impulsiv und daher genauso rasch vorüber, wie sie aufgestiegen sind. Sein Witz ist derbe, sein Humor schallend und stets geistvoll genug, um auch die Geistesmenschen brechen zu können. Man erlebt ihn eher in fröhlicher Geschwätzigkeit als in anstrengender Mitteilsamkeit.<br><strong><br>Wenn man Mecklenburg näher kennenlernen möchte: Wo fährt man hin? </strong><br><br>Wenn Sie das Meer bevorzugen, dann besuchen Sie unbedingt die Gegend um Doberan, Kühlungsborn und Heiligendamm, sofern Sie sich vom Massentourismus nicht abschrecken lassen. Sie genießen dann beste Strände, den bedeutendsten Kirchenbau des Landes und liebevolle Städtchen in Küstennähe. Wenn Sie für Wanderungen sind, dann kann ich Ihnen die Schweiz empfehlen, zwischen Teterow und Stavenhagen finden Sie überall beste Landschaften dazu, die mit alten Herrenhäusern gespickt sind. Drittens wären da noch die Seenlandschaften, vorzüglich in und um Schwerin oder aber von der Müritz bis zum Plauer See, wo sich Ausflüge auf dem Wasser nach jedem Geschmack machen lassen und die Orte günstige Unterkünfte in bester Lage bieten.</p>



<p><strong>Wir danken für das Gespräch!</strong></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/die-seele-mecklenburgs.html"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="382" height="602" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/die-seele-mecklenburgs-manuscriptum.jpg" alt="" class="wp-image-2596 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/die-seele-mecklenburgs-manuscriptum.jpg 382w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/die-seele-mecklenburgs-manuscriptum-190x300.jpg 190w" sizes="(max-width: 382px) 100vw, 382px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Andrew Stüve: Die Seele Mecklenburgs.</h2>



<p>Eine lustvolle Wanderung durch Geschichte, Gepräge und Gemüt des alten Landes Mecklenburg und seiner Bevölkerung von der Zeit der Wenden, der Besiedlung durch Deutsche und dem Wirken der Hanse über den Dreißigjährigen Krieg und den Ständestaat bis in unsere Zeit. Stüves Streifzüge durch Hügelweiden, Seenplatten und entlang der Ostseeküste eröffnen tiefe Einblicke in Kultur und Lebensart vom Landmann bis zum Landadel. Daneben veranschaulichen auch Charakterisierungen der Städte und ihrer Bürger das Wirken der bedeutendsten Mecklenburger. Durch zahlreiche Abbildungen und literarische Zeugnisse von Zeitgenossen aller Jahrhunderte entsteht vor dem Leser das satte und heitere Bild einer bislang nur wenig bekannten deutschen Kulturlandschaft.&nbsp;</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Fritz Reuter: Das Leben auf dem Lande</h2>



<p>Ut mine Stromtid</p>



<p>Fritz Reuters (1810-1874) Jugend und Studienzeit war geprägt von Konflikten. Weder war er ein guter Schüler, noch entsprach er den Erwartungen seines Vaters. Als dann auch noch sein Feuer für die Republik entbrannte, geriet er ins Visier des Staates. Als Student der Rechte wurde er nach dem Hambacher Fest 1833 in Berlin verhaftet und 1836 wegen Mitgliedschaft in einer als revolutionär eingestuften Jenaer Burschenschaft zum Tode verurteilt. Die DDR trieb einigen Aufwand, um Reuter in die Ahnengalerie prokommunistischer Geister aufzunehmen. Von König Friedrich Wilhelm III. zu dreißigjähriger Festungshaft begnadigt, kam Reuter aufgrund einer Amnestie nach sieben Jahren frei. Es folgte der solide Teil seines Lebens und der Durchbruch als Autor. Seine Zeit als Landwirtschaftseleve („Strome“) auf Mecklenburgischen Gütern, die ihn nach seiner Kerkerzeit und abgebrochenem Studium in eine bürgerliche Existenz zurückführte, schilderte er in seinem in Mecklenburger Platt geschriebenen Hauptwerk&nbsp;<em>Ut mine Stromtid</em>&nbsp;breit, farbig und temperamentvoll &#8211; einschließlich des unvergleichlichen »Entspekters«, ein ungeschulter, aber hochphilosophischer Kopf, lebensklug, weltweise und zu den herrlichsten Sprachschöpfungen beflügelt. Reuter gibt einen &#8211; oft auch kritischen &#8211; Einblick in das Alltagsleben der Landbewohner Mecklenburgs um 1850.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Andrew Stüve: Schwarz und Weiß</h2>



<p>Eine preußische Geistesgeschichte</p>



<p>1947 wurde der Staat Preußen von den vier Besatzungsmächten aufgelöst. „Und gewiß&#8220;, schrieb Hans-Joachim Schoeps, „das alte Preußen, wie es einmal war, ist tot, aber nicht der klassische preußische Geist.&#8220; Doch wo sind sie, die einstigen Tugenden des Ordnungsgeistes, Pflichtgefühls und der Opferbereitschaft? Mögen sie auch verschüttet, verzerrt und diskreditiert sein, erinnert der Autor jenseits der Klischees vom „Alten Fritz“ an dieses wertvolle preußische Erbe &#8211; in vier Porträts zeichnet er das Bild der berühmten Gestalten Moltke, Fichte, Blücher und Hegel, und arbeitet die typisch preußischen Züge im Handeln und Denken dieser Militärstrategen und Philosophen heraus. Sein Buch wird so zum Plädoyer für eine sittlich-mentale Renaissance: Denn gerade von diesem Erbe, von der Erneuerung der Idee Preußen kann auch eine revitalisierende Kraft für Deutschland ausgehen, in dem Hysterie, Verantwortungslosigkeit und Selbstsucht an der Tagesordnung sind.</p>



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<p></p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Rom-Idee als treibende Kraft der abendländischen Entwicklung.</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-rom-idee-als-treibende-kraft-der-abendlaendischen-entwicklung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Aug 2024 07:35:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Feldweg, Waldgang: Verortungen]]></category>
		<category><![CDATA[Über den Talleyrand geblickt. Selbstdenker am Werk]]></category>
		<category><![CDATA[Was war? Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das neue Buch von Dr. Frank Lisson, »Rom im Banne deutscher Identität« , folgt der Entwicklung der Rom-Idee im Abendland und stellt ihren Einfluß insbesondere &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-rom-idee-als-treibende-kraft-der-abendlaendischen-entwicklung/">Die Rom-Idee als treibende Kraft der abendländischen Entwicklung.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/435x627_lisson.jpg" alt="" class="wp-image-2571" style="aspect-ratio:0.7338551859099804;object-fit:cover;width:364px;height:auto"/></figure></div>


<p><em>Das neue Buch von Dr. Frank Lisson, »Rom im Banne deutscher Identität« , folgt der Entwicklung der Rom-Idee im Abendland und stellt ihren Einfluß insbesondere auf die deutsche Geschichte dar. Der Hang der Deutschen zur Latinität war zwar zunächst an die kirchliche Überlieferung gebunden, spätestens aber mit Aufblühen des Humanismus in Deutschland immer stärker an einem römisch-heidnisch-antiken Bezugsrahmen ausgerichtet.</em> <em>Dr. Lisson beleuchtet Gründe und Folgen davon und zeigt in seiner fulminanten Studie, dass wir auch heute noch an die ethnische und geistige Substanz unserer geschichtlichen Tradition anknüpfen können.</em></p>



<p><strong>Lieber Dr. Lisson, nach Ihrer voluminösen Studie <em>Griechentum und deutscher Geist</em> haben Sie nun eine Art Ergänzung oder Erweiterung vorgelegt, die das deutsche Verhältnis zum Römertum betrifft. Warum erschien Ihnen das notwendig?</strong></p>



<p>Wer die verhängnisvolle Entwicklung des Abendlandes samt dessen heutigen Auflösungsbestrebungen verstehen will, muss bei der Frage nach der Beschaffenheit der geistigen Grundlagen dieser Kultur ansetzen. Und tatsächlich enthält besonders die deutsche Antikenrezeption eine Menge Hinweise auf das von Anfang an gestörte Verhältnis der postantiken Europäer zu sich selber; Ansätze zur Erklärung der kulturellen Dauermisere mit allen ihren politischen Folgen nach 1900, die bisher kaum beachtet worden sind. Neben dem aufschlussreichen Phänomen der deutschen Sehnsucht nach Hellas, spielt die kulturelle Abhängigkeit von Rom für die Tragik der »deutschen Seele« eine ebenso schwerwiegende Rolle wie die religiöse Abhängigkeit vom Judentum: ein Aspekt, den ich in einem dritten Teil, <em>Abendland und Orient</em>, als Abschluss jener deutsch-europäischer Herkunftsproblematik zu erhellen versuche. Denn die kulturellen Fundamente, auf denen das Abendland und die deutsche Bildung basierten: Judentum, Römertum, Griechentum, waren nicht nur aufgrund ihres »Adoptionsverhältnisses« von Beginn an extrem brüchig. Dieser komplizierte Bau brach bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in sich zusammen und löste dadurch jene geistigen Eruptionen aus, die in die heutige Selbstauflösungsmentalität geführt haben. &nbsp;&nbsp;</p>



<p><strong>Wie schon im <em>Griechentum</em> haben Sie nun auch im Rom-Buch tiefe Einblicke in die Bemühungen der deutschen Altertumswissenschaft um Identitätsbildung gewährt und dabei anhand reichhaltigen, zumeist kaum bekannten Quellenmaterials zugleich das Scheitern dieser Bemühungen aufgezeigt. Wie erklären Sie sich, dass trotz der vielen gewichtigen Gedanken, die beide Bücher enthalten, das <em>Griechentum</em> bisher quasi ohne Resonanz geblieben ist?&nbsp;</strong></p>



<p>Zum einen liegt das sicher daran, dass Bücher, die in »alternativen« Verlagen erscheinen, auch nur von »alternativen« Medien wahrgenommen werden, wo jedoch leider oft das Interesse an kulturpsychologischen Hintergrundanalysen, vielleicht auch die nötige Kennerschaft fehlt. Es ist freilich sehr zu bedauern, dass selbst in konservativen Kreisen die Bereitschaft stark geschwunden zu sein scheint, sich mit substantiellen Fragen der deutschen Bildungs- und Kulturgenese gründlicher auseinanderzusetzen. Dadurch wird es umso schwieriger zu verstehen, <em>was </em>in solchen Büchern überhaupt gesagt wird und welche Not dazu geführt hat, sie zu schreiben.&nbsp;&nbsp;</p>



<p><strong>Im Rom-Buch stellen Sie viel mehr Gegenwartsbezüge her als im <em>Griechentum</em>, wodurch das Buch in seinen Aussagen »aktueller« erscheint.</strong></p>



<p>Ja, im <em>Griechentum</em> findet sich vorrangig der Zeitraum zwischen 1760 und 1860 behandelt, also die Phase der eigentlichen deutschen »Gräkomanie« in ihrer ganzen Intensität, die, so plötzlich sie begonnen hatte, auch wieder erlosch. Der Rom-Gedanke greift dagegen viel weiter in die deutsche Geschichte, da er nicht nur (wie die Liebe zu Hellas) die Bildung erfasste, sondern über das Lateinische als Kirchen- und Wissenschaftssprache, aber auch als <em>Translatio imperii</em> deutlicher im Gesamtbewusstsein verankert war. Darum hat er sich auch als verhängnisvoller erwiesen. Roms stellte das Zentrum des Christentums dar, die neuhumanistische Begeisterung für Hellas gewissermaßen das Gegenstück dazu. Als Reaktion auf Rom war der Protestantismus entstanden, also der Antrieb zur deutschen Philosophie und Philologie, den beiden großen »Unruhestiftern«, schließlich auch Desillusionierern und damit Wegbereitern in den übermodernen Nihilismus.&nbsp; &nbsp;</p>



<p><strong>Woran liegt es, dass die einstige überragende Bedeutung des Altertums für die deutsche Bildung und Kultur aus dem allgemeinen Bewusstsein so gut wie verschwunden ist?</strong> <br><br>Das hängt sicher mit der Verdichtung der Zeiterfahrung und dem Ereignisreichtum des 20. Jahrhunderts zusammen. Da die digitale Informationsflut niemand verkraften kann, will jeder alles sofort wissen, sich aber nichts selber erarbeiten. Oft fehlt es schlicht an Konzentrationsvermögen, aber auch an Neugier. Man beschränkt sich darauf, vor allem das zu erfahren, was man ohnehin schon weiß. Und wenn dies auch noch mundgerecht und pikant gewürzt serviert wird – umso besser. Die Beschäftigung mit den großen kulturgeschichtlichen Hintergründen erfordert dagegen Geduld und führt zu weit vom Tagesgeschehen weg, das in sich schon komplex genug ist. Selbst für die meisten Konservativen hat ein Traditionsbruch stattgefunden: größere Zusammenhänge interessieren dort am wenigsten, wo sie zu unerwünschten Ergebnissen führen könnten. Dabei vergisst man gern, dass die deutsche Altertumswissenschaft und Philologie die Herzstücke jener deutschen Bildung waren, der man heute so oft nachtrauert. Doch wer die Reste des Abendlandes schützen will, sollte wissen, woran es zugrunde gegangen ist.</p>



<p><strong>Wir danken für das Gespräch!</strong></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/rom-im-banne-deutscher-identitaet.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="703" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-703x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2579 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-703x1024.jpg 703w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-206x300.jpg 206w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-768x1119.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-1054x1536.jpg 1054w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-1405x2048.jpg 1405w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/m_240627_Lisson-Rom-Einband-Druckvorlage-scaled.jpg 1756w" sizes="auto, (max-width: 703px) 100vw, 703px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Frank Lisson: Rom im Banne deutscher Identität</h2>



<p>Geschichte eines Verhängnisses.</p>



<p>Das Buch folgt der Rom-Idee in ihrem Werdegang. Fast sämtliche der herausragenden deutschen Geistesmenschen zwischen 1750 und 1900 strebten nach der Größe einer Existenzform, die ihnen zufolge jenseits abendländischer Verbundenheiten und Herkunftslinien lag, nämlich in einem Land, das mit der »Seele« zu suchen sei, wo es »ganz anders« zuging als im »modernen« Europa, wo also nicht nur die vermeintliche »edle Einfalt und stille Größe« herrschten, sondern auch und vor allem die Vornehmheit unverdorbener Mentalität, wie sie nur in antiken, griechisch-römischen Vergangenheiten sichtbar geworden sei.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Frank Lisson: Griechentum und deutscher Geist</h2>



<p>Anatomie einer Sehnsucht.</p>



<p>Ab dem 18. Jahrhundert wurde unter deutschen Neuhumanisten die Idee zur Forderung erhoben, daß es einen höheren menschlichen Sinn jenseits des bloß Utilitaristischen und Opportunen geben müsse. Und man meinte, daß diese Forderung oberste pädagogische Priorität zu genießen habe. Darin bestand die vielleicht bedeutendste deutsche Mission zum Wohle Europas, die freilich von vornherein zum Scheitern verurteilt war.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Frank Lisson: Die Natur der Dinge</h2>



<p>Über das Wesentliche.</p>



<p>Was weiß der Mensch über den Menschen? Was weiß Natur über sich selber? Was wissen die Dinge voneinander? &#8211; Wo die Welt für den Menschen bloß die Kulisse seiner Bedürfnisse und Phantasien abbildet, sie für ihn vor allem der Schauplatz seiner eigenen Überlebensstrategien und der Aufenthaltsort zum Ausleben primärer Instinkte ist, erscheint es umso notwendiger, einmal rigoros nach der Natur der Dinge zu fragen.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Frank Lisson: Mythos Mensch</h2>



<p>Eine Anthropodizee.</p>



<p>Jeder Mensch ist in sich selber ein einziger geschlossener Mythos. Und folglich ist er es auch allen anderen. Die Welt stellt sich ihm dar als eine große, alles Mögliche umfassende Erzählung, worin seine Individualität gar nicht vorkommt, weshalb er sich in das große Weltgedicht erst selbst hineinerzählen muss &#8211; und die Fabeln seiner Schöpfung gleich mit. Durch den Willen zur Mythologie wurde der Mensch zugleich das Produkt seiner Mythen; eine Verbindung, die sich immer fester knüpfte, je mehr der Mensch in seinen Geschichten vom Menschen aufging. Denn das Erzählen der Welt fängt die Welt nicht ein, sondern bildet sie nur ab &#8211; und sieht ihr hinterher.&nbsp;</p>



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<p></p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-rom-idee-als-treibende-kraft-der-abendlaendischen-entwicklung/">Die Rom-Idee als treibende Kraft der abendländischen Entwicklung.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nach der Europameisterschaft.</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/nach-der-europameisterschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Aug 2024 11:08:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Feldweg, Waldgang: Verortungen]]></category>
		<category><![CDATA[Männersachen. Weiberkram: Antifeminismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Günter Scholdt hat mit „Fußball war unser Leben“ großen Widerhall ausgelöst. Er zieht ein Résumé: Nach der EM ist vor EM. Nach der EM besteht &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/nach-der-europameisterschaft/">Nach der Europameisterschaft.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="600" height="800" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/guenter-scholdt-600x800-1.jpg" alt="" class="wp-image-2563" style="aspect-ratio:0.7338551859099804;object-fit:cover;width:344px;height:auto" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/guenter-scholdt-600x800-1.jpg 600w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/guenter-scholdt-600x800-1-225x300.jpg 225w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></figure></div>


<p><em>Günter Scholdt hat mit „Fußball war unser Leben“ großen Widerhall ausgelöst. Er zieht ein Résumé: Nach der EM ist vor EM. </em></p>



<p>Nach der EM besteht mancherorts der Eindruck, mit der deutschen Nationalmannschaft sei nun alles wieder in Ordnung. Sind die kritischen Beleuchtungen meines Buchs Fußball war unser Leben in Sachen DFB damit widerlegt? Mitnichten. Zwar hat man in Frankfurt aus den früheren Turnier-Katastrophen diesmal (spieltaktisch wie propagandistisch) tatsächlich einige Konsequenzen gezogen. Die ärgsten Albernheiten von Katar, die uns weltweit schadenfrohen Spott einbrachten – so lief etwa die „Mund-Zuhalte“-Aktion fast täglich im südamerikanischen Fernsehen als Comic-Trailer – blieben 2024 aus. Doch wer das bereits als beachtlichen Lernprozess feiert, übersieht, in welchem Maß inzwischen „woke“ Politisierung bereits Alltag ist.</p>



<p>Statt lediglich mit einer obskuren Binde „Flagge zu zeigen“, posen unsere Nationalkicker jetzt sogar (wechselweise) ganz in Lila. Regenbogenfarbene TV-Dauereinblendungen und Dachbeleuchtungen kamen hinzu. Lady Nancy und „Turnierdirektor“ Lahm wetteiferten im Vorfeld mit Hunderten von Events bis in die Grundschulen hinein als systemhörige Erfüllungsgehilfen gängiger Globalagenden. 800 deutsche sogenannte „Hass“-Kommentare wurden aus dem Internet gefiltert und harren staatsanwaltlicher Anklage. Hochbesoldete und freiwillige Lauscher spitzten die Ohren, auf dass niemand Verbotenes auch nur singe. 360 mal rückte die Polizei allein wegen „L‘amour toujours“ aus. Was müssen unsere administrativen Personalressourcen überquellen! Und wieviel mehr könnten es sein, wenn unsre weise Regierung noch strikter Prioritäten setzte durch völligen Verzicht darauf, einschlägige Messerstechereien oder Korruptionsdelikte von Klima- oder Corona-Profiteuren zu verfolgen.</p>



<p>Da diesmal auch besser gespielt und dreimal gewonnen wurde, hat sich das Nationalteam – in des Wortes doppelter Bedeutung – ansehnlich verkauft. Sogar Begeisterung kam zeitweilig auf, vornehmlich bei jenen Ergebnisfixierten, denen es schnuppe gewesen wäre, welche „Führungselite“ sich im ganz großen Triumph gesonnt hätte, wo sich die Bundesregierung doch so schon für eine halbe Million Euro zu den Matches fliegen ließ. Zudem solidarisierte Cucurellas Handspiel im Sinne einer Dolchstoßlegende, ohne zu berücksichtigen, dass unser (Schiedsrichter-)Glück nach Ungarn, Dänemark und der Nicht-Ahndung von Kroos-Fouls gegen Spanien wohl aufgebraucht war. Nagelsmann schließlich zog ein quasi staatsmännisches Resümee, das ganz Deutschland neuen Optimismus verordnete.</p>



<p>Ist der im Buch behandelte Bruch zwischen DFB und den echten Fans also bloß Schnee von gestern? Eher zeigt sich, wie schnell sich ein Teil der Masse allein vom Erfolg steuern lässt. Zudem ging es im Text ja nicht um kurzfristige, eher nichtssagende Sieg-Rezepte, sondern um strukturelle Defizite durch sportfremde tagespolitische Instrumentalisierung. Und in diesem Sinn appelliere ich erneut:</p>



<p>Lasst Euch die einstige Privatsphäre nicht völlig enteignen, Euern der Erholung dienenden Freiraum, der früher etlichen Berufs- und Politikstress kompensierte! <br><br>Pfeift auf das Wertegelaber, das wirkliche sportliche Tugenden gegenüber wohlklingenden Globalagenden zurücktreten lässt! Erkennt, dass viele Sportvorstände durch eine skrupellose Führungsclique schamlos unterwandert wurden! Handlanger eines Parteienkartells, dessen Panik vor Machtverlust notfalls unsere Demokratie und den Rechtsstaat ruiniert.</p>



<p>Wehrt Euch gegen penetranten Etikettenschwindel, der via Fußball von sogenannten universalen Werten ausgeht. Macht Euch klar, dass momentan „Toleranz“, „Vielfalt“, „Respekt“ etc. fast das Gegenteil von früher bedeuten! Traut Euch also in Sachen Masseneinwanderung, CO2-Dämonisierung, Corona, Waffenlieferungen oder einem angeblich unterprivilegierten Frauenfußball alternativ zu denken! Und zieht Konsequenzen, wenn Euch deshalb angepasste Fußballmarionetten als extremistisch oder halbkriminell verleumden! Wer sich vor echten Gesellschaftsproblemen nicht wegduckt, ist politisch-moralisch kein Halbkrimineller. Jemand, der Dressur und Lippenbekenntnisse verweigert, besitzt mehr Zivilcourage als alle, die Masseninstinkten und staatlichen Pressionen folgen, auch wenn diese sich „zivilgesellschaftlich“ verkleiden.</p>



<p>Emanzipiert Euch von den Dogmen und Propagandaphrasen der gekauften bzw. gleichgeschalteten Medien! Lasst Euch nicht einschüchtern, und stellt Fußball wieder ins Zentrum! Kümmert Euch wieder hauptsächlich um konkrete Tagesprobleme, z.B. den Amateurfußball in Euerm Kreis! Die Jugendförderung oder den zeittypischen Schiedsrichtermangel, dessen Ursachen man ansprechen und nicht gutmenschlich vernebeln sollte. Ereifert Euch wieder vor allem über irrsinnige Regeln oder die fast unlösbare Frage: Wie entkommt man den Sackgassen eines unansehnlichen Ergebnisfußballs, der selbst dann anödet, wenn er auf höchstem Niveau zelebriert wird?</p>



<p>Lasst andere als Fußballprofis über biologische, medizinische, historische oder sonstige Weltbilder streiten, und protestiert, wenn sich Vorstandsgewaltige als totalitäre Volkserzieher gerieren! Rettet nicht „die Welt“, sondern zunächst einmal den Fußball! Denn das wäre kein kleiner Teil einer Weltrettung.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/fussball-war-unser-leben.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="672" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/fussball-war-unser-leben-cover-672x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2564 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/fussball-war-unser-leben-cover-672x1024.jpg 672w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/fussball-war-unser-leben-cover-197x300.jpg 197w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/fussball-war-unser-leben-cover-768x1171.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/fussball-war-unser-leben-cover-1008x1536.jpg 1008w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/fussball-war-unser-leben-cover-1343x2048.jpg 1343w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/08/fussball-war-unser-leben-cover.jpg 1575w" sizes="auto, (max-width: 672px) 100vw, 672px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Günter Scholdt: Fußball war unser Leben</h2>



<p>Wie Kommerz und Politik die schönste Nebensache der Welt fast zerstörten.</p>



<p>Milliarden auf der Erde stehen im Banne des Fußballs. Doch eine toxische Allianz aus Kommerz und Ideologie gefährdet die »schönste Nebensache der Welt« in ihrer Substanz. Von dieser Bedrohung durch Geschäftemacher, Politiker und ihre journalistischen Handlanger, die sich der Attraktivität des Fußballs parasitär bedienen, handelt dieses Buch. Seine politik- und medienkritische Ausrichtung wird von dem unabweisbaren Eindruck einer immer penetranteren Instrumentalisierung des Sports über aktuelle Global-Agenden bestimmt. Der soziologische Blick des Buches verbindet sich dabei mit persönlichen Einsichten des Verfassers als dem Fußball verfallener Schüler, jahrzehntelanger Amateurkicker und verschiedentlich Trainer, passionierter Club-Fan und leidgeprüfter Anhänger einer Nationalmannschaft, die zunehmend ihren Nimbus verspielt.&nbsp;</p>



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<h2 class="wp-block-heading has-text-align-center">Pressestimmen zu Fußball war unser Leben</h2>



<p><strong>Junge Freiheit:&nbsp;</strong>»Das vorliegende Buch ist Pflichtlektüre für alle, die die Mechanismen hinter dieser anhaltenden Politisierung des Sports verstehen wollen.«</p>



<p><strong>Publico:</strong>&nbsp;»Günter Scholdt &#8230; betreibt mit „Fußball war unser Leben“ nicht nur eine Erforschung der Sport- , sondern auch der Mentalitätsgeschichte, er zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der an Stelle der Aushandlung von Interessen und Ansichten mehr und mehr die Meinungsführung durch eine Elite tritt, er behandelt in seinen Kapiteln die Verwandlung des Regenbogens von einem Symbol der Bürgerrechtsbewegung in eine institutionelle Machtgeste und befasst sich mit dem Frauenfußball, der eben nicht organisch von unten wächst, sondern wie ein neues Produkt seine Markteinführung erlebt. Das tut er mit profundem Wissen, aber ohne Eifer und mit gezügeltem Zorn. Sein Stil macht sein Buch zum Gewinn auch für Leser, bei denen sich Fußball und Leben nicht ganz so stark überschneiden.«</p>



<p><strong>Compact:&nbsp;</strong>»Der Historiker und Soziologe lässt kein Auge trocken. Er zerlegt die Woke-Propaganda des DFB und entlarvt die entsprechende Doppelmoral, er setzt sich mit der Verlogenheit der Anti-Rechts-Kampagnen beim Fußball auseinander, rechnet gründlich mit der Regenbogen-Ideologie ab, ätzt gegen die Klimaretter beim Fußballverband, erinnert an die miese Rolle, die der Fußball während der Corona-Zeit einnahm und zeigt auf, wie man heute plötzlich ganz und gar kriegsgeil daherkommt. [&#8230;] Günter Scholdt tritt leidenschaftlich dafür ein, Fußball endlich wieder Fußball sein zu lassen und von woken Knebeln zu befreien. Der Autor selbst ist dabei durchaus in der Lage, eigene Erfahrungen einzubringen. Seit jungen Jahren ist er Fußballanhänger, war über Jahrzehnte im Amateurfußball aktiv und stets treuer Anhänger des 1. FC Nürnberg.«</p>



<p><strong>Acta diurna:&nbsp;</strong>»Der Verfasser ist Literaturhistoriker und emeritierter Professor, was in diesem Zusammenhang nicht unwichtig ist, denn er muss kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Günter Scholdt, Jahrgang 1946, hat – auch das ist in diesem Zusammenhang nicht ganz unwichtig – früher selbst gekickt, beim UFC Wacker 73 in der Kreisliga Saarbrücken. [&#8230;] Akribisch beschreibt der sachkundige Emeritus, wie die „schönste Nebensache” in den vergangenen zwanzig Jahren für die politischen Propaganda vereinnahmt wurde. Der Fußball ward auf Linie gebracht wie die Universitäten, der Kulturbetrieb, die Kirchen und große Teile der Wirtschaft. Das handelnde Personal ist genreübergreifend so identisch wie austauschbar.«</p>



<p><strong>TUMULT:&nbsp;</strong>»In seinem fast 500 Seiten umfassenden Buch „Fußball war unser Leben – Wie Kommerz und Politik die schönste Nebensache der Welt fast zerstörten“, das in der&nbsp;<em>Edition Sonderwege</em>&nbsp;des&nbsp;<em>Manuscriptum&nbsp;</em>Verlags erschienen ist, arbeitet Günter Scholdt in äußerst unterhaltsamer und bestens lesbarer Weise die toxische Allianz aus Kommerz und Ideologie heraus, die den Fußball in seiner Substanz gefährdet.«</p>



<p><strong>Faktum Magazin</strong>: »Ein sehr lesenswertes und unterhaltsames (nicht nur Fußball-) Buch mit einem hohen gesellschaftskritischen Anteil.«</p>



<p><strong>Zur Zeit</strong>: »Erinnern wir uns nur an das skandalöse Auftreten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2022 in Katar mit seinen verstörenden Bildern genötigter Spieler, die sich gebückt und mit Hand vor dem Mund zum Gruppenfoto aufstellten, oder, im Gleichklang mit einer sozialdemokratischen Innenministerin, per Regenbogen- Armbinden irritierten. Das Trauerspiel symbolpolitischer Einwürfe während der diesjährigen EM-Spiele setzte sich mi dem demonstrativen Wolfsgruß eines türkischen Nationalspielers fort und löste in Medien und Politik fußballfremde Debatten aus. In einem großen Bogen tiefschürfender Analysen geht Autor Scholdt, früher selbst passionierter Fußballspieler und bis 2011 Leiter des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux-Elsass, der Geschichte und Gegenwart dieser Fehlentwicklungen nach. Dem DFB stünde es gut an, so Scholdt im letzten Kapitel „Quo vadis, Fußball?“, sich wieder auf die sportlichen Kernpunkte der schönsten Nebensache der Welt zu besinnen.«</p>



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<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/nach-der-europameisterschaft/">Nach der Europameisterschaft.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Schule der Abwegigkeit gegen die Sinnbegradigung des Lebens.</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-schule-der-abwegigkeit-gegen-die-sinnbegradigung-des-lebens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jul 2024 14:09:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Feldweg, Waldgang: Verortungen]]></category>
		<category><![CDATA[Über den Talleyrand geblickt. Selbstdenker am Werk]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In seinen vorangegangenen Büchern hat Michael Esders das politische „Sprachregime“ der Gegenwart entschlüsselt und den Abgrund einer Gesellschaft „Ohne Bestand“ ausgelotet. Jetzt wendet er sich &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-schule-der-abwegigkeit-gegen-die-sinnbegradigung-des-lebens/">Die Schule der Abwegigkeit gegen die Sinnbegradigung des Lebens.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="712" height="1068" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/07/Esders.png" alt="" class="wp-image-2534" style="aspect-ratio:0.7338551859099804;object-fit:cover;width:448px;height:auto" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/07/Esders.png 712w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/07/Esders-200x300.png 200w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/07/Esders-683x1024.png 683w" sizes="auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px" /></figure></div>


<p><em>In seinen vorangegangenen Büchern hat Michael Esders das politische „Sprachregime“ der Gegenwart entschlüsselt und den Abgrund einer Gesellschaft „Ohne Bestand“ ausgelotet. Jetzt wendet er sich in „Einhundert Expeditionen ins Eigene“ der Erfahrungs- und Wörterwelt seiner Kindheit zu. Wir sprachen mit ihm über sein neues Buch – und über den anarchischen Minimalismus der Kindheit.</em></p>



<p><strong>Lieber Herr Esders</strong>, <strong>wer „Tapetenbewohner“ aufschlägt, bemerkt sofort, dass das Buch sich von den Vorgängern unterscheidet. Es fehlen Fußnoten, Literaturhinweise und Zitate. Es gibt keine Kapitel, sondern 100 kurze Abschnitte, die sich zum Teil wie Geschichten lesen und einen kindlichen Blick aneignen. Auch der Titel fällt aus dem Rahmen und gibt zunächst einmal Rätsel auf. Warum ist dieses Buch „anders“ geworden?&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<p>Das Buch unterscheidet sich schon dadurch, dass das „Ich“ in besonderer Weise präsent ist. Es geht um meine Kindheit in der norddeutschen Provinz in den späten Siebziger- und beginnenden Achtzigerjahren. Aber es ist keine Autobiografie im klassischen Sinn. Ich wollte einen Aspekt herausarbeiten, der exemplarisch für die Kindheit in dieser Zeit ist. In vielem war sie noch ganz analog und hat sich zwischen Räuber-und-Gendarm, Schnitzeljagd und Völkerball abgespielt. Aber gleichzeitig kündigten sich die digitalen „Undinge“ in den ersten Atari-Computerspielen bereits an. Die greifbare, handfeste Wirklichkeit wurde von der Realität der Bildschirme und Displays verdrängt und begann sich zu verflüchtigen. Deshalb spanne ich den Bogen von den Mustern auf der Kinderzimmertapete, die sich im Dämmerlicht in Bewegung setzen, den „Tapetenbewohnern“, bis zu Pac-Man, den ich wenige Jahre später mit dem Joystick durch virtuelle Labyrinthe navigiere. Dieses analog-digitale Nebeneinander in der Kindheit um 1980 hat mich besonders interessiert. Hier lag es nahe, aus den eigenen Erfahrungen und Erinnerungen zu schöpfen.</p>



<p>Darüber hinaus gibt es einen stilistischen Unterschied: Die 100 Texte oder „Expeditionen“ in diesem Band sind eher erzählerisch als essayistisch-theoretisch angelegt wie die Bücher davor. Dies ist ein gewisser Bruch der Erwartungshaltung, aber ich würde keine grundsätzliche Zäsur sehen. Eher nähere ich mich den Themen, die mich seit Jahrzehnten beschäftigen, von einer anderen, spielerischen Seite.</p>



<p><strong>Sprache ist ein Thema, das schon lange im Zentrum Ihres Interesses steht. Auch in „Tapetenbewohner“ gehen viele Texte von Spracherfahrungen aus – angefangen beim ersten Wort „Da“, das den Dingen wie ein „Lautlasso“ entgegengeschleudert wird. Inwiefern ermöglicht die Kindheit einen neuen Blick auf die Sprache? &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<p>In „Sprachregime“ und auch „Ohne Bestand“ habe ich die Kanalisierung des Denkens durch Sprache untersucht. In „Tapetenbewohner“ wende ich mich der anarchischen und subversiven Seite der Sprache zu, die vor allem in der Kindheit zum Vorschein kommt. Die Welt erschließt sich über die Wörter, und zwar paradoxerweise auch und gerade in den Missverständnissen und Fehldeutungen. Die Kindheitswörter führen oft auf falsche Fährten, aber gerade dort sind Entdeckungen möglich, die auf den „Hauptstraßen“ ausgeschlossen sind. Ich fragte mich zum Beispiel, warum Lottozahlen „ohne Gewehr“ galten und malte mir aus, wie es wäre, wenn sie eines Tages ausnahmsweise „mit Gewehr“ gezogen werden würden und Waffen zum Vorschein kämen. 1977, im Jahr der Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyers durch die RAF, war viel von „Terroristen“ die Rede. Als ich mit meinen Eltern auf einer Reise in Süddeutschland unterwegs war, fürchtete ich mich vor den „Touristen“, weil der Gleichklang zu suggestiv war. Mit einer anderen Verwechselung lebte ich mehrere Jahre: Es gab für mich die Farbe „Beige“, ausgesprochen wie „feige“ oder „Geige“. Diese Farbe war für mich klar von „Besch“ oder „Beesch“ unterschieden. Ich habe die Farbe in die Welt hineingesehen, bis sie daraus nicht mehr wegzudenken war. &nbsp;&nbsp;</p>



<p><strong>Sie bezeichnen die Kindheit in Ihrem kurzen Vorwort als „Schule der Abwegigkeit“. Wie ist das gemeint?</strong></p>



<p>Erwachsene haben Relevanzkriterien und -filter, die – oft unbewusst – festlegen, was Beachtung verdient und was nicht. Viele dieser Filter werden durch Sprache gesteuert. Bei Kindern ist dies noch nicht oder zumindest nicht in der gleichen Weise der Fall. Die Abseitigkeit der Dinge ist noch kein Ausschlusskriterium. Für mich war beispielsweise ein kleiner und völlig unspektakulärer Kaugummiautomat vor einem Landgasthof ein Mysterium. Ich nahm einen weiten Weg auf mich, um ihn zu erreichen, und versuchte ihn mit Knöpfen und kleinen Metallscheiben zu überlisten. Ich interessierte mich weniger für die Kaugummis als vielmehr für die präzise Mechanik des Tauschvorgangs selbst. Die Dinge hatten eine physiognomische Seite, die mich anzog: Nicht nur Tapetenmuster hatten freundliche Gesichter, sondern auch Steckdosen, was mir dann zum Verhängnis wurde. Sogar Flusen hatten ein Geheimnis und wurden eine Zeit lang zum Sammelobjekt. Etwas von diesem anarchischen kindlichen Minimalismus, der später verlorengeht, wollte ich aufleben lassen.</p>



<p><strong>Ein Gegenbegriff zu dieser anarchischen „Abwegigkeit“ des kindlichen Blicks auf die Welt ist die „Sinnbegradigung“, die Ihrer Einschätzung nach umfassend zu werden droht. Sind Ihre Kindheitsexpeditionen Anti-Frames?</strong></p>



<p>Das Wort „Sinnbegradigung“ drängte sich mir mit Blick auf jüngste Diskussion maschineller Intelligenz, KI-gesteuerte Antwortmaschinen wie ChatGPT und die sogenannten „Large Language Models“ auf. Letztere sind sehr stark auf das Gängige und Frequentierte geeicht. Auf der Basis von Trainingsdaten wird die jeweils wahrscheinlichste Fortsetzung einer Zeichenkette oder Wortfolge errechnet. Das Konzept dahinter ist konventionell, man könnte sogar sagen hyperkonventional. Die Sprachmodelle haben eine nivellierende und planierende Tendenz – das meine ich mit „Begradigung“. Die Erinnerungen und Erfahrungen, von denen ich ausgehe, sind zu entlegen, vielleicht auch exzentrisch, um in diesen Modellen repräsentiert zu werden. Es wird deutlich, dass das Unverfügbare, Unwiederholbare der Erfahrung durch das Raster der KI-Modelle fällt. „Anti-Framing“ trifft es ganz gut. Aber ich möchte die Texte auch nicht mit Theorie überfrachten. Sie sind, was sie sind.</p>



<p><strong>Es geht um eine ländliche Kindheit in Norddeutschland mit „Gülleregenbogen“ und „Maislabyrinth“, in dem Sie sich absichtlich verlaufen. Wie wichtig ist der Bezug zur Landschaft und Region? &nbsp;&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<p>Die Erinnerungen sind in einem nicht nur zufälligen Sinn ortsgebunden. Dies wird zum Beispiel in der plattdeutschen Färbung vieler Spracherfahrungen deutlich, die ich schildere. Man könnte sogar von Ortungsversuchen sprechen. In einem Text geht es um die A1 in der Nähe meines Wohnorts. Die Autobahn war eine Art Weltkoordinate für mich. Wenn im Radio davon die Rede war, fühlte ich mich angesprochen. Vom Dachfester aus beobachtete ich lange die Lichterketten der vorbeifahrenden Autos. Manchmal suchte ich nach einem verirrten gegenläufigen Licht, einem Geisterfahrer, um der Meldung des Verkehrsfunks zuvorzukommen. Wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung kam, klang das Motorengeräusch wie eine ferne Brandung. Dies war mein Einschlafgeräusch. Solche Erfahrungen sind nicht nur Lokalkolorit. Sie wären im digitalen Überall und Nirgendwo gar nicht möglich.</p>



<p><strong>Ein kleiner Blick in die Werkstatt: Wie und unter welchen Umständen ist das Buch entstanden?</strong></p>



<p>Die Stücke sind über einen sehr langen Zeitraum neben anderen Arbeiten entstanden. Die Initialzündung waren in vielen Fällen Erinnerungssplitter und Déjà-vus. Die kurze Prosaform spiegelt das Abrupte, manchmal auch Abgerissene der Erinnerung wider, das kein durchgängiges Erzählen zuließ. Es kamen mit der Zeit neue Texte hinzu, andere habe ich wieder verworfen, weil sie mir unpassend erschienen. Einiges habe ich mehrfach überarbeitet und weiter zu verdichten versucht. In den vergangenen zwei, drei Jahren sind viele neue Stücke entstanden. Wohl auch deshalb, weil ich den Wunsch hatte, das düstere, manchmal auch trostlose Terrain der politischen Bestandsaufnahmen zumindest zeitweise zu verlassen. So gesehen sind die Kindheitstexte auch kleine Fluchten.&nbsp;</p>



<p><strong>Inwiefern hat sich die Kindheit heute geändert? Ist der Minimalismus, von dem Sie sprechen, generationstypisch?&nbsp;</strong> <br><br>Dass eine solche Kindheit heute nicht mehr möglich ist, hat mit der fundamental veränderten Erfahrungs- und Lebenswelt der Kinder heute zu tun, die schon sehr früh und in weiten Teilen digital ist. Der unmittelbare, handgreifliche, taktile Zugang zur Realität, der zu meiner Zeit noch die Grundlage für alles war, wird zu einer immer selteneren Ausnahme. „We are everyday robots on our phones“, heißt es in einem Song des britischen Musikers Damon Albarn, der Hybridisierung der Sinne gut beschreibt. Die via TikTok und Snapchat etc. „geteilte“ Wirklichkeit ist realer als real, was eine Entwertung der „ungeteilten“ Aufmerksamkeit zur Folge hat. Die Dinge erscheinen nicht mehr als Rätsel, weil die Lösung in Echtzeit von digitalen Helfern apportiert wird. Die Antworten kommen den Fragen zuvor. Hinzu kommt, dass die Aufmerksamkeitsspanne im Dauerfeuer der Memes und Reels viel zu kurz für die von mir nachgezeichneten Gedankenexpeditionen ist. Die Wirklichkeit des Wirklichen hat den Aggregatzustand gewechselt. Mein Ziel war es nicht, diese Entwicklung kulturkritisch oder verfallstheoretisch nachzuzeichnen. Ich wollte auch keine Abhandlung <em>darüber</em> schreiben. Es ging mir um die Intensität einer unwiederholbaren Erfahrung.</p>



<p><strong>Vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>



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<h2 class="wp-block-heading">Michael Esders: Tapetenbewohner</h2>



<p>Einhundert Expeditionen ins Eigene.</p>



<p>Michael Esders erkundet die Wörter- und Dingwelt seiner Kindheit in den Siebziger- und Achtzigerjahren. Touristen erscheinen als Terroristen, und der Vater »Herrmann« hat ein Denkmal im Teutoburger Wald. In den Telespielen breiten sich primitive Frühformen des Digitalen aus, die bald schon die analoge Wirklichkeit verblassen lassen. Die sprachlich verdichteten Erinnerungs- und Denkbilder dieses Buchs finden sich damit nicht ab. Sie lassen die Wörter und Dinge von damals noch einmal aufleuchten. Ein Aufstand gegen die Sinnbegradigung der Welt.&nbsp;</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Michael Esders: Ohne Bestand</h2>



<p>Angriff auf die Lebenswelt.</p>



<p>Die westlichen Gesellschaften zerstören ihre Bestände rückstandslos. Wo man lange Zeit noch Fahrlässigkeit im Transformationsrausch vermuten konnte, steht Vorsatz nun außer Zweifel. Das Hygieneregime seit 2020 und die „Neue Normalität“ im endlos verlängerten Notstand sind nur der verheerendste Angriff in einer langen Reihe.<br><br><strong><a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/erst-sprachumbau-dann-angriff-auf-die-lebenswelt/">Interview mit Micheal Esders zu <em>Ohne Bestand</em></a>.</strong></p>



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<h2 class="wp-block-heading">Michael Esders: Sprachregime</h2>



<p>Die Macht der politischen Wahrheitssysteme.</p>



<p>Michael Esders inspiziert das Schlachtfeld der Begriffe und Metaphern, das sich auf alle Lebensbereiche ausgeweitet hat. Der Literaturwissenschaftler dechiffriert die „Wahrheitssysteme“ (Michael Kretschmer) der deutschen Politik, die sich über alle diskursiven Gepflogenheiten hinwegsetzen. Er entziffert die Narrative der Willkommenskultur und des menschengemachten Klimawandels, in denen Haltungen über den Common Sense, Mythen über Theorien triumphieren.<br><br><strong><a href="https://www.manuscriptum.de/interview-mit-michael-esders">Interview mit Michael Esders zu <em>Sprachregime</em></a>.</strong><br></p>



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<p></p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/die-schule-der-abwegigkeit-gegen-die-sinnbegradigung-des-lebens/">Die Schule der Abwegigkeit gegen die Sinnbegradigung des Lebens.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wir haben fertig.</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/wir-haben-fertig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jun 2024 10:17:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[EM]]></category>
		<category><![CDATA[Europameisterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[FIFA]]></category>
		<category><![CDATA[fussball]]></category>
		<category><![CDATA[Ideologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer, wenn ich mich in den Acta irgendeiner Sportart widme, bekomme ich Mails von Zeitgenossen, die mir zunächst ihre generelle Sympathie für mein Geschreibs versichern, &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/wir-haben-fertig/">Wir haben fertig.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/300x392_klonovsky.jpeg" alt="" class="wp-image-2519" style="width:375px;height:511px"/></figure></div>


<p>Immer, wenn ich mich in den <em>Acta</em> irgendeiner Sportart widme, bekomme ich Mails von Zeitgenossen, die mir zunächst ihre generelle Sympathie für mein Geschreibs versichern, sodann aber einschränkend anmerken, dass Reflexionen über Sport entweder das hier üblicherweise in der Wahl des Sujets herrschende Niveau unterschritten oder aber ich mit der Traktierung solcher Themen der <em>Panem et circenses</em>-Logik der Herrschenden folgte – oder gleich beides zusammen. Ich sehe das ein bisschen anders, vor allem was den erstgenannten Vorwurf betrifft. Immerhin schreibe ich hier mitunter auch über Parteitage, Talkshows oder auf Theoriemüllhalden herumturnende Intellektuelle, also über ein Personal, neben dem sich Schwergewichtsboxer oder Tour-de-France-Profis in vielerlei Hinsicht, ästhetisch zumal, recht vorteilhaft ausnehmen. Ja und erst die Leichtathletinnen! Stellen Sie sich vor, Pindar würde vor die Wahl gestellt, entweder eine Ode auf Olaf Scholz oder eine auf Tadej Pogačar zu schreiben, eine auf Ricarda Lang oder auf Femke Bol (lieber noch Natalia Kaczmarek). Und selbstverständlich hätte der Aegide, lebte er als unser Zeitgenosse, längst Lionel Messi in einem Preislied besungen.</p>



<p>Mit diesem Namen wäre der Übergang zum Fußball hergestellt, der Leibesübung, um die es heute, am letzten Spieltag der Bundesligasaison 2023/24 und einen knappen Monat vor Beginn der Europameisterschaft in Deutschland, gehen soll – allerdings weniger im sportlichen Sinne, sondern in jenem der immer umfassenderen Kommerzialisierung und politischen Indienstnahme. Gerade im modernen Fußball werden wir mit dem erwähnten „Brot und Spiele“-Aspekt konfrontiert, die Fußballarenen sind <em>die</em> Amphitheater der Gegenwart. Der Kaiser- oder Herrscherkult ist ja seit der Antike ein fester Bestandteil von „Panem et circenses”, heute halten sportliche Großveranstaltungen die Massen bei Laune wie ehedem, während der Herrschaftskult inzwischen in der Kostümierung eines nicht minder totalen Zeitgeistdienstes zelebriert wird, mit Regenbogeneckfahnen, Antirassismuskampagnen und öffentlichen Lippenbekenntnissen sogenannter Führungsspieler. Was mich betrifft, funktioniert die circensische Ablenkungsmechanik übrigens bisweilen, und ich erwische mich dabei, dass ich am PC allzu komplizierte oder lange Texte wegklicke, um mir stattdessen die Zusammenfassung eines Fußballspiels oder einen Boxkampf anzuschauen (oder eben die prachtvollen Leiber der Leichtathletinnen). Allerdings erleben wir derzeit speziell beim Fußball, wie sich die Propagandaabteilungen so weit in den Vordergrund drängeln, dass vielen Mitbürgerinnen, Mitbürgern und Mitbürgenden die gesamte Sportart vergällt wird. Mir – dies ist ja mein Diarium, <em>hier red i</em> – ist es mittlerweile vollkommen gleichgültig, ob die zur „Mannschaft“ <em>downgegradete</em> und ständig politische „Zeichen setzende“ Nationalmannschaft ein Spiel oder Turnier gewinnt, ich schaue mir das entweder überhaupt nicht mehr oder voller Schadenvorfreude&nbsp;an.</p>



<p>Um zu beschreiben, was sich in den vergangenen ungefähr zwei Jahrzehnten verändert hat, ist zunächst ein Rückblick fällig. Ich zähle zu einer Alterskohorte, deren Angehörige ihre ersten Länderspiele noch im Schwarz-weiß-Fernseher gesehen haben (meine früheste Erinnerung gilt einem Herren namens Eusébio), die den Anblick einer Frau im Fußballstadion als etwas eher Außergewöhnliches empfanden (und ich spreche nicht von Frauen auf dem Rasen; das lag außerhalb der Vorstellungskraft), weil sie nämlich Fußball mit einigem Recht für einen Malocher- und Proletensport hielten, bei dem sich auch der akademische Teil des Publikums dem Gegner gegenüber recht unzivilisiert benahm, einer Kohorte denn also, deren Angehörige die Ränge als einen Ort betrachteten, wo man sich gehenlassen konnte, wo sich rigide Parteinahme, Enthemmung und das Bedürfnis nach Triebabfuhr zum temporären Menschenrecht verbanden, zu fluchen, zu höhnen und dem Gegner Beleidigungen zuzubrüllen, und die zugleich den Fußball und überhaupt den Sport als etwas völlig Unpolitisches empfanden, die sich, wenn die Parzen es über einen verhängten (wie z.B. über mich durch Rickens 3:1 in der letzten Minute der Verlängerung BVB gegen La Coruña anno 1994), mit einem Verein „identifizierten“, mit ihm litten, triumphierten oder unterlagen, als stünden sie selbst auf dem Platz, in ihrer emotionalen Teilnahme am Geschick einer Mannschaft allerdings anders als heutzutage in den Ersten Ligen davon ausgehen konnten, dass diese Truppe halbwegs zusammenblieb und nicht zwei Jahre später aus völlig anderen Spielern bestehen würde, und die mit der Nationalmannschaft (fast) genauso mitfieberten wie mit ihrer favorisierten Vereinsmannschaft.</p>



<p>&nbsp;Kurzum: Der Fußball war <em>zu meiner Zeit</em> eher eine Männersache, ob nun als Stadionbesucher oder als Spieler (ich war zum Leidwesen meines Vaters und zur Belustigung meines Bruders, beide Amateurfußballer, ein miserabler Kicker), das Stadion galt als ein Ort relativer Freiheit, aber auch des archaischen Rudelverhaltens, und mit Politik hatte das alles nichts zu tun – wenn ich davon absehe, dass in der DDR, wo ich ja aufwuchs, der BFC Dynamo ständig Meister wurde, weil das der Lieblingsverein von Stasi-Chef Erich Mielke war (legen Sie das „weil“ ruhig auf die Goldwaage). Später erlebte ich als Zaungast der Bundesliga und des Europapokals zwischenzeitlich die schöne Freiheit der Marktwirtschaft, hier wie da gab es immer eine Reihe von Klubs, die imstande waren, den Titel zu holen, während heute beinahe wieder eine Monokultur herrscht wie zu späten DDR-Zeiten, was die Fans merkwürdigerweise kaum beirrt, weil sie oft nichts anderes haben, woran sie ihr Herz hängen können. Den Champions-League-Sieger machen inzwischen drei, vier Teams untereinander aus – der BVB hat gegen Real Madrid kaum den Hauch einer Chance und in einem CL-Finale eigentlich nichts zu suchen –, und deutscher Meister wird in neun von zehn Fällen der FC Bayern – sofern der Bayer-Konzern nicht jährlich mindestens 200, 300 Millionen extra locker macht, wird die Meistermannschaft dieser Saison inclusive Trainer in zwei Jahren schlicht nicht mehr vorhanden sein. Da der Teufel bekanntlich stets auf den größten Haufen scheißt, dürfte die Tendenz zur Konzentration der Erfolgswahrscheinlichkeit auf wenige Vereine trotz gelegentlicher erfreulicher Ausnahmen immer weiter zunehmen.</p>



<p>Die Übertragungen der wichtigen Partien im Europapokal oder bei den großen Turnieren der Nationalmannschaften waren früher Gelegenheiten, sich mit Freunden zu treffen, um gemeinsam zu schauen, sich zu amüsieren, zu echauffieren und herumzublödeln, ohne aus dem Fernseher mit Vielfaltspropaganda, Antirassismuskampagnen und Gleichstellungsgedöns behelligt zu werden, mit einem gehörigen Vorrat an Bier und ohne Frauen, weil den Schönen erfahrungsgemäß die volle Konzentration für neunzig oder gar 120 Minuten abging und sie ungefähr ab Mitte der ersten Halbzeit wieder reden wollten. Während der EM 1996 – die Vorrundenpartie gegen Italien stand kurz vor dem Anpfiff, wir hatten uns in meiner Schwabinger Wohnung versammelt – stellte jemand die Scherzfrage: „Was würdest du sagen, wenn es jetzt klingelt, und vor der Tür steht Pamela Anderson?“</p>



<p>Antwort: „Sind Sie wahnsinnig, <em>jetzthierzuklingeln</em>?!“</p>



<p><em>Tempi</em> bekanntlich <em>passati</em>. Was weiland während dieser Spiele gesprochen, geflachst, geflucht und geschimpft wurde, zöge inzwischen den Abbruch von Freundschaften und die Kündigung von Arbeitsverhältnissen nach sich. Heute ist der Fußball ideologisch auf Zeitgeistlinie gebracht, diversifiziert, pazifiziert, sprachgereinigt und effeminiert. Vor dreißig Jahren spielten auch schon Schwarze, Asiaten oder Schwule in allen Ligen, nur kümmerte das niemanden, es war einfach kein Thema, das irgendwer volkspädagogisch und gewinnträchtig ausschlachtete; der Schwarze in der eigenen Truppe wurde bejubelt, der gegnerische beleidigt und ausgepfiffen, fertig. Doch ausgerechnet heute, wo es in den Stadien so friedlich und zahm zugeht wie nie zuvor und die Mannschaften, zumindest die europäischen, ethnisch ungleich „bunter” sind als die Gesellschaft – <em>zu</em> bunt, wie manche finden, die sich am Ende wohl auch daran stießen, wenn Nigeria mit sieben Weißen zum WM-Spiel aufliefe –, ausgerechnet jetzt also wächst angeblich der Rassismus der Fans ins Unerträgliche, ungefähr wie der Feinstaub an Innenstadtkreuzungen und die Mikroaggressionen an Universitäten.</p>



<p>Zugleich ist inzwischen „gefühlt“ jeder zweite Fußballmoderator eine Moderatorin, mitunter auch <em>Moderatörin</em>, und unter den Spielfeldrand-Kommentatoren bei Live-Übertragungen muss zwanghaft eine Fußballerina platziert werden, damit sie ihren emanzipationsverstetigenden Senf zum Männersport beisteuern kann. Der Frauenfußball, den kaum jemand guckt, wird unter hohem moralischen Druck multimedial in alle Kapillaren der Gesellschaft gepresst. Schwule Kicker sind gehalten, sich zu „outen“, um „Vielfalt” zu bezeugen. Spieler, Funktionäre, Fanbeauftragte und große Teile des Publikum überbieten sich beim Wettstreit darum, möglichst unanstößig, langweilig und politisch korrekt zu sein. Vereinschefs mit fragwürdigster Reputation bekennen sich mit einer aggressiven Beflissenheit zur Regierung und gegen die Opposition wie sonst nur am Staatstropf hängende Künstler in Autokratien. Über den Bekenntnisslapstik der Nationalmannschaft, sei es das Niederknien vor dem Anstoß wegen irgendwelcher Vorfälle auf amerikanischen Straßen, sei es das – symbolisch gar nicht mal so falsche – kollektive Sich-das-Maul-zuhalten bei der letzten Weltmeisterschaft, muss ich nichts weiter ausführen.</p>



<p>Ehe jetzt der juvenile Gast des Kleines Eckladens spricht: „Ok <em>Boomer</em>, deine Zeit ist eben abgelaufen, du verstehst die Welt nicht mehr, weil du nicht mehr zu ihr gehörst”, will ich auf zweierlei hinweisen. Erstens, dass der Boomer in Italien „Dottore“ genannt wird, sofern er sich angemessen kleidet (und viele dieser <em>Dottores</em> verstehen etwas von Fußball).</p>



<p>Und zweitens, dass ich den Fußball heutzutage weit schöner, kunstvoller und spannender finde als jemals zuvor. Sowohl was die A‑, als auch die B‑Note betrifft, ist das Niveau enorm gestiegen. Der FC Augsburg würde die brasilianische Fußballweltmeistermannschaft von 1970 mit einer hohen zweistelligen Niederlage in die Kabine schicken (und auch die von 1994 klar besiegen), die Brasilianer kämen, außer mit Befreiungsschlägen, wahrscheinlich nicht mal über die Mittellinie. Das liegt weniger am sogenannten Spielermaterial als vielmehr an der vollkommen anderen Art, Fußball zu spielen, welche man heute pflegt. Durch kluge Regeländerungen – drei Punkte statt zwei für den Sieg, das Verbot für den Torwart, den Ball bei Rückpässen der eigenen Spieler mit der Hand aufzunehmen (früher eine notorische Quelle des Zeitspiels), Abseitsentscheidung erst bei der Ballannahme – wurde das Spiel viel schneller und folglich intensiver. Dazu kamen Materialverfeinerungen wie Kunstrasen, leichtere Schuhe und Bälle. Die Spieler sind nicht nur taktisch unendlich besser geschult als unsere Altvorderen, sie sind auch beweglicher, reaktionsschneller, geistesgegenwärtiger und ausdauernder. Technisch agieren heute fast alle Profis auf einem Level, das ehedem nur wenigen Stars vorbehalten war; kein Ball springt mehr vom Fuß, und sogar Innenverteidiger schlagen so präzise Pässe über das halbe Feld wie vor 50 Jahren allenfalls die Spielmacher. Ein Mittelfeldspieler muss heute mindestens dreimal so viele spontane Entscheidungen pro Partie treffen, für die er jeweils nur Sekundenbruchteile zur Verfügung hat, als vor 30, 40, 50 Jahren. Möglicherweise könnten sich unsere 1970er Brasilianer mit den aktuellen Augsburgern messen, nachdem sie ein Jahr lang intensiv vor allem Taktik trainiert, sich an die Bälle, Schuhe, den Rasen und das Pressing gewöhnt und mit dem Rauchen aufgehört hätten.</p>



<p>Umgekehrt muss man fairerweise fragen: Welche Figur gäbe das aktuelle Team von Real Madrid, zurückversetzt in den Juli 1954 ins Berner Wankdorf-Stadion, gegen die deutsche Nationalmannschaft um Fritz Walter ab? Auf diesem tiefen Rasen, mit diesen <em>Töppen</em> und dem damaligen Ball möchte ich die Bellingham, Kroos und Vinicius Junior mal <em>zaubern</em> sehen…</p>



<p>Wie auch immer, jedenfalls gibt es nach wie vor kaum eine Möglichkeit, als Zuschauer spannendere und aufregendere neunzig Minuten zu verbringen als bei einer Partie elf gegen elf im gehobenen Segment der Ligen. Nie waren das spielerische Niveau und das Tempo so hoch wie heute. Und trotzdem lässt mich der Fußball mittlerweile kalt, eben weil er zwischen Kommerz und Propaganda zerrieben wurde und wird und werden wird, weil eigentlich immer klar ist, wer am Ende gewinnt – wer soll Real noch schlagen, wenn auch Mbappé in Madrid spielt? wie sollen die Bayern nicht Meister werden, wenn die besten Spieler der Konkurrenz immer nach München gehen? –, weil die Mannschaften aus Legionären bestehen, die zwar phantastisch spielen, aber eben heute hier und morgen dort, die allesamt „Berater” haben, die auf den nächsten Mehrbietenden lauern, weil sie bei jedem Wechsel mitkassieren, und während die Stars vor der Fankurve ostentativ mit der Hand auf das Vereinsemblem auf ihrer Brust klopfen, stehen sie schon in Verhandlungen mit ihrem neuen Club. Ich sah zuletzt das Spiel Dortmund gegen Paris St. Germain, ein im Ruhrpott siedelnder internationaler Ausbildungsverein gegen eine aus Katar finanzierte Plastiktruppe, toller Fußball, ohne Frage, doch von den Schwarzgelben kannte ich fast niemanden mehr. Warum sollte man mit einem solchen Bäumchen-wechsle-dich-Ensemble sympathisieren, das zufällig gerade in Dortmund zusammenspielt, dem aber jeder Kicker weggekauft wird, der das Zeug zum Star besitzt? (Das Publikum im <em>geilsten</em> Stadion der Welt hat keine Wahl, die Armen leben ja in Dortmund, und außer dem Westfalenstadion, das inzwischen einen grotesken kommerziellen Namen trägt, gibt es dort nicht viele Vergnügungsstätten.)</p>



<p>Angesichts der enormen Zahl von Fußballaffizierten dürften noch einige andere Zeitgenossen existieren, und sei es nur unter den <em>Boomern</em> bzw. <em>Dottores</em>, denen es ähnlich geht wie mir. Die Kommerzialisierung oder Monopolisierung dieses Sports können sie immerhin öffentlich beklagen, dabei spielen viele Medien mit, allerdings auf vergiftete Weise, indem sie zum Beispiel Fanproteste gegen den Vereinsseelenverkauf für ihre generelle antikapitalistische Agenda vereinnahmen. Die Popularität von Clubs wie dem SC Freiburg oder dem FC St. Pauli unter linken Journalisten (Pleonasmus, ich weiß) hat damit ebenso zu tun wie die Unpopularität etwa von RB Leipzig oder der TSG Hoffenheim. Heikel wird es indes, wenn nicht die ausufernde Vermarktung des Sports, sondern die <em>woke</em> Propaganada, die heute zum Fußball gehört wie Eckfahne und Mittelkreis, auf den Rängen Proteste auslöst – etwa wenn Fans, wie in mehreren Stadien geschehen, ein Spruchband mit den Worten „Es gibt nur zwei Geschlechter!” entrollen –; dann <em>schieben</em> der DFB und die Öffentlichkeitsverweser schnell, wie ein Qualitätssportjournalist schriebe, <em>einen Riegel vor</em>, der Verband, indem er die Vereine mit Geldstrafen überzieht, und die Genossen Medienschaffenden, indem sie die Denunziationsbegriffe dazu liefern („transphob”, „rechte Provokateure”&nbsp;etc.).</p>



<p>Wir haben es mit einem ziemlich verrückten Paradox zu tun: dem Verfall der Attraktivität einer Sportart, die immer besser wird. Zugleich offenbart sich im Spitzenfußball jenes symbiotische Zusammenwirken von Wirtschaft und <em>Wokeness</em>, das zu den prägenden Phänomenen unseres Epöchleins gehört und dem meine Expektorationen hier immer wieder gelten. Während es eine Reihe Publikationen gibt, in denen die Verflechtung von Sport und Kommerz kritisch betrachtet wird, ist die immer stärkere Politisierung der europaweit populärsten Leibesübung ein Bestandteil der <em>Großen Transformation</em> der westlichen Gesellschaften in <em>Fragen-Sie-nicht</em> und hat deshalb als positiv zu gelten, was konkret so ausschaut, dass die meisten Sportjournalisten sie begrüßen und befördern, etwa indem sie Bücher gegen „Rassismus”, „Homophobie” und andere „rechte” Tendenzen im Fußball schreiben; ich hatte neulich einen dieser Autoren im Sortiment (<a href="https://www.klonovsky.de/2024/03/31-maerz-2024/">hier</a>, ein bisschen scrollen).</p>



<p>Ein Buch aus der eben skizzierten verfallsdiagnostischen Perspektive lag also, wie man sagt, in der Luft, und nun ist es <a href="https://www.manuscriptum.de/fussball-war-unser-leben.html">erschienen</a>.</p>



<p>„Eine toxische Allianz aus Kommerz und Ideologie gefährdet die ’schönste Nebensache der Welt’ in ihrer Substanz”, heißt es in der Ankündigung. „Von dieser Bedrohung durch Geschäftemacher, Politiker und ihre journalistischen Handlanger, die sich der Attraktivität des Fußballs parasitär bedienen, handelt dieses&nbsp;Buch.”</p>



<p>Der Verfasser ist Literaturhistoriker und emeritierter Professor, was in diesem Zusammenhang nicht unwichtig ist, denn er muss kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Günter Scholdt, Jahrgang 1946, hat – auch das ist in diesem Zusammenhang nicht ganz unwichtig – früher selbst gekickt, beim UFC Wacker 73 in der Kreisliga Saarbrücken. Was mir Gelegenheit zu einer kleinen Abschweifung verschafft. Wie im Saarland damals üblich, habe seine Mannschaft häufig auf „Brascheplätzen” gespielt, erinnert sich Scholdt, „mit der Folge, dass man jedes zweite bis dritte Spiel erhebliche Abschürfungen auf Knien oder Oberschenkeln nach Hause brachte, gesprenkelt mit etlichen roten Pünktchen. Man wachte auf, wenn die Bettdecke zu sehr auf lädierten Körperteilen lastete.” Ich weiß übrigens noch, was ein Schotter- bzw. Schlackeplatz, wie sie in Berlin genannt wurden, war; ich trage noch immer ein paar schwarzblaue Schlackekrümel vom Kissingenstadion in Berlin Pankow sichtbar unter der Haut an meinen Knien. Damals erklärte mir ein Bezirksklasse-Kicker der technisch beschlageneren Sorte, er spiele lieber auf Schotter als auf dem Rasen, weil der Gegner sich dort dreimal überlege, ob er eine Grätsche riskiere. In seiner Mannschaft, sekundiert Scholdt, seien damals Wetten darauf abgeschlossen worden, wie lange es dauern werde, „bis ein Rasenplätze gewohnter Neuling sich das Grätschen abgewöhnte”. Abschweifung beendet.</p>



<p>Verweilen wir gleichwohl noch im Nostalgischen. Womöglich, ach was: mit Sicherheit hat der Fußball in den schlimmen <em>präwoken</em> Zeiten seine integrative Kraft weit besser bewiesen als heutzutage. „In unseren Reihen waren alle Fakultäten, Urteile und Vorurteile vertreten. Praktizierende Christen und Atheisten, klassische Wirtschaftsliberale mit FDP- oder CDU-Prägung oder Linke, von den Jusos bis zur DKP”, erinnert sich Scholdt. „Übrigens waren wir auch multikulturell aufgestellt. Ohne lange nachzudenken, fallen mir als Mannschaftskameraden Türken, Tunesier, etliche Schwarzafrikaner, ein Algerier, Grieche und Argentinier ein – das Ganze ohne spezifische Absicht oder Verhaltensideologie. Unsere fremdstämmigen Mitspieler beanspruchten keine ‚korrekte’ Sprache, weil daran schlicht kein Bedarf bestand. Ich erinnere mich an eine ausgiebige Kneipenfeier nach einem für unsere Verhältnisse grandiosen Sieg. Auch unser Mittelfeldtalent Modou aus dem Senegal feierte tüchtig mit. Als Moslem des dabei üblichen Bierkonsums ungewohnt, machte er bald schlapp, worüber beim nächsten Training ausgiebig gelästert wurde. (…) In Sachen Völkerverständigung via Fußball erinnere ich mich an ein spannendes Match mit jungen afrikanischen Deutschlehrern. Sie waren im Rahmen eines Kulturaustauschs nach Saarbrücken gekommen, und ich habe sie eine Woche lang per ‚Sommeruniversität’ unterrichtet. Als krönenden Abschluss verabredeten wir ein Match zwischen unserem UFC und den Gästen, die hochbegabte Spieler in ihren Reihen hatten. Wir verloren 1:2, was keine freiwillig-diplomatische Niederlage war. (…) Es folgte ein rauschendes Fest in unserer Wohnung.”</p>



<p>Von Fremdenfeindlichkeit, fährt Scholdt fort, habe er in Jahrzehnten aktiver Fußballtätigkeit „praktisch kaum etwas verspürt”, und er sei auch nie auf Antisemitismus gestoßen. „Erst gegen Ende meiner aktiven Zeit zeigten sich Probleme in Matches gegen eine fast homogene Türkenmannschaft mit einer erkennbaren Steigerung der Brutalität. Wohlgemerkt galt das nicht für Einzelne, sondern für das ethnische Kollektiv. Einer meiner Nachfolger im Traineramt war übrigens Türke. Das klappte so reibungslos, dass darüber niemand ein Wort verlor. Gleichwohl wollen uns heute ideologiebesoffene Schnösel in ihren Diskriminierungsämtern nachträglich belehren, dass schon zu dieser Zeit zumindest unterschwelliger Rassismus am Werke war. Eher wurde mehrheitlich Multikulti gelebt, bevor der Begriff in Mode&nbsp;kam.”</p>



<p><em>Tempi</em> abermals <em>passati</em>. Aber als Hintergrundfolie und Kontrastmittel sind solche Erinnerungen recht hilfreich, speziell für jene Bleichgesichter, die sie aus Altersgründen nicht teilen können und den aktuellen Gängelbetrieb für etwas Naturgegebenes halten. Inzwischen läuft unter Schlagworten wie „Viefalt”, „Buntheit” und „Diversity” eine Dauerwerbesendung für Gesellschaftsspaltung. Blicken wir mit Scholdt nochmals zurück, diesmal indes nur auf die vorhin erwähnten gesamtklimaverwandelnden zwei Jahrzehnte:</p>



<p>„2006 bereits verlas Philipp Lahm als Spielführer vor Länderspielbeginn eine vorgefertigte Erklärung gegen den Gummibegriff ‚Rassismus‘, eine Kundgebung, die an DDR- oder FDJ-Losungen erinnert. Auch Ballack, Metzelder, Mertesacker oder Hitzlsperger wie die Nationalelf warben im ‚Netz gegen Nazis‘ und etlichen anderen Plattformen dieser Art. Leon Goretzka trug zudem einen albernen ‚Kein Fußball den Faschisten‘-Sticker. Auch ließ er sich fürs Bundesbahn-Magazin DB mobil mit Antifa-Devotionalien auf dem DFB-Trikot fotografieren. Und der Tapfere schwenkte auch noch eine Fahne ‚Gegen Nazis‘. Zur Unterstützung von Merkels Flüchtlingspolitik dienten Bundesligatrikots mit ‚Refugees Welcome‘-Aufschriften. Es folgten DFB-gestützte Kampagnen gegen CO2-Verbrauch oder für das regierungsamtliche Corona-Management. Zuweilen knieten deutsche Nationalspieler im Auftrag von Black Lives Matter oder beteiligten sich an diversen Lobbyaktivitäten für LGBTQ oder ‚Fußball kann mehr‘ zur Verstärkung von Frauenquoten im Verband und Anhebung der Spitzengehälter von Spielerinnen.“</p>



<p>Akribisch beschreibt der sachkundige Emeritus, wie die „schönste Nebensache” in den vergangenen zwanzig Jahren für die politischen Propaganda vereinnahmt wurde. Der Fußball ward auf Linie gebracht wie die Universitäten, der Kulturbetrieb, die Kirchen und große Teile der Wirtschaft. Das handelnde Personal ist genreübergreifend so identisch wie austauschbar. „Man blicke auf unsere Sportfunktionäre und ihre typischen Karrieren: DFB-Präsident Bernd Neuendorf (SPD, früher Staatssekretär in NRW), der 1. Vizepräsident Hans-Joachim Watzke (CDU, alte JU-Freundschaft mit Friedrich Merz und etlichen politisch einflussreichen Lobbygruppen attachiert), Reinhard Rauball (SPD, Ex-NRW-Justizminister), Vizepräsident Hermann Winkler (CDU, der sein halbes Leben in der Politik verbrachte). Oder die grüne Freiburg-Connection mit etlichen Vorstandsämtern und Jogi Löw als Steinmeier-Wahlmann. Der neue DFB-Geschäftsführer Sport, Andreas Rettig, war zuvor bereits bei St. Pauli, Freiburg und Köln mit überschaubarem sportlichen Erfolg, aber einschlägigen ‚Werte‘-Sprüchen tätig. (…) Man könnte weitermachen mit Vereinschefs wie Frankfurts Peter Fischer mit besten (auch für ihn selbst äußerst hilfreichen) Verbindungen zu Frau Faeser und dem grünen Bundesvorsitzenden Nouripour.”</p>



<p>Im Zentrum allen Gleichschaltungsfurors steht natürlich die <del>National</del>Mannschaft. „Der DFB ist kolonisiert wie etliche Institutionen in unserem Staat“, konstatiert Scholdt – und wer würde ihm da widersprechen? Nachdem der peinliche Auftritt der Deutschen sowohl auf dem Rasen als auch auf der Tribüne bei der WM in Katar aufgrund des hochverdienten Ausscheidens in der Vorrunde wenigstens eine zeitliche Begrenzung und viel noch verdientere Häme erfuhr, droht bei der Europameisterschaft das Weiterkommen samt Agitprop-Begleitung sämtlicher Spiele: „Im Januar wurde von Staatsministerin Claudia Roth und Philipp Lahm ein begleitendes ‚Kulturprogramm‘ vorgestellt, wofür die Regierung – warum wohl? – 13 Millionen unserer Steuergelder berappt. In 300 Veranstaltungen werden uns – es graust einen bereits bei dieser wohlklingenden Etikettierung – Fußballwerte wie ‚Fair Play, Respekt und Toleranz‘ vermittelt, von musikalischen und tänzerischen Darstellungen bis zu Grundschul Events. Um welche Art versteckter Wahlkampfhilfe es sich handelt, verriet der notorisch mainstreambeflissene Turnierdirektor Lahm, indem er auf die jüngsten Demonstrationen gegen die AfD verwies, in deren Geist die Initiative verlaufe. Eine Offenherzigkeit, die sich von Schamlosigkeit nicht mehr unterscheidet.“</p>



<p>Der Verfasser erinnert daran, dass anno 2015 der damalige Teammanager Oliver Bierhoff im <em>Kicker</em> ausgeplaudert hatte, „dass der Anstoß für die Begriffskastration der Nationalmannschaft zur bloßen ‚Mannschaft‘ auf Anregung Merkels erfolgte. Auch der Austausch von Schwarz-Rot-Gold zu Weiß-Weiß-Weiß Plus ist auf politischem Mist gewachsen. Derartiges fördere laut Bierhoff angeblich ‚die Identifikation von Fans und Spielern mit unserer Mannschaft‘.”</p>



<p>„Kann man”, fragt Scholdt, „ahnungsloser sein?” (Ich glaube nicht an Ahnungslosigkeit, <em>by the way; </em>die symbolische Denationalisierung ist wohl eher ein dem <em>Großen Austausch</em> sekundierender Designwechsel.)</p>



<p>Ein Kapitel des Buches widmet sich dem „gehypten” Frauenfußball. „Es muss für Feministinnen besonders lustvoll sein”, spekuliert der Autor, „sich nicht auf Sportarten zu beschränken, in denen der ‚Mehrwert‘ sich von selbst ergibt (Gymnastik, Tanz, Eiskunstlauf etc.), sondern in eine milliardenschwere Männerdomäne einzubrechen, die sie bestens nährt, während frau sich zugleich in der Opferpose gefällt, unterstützt von domestizierten Funktionärs- und Propagandamännchen. Schon in den späten 1950ern hatten wir Jungs übrigens bei unserer dörflichen Kickerei nichts dagegen, dass sich ein begabtes, nicht wehleidiges Mädchen anschloss. Und heute gibt es im DFB Mädchen- wie Jungenteams, die bis zu einer bestimmten Altersstufe sogar gemeinsam antreten. Aus der F‑Jugend-Zeit meines Sohnes erinnere ich mich bewundernd eines beachtlichen weiblichen Talents, das manche Jungs alt aussehen ließ. Eine meiner Enkelinnen spielt Fußball.” Misogyn scheint der Herr Professor jetzt nicht unbedingt zu&nbsp;sein.</p>



<p>Der Qualitätsunterschied zwischen Fußball und Frauenfußball lässt sich gleichwohl nicht aufheben. Scholdt erinnert an die Binsenwahrheit, dass die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen im Fußball keine Frage der Gerechtigkeit ist, sondern eine von Angebot und Nachfrage. Im Schnitt verzeichne die Bundesliga der Frauen pro Spiel 1000 Zuschauer. „Ein einziger Drittligist wie Dynamo Dresden zählte in seinen Heimspielen 456.409 Zuschauer, das heißt rund 28 Prozent mehr als die ganze Frauenliga.“ Und alle Frauenförderung, die Etablierung von Fußballfunktionärinnen, weiblichen Fühungskräften in den Vereinen, Schiedsrichterinnen, Kommentatorinnen etc., die eine der letzten <em>Männerdomänenaufbrechen</em> sollen (bevor die Moslems oder die Faschisten hier wieder für Geschlechtertrennung sorgen), sind nicht imstande, das Gekicke der Schwestern als sogenannten Publikumsmagneten zu etablieren. Was die Holden aber keineswegs daran hindert, die Öffentlichkeit mit Klagen wegen ihrer angeblichen Unterbezahlung und ihres generellen, wahrscheinlich strukturellen Benachteiligtwerdens zu behelligen.</p>



<p>Ich rücke im Folgenden einen längeren Abschnitt aus dem Frauenfußballkapitel ein, der illustriert, mit welcher Hydra man es zu tun&nbsp;hat.</p>



<p>„Vielleicht sähen manche Frauenfußball-Gläubige die Dinge anders, wüssten sie, wie umfassend sie manipuliert werden, noch dazu in einer für die meisten schlicht unvorstellbaren finanziellen Dimension. Denn was angeblich Volkes Wille ist, wurde durch systematische politisch-kommerzielle Lobbyarbeit erst erzeugt – von weltumspannenden Organisationen bzw. Initiativen zur Durchsetzung von Gleichheitsdogmen. (…) Da gibt es ‚Feminist Futures for Football!?‘ (natürlich gegen jede Art von Diskriminierung), ‚Discover Football‘, ein ‚Frauen*-Fußball-Kultur-Festival‘ (seit 2017 Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund). Beide gestützt durch die Friedrich-Ebert-Stiftung sowie Politik und Wirtschaft. Die DFB-Kulturstiftung unterhält im höchsten Gremium die Arbeitsgemeinschaft Vielfalt und besoldet zusätzlich einen Botschafter dafür. Leiterin ist bezeichnenderweise die St.‑Pauli-Mitgliedin Claudia Wagner-Nieberding. Zur Agenda wurde die Initiative spätestens unter Merkel. Baerbock fördert ‚Discover Football‘, wobei überall ‚Geschlechterrollen aufgebrochen‘ oder demaskiert werden zugunsten von gelebter Diversität. Auch die Heinrich-Böll-Stiftung, die Linkspartei, VW und Claudia Roth sind im Frauenboot, oder Michelle Müntefering, die schon vor Jahren eine feministische Außenpolitik proklamieren&nbsp;half.</p>



<p>Die regelmäßig als DFB-Chefin ins Spiel gebrachte Katja Kraus, liiert mit der Ex-Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium Katrin Suder, erstrebt per Netzwerk einen Systemwechsel im deutschen Fußball. Das Ganze als Teil der neunköpfigen Feminismus-Initiative ‚Fußball kann mehr‘. Es geht um Frauenquoten in Sportgremien und Fan-Organisationen, ‚geschlechtergerechte, diskriminierungsfreie Sprache‘, ‚Sanktionierung jeder Form von Sexismus und Diskriminierung auch außerhalb des Platzes‘. Und schon sind wir bei Maulkörben und frau zeigt Krallen. Im Zeit-Interview vom Mai 2021 präsentierte sie ein ‚Diversity-Programm‘ als Teil des Lizenzierungsverfahrens der DFL. Das bedeutet schlicht: <em>Bundesligavereine, die sich nicht gendergerecht verhalten oder die Frauenquote ignorieren, riskieren Lizenzentzug </em>(Hervorhebung von mir – M.K.).</p>



<p>So viel Entschiedenheit imponiert natürlich Michael Horeni (<em>FAZ</em>-Sportredakteur, Physiognomisten klicken bitte <a href="https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&amp;sca_esv=9eeb101476a64b32&amp;sxsrf=ADLYWIJ5sEyJoeWf1SCodY6kg7peNGThkA:1715779033510&amp;q=michael+horeni&amp;uds=ADvngMhDNpEni0P7O0qvPcH0EAwumxtQ-hSSXehw81aU10yfH8IYrid9INSLAJslcyLflwONfjdpbIlXnD-Kp3qWuqB1vYxpEVyUb3ff9X42vSmD20eL-7DeIcDkS2zBE5bCQk-Qfj9JkoOJFBSRGnP7o0jDy6caZPhrwzSsFPk9neIVTDUcFH8v2YCu8tN2heAy39KyRCJyd9BhsHFPQ5x80Ocez3yOamBS8LA4sTrS7Ju_ECbOJXedwhComLIrk7gbkUnBn_xq&amp;udm=2&amp;prmd=invbz&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwidtrj-3o-GAxVq_7sIHRC_C8gQtKgLegQIDxAB&amp;biw=1352&amp;bih=692&amp;dpr=2">hier</a>): Kraus bringe alles mit, um den DFB zu führen. Im Fußball- und Sportbusiness habe sie längst ihr Talent bewiesen, unter anderem als geschäftsführende Gesellschafterin der Sportmarketing-Agentur Jung von Matt/sports oder als langjährige Aufsichtsrätin bei Adidas. Sie sei ‚eng vernetzt mit dem politischen und medialen Betrieb‘. Was wir gerne glauben, denn ohne solche Beziehungen fiele ihr Image oder Einfluss erheblich bescheidener aus. So kann sie denn auch, Verbindungen von Kommerz, Politik und Sport offenlegend, die weitere Förderung des Frauenfußballs als Gemeininteresse feiern: ‚Immer mehr Entscheider verstehen, dass es wichtig ist, nicht nur im Hinblick etwa auf die gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch weil es ein Gewinn für die Marke ist und somit das <em>Geschäftsmodell</em> stärkt.‘</p>



<p>Zu weiteren Aktivistinnen gehören Jana Bernhard, Claudia Neumann (ZDF), <em>ran</em>-Moderatorin Gaby Papenburg, Bibiana Steinhaus-Webb, die Aufsichtsratsvorsitzende von St. Pauli, Sandra Schwedler, Almuth Schult und die Bundesvorsitzende der Fan-Vereinigung Unsere Kurve, Helen Breit. Sie sind eng vernetzt mit dem Bündnis Aktiver Fußballfans, entstanden aus dem Bündnis antifaschistischer Fanclubs und Faninitiativen, zudem Teil des Netzwerks Football Against Racism in Europe. Die Vereinigungen sind in die Gremien der Fußballverbände integriert und beeinflussen DFB und DFL mehr, als einem lieb sein kann. Weitere Verbindungen bestehen zur Initiative F_in Netzwerk Frauen im Fußball, einer Vereinigung meist weiblicher Fans mit Wissenschaft und Medien. Kopf des Netzwerks ist Antje Hagel, eine radikale Feministin der 1980er, Ko-Autorin des Linkspamphlets ‚Tatort Stadion. Rassismus, Antisemitismus und Sexismus im Fußball‘.</p>



<p>Hinzu kommt das (von der Fußballerin Chantal Hoppe und dem ehemaligen Bundessprecher der Grünen Jugend Andreas Gebhard gegründete) DFB-nahe Netzwerk Female Football Academy als weitere Lobbygruppe für Frauenquoten und Gender. Unter gemeinsamer Berliner Adresse operiert die Newthinking Communications GmbH des Ex-Grünen-Funktionärs und ‚Netzaktivisten‘ Markus Beckedahl. Unterstützung aus dem grünen Milieu erhalten die Netzwerke zudem von Claudia Roth, die in zahlreiche DFB-Projekte eingebunden ist, unter anderem als Mitglied der DFB-Kulturstiftung. Ex-Weltmeisterin Ariane Hingst wiederum gehört zu den Gründerinnen eines Frauenfußball-Projekts bei Viktoria Berlin, in dem sich viele prominente Frauen engagieren, wie Franziska van Almsick, Maria Höfl-Riesch, Carolin Kebekus oder Dunja Hayali.“</p>



<p>Das einzig Kritikwürdige am Buch ist das Fehlen eines Registers. Dann hätte man die Opportunisten und Lobbyisten, Zertrümmerfrauen und Absahner*:_innen alle nachschlagegerecht beisammen.</p>



<p>In einem anderen Kapitel beschäftigt sich Scholdt, durch seinen Freizeitkickerhintergrund empirisch im Bilde, mit den Gewalttätigkeiten, die nicht erst seit den <em>Tagen des freundlichen Gesichts</em> im Amateurfußball immer häufiger hervorbrechen, sich in Schlägereien, Verletzungen, Angriffen auf Schiedsrichter, Polizeieinsätzen und Spielabbrüchen manifestieren und weniger der Politisierung dieses Sports geschuldet als vielmehr eine direkte Folge der Politik sind. Unter Politisierung fällt lediglich das offizielle Beschweigen des Problems.</p>



<p>Zuletzt ein Gedankenspiel. Der eine oder andere <em>Boomer</em> wird sich noch an Paul Breitner erinnern, der zur Zeit von Maos chinesischer Kulturrevolution „aus Spaß an der Provokation mit der <em>Peking Rundschau</em> posierte” (Scholdt). Wenn man das alte Photo <a href="https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&amp;sca_esv=625cbf2fb36fd98a&amp;sxsrf=ADLYWIJ5OD2xUfSWqSzMfULjA17eU545-Q:1714903051254&amp;q=breitner+mao+tse+tung&amp;uds=ADvngMgNG4qWEcyOv6mZ7d9R1NXiLSJkeOzyfZM5Wg_K-oHJWX-ADQOLnmJSuJcpMiYX2IkmZwSV9UkYIqHlSFTMtRiGV5Ze1jzY9O7TjchYEgY9rZaJlLrVeXkLWZUt_vqtr-7jYjU1frIgswXp5AxwqjuIEdnRo0ZVCISudjYtlkMTTOHZgWwAq4fHLf7YIwT2tamIMXgGSOBvb-KHKfcyaMuXa7kkCTq1CQ2omo_it4RWa_aUspbnQCTr-BlGjuo23T9A4QeR&amp;udm=2&amp;prmd=ivnbz&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwirtsbZn_aFAxWYYPEDHdxwCawQtKgLegQICxAB&amp;biw=1339&amp;bih=694&amp;dpr=2#vhid=SihjtCR80ezdDM&amp;vssid=mosaic">gugelt</a>, wird es noch delikater: Der „rote Paul” sitzt sogar unter einem Konterfei des größten Massenmörders der bisherigen Geschichte, was in der so linken wie entspannten BRD der 1970er Jahre niemanden kümmerte; es war ja nicht Hitler (oder Strauß). „Aber kein Bundestrainer überlebte es heute, wenn er sich öffentlich mit der <em>Jungen Freiheit</em> oder <em>Compact</em> erwischen bzw. fotografieren ließe”, notiert der Emeritus. Um zu ermessen, in welchem Maße sich diese Republik seit Breitners aktiven Zeiten in Richtung Gesinnungsstaat entwickelt hat, male man sich nur aus, der Leverkusener Spieler Florian Wirtz, Deutschlands momentan größtes Talent und teuerster Kicker, ließe sich unter einem Plakat von Björn Höcke (oder Donald Trump) ablichten oder spräche sich für die Wahl der Schwefelpartei aus: Der Gute dürfte niemals wieder in der Bundesliga oder für die Nationalmannschaft, nein: die „Mannschaft” auflaufen, die öffentliche Bestie würde seinen Kopf fordern, und Leverkusen könnte kaum noch rechtfertigen, den Gedankenverbrecher gegen eine hohe Summe ins Ausland abgeschoben zu&nbsp;haben.</p>



<p>Das ist der Stand der&nbsp;Dinge.</p>



<p></p>



<p class="has-large-font-size">Dieser Text erschien zuerst in den <a href="https://www.klonovsky.de/2024/05/18-mai-2024/?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR0YAw6boqQSch6Hr6kBdcJXfNJypxN2su8eYM0_O5vntOD-lHilhANNixk_aem_AWYxjsdfMfXM74wWrnQtcP6OtLdcTq-ZCquvGlAtwIAjNkKj6Lh6TzQB-D-zwQFP5TcC7TuuLpXG2RSFdbWBZSb1">Acta Diurna.</a><br>Wir danken Michael Klonovsky für die freundliche Erlaubnis zur Übernahme.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/fussball-war-unser-leben.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="672" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-672x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2517 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-672x1024.jpg 672w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-197x300.jpg 197w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-768x1171.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-1008x1536.jpg 1008w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover-1343x2048.jpg 1343w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2024/06/fussball-war-unser-leben-cover.jpg 1575w" sizes="auto, (max-width: 672px) 100vw, 672px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Günter Scholdt: Fussball war unser Leben</h2>



<p>Wie Kommerz und Politik die schönste Nebensache der Welt fast zerstörten</p>



<p>Milliarden auf der Erde stehen im Banne des Fußballs. Doch eine toxische Allianz aus Kommerz und Ideologie gefährdet die »schönste Nebensache der Welt« in ihrer Substanz. Von dieser Bedrohung durch Geschäftemacher, Politiker und ihre journalistischen Handlanger, die sich der Attraktivität des Fußballs parasitär bedienen, handelt dieses Buch. Seine politik- und medienkritische Ausrichtung wird von dem unabweisbaren Eindruck einer immer penetranteren Instrumentalisierung des Sports über aktuelle Global-Agenden bestimmt. Der soziologische Blick des Buches verbindet sich dabei mit persönlichen Einsichten des Verfassers als dem Fußball verfallener Schüler, jahrzehntelanger Amateurkicker und verschiedentlich Trainer, passionierter Club-Fan und leidgeprüfter Anhänger einer Nationalmannschaft, die zunehmend ihren Nimbus verspielt.</p>



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		<title>Erst Sprachumbau, dann Angriff auf die Lebenswelt!</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/erst-sprachumbau-dann-angriff-auf-die-lebenswelt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2022 10:56:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alles für alle? Bildungs-, Sozial- und Gesellschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2020 dechiffrierte Michael Esders das Sprachregime. Der smarte Totalitarismus globalistischer Eliten geht indes noch einen gravierenden Schritt weiter: Damit der Weltumbau gelingt, muss die alte &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/erst-sprachumbau-dann-angriff-auf-die-lebenswelt/">Erst Sprachumbau, dann Angriff auf die Lebenswelt!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image is-style-default">
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<p>2020 dechiffrierte Michael Esders das <a href="https://www.manuscriptum.de/sprachregime.html">Sprachregime</a>. Der smarte Totalitarismus globalistischer Eliten geht indes noch einen gravierenden Schritt weiter: Damit der Weltumbau gelingt, muss die alte Lebenswelt einer „neuen Normalität“ weichen. Diese neue Normalität soll auf erprobte kulturelle Bestände verzichten. Kann der Umbau dann aber überhaupt langfristig Bestand haben? Im Gespräch mit Manuscriptum klärt Michael Esders auf und warnt vor einem – zugegeben naheliegenden – Trugschluss.</p>



<p><strong>Manuscriptum: Lieber Herr Esders, Sie warnen in ihrem neuen Buch </strong><a href="https://www.manuscriptum.de/ohne-bestand.html"><strong><em>Ohne Bestand</em></strong></a><strong> vor einem „Absolutismus der Vernunft“. Wie meinen Sie das? Was vergessen jene, die annehmen, in der Politik stünden sich idealistische Ideologen und vernunftbegabte Pragmatiker gegenüber?&nbsp;</strong></p>



<p><strong>Michael Esders: </strong>Diese Warnung ist kein Plädoyer für einen neuen Irrationalismus. Im Gegenteil: Es geht mir in konservativer Perspektive um eine Verteidigung der abendländischen Rationalitätskultur. Gerade deren universellen Gehalte sind in einem hohen Maß eigentümlich, worauf unter anderem Max Weber hingewiesen hat. Sie sind „Bestand“ in dem Sinn, den ich in meinem Buch herausarbeite, und als solcher bewahrens- und verteidigenswert. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion, zur Kritik an unseren Traditionen und Überlieferungen, verdanken wir eben diesen Traditionen und kulturellen Beständen. Wohin die Preisgabe dieser Errungenschaften führt, erleben wir gerade schmerzlich.</p>



<p>&nbsp;„Idealistische Ideologen“ und „vernunftbegabte Pragmatiker“ sind Zuschreibungen, die den Grundkonflikt verfehlen. Die Philosophie im 20. Jahrhundert ist von einer radikalen Kritik an dieser Rationalitätskultur geprägt. Diese wird als repressiv, machtversessen und zutiefst mit Gewalt verstrickt kritisiert und verworfen. Dieses Motiv finden Sie bei ganz unterschiedlichen Denkern: Max Horkheimers Kritik der „instrumentellen Vernunft“ ist in dieser Hinsicht Martins Heideggers Kritik am „rechnenden Denken“ oder Jacques Derridas Kritik am „Logozentrismus“ nicht unähnlich. In allen Fällen entfaltet die Vernunftkritik das ganz große Panorama der Verworfenheit.</p>



<p>In jüngster Zeit erleben wir, wie eine maßlose Kritik und Selbstdekonstruktion in eine neue Megalomanie umschlägt. Die Postmoderne hatte das „Ende der Großen Erzählungen“ ausgerufen. Jetzt spricht Klaus Schwab, der Chef des <em>World Economic Forum</em>, vom „Great Narrative“ der Welttransformation. Diese angemaßte, mit höchsten Dringlichkeiten wie „Klimarettung“ ausgestatte Weltvernunft ist nicht nur bestandsvergessen, sondern auch absolutistisch und in der Tendenz totalitär.</p>



<p><strong>„Gehe von deinen Beständen aus, nicht von deinen Parolen“, meißelte Gottfried Benn in Stein. Das läßt sich nicht nur auf soziale Üblichkeiten anwenden, sondern verweist doch vor allem auch auf die natürlichen, materiellen Grundlagen des Lebens und Wirtschaftens. Der „Great Reset“ blieb ja bisher eine weitestgehend folgenlose Parole, weil unsere Gesellschaft sich nicht neu starten lässt, sondern weiter auf Öl, Gas, Kohle und konventionelle Energie-Erzeugung angewiesen ist. Überschätzen Sie deshalb nicht womöglich die ausgerufene Welttransformation und die „Weltvernunft“?</strong></p>



<p>Der Angriff auf die materiellen und wirtschaftlichen Grundlagen der Gesellschaft, wie er sich zum Beispiel in der bewusst provozierten Energiekrise immer deutlicher abzeichnet, steht nicht im Zentrum meines Buches. Mir geht es primär um die kulturellen, sozialen und geistigen Bestände – die gewachsenen Üblichkeiten der Lebenswelt, die schon erwähnte Rationalitätskultur, den welterschließenden Bedeutungsbestand der Sprache und letztlich die Maßgeblichkeit der Realität selbst. Wenn diese Ressourcen der Selbstverständlichkeit angetastet oder gar vernichtet werden, dann betrifft dies früher oder später auch die materiellen Reproduktionsbedingungen. Ein Beispiel sind die tief in den Alltag eingreifenden Corona-Maßnahmen mit „Social Distancing“, Maskenpflicht, schikanösen Nachweispflichten, Kontrollsystemen und Impfpflicht-Androhung: Wer sich über viele Monate, sogar Jahre teilweise existenzbedrohender staatlicher Willkür ausgeliefert sieht, von dem ist kaum mehr Loyalität gegenüber dem Staat und seinen Institutionen zu erwarten. Es wurde in einem hohen Maß Vertrauenskapital zerstört, was auch ökonomisch negativ zu Buche schlagen wird. Von psychischen und medizinischen Folgen der Maßnahmenpolitik ganz zu schweigen. Eine ganz ähnliche Beobachtung machte Rolf Peter Sieferle in Bezug auf das Migrationsproblem und die kulturelle Fragmentierung der Gesellschaft.</p>



<p>Ihren Befund, der „Great Reset“ sei nur eine folgenlose Parole, teile ich nicht. Die Welttransformations-Programme wie beispielsweise die Agenda 2030 der Vereinten Nationen sind real und werden vor unseren Augen ohne Rücksicht auf Verluste exekutiert. Ich meine nicht nur die Dekarbonisierung, die auf Deindustrialisierung hinausläuft, sondern vor allem auch die digitale Agenda: Digitales Zentralbankgeld, ein nur vorgeblich bedingungsloses Grundeinkommen, die Einführung einer digitalen Identität für alle und schließlich ein Sozialkreditsystem nach chinesischem Vorbild. Die „Pandemie“ war ein erster Testlauf für vergleichsweise primitive Prototypen, weitere werden folgen.</p>



<p><strong>Aber bei den Geschlechter-Dekonstruktivisten ist doch das Ende absehbar. Wenn sie sich nicht mehr fortpflanzen, setzen sich jene durch, die in ihrer Lebenswelt an der polaren Norm festgehalten haben. Als wie wahrscheinlich schätzen Sie es also ein, dass die Bestandsvergessenheit von Dauer ist?</strong></p>



<p>Auch die Dekonstruktion der Geschlechtsidentität wird weiter Fahrt aufnehmen. Der Gendersprech – eine Art Gesinnungsgrammatik – wird in immer mehr Bereichen der Gesellschaft entweder zum wichtigen Distinktionsmerkmal oder sogar obligatorisch. Der Kult der „queeren“ Identitäten ist ungebrochen, und das „Selbstbestimmungsgesetz“ schafft juristisch Fakten.</p>



<p>Ihre Prognose einer natürlichen Limitation nicht-binärer Lebensformen lässt die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin unberücksichtigt. Aber sie lässt eine interessante, typisch konservative Denkweise durchscheinen: Die Erwartung, dass keinen Bestand haben wird, was seine Bestände zerstört. Dass sich also sozusagen die Bestandslosigkeit selbst richtet. Aber genau das ist keinesfalls mehr ausgemacht. Nach der Zerstörung der gewachsenen Gewohnheitsgefüge – ein schöner Begriff von Arnold Gehlen – könnte die Sozialtechnologie das Vakuum füllen. Eine digitalpanoptisch auf Dauer gestellte Bestandslosigkeit: keine schönen Aussichten!</p>



<p><strong>Lassen Sie uns einmal die Sphären der Philosophie und weltgeschichtlichen Tendenzdeutung verlassen: Sie wollen Nahbeziehungen reaktivieren, Enklaven der Lebenswelt kultivieren und fordern einen „bestandsbewussten Widerstand“. Wie soll das konkret gelingen? Das eigene Smartphone zertrümmern, in ein Dorf ziehen und ein biedermeierliches Leben führen? Fehlt diesem Aussteiger-Ansatz nicht der Anspruch auf politisches Handeln?</strong></p>



<p>Wie aus konservativer Sicht ein richtiges Leben im falschen gelingen kann, hat David Engels in seinem Buch „Was tun?“ sehr konkret herausgearbeitet. Seine Empfehlung einer im Kleinen anzustrebenden Autarkie teile ich.</p>



<p>Was die Aussichten großer Widerstandsbewegungen angeht, bin ich sehr skeptisch. Ob Gelbwesten in Frankreich, Querdenker in Deutschland oder die Trucker-Proteste in Kanada – die Erfolge blieben aus. Ein Grund sind immer effektiver angewandte Repressionsmaßnahmen. Zudem hat die Masse als physische Formation stark an Macht verloren, weil der öffentliche Raum in der medialen Panfiktion an Bedeutung eingebüßt hat. Im Verbund haben Massenmedien und Digitalplattformen die Macht, selbst große Massenbewegungen in den toten Winkel der Aufmerksamkeit zu verbannen. Unter diesen Bedingungen ist es unmöglich, die Deutungshoheit über die eigene Bewegung zu erlangen und zu behaupten.</p>



<p>Die megalomanen Umbauprogramme und die Hybris ihrer planetarischen Ambitionen mit einem großen Gegenentwurf zu kontern, wäre weder konservativ noch zielführend. Das Bestandsbewusstsein bewährt sich im Nahbereich, kann sich nur dort bewähren. Das hat nichts mit Biedermeier oder Rückzug zu tun. Bestände sind niemals global oder universell, sondern räumlich begrenzt, arrondiert, am Eigenen ausgerichtet.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Die Verfechter der Welttransformation stempeln alle zu Extremisten, die auf der Maßgeblichkeit des historisch Gewachsenen und Bewährten beharren. Dabei sind diejenigen, die dessen natürliches Vorrecht ignorieren, selbst die gefährlichsten Extremisten.</p>



<p>Wer die Gewohnheitsgefüge gegen die An- und Übergriffe der Sozialtechnokraten in Schutz nimmt oder auch nur in seinem Habitus Bestandsbewusstsein verkörpert, lebt in Gegnerschaft – ob er will oder nicht. Dies bekamen alle zu spüren, die ihre Lebensform, ihren Alltag gegen die Zudringlichkeit der „Neuen Normalität“ behaupteten. Eine gute Schule übrigens für das, was uns erwartet. Auch wer für Familie in einem nicht beliebig diversifizierbaren Sinn einsteht oder die herrschenden Sprachcodes unterläuft, ist Stachel im Fleisch.</p>



<p><strong>Vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/ohne-bestand.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="637" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/650x1045_ohne-bestand-cover-637x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2449 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/650x1045_ohne-bestand-cover-637x1024.jpg 637w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/650x1045_ohne-bestand-cover-187x300.jpg 187w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/11/650x1045_ohne-bestand-cover.jpg 650w" sizes="auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Michael Esders: Ohne Bestand</h2>



<p>Angriff auf die Lebenswelt.</p>



<p>Die westlichen Gesellschaften zerstören ihre Bestände rückstandslos. Wo man lange Zeit noch Fahrlässigkeit im Transformationsrausch vermuten konnte, steht Vorsatz nun außer Zweifel. Das Hygieneregime seit 2020 und die „Neue Normalität“ im endlos verlängerten Notstand sind nur der verheerendste Angriff in einer langen Reihe.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Michael Esders: Sprachregime</h2>



<p>Die Macht der politischen Wahrheitssysteme</p>



<p>Michael Esders inspiziert das Schlachtfeld der Begriffe und Metaphern, das sich auf alle Lebensbereiche ausgeweitet hat. Der Literaturwissenschaftler dechiffriert die „Wahrheitssysteme“ (Michael Kretschmer) der deutschen Politik, die sich über alle diskursiven Gepflogenheiten hinwegsetzen. Er entziffert die Narrative der Willkommenskultur und des menschengemachten Klimawandels, in denen Haltungen über den Common Sense, Mythen über Theorien triumphieren.<br></p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/menschendaemmerung.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="637" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung-637x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2308 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung-637x1024.jpg 637w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung-187x300.jpg 187w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/05/650x1045_menschendaemmerung.jpg 650w" sizes="auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Leon Wilhelm Plöcks: Menschendämmerung</h2>



<p>Corona und die Große Transformation</p>



<p>In raschem Tempo vollzieht sich eine fundamentale Transformation von Mensch und Welt, die schon bald unumkehrbar sein könnte. Der im Zuge der Corona-Krise etablierte Ausnahmezustand dient einer technokratischen Weltelite als Trojanisches Pferd zur Durchsetzung einer Großen Transformation: der Vertreibung aus der realen in eine von kybernetischen Kontroll- und Steuerungsmechanismen beherrschte virtuelle Welt. Damit zieht eine noch nie dagewesene Form totalitärer Herrschaft herauf. In der neuen Normalität sollen menschliche Freiheit und Eigenverantwortung keinen Platz mehr haben.</p>



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<p></p>



<p></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Euro ohne deutsche Industrie.</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/der-euro-ohne-deutsche-industrie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Oct 2022 10:02:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über die Folgen des Sanktionsregimes. Von Michael Hudson. Die Reaktion auf die Sabotage an drei von insgesamt vier Nord Stream 1- und 2-Pipelines am Montag, &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/der-euro-ohne-deutsche-industrie/">Der Euro ohne deutsche Industrie.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Über die Folgen des Sanktionsregimes. <em>Von Michael Hudson</em>.</p>


<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-2398" width="512" height="342" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h-1024x683.jpg 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h-300x200.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h-768x512.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h-1536x1024.jpg 1536w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/imago0170047989h.jpg 1800w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>Quelle: Imago</figcaption></figure></div>


<p>Die Reaktion auf die Sabotage an drei von insgesamt vier Nord Stream 1- und 2-Pipelines am Montag, dem 26. September, konzentrierte sich auf Spekulationen über die Täter und die Frage, ob die NATO einen ernsthaften Versuch unternehmen würde, die Sache aufzuklären. Statt Panik stellte sich tiefe diplomatische Erleichterung, ja sogar Ruhe ein. Die Abschaltung der Pipelines beendete die Besorgnis in den Reihen der Diplomaten der Nato und der USA, die in der Woche vor den Anschlägen ein beinah krisenhaftes Ausmaß erreicht hatte, als in Deutschland große Demonstrationen stattfanden, bei denen ein Ende der Sanktionen sowie die Inbetriebnahme von Nord Stream&nbsp;2 gefordert wurden, um die Energieknappheit zu beheben.</p>



<p>Die deutsche Öffentlichkeit begann zu ahnen, was es bedeutet, wenn ihre Stahl-, Düngemittel-, Glas- und Toilettenpapierhersteller schließen müssen. Solche Unternehmen rechnen damit, daß sie ihr Geschäft einstellen oder es in die Vereinigten Staaten werden verlagern müssen, falls Deutschland die Handels- und Währungssanktionen gegen Rußland nicht aufgibt und nicht die Wiederaufnahme der russischen Gas- und Öleinfuhren zuläßt, die eine Rücknahme des astronomischen Preisanstiegs um das Acht- bis Zehnfache bedeuten würde.</p>



<p>Victoria Nuland, der Falke im amerikanischen Außenministerium, hatte jedoch bereits im Januar erklärt, daß Nord Stream&nbsp;2 so oder so nicht vorankommen werde, falls Rußland auf die zunehmenden ukrainischen Militärschläge gegen die russischsprachigen östlichen Oblaste reagiere. Präsident Biden bekräftigte am 7.&nbsp;Februar 2022 das Insistieren der USA [in Gegenwart von Bundeskanzler Olaf Scholz] und versprach, daß es „Nord Stream&nbsp;2 nicht geben wird. Wir werden dem ein Ende setzen. … Ich verspreche Ihnen, daß wir dazu in der Lage sein werden.“</p>



<p>Die meisten Beobachter interpretierten diese Aussagen schlicht als ein Beispiel für die offensichtliche Tatsache, daß die USA und die Nato die deutschen Politiker in ihre Tasche gesteckt haben. Diese weigerten sich, Nord Stream&nbsp;2 zu genehmigen, und Kanada beschlagnahmte bald darauf [vorübergehend] die Siemens-Turbine, die für die Durchleitung von Gas durch Nord Stream&nbsp;1 benötigt wurde. Damit schien die Angelegenheit erledigt, bis die deutsche Industrie&nbsp;– und eine wachsende Zahl von Wählern&nbsp;– schließlich auszurechnen begannen, was eine Blockade des russischen Gases für deutsche Industriebetriebe und damit für die Beschäftigung in Deutschland bedeuten würde.</p>



<p>Die Bereitschaft der Bundesrepublik, sich selbst eine wirtschaftliche Depression aufzuerlegen, begann zu wanken&nbsp;– allerdings weder unter den Politikern noch in den Reihen der EU-Bürokratie. Wenn die politischen Entscheidungsträger den Interessen der deutschen Wirtschaft und dem Lebensstandard der Bundesrepublik höchste Priorität einräumen würden, würden die gemeinsamen Sanktionen der Nato und die Front des neuen Kalten Krieges durchbrochen werden. Italien und Frankreich könnten dem Beispiel folgen. Eine derartige Aussicht machte es dringend erforderlich, die antirussischen Sanktionen der demokratischen Kontrolle zu entziehen.</p>



<p>Obwohl es sich bei der Sabotage der Pipelines um einen gewalttätigen Akt handelt, haben sich die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und der Nato wieder beruhigt. Es&nbsp;besteht nicht mehr die Gefahr, daß Europa sich von der US-Diplomatie abwendet, indem es den Handel mit Rußland und die auf Eis gelegten Investitionen aktiviert. Die Gefahr, daß sich Europa von den Handels- und Finanzsanktionen der USA und der Nato gegen Rußland lossagt, scheint auf mittlere Sicht gebannt zu sein. Rußland hat bekanntgegeben, daß das Eindringen von Salzwasser die Pipeline-Rohre irreversibel korrodieren lasse <em>(Der Tagesspiegel</em>, 28.9.2022).</p>



<p><strong>Wie steht es um die Zukunft von Euro und Dollar?</strong></p>



<p>Wenn man sich anschaut, wie folgenschwer sich das Verhältnis von US-Dollar und Euro verändern wird, kann man verstehen, daß die absehbaren Konsequenzen eines Abbruchs der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, Italien und anderen europäischen Volkswirtschaften auf der einen und Rußland auf der anderen Seite nicht offen diskutiert wurden. Im&nbsp;Ergebnis bedeutet das Ganze den deutschen und, ja, den europaweiten wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das kommende Jahrzehnt wird eine Katastrophe. Man mag sich noch so sehr darüber beschweren, wie teuer es Europa zu stehen kommt, daß seine Handelspolitik von der Nato diktiert wird, aber Europa kann nichts dagegen tun. Niemand erwartet (noch), daß es der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) beitritt. Man erwartet, daß der europäische Lebensstandard sinkt.</p>



<p>Die Exporte der deutschen Industrie und ihre Attraktivität für ausländische Investitionsströme stützten entscheidend den Wechselkurs des Euro. Der große Anreiz, für den Euro die D‑Mark aufzugeben, bestand für Deutschland darin, zu vermeiden, daß sein Exportüberschuß den Wechselkurs der D‑Mark in die Höhe treibt und deutsche Produkte von den Weltmärkten verschwinden. Die Ausweitung der Eurozone auf Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und andere Länder mit Zahlungsbilanzdefiziten verhinderte einen Höhenflug des Euro. Das schützte die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.</p>



<p>Nach seiner Einführung im Jahr 1999 zu einem Kurs von 1,12&nbsp;Dollar sank der Euro bis Juli 2001 auf 0,85&nbsp;Dollar, erholte sich jedoch und stieg im April 2008 auf 1,58&nbsp;Dollar. Seitdem ist er stetig gesunken, und seit Februar dieses Jahres haben die Sanktionen den Wechselkurs des Euro unter die Parität gedrückt, auf aktuell 0,97&nbsp;Dollar.</p>



<p>Das größte Defizitproblem sind die steigenden Preise für importiertes Gas und Öl sowie für Produkte wie Aluminium und Düngemittel, deren Herstellung einen hohen Energieeinsatz erfordert. Da&nbsp;der Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar sinkt, steigen die Kosten der europäischen Dollar-Schulden … und drücken die Gewinne.</p>



<p>Es geht nicht um eine Depression, bei der „automatische Stabilisatoren“ wirken könnten, um das wirtschaftliche Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Energieabhängigkeit ist strukturell. Erschwerend kommt hinzu, daß in der Eurozone das Haushaltsdefizit auf nur drei Prozent des BIP begrenzt ist. So&nbsp;wird verhindert, daß die nationalen Regierungen die Wirtschaft durch Defizitausgaben stützen. Höhere Energie- und Lebensmittelpreise&nbsp;– dazu der Schuldendienst in Dollar&nbsp;– werden dazu führen, daß viel weniger Einkommen für Waren und Dienstleistungen zur Verfügung steht.</p>



<p>Pepe Escobar wies am 28.&nbsp;September 2022 darauf hin, daß „Deutschland vertraglich verpflichtet ist, bis 2030 mindestens 40&nbsp;Milliarden Kubikmeter russisches Gas pro Jahr zu kaufen. … Gazprom hat einen gesetzlichen Anspruch darauf, auch ohne Gaslieferungen bezahlt zu werden. … Berlin bekommt nicht alles Gas, was es braucht, muß aber trotzdem zahlen.“ Es&nbsp;wird einen langen Rechtsstreit geben, bis das Geld den Besitzer wechselt. Und Deutschlands Zahlungsfähigkeit dürfte eher nachlassen.</p>



<p>Es mutet merkwürdig an, daß der US-Aktienmarkt am 28.&nbsp;September, zwei Tage nach den Sabotageakten, einen Anstieg des Dow Jones Industrial Average um über 500&nbsp;Punkte verzeichnete. Vielleicht hat das Plunge Protection Team [die Arbeitsgruppe des Präsidenten zu den Finanzmärkten] interveniert, um der Welt die beruhigende Nachricht zu überbringen, daß alles in Ordnung sei. Doch schon am drauffolgenden Tag gab der Aktienmarkt den größten Teil dieser Gewinne wieder ab, da die Realität nicht länger beiseite geschoben werden konnte.</p>



<p>Der Wettbewerb der deutschen Industrie mit den Vereinigten Staaten endet, was der US-Handelsbilanz zugute kommt. Auf der Kapitalseite wird die Abwertung des Euro allerdings den Wert der US-Investitionen in Europa und den Dollarwert der Gewinne, die sie noch erzielen können, verringern, da die europäische Wirtschaft schrumpft. Die von den multinationalen US-Konzernen gemeldeten weltweiten Gewinne werden sinken.</p>



<p><strong>Die Auswirkungen der US-Sanktionen und des neuen Kalten Krieges außerhalb Europas</strong></p>



<p>Die Fähigkeit vieler Länder, ihre Aus- und Inlandsschulden zu begleichen, war bereits an der Belastungsgrenze angelangt, bevor die antirussischen Sanktionen die Weltmarktpreise für Energie und Lebensmittel in die Höhe trieben. Der sanktionsbedingte Preisanstieg wurde durch den steigenden Wechselkurs des Dollars für fast alle Währungen noch verstärkt (ironischerweise mit Ausnahme des Rubel, dessen Kurs gestiegen ist, statt zu kollabieren, worauf die US-Strategen abgezielt hatten). Internationale Rohstoffe werden nach wie vor hauptsächlich in Dollar gehandelt, so daß seine Aufwertung die Importpreise für die meisten Länder weiter in die Höhe treibt.</p>



<p>Der steigende Dollar erhöht auch die Kosten für das Bedienen von Auslandsschulden in Dollar. Viele Länder Europas und des Globalen Südens kämpfen noch mit den Auswirkungen der Covid-Pandemie und haben jetzt schon die Grenze ihrer Fähigkeit erreicht, ihre auf Dollar lautenden Schulden zu bedienen. Nachdem die Sanktionen der USA und der Nato die Weltmarktpreise für Gas, Öl und Getreide in die Höhe getrieben haben und sich das Bedienen von Dollar-Schulden ebenfalls verteuert hat, können diese Länder es sich nicht leisten, das Lebensnotwendige an Energie und Nahrungsmitteln zu importieren, wenn sie gleichzeitig ihre Auslandsschulden bedienen müssen. Irgend etwas muß geschehen.</p>



<p>Am Dienstag, dem 27.&nbsp;September&nbsp;2022, vergoß US-Außenminister Antony Blinken Krokodilstränen, als er erklärte, daß ein Angriff auf die russischen Pipelines „in&nbsp;niemandes Interesse“ gewesen sei. Aber wenn dem wirklich so wäre, hätte sie auch niemand angegriffen. Was Mr.&nbsp;Blinken eigentlich sagen wollte, war: Stellt nicht die Cui-Bono-Frage. Ich erwarte nicht, daß die Ermittler der Nato über den Kreis der üblichen Verdächtigen hinausgehen, der von US-Beamten automatisch beschuldigt wird.</p>



<p>Die US-Strategen müssen einen Plan haben, wie sie weiter vorgehen wollen. Sie werden versuchen, eine neoliberalisierte Weltwirtschaft so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Auf Länder, die ihre Auslandsschulden nicht bezahlen können, werden sie die übliche Masche anwenden: Der IWF leiht ihnen das Geld&nbsp;– unter der Bedingung, daß sie das privatisieren, was von ihrem öffentlichen Eigentum, ihren natürlichen Ressourcen und anderen Vermögenswerten übriggeblieben ist, und es zur Schuldentilgung gegen Devisen an US-Finanzinvestoren und deren Verbündete verkaufen.</p>



<p>Wird das funktionieren? Oder werden sich die Schuldnerländer zusammentun und Wege finden, die Welt der erschwinglichen Preise für Öl und Gas, Dünger, Getreide und andere Nahrungsmittel sowie für Metalle und Rohstoffe, die von Rußland, China und ihren verbündeten eurasischen Nachbarn geliefert werden, wiederherzustellen, und zwar ohne jene US-amerikanischen „Auflagen“, die den europäischen Wohlstand vernichten?</p>



<p>Eine solche Alternative zu der von den USA entworfenen neoliberalen Ordnung ist die große Sorge der US-Strategen. Dieses Problem können sie nicht so leicht lösen wie die Sabotage von Nord Stream&nbsp;1 und&nbsp;2. Wahrscheinlich werden sie wieder den üblichen Ansatz wählen: militärische Interventionen und Farbrevolutionen&nbsp;– in der Hoffnung, die gleiche Macht über den Globalen Süden und Eurasien zu erlangen, die Amerikas Diplomatie über die Nato ebenso wie über Deutschland und andere Länder Europas erlangt hat.</p>



<p>Daß die antirussischen Sanktionen genau das Gegenteil von dem bewirkt haben, was sich die USA davon versprachen, gibt Hoffnung für die Welt von morgen. Die US-Diplomaten, die jene Länder ablehnen oder sogar verachten, die ihren eigenen wirtschaftlichen Interessen folgen, halten es für Zeitverschwendung und sogar für unpatriotisch, darüber nachzudenken, wie solche Länder ihre eigene Alternative zu den Plänen der USA entwickeln könnten. Die Annahme, die diesem Tunnelblick der USA zugrunde liegt, ist, daß es keine Alternative gebe&nbsp;– und daß, wenn niemand über eine solche Perspektive nachdenkt, sie undenkbar bleibt.</p>



<p>Wenn es keine internationale Zusammenarbeit gibt, um eine Alternative zu IWF, Weltbank, Internationalem Gerichtshof, Welthandelsorganisation und den zahlreichen UN-Organisationen zu schaffen, die heute von US-Diplomaten und ihren Stellvertretern im Sinne der USA und der Nato beeinflußt werden, wird sich die wirtschaftliche Strategie der finanziellen und militärischen Dominanz der USA in den kommenden Jahrzehnten so entfalten, wie Washington es geplant hat. Die Frage ist, ob es eine alternative neue Wirtschaftsordnung geben wird, die vor einem Schicksal schützt, wie es Europa 2022 für das kommende Jahrzehnt auferlegt worden ist.</p>



<p>******************************************************</p>



<p><em>Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Michael Hudson (*&nbsp;1939) ist u.&nbsp;a. Distinguished Research Professor an der University of Missouri–Kansas City, Finanzanalyst und Berater an der Wall Street sowie ein international gefragter wirtschaftspolitscher Kommentator. Sein Beitrag „The Euro Without German Industry“ erschien am 30.&nbsp;September&nbsp;2022 auf </em>unz.com.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/epochenwechsel.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/Sieferle-Epochenwechsel-722x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2371 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Rolf Peter Sieferle: Epochenwechsel</h2>



<p>Die Deutschen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert.</p>



<p>Band 1 der Werkausgabe: Rolf Peter Sieferles politisches Hauptwerk in einer vom Autor bearbeiteten, unveröffentlichten Fassung.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/jenseits-des-scheitelpunkts.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/Heinberg-Jenseits-681x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2373 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Richard Heinberg: Jenseits des Scheitelpunkts</h2>



<p>Richard Heinberg, einer der weltweit renommiertesten Autoren zum Thema „Peak Oil“, wendet sich einem der grundlegendsten Probleme der Menschheit zu – der fast völligen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und der Erschöpfung der wichtigsten lebensnotwendigen Ressourcen. Er läßt keinen Zweifel daran, daß es bei der Lösung dieser Probleme um Sein oder Nichtsein der Menschheit geht. Seine Diagnosen und seine Vorschläge erschüttern unsere gewohnte Lebensform, die davon ausgeht, daß alles jederzeit für jedermann in beliebiger Menge möglichst billig verfügbar ist. Ohne grundlegende Wende im Denken und Handeln, die auch schmerzhafte Einschnitte und Verzicht einschließt, kann es keine Zukunft geben.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/das-ende-des-wachstums-alte-konzepte-neue-realitaeten.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/Heinberg-Ende-des-Wachstums-677x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2372 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Richard Heinberg: Das Ende des Wachstums. Alte Konzepte &#8211; neue Realitäten</h2>



<p>Endlicher Planet – unendliches Wachstum?</p>



<p>Schonungsloser kann eine Epochendiagnose nicht sein: Ihre Kernaussage lautet: Mit dem Wirtschaftswachstum, wie wir es kennen, ist es aus und vorbei. Was für ein Frevel in einer Epoche, die nur eines zur Zukunftsbewältigung kennt – Wachstum!<br>Als Belege für seine Aussage nennt Heinberg drei Hauptursachen, die er ausführlich und in all ihren Verzweigungen zwingend diskutiert:</p>



<p>&#8211; Die Erschöpfung lebenswichtiger Ressourcen;<br>&#8211; die Zunahme negativer ökologischer Auswirkungen der Ausbeutung und Nutzung von Ressourcen und die daraus resultierenden Folgekosten;<br>&#8211; die Verwerfungen des Weltfinanzsystems, das nicht in der Lage ist, auf diese Entwicklungen angemessen zu reagieren, sondern sie eher noch verschärft.</p>



<p></p>



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<p></p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/der-euro-ohne-deutsche-industrie/">Der Euro ohne deutsche Industrie.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Merkels Minsker Murks. Wie die grüne Energiewende die Rußlandpolitik bestimmte.</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/merkels-minsker-murks-wie-die-gruene-energiewende-die-russlandpolitik-bestimmte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Sep 2022 08:43:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Energieverluste: Die industrielle Muskelatrophie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://import-msc.scharf-bestellt.de/?p=2364</guid>

					<description><![CDATA[<p>von Gérard Bökenkamp. In der Zeit der rot-grünen Koalition zwischen 1998 und 2005 betrieben die Grünen den deutschen Atomausstieg, und in den Jahren der Opposition &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/merkels-minsker-murks-wie-die-gruene-energiewende-die-russlandpolitik-bestimmte/">Merkels Minsker Murks. Wie die grüne Energiewende die Rußlandpolitik bestimmte.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>von <em>Gérard Bökenkamp</em>.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/msg711882526-23459-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2366" width="384" height="512" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/msg711882526-23459-768x1024.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/msg711882526-23459-225x300.jpg 225w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/msg711882526-23459.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px" /></figure></div>



<p><em>In der Zeit der rot-grünen Koalition zwischen 1998 und 2005 betrieben die Grünen den deutschen Atomausstieg, und in den Jahren der Opposition zwischen 2005 und 2021 waren sie die Speerspitze der Klimapolitik sowie des Ausstiegs aus der Kohleverstromung. Diese Politik hat die vielbeklagte „Abhängigkeit“ von russischem Erdgas bzw. von den Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2 überhaupt erst geschaffen. Darüber hinaus legt sich das Führungsduo aus Robert Habeck und Annalena Baerbock auf einen dezidiert anti-russischen und pro-ukrainischen Kurs fest. In diesem Widerspruch bewegte sich allerdings auch schon der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, der einerseits zu den Wortführern einer harten Linie gegen Moskau gehörte und gleichzeitig zu den Vorreitern der grünen Energiewende in der CDU. Der Transatlantiker Friedrich Merz wiederum will sich mit dem Festhalten an der Kernkraft aus der energiepolitischen Zwickmühle befreien. Eine strategisch-geopolitische Idee, die über derart kurzfristige Erwägungen hinausginge, hatte und hat allerdings niemand aus den Reihen unseres politischen Führungspersonals zu bieten.</em></p>



<p>Das Jahr 2000 war für die deutsche Energieversorgung und das deutsch-russische Verhältnis ein entscheidendes Datum. Damals wurde die „Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen vom 14. Juni 2000“ geschlossen, der „Atomkompromiß“. Am selben Tag traf der russische Präsident Wladimir Putin zu seinem ersten Staatsbesuch in Deutschland ein. Zu Beginn des Jahres hatte sein Vorgänger Boris Jelzin seinen Rücktritt erklärt und den Weg für den früheren KGB-Mann und Premierminister an die Spitze der Russischen Föderation frei gemacht. Nur sechs Wochen nach der russischen Präsidentschaftswahl betrat der neue Herr im Kreml deutschen Boden.</p>



<p>In demselben Maße, wie Deutschland seinen Energiemix aus Kernkraft und Kohle abwickelte, wuchs die politische Bedeutung Moskaus für die Bundesrepublik. Gerhard Schröder war das von Anfang an klar. Während die Grünen den Atomausstieg als Erfolg verbuchten, sich aber für die Konsequenzen nicht interessierten, machte der Industrie-Mann Schröder das Verhältnis zu Rußland zur Chefsache. Während der grüne Außenminister Joschka Fischer sich um Europa, Amerika und den Nahen Osten kümmerte, machte sich Schröder daran, mit Hilfe des Kreml die Energielücke zu schließen. Schon damals zeigte sich der Zusammenhang von „grüner“ Energiepolitik und enger deutsch-russischer Kooperation. Schon damals duckten sich die Grünen weg, wenn es um die außenpolitischen Konsequenzen der von ihnen betriebenen Energiepolitik ging. Immerhin, könnte man aus heutiger Sicht sagen.</p>



<p>Deutschland schlug einen nationalen Sonderweg ein, dem kein anderes Land der Welt folgen sollte: gleichzeitiger Ausstieg aus Kernkraft und Kohleverstromung. Angela Merkel war mit dem Versprechen angetreten, den rot-grünen Blindflug zu korrigieren. Im CDU-Wahlprogramm von 2009 hieß es: „Die Kernenergie ist ein vorerst unverzichtbarer Teil in einem ausgewogenen Energiemix.“ &nbsp;Im Herbst 2010 beschloß die CDU/CSU-FDP Regierung die Laufzeitverlängerung. Dieser Beschluß hielt jedoch nur wenige Monate. Die durch eine Naturkatastrohe entstandenen Schäden an dem neuntausend Kilometer entfernten Kernkraftwerk Fukushima brachten in Baden-Württemberg die Grünen an die Macht und bewegten Angela Merkel zu ihrer urplötzlichen 180-Grad-Wende. Statt aus dem Ausstieg auszusteigen, wurde er beschleunigt.</p>



<p>&nbsp;Zur Zeit des Schröderschen Atomkompromisses hatte die Kernkraft noch 30 Prozent des deutschen Stromverbrauchs gedeckt. Als Union und FDP im Jahr 2009 ihren Koalitionsvertrag unterschrieben, waren es immerhin noch 22 Prozent. Nach Merkels übereiltem Atomausstieg ging dieser Anteil bis zum Beginn des Ukrainekrieges auf elf Prozent zurück. Möglich war das nur, weil noch im November 2011, wenige Monate, nachdem der Atomausstieg beschlossen worden war, die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 in Betrieb zu nehmen. Die Abkehr von der Atomkraft war nur im Einvernehmen mit Rußland möglich.</p>



<p>Der fortschreitende Ausstieg aus der Kernkraft führt kurzzeitig zu einer Renaissance der Kohleverstromung, denn zunächst galt der Ausstieg aus beiden Energiequellen noch als illusorisch. Im Sommer 2018 gründete sich jedoch die die Bewegung „Fridays for Future“, und die Bundesregierung setzte eine Kommission ein, die einen Plan für den Ausstieg aus der Kohle erarbeiten sollte. &nbsp;Ebenfalls zu dieser Zeit begannen die Offshore-Arbeiten an dem Pipeline-Projekt Nord Stream 2. Damit entstand binnen eines Jahrzehnts eine ganz auf Rußland ausgerichtete Energieversorgung. Die Energiepolitik bestimmte seitdem zwangsläufig auch Deutschlands Haltung im Ukraine-Konflikt.</p>



<p>Zwischen den beschleunigten Atomausstieg im Sommer 2011 und das Ende der Kohleverstromung im Sommer 2018 fallen der Beginn des Ukraine-Konfliktes im Jahr 2014 und die sogenannten Minsker Abkommen I &amp; II: Angela Merkel mußte den Ukraine-Konflikt kurzfristig beruhigen, damit die Schwächen der „dümmsten Energiepolitik der Welt“ <em>(Wall Street Journal) </em>nicht offensichtlich wurden. Wäre der Konflikt schon damals eskaliert, wären Atom- und Kohleausstieg nicht möglich gewesen. „Minsk“ sollte vor allem die deutsche Energiewende absichern.</p>



<p>Natürlich barg der Ukraine-Konflikt von Anfang an ein erhebliches Eskalationspotential. Zum einen handelt es sich um einen Identitätskonflikt, in dem die russische Vorstellung von einer Schicksalsgemeinschaft zwischen Rußland und der Ukraine mit dem ukrainischen Nationalismus kollidieren, der sich gerade aus der Abgrenzung von Rußland speist. Zum anderen kollidierte die geopolitische Strategie der USA aus Nation Building und globaler Innenpolitik, die insbesondere von den US-Demokraten betrieben wurde, mit dem russischen Anspruch auf eine geopolitische Einflußsphäre im postsowjetischen Raum, oft als „nahes Ausland“ oder „russische Welt“ bezeichnet. Deutschland hätte sich entweder energiepolitisch von diesem Konfliktherd entkoppeln können, indem es auf Kernkraft und einheimische Kohle setzte, oder selbst zum geopolitischen Akteur werden müssen, um zu einer Sicherheitsarchitektur zu gelangen, die den Konflikt entschärfte und die Energieversorgung Deutschlands sicherstellte. Konnte oder wollte Deutschland diesen Weg nicht gehen?</p>



<p>Konstruktive Ansätze waren mit den Minsker Vereinbarungen durchaus gegeben: Erhalt der Ukraine als souveräner Staat bei gleichzeitiger Dezentralisierung des Staatsaufbaus sowie Autonomieregelungen für die russisch geprägten Landesteile im Osten. Dafür hätte das Abkommen aber in eine klare völkerrechtliche Form gegossen werden müssen, und das ist nicht geschehen. Darum war die Euphorie, mit der Merkel in den Himmel gelobt wurde, kaum gerechtfertigt.&nbsp; Der CDU-Bundestagsabgeordneten Karl-Georg Wellmann erklärte in der <em>Bild am Sonntag</em> sogar: „Wenn daraus ein nachhaltiger Frieden entsteht, wäre der Friedensnobelpreis für diese Leistung ein logischer Schritt.“</p>



<p>Wären die Minsker Vereinbarungen tatsächlich umgesetzt worden, wäre das zweifellos eine außerordentliche politische Leistung gewesen. Tatsächlich aber zeigte sich einmal mehr Merkels Hang, als Ersatz für dauerhaft tragfähige Lösungen die Probleme durch Flickschusterei in die Zukunft zu verschieben. Die Minsker Vereinbarungen wurden mit heißer Nadel gestrickt und sollten Moskau besänftigen, indem die russischen Forderungen in weiten Teilen übernommen wurden, ohne dabei Druck auf die Ukraine auszuüben. Zu diesem Zweck blieb der völkerrechtliche Status der Abkommen mit Bedacht unklar.</p>



<p>Für Rußland waren die Minsker Vereinbaren völkerrechtlich bindende Verträge, während die Ukraine darin nur einen „politischen Prozess“ sah – um die Vorgaben schlicht zu ignorieren. Im Gegenzug brandmarkte Moskau die Haltung der Ukraine als Bruch eines völkerrechtlichen Vertrages, was wiederum die eigene Interventionspolitik rechtfertigen sollte. Und die „Garantiemacht“ Deutschland tat nichts, um die Unklarheit aufzulösen. Auf eine kleine Anfrage der AfD-Fraktion antwortete die Bundesregierung im August 2021, daß es sich um einen „verbindlichen Plan“ handele, was beide Interpretationen zuließ. Um den Frieden zu sichern, wäre ein als verbindlich akzeptierter völkerrechtlicher Vertrag nötig gewesen, vergleichbar mit den Ostverträgen, welche die Regierung Brandt geschlossen hatte. Bei den Minsker Vereinbarungen ist dagegen sogar umstritten, ob seine Unterzeichner überhaupt befugt waren, ihre Regierungen zu vertreten.</p>



<p>Gemessen an den Ostverträgen der sozialliberalen Koalition sowie der Sorgfalt, mit der Willy Brandt und Egon Bahr damals zu Werke gingen und um jede einzelne Formulierung rangen, wird Merkels Minsker Murks besonders augenfällig. Die Eskalation sollte nicht verhindert, sondern auf die Zeit nach Merkels Kanzlerschaft verschoben werden. Das verbindet „Minsk“ mit der Eurorettung, dem „Flüchtlingsdeal“ mit der Türkei und eben der Energiewende, die allesamt den Keim langfristigen Scheiterns in sich trugen.&nbsp; Es war nur eine Frage der Zeit, wann der Bluff auffliegen würde.</p>



<p>Ohne russisches Erdgas keine deutsche Energiewende, ohne Energiewende keine Beschwichtigung der radikalen Klimabewegung. Ohne Beschwichtigung der Klimabewegung keine „asymmetrische Demobilisierung“, auf der Merkels „Erfolg“ einer sechzehn Jahre lang ziemlich unangefochtenen Kanzlerschaft beruhte. Für die deutsche Rußlandpolitik galt einmal mehr der Primat der Innenpolitik. Es ist Merkel einigermaßen gelungen, die Lecks im Staatsschiff so abzudichten, sodaß es erst sinken würde, wenn sie selbst nicht mehr auf der Brücke stehen würde. Nur wenige Monate haben die Vereinbarungen und die deutsche Energiepolitik ihren Abschied überlebt. Der Grundwiderspruch der grünen Politik ist unter dem Einfluß von Habeck und Baerbock inzwischen zu einem Dilemma der deutschen Politik geworden: Die grüne Energiewende, der neue heilige Gral, ist ohne das Gas aus dem mit Sanktionen belegten Rußland nicht möglich. Diese Zwickmühle hat die Ampel-Regierung nicht nur nicht behoben; mit dem Festhalten an Energiewende, Atomausstieg, Sanktionen gegen Rußland und Waffenlieferungen an die Ukraine treibt sie das Problem auf die Spitze. Wenn sich in den kommenden Monaten die Energiekrise massiv verschärft, wird sich zeigen, welch hohen Preis die Deutschen für die Illusionen der grünen Politik zu zahlen haben.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/epochenwechsel.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/09/Sieferle-Epochenwechsel-722x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2371 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Rolf Peter Sieferle: Epochenwechsel</h2>



<p>Die Deutschen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert.</p>



<p>Band 1 der Werkausgabe: Rolf Peter Sieferles politisches Hauptwerk in einer vom Autor bearbeiteten, unveröffentlichten Fassung.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Richard Heinberg: Jenseits des Scheitelpunkts</h2>



<p>Richard Heinberg, einer der weltweit renommiertesten Autoren zum Thema „Peak Oil“, wendet sich einem der grundlegendsten Probleme der Menschheit zu – der fast völligen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und der Erschöpfung der wichtigsten lebensnotwendigen Ressourcen. Er läßt keinen Zweifel daran, daß es bei der Lösung dieser Probleme um Sein oder Nichtsein der Menschheit geht. Seine Diagnosen und seine Vorschläge erschüttern unsere gewohnte Lebensform, die davon ausgeht, daß alles jederzeit für jedermann in beliebiger Menge möglichst billig verfügbar ist. Ohne grundlegende Wende im Denken und Handeln, die auch schmerzhafte Einschnitte und Verzicht einschließt, kann es keine Zukunft geben.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Richard Heinberg: Das Ende des Wachstums. Alte Konzepte &#8211; neue Realitäten</h2>



<p>Endlicher Planet – unendliches Wachstum?</p>



<p>Schonungsloser kann eine Epochendiagnose nicht sein: Ihre Kernaussage lautet: Mit dem Wirtschaftswachstum, wie wir es kennen, ist es aus und vorbei. Was für ein Frevel in einer Epoche, die nur eines zur Zukunftsbewältigung kennt – Wachstum!<br>Als Belege für seine Aussage nennt Heinberg drei Hauptursachen, die er ausführlich und in all ihren Verzweigungen zwingend diskutiert:</p>



<p>&#8211; Die Erschöpfung lebenswichtiger Ressourcen;<br>&#8211; die Zunahme negativer ökologischer Auswirkungen der Ausbeutung und Nutzung von Ressourcen und die daraus resultierenden Folgekosten;<br>&#8211; die Verwerfungen des Weltfinanzsystems, das nicht in der Lage ist, auf diese Entwicklungen angemessen zu reagieren, sondern sie eher noch verschärft.</p>



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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Am Rand der Schütterzone</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/am-rand-der-schuetterzone/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Sep 2022 08:28:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://import-msc.scharf-bestellt.de/?p=2359</guid>

					<description><![CDATA[<p>von Thomas Fasbender. „Nach einem etwaigen Ende der russischen Hegemonie über Osteuropa bliebe hier für Deutschland mithin nur das Schlimmste, was ihm überhaupt zu passieren &#8230; </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/am-rand-der-schuetterzone/">Am Rand der Schütterzone</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>von <em>Thomas Fasbender</em>.</p>


<div class="wp-block-image is-style-default">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/Barnick_Cover-653x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2379" width="327" height="512"/></figure></div>


<p>„Nach einem etwaigen Ende der russischen Hegemonie über Osteuropa bliebe hier für Deutschland mithin nur das Schlimmste, was ihm überhaupt zu passieren vermag: die konstitutionelle Einkreisung durch das erneuerte Bündnis von liberalem Westen und osteuropäischem Nationalismus.“ Der Autor dieses in den späten 1950ern geschriebenen Satzes war ein deutscher Privatgelehrter, ein Konservativer, der in keine Schublade zu passen scheint, am wenigsten in die des europäischen Nachkriegs-Enthusiasmus. Nicht wenig von dem, was Johannes Barnick (1916-1987) geschrieben hat, gilt heute zu Recht aus der Zeit gefallen. Anderes, wie der zitierte Satz zur Lage Deutschlands zwischen den Nachbarn Liberalismus und Nationalismus, zwischen Baum und Borke, bestätigt sich mit offenbarer Evidenz. Nicht, weil Barnick hellseherische Talente besessen hätte. Nein. Es war allein sein festverwurzelter Skeptizismus, der ihn an grundsätzlichen Wahrheiten festhalten ließ. Dazu gehört: Was immer der Fortschritt bringen mag, Geographie und Geschichte sind Tatsachen.</p>



<p>Sechs Jahrzehnte später erkennen wir, dass sich nichts geändert hat. Mit dem einen Unterschied: Der Zeitgeist und die herrschende Meinung in der Wissenschaft glauben nicht mehr an die Tatsächlichkeit von Geographie und Geschichte. Ihrer Ansicht nach bestimmen Abstraktionen das Verhältnis der Menschen und Staaten. Autonomie und Souveränität. Jedes Volk, jede Gesellschaft kann die Demokratie wählen (oder sich bringen lassen). Wenn es überhaupt noch Völker gibt&nbsp;– auch das ist umstritten. Wer Geographie und Geschichte und damit auch Herkunft und Tradition als Determinanten anerkennt, gilt als Kulturrelativist. In manchen Augen gibt es kaum Schlimmeres.</p>



<p>Setzt man sich darüber hinweg und beurteilt die europäischen Verhältnisse nach ihrer historischen Genese, so stößt man bald auf den Begriff Schütterzone. Selbst der dtv-Atlas zur Weltgeschichte verwendet ihn; entstanden ist er in der Zwischenkriegszeit nach 1918. In der Tektonik beheimatet, beschreibt Schütterzone die Gebiete, in denen Erdbeben die mächtigsten Verwerfungen hinterlassen. Wo geologische Strukturen verloren gehen, bricht der Stein. Dort verschwinden Städte und Dörfer.</p>



<p>Auf die Geschichte angewandt, beschreibt der Begriff die Gebiete des Kontrollverlusts und der Zusammenstöße. Der Klassiker ist das Land zwischen Ostsee und Schwarzem Meer. Das 19. Jahrhundert hindurch war es in den Strukturen Russlands, Preußens und der Doppelmonarchie aufgehoben (der äußerste Süden im Reich des Sultans). Mit dem Beben des Ersten Weltkriegs, den Pariser Vorortverträgen und den Konflikten der unmittelbaren Nachkriegszeit gewannen die Völker dieser auch Zwischeneuropa genannten Gebiete ihre Eigenstaatlichkeit&nbsp;– und Europa eine Schütterzone.</p>



<p>In Deutschland sind die Kenntnisse der Zwischenkriegsgeschichte von Aufstieg und Machtergreifung des Nationalsozialismus überlagert. Kaum jemand weiß von den Auseinandersetzungen zwischen Ungarn, Tschechen, Slowaken, Rumänen und Polen, von den faschistischen und protofaschistischen Bewegungen jener Jahre und jener Region. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs sorgten dann Stalin und die Sowjetunion für eine Befriedung des Raums östlich von Oder, Böhmerwald und Burgenland. Für ein halbes Jahrhundert schien es, als hätte es das Problem nie gegeben.</p>



<p>Nach dem Kalten Krieg nahmen die Westmächte sich Ostmitteleuropas an. Die EU- und NATO-Erweiterungen dienten auch der Vermeidung allfälliger ungarischer, polnischer und anderer Eigenwege. Inwieweit das erfolgreich war, wird sich weisen.</p>



<p>Mit dem Ukrainekrieg rücken die europäischen Machtgewichte entschieden Richtung Osten. Das Baltikum ruft nach Schutz und Abschreckung; Polen sieht seine Chance. Der wahrscheinliche Ausgang des Krieges&nbsp;– eine ukrainische Teilung in der einen oder anderen Form&nbsp;– treibt die Ukraine (was von ihr übrig ist) in die Arme einer polnisch-litauischen Allianz unter dem militärischen Schirm der Angelsachsen. Sollte die Ukraine siegen und ihr Territorium bewahren, gilt das erst recht.</p>



<p>Deutschland, hin und hergerissen zwischen dem Wunsch nach universaler Geltung liberaler Werte und einem gesamteuropäischen Frieden, steht am Straßenrand der Geschichte, kraftlos und machtlos. Frankreich, Italien und das übrige Westeuropa haben Besseres zu tun, als gordische Knoten in Ostmitteleuropa aufzudröseln. Dort dominieren die Folgen der Erderwärmung, die Migration aus dem Süden, soziale Spannungen. Aus der Schütterzone Zwischeneuropa wird schon mittelfristig ein mächtiger Riegel, der genau wie vor 500 Jahren zwischen Russland und dem Westen liegt.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/deutsch-russische-nachbarschaft-band-1.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/Barnick_Cover-653x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2379 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Johannes Barnick: Deutsch-russische Nachbarschaft</h2>



<p>Dieses Buch aus dem Jahre 1959 liest sich, als wäre es für heute geschrieben worden: ein außenpolitischer Traktat mit detaillierten Einblicken in die psychologischen, geopolitischen und machtphysikalischen Bedingtheiten der deutsch-russischen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart. Das aktuelle Thema des Privatgelehrten Johannes Barnick (1916–1987) ist, anders als der Titel verheißt, keineswegs die deutsch-russische »Nachbarschaft«, sondern vielmehr »Nachbarsnachbarschaft«. Denn zwischen Deutschland und Rußland gibt es die bekannte »Schütterzone« von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer als »ernstesten weltpolitischen Krisenherd«. Bereits vor über sechzig Jahren warnte Barnick weitsichtig davor, daß »ein Bündnis von liberalem Westen und osteuropäischem Nationalismus« für Deutschland eine neuerliche Einkreisung bedeuten würde – und darüber hinaus die Gefahr eines Dritten Weltkrieges.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/wladimir-w-putin-eine-politische-biographie.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="634" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-634x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2258 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-634x1024.jpg 634w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-186x300.jpg 186w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-768x1241.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-951x1536.jpg 951w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-1268x2048.jpg 1268w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover.jpg 1579w" sizes="auto, (max-width: 634px) 100vw, 634px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Thomas Fasbender: Wladimir W. Putin</h2>



<p>Die erste Putin-Biographie eines deutschen Autors seit mehr als zwei Jahrzehnten – weder pro noch contra, weder Anklage noch Verteidigung. Stattdessen eine klassische Biographie, gut lesbar erzähltes Leben. Der Großvater: Lenins Leibkoch in den Jahren nach der Revolution. Die Eltern: einfache Leute im zerschossenen Leningrad der Nachkriegszeit. Der Sohn: ein KGB-Offizier, den der Weltgeist aus obskurer DDR-Provinz ins höchste Staatsamt spült. Zahllos sind die Narrative und Deutungen, die sein Wirken begleiten. Aber haben sie das Rätsel gelöst? Wer ist der Mann, der Russland auf einen eigenen Weg gebracht hat? Der dem Selbstverständnis der Westeuropäer in die Parade fährt? Thomas Fasbender ist kein Verehrer und kein Verächter, er blendet nichts aus, nicht die Vorwürfe, nicht die Anschuldigungen, nicht die fundamentale Kritik. So wird die Biographie zum Spiegel des epochalen Konflikts, der mit Putins politischem Werdegang in eins fällt, und zum Porträt Russlands im Aufgang einer neuen Zeit.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/freiheit-statt-demokratie.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="492" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Freiheit-satt-demokratie_cover.jpg" alt="" class="wp-image-2257 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Freiheit-satt-demokratie_cover.jpg 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Freiheit-satt-demokratie_cover-183x300.jpg 183w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Thomas Fasbender: Freiheit statt Demokratie</h2>



<p>Russland ist ein Ärgernis. Zu diesem Schluss kommen die westlichen Eliten in Politik und Medien. Russland stört – spätestens seit der Ukraine-Krise 2014. »Russland-Versteher« ist zum Schimpfwort verkommen. Eindrucksvoll schildert Thomas Fasbender, wie anders Russland in der Tat ist. Anders als die westeuropäischen Vorurteile glauben machen und anders als das westeuropäische Ideal einer zeitgemäßen Demokratie.</p>



<p>In dreizehn abwechslungsreichen Kapiteln und vielen eindrucksvoll verdichteten Szenen erzählt Fasbender vom Alltag in Russland und von seiner dramatischen Geschichte. Er beschwört die Urtümlichkeit des riesigen Landes zwischen Ostsee und Pazifik, zwischen Arktis und Kaukasus, und er vermittelt intime Einblicke in die schicksalsgeprüfte Mentalität seiner Bewohner.</p>



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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.manuscriptum.de/allgemein/am-rand-der-schuetterzone/">Am Rand der Schütterzone</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.manuscriptum.de">Manuscriptum</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ukraine-Krieg: Wie geht es weiter?</title>
		<link>https://blog.manuscriptum.de/allgemein/ukraine-krieg-wie-geht-es-weiter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[supervisor]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Aug 2022 09:33:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Weltunordnung: Geopolitik, Postdemokratie und Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von Thomas Fasbender. Der Ukrainekrieg steckt in einer Phase strategischer Alternativlosigkeit; das gilt für die kriegführenden Parteien genauso für die Ukraine-Unterstützer im Westen. Ein „Weiter-so“ &#8230; </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>von <em>Thomas Fasbender</em>.</p>


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<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-1024x665.png" alt="" class="wp-image-2345" width="512" height="333" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-1024x665.png 1024w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-300x195.png 300w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-768x499.png 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-1536x998.png 1536w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/08/bild-fasbender-2048x1331.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /></figure></div>


<p>Der Ukrainekrieg steckt in einer Phase strategischer Alternativlosigkeit; das gilt für die kriegführenden Parteien genauso für die Ukraine-Unterstützer im Westen. Ein „Weiter-so“ charakterisiert die Agenden. In der westlichen Öffentlichkeit gilt jede Erwähnung von Verhandlungen als Gottseibeiuns des Defätismus. In der Ukraine schwimmt man auf der Welle erfolgreicher Nadelstich-Angriffe und partieller Rückeroberungen an der südlichen Front. In Rußland geht es stur um die Eroberung des Donbaß. Da Putin seine Kriegsziele opportunistisch den Möglichkeiten anpaßt, weiß man nur, dass es weitergeht – selten aber, wohin.</p>



<p>Man kann auch nicht sagen, ob Rußland bereit wäre, Cherson und die Gebiete rechts des Dnjepr dem ukrainischen Druck zu opfern. Gewiß ist nur, daß die Krim unter dem russischen Nuklearschutz steht. Das sollte bedenken, wer in Kiew oder im Westen fordert, die Ukraine mit militärischen Mitteln in den Grenzen von 2013 wieder herzustellen.</p>



<p>Wahrscheinlich ist, daß der Kreml schon im September 2022 in den eroberten Gebieten Volksabstimmungen über die Zugehörigkeit zu Rußland durchführen läßt. Nach einer Annexion könnte Moskau die russische Nukleargarantie dann auf die ost- und südukrainischen Gebiete ausdehnen.</p>



<p>Medien und Politik im Westen trommeln für die solidarische Unterstützung einer ukrainischen Siegstrategie. Deren Schwäche hat der Historiker Herfried Münkler schon im Mai 2022 diagnostiziert: Es gibt keine einheitliche Vorstellung von einem ukrainischen Sieg. Die USA wünschen sich eine dauerhafte Schwächung des russischen Störpotenzials. Das traditionell rußlandkritische Großbritannien zielt auf die Wiederherstellung der Ukraine 2013. Die Westeuropäer wünschen vor allem ein Ende der militärischen Auseinandersetzung.</p>



<p>Das Appeaser-Etikett, das den Deutschen und Franzosen trotz aller Lippenbekenntnisse anhängt, macht eine wirksame Friedensinitiative seitens dieser Länder unwahrscheinlich. Sie wird aber auch nicht aus den USA kommen. Der Deep State der US-Außenpolitik will den Konflikt, will ihn aber nicht eskalieren. Die USA haben mit China genug am Hut. Und die Briten sind nach dem Abgang des Bellizisten Boris Johnson erst einmal mit sich selbst beschäftigt.</p>



<p>Am wahrscheinlichsten sind Initiativen aus der Region: die beiden Kriegsparteien, Polen, Litauen, auch Belarus. Dort gibt es mehr Dialog als bekannt, und zwar über die Fronten und Grenzen hinweg. Auch Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.</p>



<p>Noch ist das Zukunftsmusik. Noch sind die Hoffnungen, auf dem Schlachtfeld Vorteile herauszukämpfen, allseits größer als das Vertrauen in einen möglichen Frieden oder Waffenstillstand. Mindestens bis zum Herbst wird das so bleiben.</p>



<p>Am Ende steht, ob wir wollen oder nicht, die Teilung der Ukraine. Rußland wird den Süden und Osten nicht hergeben. Wahrscheinlicher ist,daß Moskau auch diese Gebiete unter seinen Nuklearschutz stellt. Der Restukraine könnte eine polnisch-litauische Friedenstruppe, bilateral unterstützt von den USA, ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Der Westen steht dann vor der Wahl. Er kann diese Restukraine aufrüsten, in die NATO aufnehmen, sie vorbereiten für eine nukleare Restitution des Status quo ante 2013.</p>



<p>Oder auch nicht. Eine reale Option, die russischen Kräfte zurückzudrängen, sei es auf den Frontverlauf vor dem 24. Februar 2022, sei es auf die Grenzen von 2013, existiert nicht. Alle Sanktionen der Welt werden nicht bewirken, daß Rußland einen Siegfrieden zu seinen Ungunsten akzeptiert. Darin liegt der grundsätzliche Unterschied zur deutschen Lage von 1918 und 1945. Die Krim und den Donbaß könnte der Westen allenfalls um den Preis eines Atomkriegs heimholen.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/deutsch-russische-nachbarschaft-band-1.html"><img decoding="async" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/10/Barnick_Cover-653x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2379 size-full"/></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Johannes Barnick: Deutsch-russische Nachbarschaft</h2>



<p>Dieses Buch aus dem Jahre 1959 liest sich, als wäre es für heute geschrieben worden: ein außenpolitischer Traktat mit detaillierten Einblicken in die psychologischen, geopolitischen und machtphysikalischen Bedingtheiten der deutsch-russischen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart. Das aktuelle Thema des Privatgelehrten Johannes Barnick (1916–1987) ist, anders als der Titel verheißt, keineswegs die deutsch-russische »Nachbarschaft«, sondern vielmehr »Nachbarsnachbarschaft«. Denn zwischen Deutschland und Rußland gibt es die bekannte »Schütterzone« von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer als »ernstesten weltpolitischen Krisenherd«. Bereits vor über sechzig Jahren warnte Barnick weitsichtig davor, daß »ein Bündnis von liberalem Westen und osteuropäischem Nationalismus« für Deutschland eine neuerliche Einkreisung bedeuten würde – und darüber hinaus die Gefahr eines Dritten Weltkrieges.</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><a href="https://www.manuscriptum.de/wladimir-w-putin-eine-politische-biographie.html"><img loading="lazy" decoding="async" width="634" height="1024" src="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-634x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2258 size-full" srcset="https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-634x1024.jpg 634w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-186x300.jpg 186w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-768x1241.jpg 768w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-951x1536.jpg 951w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover-1268x2048.jpg 1268w, https://blog.manuscriptum.de/wp-content/uploads/2022/03/Cover.jpg 1579w" sizes="auto, (max-width: 634px) 100vw, 634px" /></a></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Thomas Fasbender: Wladimir W. Putin</h2>



<p>Die erste Putin-Biographie eines deutschen Autors seit mehr als zwei Jahrzehnten – weder pro noch contra, weder Anklage noch Verteidigung. Stattdessen eine klassische Biographie, gut lesbar erzähltes Leben. Der Großvater: Lenins Leibkoch in den Jahren nach der Revolution. Die Eltern: einfache Leute im zerschossenen Leningrad der Nachkriegszeit. Der Sohn: ein KGB-Offizier, den der Weltgeist aus obskurer DDR-Provinz ins höchste Staatsamt spült. Zahllos sind die Narrative und Deutungen, die sein Wirken begleiten. Aber haben sie das Rätsel gelöst? Wer ist der Mann, der Russland auf einen eigenen Weg gebracht hat? Der dem Selbstverständnis der Westeuropäer in die Parade fährt? Thomas Fasbender ist kein Verehrer und kein Verächter, er blendet nichts aus, nicht die Vorwürfe, nicht die Anschuldigungen, nicht die fundamentale Kritik. So wird die Biographie zum Spiegel des epochalen Konflikts, der mit Putins politischem Werdegang in eins fällt, und zum Porträt Russlands im Aufgang einer neuen Zeit.</p>



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